Ein Tag des Iwan Denissowitsch

Ein Tag des Iwan Denissowitsch

Softcover
3.737

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Description

Der Kurzroman „Ein Tag des Iwan Denissowitsch“, verfasst von Alexander Solschenizyn, erschien 1962. Es ist das erste Werk Solschenizyns und das erste Buch, das ein Beitrag zur Bewältigung der stalinistischen Vergangenheit liefert. Es ist ein erschütterndes Dokument des Leidens einer Generation und ein Kunstwerk von Rang. Der Autor beschreibt den Alltag eines stalinistischen Arbeitslagers und erzählt damit jahrelange eigene Erfahrungen. Es geht um einen wahllos gewählten Tag im Jahre 1951. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Häftling Nr. 854, der ehemalige Zimmermann Ivan Denisovic Suchov. Er ist ein einfacher Mann von bäuerlichem Denken. Acht Jahre sind bis zu diesem einen Tag vergangen, in denen Suchov im Arbeitslager gefangen ist. Der Tag ist ein Ausschnitt aus einem unendlich monotonen Zeitablauf. Der komplette Tagesablauf, vom aufstehen bis zum schlafen gehen, wird geschildert und es wird deutlich, dass es dem Häftling nur darum geht, irgendwie zu überleben. Suchov überlebt den Tag, weil er an das Lagerleben angepasst ist und seine Menschenwürde bewahren kann. Er ist kein Märtyrer, aber er veranschaulicht, wie ein Mensch sich in einem sinnlosen Dasein bewährt. Die Welt im Lager erscheint als geschlossener Mikrokosmos, denn über das Leben außerhalb erfährt man nichts. Die Zeit existiert losgelöst, ohne Vergangenheit und ohne Zukunft. Der Roman rief bei seinem Erscheinen in der Sowjetunion heftige Diskussionen hervor.

Book Information

Main Genre
Young Adult Books
Sub Genre
Educational material
Format
Softcover
Pages
128
Price
3.20 €

Posts

3
All
4.5

Solschenizyn hat kein Monument errichtet, kein Denkmal für die Opfer des GULAG, sondern etwas Schlimmeres: Er hat einen ganz gewöhnlichen Tag beschrieben — und damit alles gesagt.

Es ist der 22. Januar 1951, irgendwo in der sibirischen Steppe, die Temperatur liegt weit unter null. Iwan Denissowitsch Schuchow, Häftling der Brigade Nummer 104, wacht auf — und versucht, nicht krank zu werden. Nicht weil er Angst vor dem Tod hätte, sondern weil Kranksein bedeutet, zum Sanitätsdienst zu gehen, und wer zum Sanitätsdienst geht, verliert seine Essensration. So beginnt Alexander Solschenizyns Novelle, die 1962 in der sowjetischen Literaturzeitschrift Nowy Mir erschienen ist und anschließend ein literarisches Erdbeben hinterlassen hat. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten durfte in der Sowjetunion offen über den GULAG geschrieben werden, jenes Netz aus Straf- und Arbeitslagern, das unter Stalin Millionen Menschen verschluckt hatte. Solschenizyn selbst war acht Jahre lang Häftling gewesen, verurteilt wegen einer privaten Briefbemerkung über den „Schnurrbärtigen" ( gemeint war Stalin). Was er aus diesem Erlebnis erschuf, war kein Zeugenbericht oder politisches Pamphlet, sondern vernichtende Weltliteratur. Solschenizyn schreibt ohne Kapitel, ohne Überschriften oder erzählerische Pausen, welche den Morgen und Abend voneinander trennen würden. Der Text befindet sich in einem stetigen Fluss — genau so, wie ein Tag im Lager zerfließt: zäh, unaufhaltsam und ohne Gnade. Der Leser sitzt in Schuchows Kopf, folgt seinen Überlegungen, seinen kleinen Kalkulationen und Beobachtungen, ohne dieses geschlossene Bewusstsein je verlassen zu können. Und dieses Bewusstsein denkt nicht in Verzweiflung oder Empörung, sondern ausschließlich in Überleben. Das ist das eigentliche Meisterwerk dieser Erzählung: Schuchow klagt nicht, er analysiert. Er bewertet jede Situation nüchtern nach einem einzigen Maßstab: „Was bringt mir das, was kostet mich das?“ Wenn er an einem Ofen sitzen darf und sich für ein paar Minuten aufwärmt, ist das ein Glücksmoment; wenn seine Brigade eine bessere Ecke auf der Baustelle zugewiesen bekommt, ist das ein kleiner Sieg, und wenn er am Ende des Tages eine übrig gebliebene Essensration ergattert, dann kommt ihn ihm sogar so etwas wie Freude auf. Diese Verschiebung ist literarisch und moralisch gleichermaßen verstörend. Der Leser gewöhnt sich gemeinsam mit Schuchow an die desolaten Zustände im Lager. Er freut sich über dieselben armseligen Kleinigkeiten, die auch Schuchow ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern. Und dann, nach hundert Seiten, fährt der Leser hoch und denkt sich: Was mache ich da eigentlich gerade? Die Sprache selbst ist karg und präzise wie ein Werkzeug. Solschenizyn dramatisiert oder erklärt nicht, er berichtet. Wenn Wärter Häftlinge schlagen, formuliert er das in demselben Ton wie er das Wetter beschreibt. Wenn jemand im Lager verschwindet oder stirbt, wird das mit einer Beiläufigkeit erwähnt, mit der auch über verrottetes Holz gesprochen wird. Besonders eindringlich ist die Schilderung des Zusammenhalts in Schuchows Brigade. Diese Männer, darunter Kriminelle, Politische, Überlebende diverser sowjetischer Schlachtfelder, bilden eine Art Stammesgemeinschaft, in der man Brot teilt, einander beim Zählappell warnt und zusammenhält. Das Ganze geschieht nicht aus Sentimentalität, sondern aus Kalkül, weil man allein schlicht schneller stirbt. Dieser Zusammenhalt strahlt keine Wärme aus, wie man sie aus Kriegsromanen kennt, sondern ist pragmatisch, brüchig, und gerade deshalb so ergreifend: die rohste Form menschlicher Solidarität, destilliert auf den Satz „Ich helfe dir, weil ich dich brauche“. Das Erschreckendste an diesem Buch ist letztlich nicht das Grauen, sondern die Normalität des Grauens. Solschenizyn zeigt, wie der Mensch sich an das Unmögliche gewöhnt und wie das System des GULAG nicht nur Körper zerstört, sondern das innere Koordinatensystem verschiebt — was Würde ist, was Glück bedeutet, was einen guten Tag ausmacht. Schuchow nennt seinen Tag am Ende einen glücklichen: Er ist nicht gefoltert worden, nicht krank geworden, hat eine zweite Portion bekommen und konnte eine Sägeblättchen ins Lager schmuggeln. Das ist Solschenizyns eigentliches Urteil über das System: dass es Menschen dahin bringt, solche Tage als Glück zu empfinden. ‚Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch‘ ist kein Buch, das man schön findet oder gerne liest, aber eines, das man nicht so schnell wieder loswird. Solschenizyn hat kein Monument errichtet, kein Denkmal für die Opfer des GULAG, sondern etwas Schlimmeres: Er hat einen ganz gewöhnlichen Tag beschrieben — und damit alles gesagt.

Solschenizyn hat kein Monument errichtet, kein Denkmal für die Opfer des GULAG, sondern etwas Schlimmeres: Er hat einen ganz gewöhnlichen Tag beschrieben — und damit alles gesagt.
3.5

Mehr als ein Tag im Gulag

"Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" ist weit mehr als eine Erzählung aus dem Gulag. Solschenizyn beleuchtet meisterhaft, wie Systeme sich verselbstständigen und den Menschen zum bloßen Werkzeug degradieren. Ein eindringliches Plädoyer dafür, stets die Menschlichkeit zu wahren und die Machtstrukturen unserer eigenen Gesellschaften kritisch zu hinterfragen.

3

Mich hat es leider nicht abgeholt, auch wenn es schlimme Erlebnisse ganz nah schildert.

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