
"Der Mutterinstinkt ist ein politisches Instrument, mit dem ich mich nicht abkämpfen möchte."
Sarah Diehl beschäftigt sich mit der Frage wieso Menschen, insbesondere Frauen, sich entscheiden keine Kinder zu bekommen. Dabei wird mal wieder eins sehr deutlich: wir sind alle Opfer des Patriarchats. War es früher (bis zum 18. Jahrhundert) normal die Kinder in die Obhut von Lohnammen zu geben, damit die Frau selbst ihren eigenen Arbeiten nachgehen kann, so ist es Rosseau der 1762 die Meinung vertritt Kinder gehören zum Kind und es gebe einen Mutterinstinkt. Dieser Sichtweise schließen sich einige Männer an, sodass die Frau nach und nach von den Arbeiten auf dem Hof vertrieben und in die Haushalts- und Erziehungsarbeit gedrängt wurde. Auch im Jahr 2026 ist das nicht anders. Frauen leisten im privaten Kontext durchschnittlich 43,4 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer (Statistisches Bundesamt 2025). Sarah Diehl spricht in dem Kontext mit vielen verschiedenen Frauen. Sie wollte auch Männer zu dem Thema interviewen, er stellte sich dabei aber heraus, dass Männer eher nicht dem gesellschaftlichen Druck unterliegen Kinder zu bekommen. Bei Frauen wird das vorausgesetzt und mit Sätzen wie "das kommt schon noch" abgetan, sofern eine Frau den Nichtkinderwunsch äußert. Deutlich wird dabei auch, dass es zwei Lager gibt. Es gibt Frauen, die nie einen Kinderwunsch verspürt haben und es gibt Frauen, die kein Kind aufgrund diverser Umstände in diese Welt setzen wollen. Oft werden hierfür als Gründe die schlechte Familienpolitik, gerade in Deutschland genannt. Im europäischen Vergleich schneiden wir einfach schlecht ab. Frankreich z.B. unterstützt Mütter viel mehr und ermöglicht ihnen auch schneller wieder in die Lohnarbeit einzusteigen. Die Frauen identifizieren sich dort selten nur übers Mutter sein, während man in Deutschland das Gefühl hat, Frauen sollen zu Hause bleiben und sich nur um die kinder kümmern. Natürlich trifft das nicht auf alle Frauen und alle Familien zu. Fakt ist aber, dass wir das Konstrukt Mutterschaft und Familie zu eng denken. Es sollten Räume für alternative Familienkonzepte geschaffen werden, auch politisch. Solange das nicht so ist, werden sich vermutlich immer mehr Frauen dazu entscheiden eher kinderlos zu bleiben. Für mich ein sehr gutes Buch, was mich erneut darin bestärkt hat, keine Kinder zu gebären, weil ich das Konzept der Mutterschaft so wie sie in Deutschland gelebt wird, stark hinterfrage. Familien werden insgesamt auch einfach nicht unterstützt. Der Anreiz ist nicht da. Im Übrigen könnte sich Deutschland einen starken Anstieg der Geburtenrate überhaupt nicht leisten. Was an Kindergeldern gezahlt werden müsste, kann gar nicht mehr aufgefangen werden, weil ja auch die zuvor Kinderlosen fehlen, die massiv Steuern zahlen (siehe geteiltes Foto).


