Die Uhr, die nicht tickt

Die Uhr, die nicht tickt

Softcover
4.328
ZeitgeistKinderlosigkeitFrauKinderwunsch

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Description

Unverrückbar steht die Front zwischen Müttern und Nicht-Müttern: "Man muss wahnsinnig sein, heute noch Kinder zu kriegen", hieß es im Januar 2014 in der FAS. Kurz darauf kam die Antwort: "Ruhe, ihr Jammerfrauen! Eure Ausreden zum Kinderkriegen sind narzisstisch und absurd." Dabei kann eine Frau heute frei zwischen verschiedenen Lebensmodellen wählen. Dennoch dominiert in unserer Gesellschaft noch immer die Vorstellung, dass potentiell alle Frauen den Kinderwunsch in sich tragen. Kein Kind zu wollen, gilt als unnatürlich, egoistisch oder feige. Sarah Diehl, Mitte 30 und selbst kinderlos, hat Frauen interviewt, die freiwillig keine Mütter sind. Sie hat erfahren, dass die Gründe vielfältig sind, Egoismus oder Narzissmus gehören nicht dazu. Ihr Buch ist das überfällige Plädoyer für eine vorurteilsfreie und zeitgemäße Einstellung zu Mutterschaft und weiblicher Identität.

Book Information

Main Genre
Self-Help & Non-Fiction
Sub Genre
Family & Health
Format
Softcover
Pages
272
Price
12.40 €

Author Description

Sarah Diehl lebt in Berlin. Sie arbeitet zum Thema »Reproduktive Rechte im internationalen Kontext«, drehte hierzu einen preisgekrönten Dokumentarfilm: ›Abortion Democracy: Poland/South Africa‹. 2014 gründete sie die Organisation Ciocia Basia, die Frauen dabei unterstützt, sichere Schwangerschaftsabbrüche zu bekommen. 2012 erschien ihr Roman ›Eskimo Limon 9‹ im Atrium Verlag, 2014 der Streitschrift-Bestseller ›Die Uhr, die nicht tickt‹ im Arche Literatur Verlag. Ihr aktuelles Sachbuch ›Die Freiheit, allein zu sein. Eine Ermutigung‹ erschien 2022 und wurde zum Presse- sowie Buchhandelserfolg. Sarah Diehl ist stets angetrieben von der Frage, wie das Selbstvertrauen und die Selbstbestimmung von Frauen in unserer Gesellschaft untergraben werden; sie ist eine der etabliertesten Stimmen zum Thema. Zusammen mit der Therapeutin Anna Schmutte bietet sie seit 2022 das Seminar ›Will ich Kinder?‹, zusammen mit der Kulturwissenschaftlerin Gunda Windmüller seit 2024 das Seminar ›Freischwimmerinnen‹ für kinderfrei lebende Singlefrauen an.

Posts

3
All
5

Schon 2014 erschienen, dennoch bis heute aktuell. Hat mir viel gegeben.

4

Wahnsinnig wertvolles, aufklärendes Buch. Es werden verschiedene strukturelle Probleme in Zusammenhang mit Kinderlosigkeit aufgezeigt.

4.5

"Der Mutterinstinkt ist ein politisches Instrument, mit dem ich mich nicht abkämpfen möchte."

Sarah Diehl beschäftigt sich mit der Frage wieso Menschen, insbesondere Frauen, sich entscheiden keine Kinder zu bekommen. Dabei wird mal wieder eins sehr deutlich: wir sind alle Opfer des Patriarchats. War es früher (bis zum 18. Jahrhundert) normal die Kinder in die Obhut von Lohnammen zu geben, damit die Frau selbst ihren eigenen Arbeiten nachgehen kann, so ist es Rosseau der 1762 die Meinung vertritt Kinder gehören zum Kind und es gebe einen Mutterinstinkt. Dieser Sichtweise schließen sich einige Männer an, sodass die Frau nach und nach von den Arbeiten auf dem Hof vertrieben und in die Haushalts- und Erziehungsarbeit gedrängt wurde. Auch im Jahr 2026 ist das nicht anders. Frauen leisten im privaten Kontext durchschnittlich 43,4 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer (Statistisches Bundesamt 2025). Sarah Diehl spricht in dem Kontext mit vielen verschiedenen Frauen. Sie wollte auch Männer zu dem Thema interviewen, er stellte sich dabei aber heraus, dass Männer eher nicht dem gesellschaftlichen Druck unterliegen Kinder zu bekommen. Bei Frauen wird das vorausgesetzt und mit Sätzen wie "das kommt schon noch" abgetan, sofern eine Frau den Nichtkinderwunsch äußert. Deutlich wird dabei auch, dass es zwei Lager gibt. Es gibt Frauen, die nie einen Kinderwunsch verspürt haben und es gibt Frauen, die kein Kind aufgrund diverser Umstände in diese Welt setzen wollen. Oft werden hierfür als Gründe die schlechte Familienpolitik, gerade in Deutschland genannt. Im europäischen Vergleich schneiden wir einfach schlecht ab. Frankreich z.B. unterstützt Mütter viel mehr und ermöglicht ihnen auch schneller wieder in die Lohnarbeit einzusteigen. Die Frauen identifizieren sich dort selten nur übers Mutter sein, während man in Deutschland das Gefühl hat, Frauen sollen zu Hause bleiben und sich nur um die kinder kümmern. Natürlich trifft das nicht auf alle Frauen und alle Familien zu. Fakt ist aber, dass wir das Konstrukt Mutterschaft und Familie zu eng denken. Es sollten Räume für alternative Familienkonzepte geschaffen werden, auch politisch. Solange das nicht so ist, werden sich vermutlich immer mehr Frauen dazu entscheiden eher kinderlos zu bleiben. Für mich ein sehr gutes Buch, was mich erneut darin bestärkt hat, keine Kinder zu gebären, weil ich das Konzept der Mutterschaft so wie sie in Deutschland gelebt wird, stark hinterfrage. Familien werden insgesamt auch einfach nicht unterstützt. Der Anreiz ist nicht da. Im Übrigen könnte sich Deutschland einen starken Anstieg der Geburtenrate überhaupt nicht leisten. Was an Kindergeldern gezahlt werden müsste, kann gar nicht mehr aufgefangen werden, weil ja auch die zuvor Kinderlosen fehlen, die massiv Steuern zahlen (siehe geteiltes Foto).

"Der Mutterinstinkt ist ein politisches Instrument, mit dem ich mich nicht abkämpfen möchte."
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