Bolla

Bolla

Hardback
4.318

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Description

Wie lebt man ein Leben, das sich nicht nach dem richtigen anfühlt? Eine unmögliche Liebe vor dem Hintergrund des Balkankriegs: Zwei Männer auf der Suche nach Heimat und einem selbstbestimmten Leben.

Pristina, 1995: Arsim ist zweiundzwanzig und frisch verheiratet mit einer Frau, die ihm die Welt zu Füßen legt. Eine Welt, die jedoch mit jedem Tag gefährlicher wird, denn der Kosovo steht an der Schwelle zu einem grausamen Krieg. Als Albaner versucht Arsim in einer Atmosphäre der schleichenden Bedrohung, nicht aufzufallen und irgendwie sein Studium zu beenden. Doch dann trifft er Miloš, einen Serben. Und die zwei beginnen ein Leben im Verborgenen. Bis der Krieg Arsim zwingt, seine Familie und sich in Sicherheit zu bringen und alles zurückzulassen. Die Heimat, das Studium und den Mann, den er liebt.

»Bolla« erzählt davon, was es bedeutet, wenn das Zeitgeschehen ins Privatleben drängt, wenn eine ohnehin schon verbotene Beziehung sich mit noch unermesslicheren Gefahren auflädt und schließlich durch Krieg und Migration entzweit wird. Pajtim Statovci schreibt mit einer verstörenden Lebendigkeit von den »Folgen von Trauma, Scham und Angst« (Observer).

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
288
Price
22.70 €

Author Description

Pajtim Statovci, geboren 1990, ist ein finnisch-kosovarischer Schriftsteller. Mit zwei Jahren zog er mit den albanischen Eltern aus dem Kosovo nach Finnland. Er lebt in Helsinki und hat Vergleichende Literaturwissenschaft studiert. Statovci wird als Shootingstar und großer europäischer Autor von der internationalen Kritik euphorisch gefeiert, sein Werk ist vielfach ausgezeichnet. Für den Roman »Meine Katze Jugoslawien« erhielt er gemeinsam mit seinem Übersetzer Stefan Moster den Internationalen Literaturpreis des Haus der Kulturen der Welt. Derzeit arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität von Helsinki.

Posts

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All
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✨️ Highlight ✨️ Pajtim Statovci schreibt mit einer verstörenden Lebendigkeit von den Folgen von Trauma, Scham und Angst

„Bolla“ war für mich ein Zufallsfund und hat mich emotional komplett umgehauen. Dieses Buch geht unter die Haut und hallt noch lange nach. Der Roman beginnt im Jahre 1995 während der bereits bestehenden Unruhen zwischen Albanien und Serbien, die später zum Kosovo-Krieg führen. Arsim, ein Albaner, trifft auf Miloŝ, einen Serben. Es ist Anziehung auf den ersten Blick. Das alleine schon problematisch, hinzukommt jedoch noch, dass Arsim mit einer Frau verheiratet ist. Nichtsdestotrotz beginnen sie eine leidenschaftliche Affäre im Verborgenen. Doch die Lage im Land spitzt sich immer mehr zu. Schließlich flieht Arsim mit seiner Familie ins Ausland. Miloŝ bleibt alleine zurück. Als Serbe in Albanien. Die Handlung setzt Jahre später wieder an. Der Leser erfährt nach und nach was mit Arsim und seiner Familie sowie Miloŝ geschehen ist. Die Persepektiven wechseln aus Sicht der beiden Männer. Die Frage, ob sie wieder zueinander finden, bleibt allgegenwärtig. „Bolla“ ist keine Liebesgeschichte. Diese steht hier nicht im Vordergrund. Der Roman erzählt auf eindringliche und authentische, ehrliche und teilweise verstörende Art und löst viele Emotionen aus, sowohl gute als auch schlechte. Er umfasst eine ungeschönte Darstellung von Kriegsgeschehen, Diskriminierung und Rassismus, Flucht, Migration und psychische Traumata. Eine große Rolle spielen hier auch das Verhalten und das Wesen eines Menschen. Es werden außerdem Fragen aufgeworfen, die Träume und Wünsche, Religion, Schuld, Scham und Angst sowie Erhalt und dem Erfüllen von Traditionen beinhalten, die einen zum Nachdenken anregen. Das Buch hat mich gefordert. Die Geschehnisse waren nicht immer leicht zu verdauen. Aber auch herausgefordert. Allen voran Arsim. Er als Mensch und was ihn ausmacht. Er ist nicht mein Fall, um es deutlich zu sagen. Ich hatte meine Schwierigkeiten mit ihm. Und doch konnte ich mich gut in ihn hineinversetzen. Sympathisch wurde er mir bis zum Schluss trotzdem nicht. Ich habe jedoch meinen Frieden mit ihm geschlossen. Und das ist das Herausragende an diesem Roman. Der Autor schafft durch seine nahbare und teilweise bildhafte Sprache sowie direkte und detailgetreue Wortwahl den Leser die Persönlichkeit und die Art der Protagonisten verstehen zu lassen und ihr Verhalten durch ihre Augen nachvollziehbar zu machen, auch wenn die eigenen Moralvorstellungen komplett dagegen sprechen. Nicht nur Arsim, auch alle anderen Beteiligten sind so spürbar, fühlen sich nah an und wirken unglaublich authentisch. Wie eben aus dem echten Leben gegriffen. Pajtim Statovci gelingt es hier wunderbar den Menschen in all seinen Facetten aufzuzeigen. Ungefiltert. Auch auf die Gefahr hin, dass ein Protagonist unsympathisch wird. Das Spielen hier mit Antipathie und Sympathie ist meiner Meinung nach richtig gut gelungen. Ich hab Arsim so oft nicht gemocht und mich geweigert ihn zu verstehen, und habe trotzdem ein gewisses Mitgefühl für ihn aufbringen können. Genau das hat mit sehr gefallen. Echt wirkende und fühlbare Charaktere, die einen herausfordern und auffordern über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, sich in den Menschen hineinzuversetzen, auch wenn sein Verhalten den eigenen Werten und Normen komplett wiederspricht. Gut heißen muss man es am Ende trotzdem nicht. Jedoch erweitert das Aufzeigen, dass nicht alles schwarz oder weiß ist, hinter jedem Verhalten eine Geschichte und Erfahrung steckt den eigenen Horizont. Und hier ist die Mischung der zwischenmenschlichen Identifizierung gut geglückt. Ich liebe das! „Bolla“ ist kein einfacher Roman. Aber ein radikal ehrlicher und authentischer. Einer, der das wahre Leben aufzeigt und lange im Kopf bleibt. Für mich ein rundum gelungenes Buch und ein absolutes Highlight. Es war mein erstes Buch des Autors, wird jedoch definitiv nicht das letzte gewesen sein. Ganz große Empfehlung! Zitate: „Er geht ein kleines Stück vor mir her, und plötzlich greife ich nach seiner Schulter, wie ein Wahnsinniger, mitten in der Eingangshalle der Bibliothek, genauso, vollkommen entgegen meiner Natur, ohne zu überlegen, in der Menschenmenge, die dem Gebäude entströmt, im Herzen eines ins klebrig Warme gekippten Nachmittags fasse ich ihn allen Ernstes an, und er bleibt stehen, und erst einen Moment später dreht er den Kopf, schaut zuerst auf meine Hand auf seiner Schulter, auf meine Fingerspitzen, die auf dem Bogen seines Schlüsselbeins ruhen, und dann auf mich, und während dieses kurzen Zeitraums bin ich ganz und gar ein anderer Mann – so lebendig, denke ich, so lebendig bin ich noch nie gewesen. Er ist Serbe, und ich bin Albaner, und darum sollten wir Feinde sein, aber jetzt, da wir einander berühren, steht nichts zwischen uns, was dem anderen ungewöhnlich oder fremd wäre, und ich habe das unerschütterliche Gefühl, wir beide, wir sind nicht wie die anderen, und dieses Gefühl trifft mich so stark, so undurchdringlich deutlich, dass es wie eine von oben gesandte, für mich geschriebene Botschaft ist; …“ „Nachdem ich mich auf dem Bettrand niedergelassen habe, beeile ich mich sofort, das Licht wieder zu löschen, ich ziehe die Vorhänge zu und lasse dann die Scham und die Reue ihr Werk verrichten: meine Innereien zerfressen, meinen Kopf gegen Decke und Boden schlagen, die bedingungslosen, von der nächtlichen Wand sich lösenden Worte wiederholen, die wir in den schlimmsten Stunden zu uns selbst sagen, die hässlichsten von allen, die man nur zu sagen wagt, wenn die übrige Welt schläft. Diese Nacht ist die barbarischste meines Lebens, und nicht einmal dem bösesten Mann wünschte ich, eine solche zu verbringen.“

✨️ Highlight ✨️

Pajtim Statovci schreibt mit einer verstörenden Lebendigkeit von den Folgen von Trauma, Scham und Angst
5

Roman über eine unmögliche Liebe

Während des Kosovo Krieges verliebt sich ein Serbe, der in Prishtina studiert, in einen Albaner. Homosexualität ist natürlich an sich in Kosovo ein Tabu und die binationale Liebe ebenso. Es zerreißt einem das Herz die Story zu lesen und doch lernt man so viel über Kosovo, Homosexualität und das Leben an sich. Große Literatur, poetische Sprache .

5

“...the sensation as I kiss his neck, the person I am as I smell his hair, the gazes we cast upon each other, the taste of beer left on the balcony table, the way our lips touch right there in the flames of the fading evening, it will never end, even if there's nothing left of it by morning.” (65) Wenn ihr euch die tragischste Liebesgeschichte aller Zeiten vorstellen müsstet, dann denkt ihr, wenn ihr “Bolla” von Pajtim Statovici (aus dem Finnischen ins Englische übersetzt von David Hackston) gelesen habt, bestimmt nicht mehr an Romeo und Julia, sondern nur noch an Miloš und Arsim! Eine extrem tragische, unendlich traurige Liebesgeschichte mit zwei “star-crossed lovers”, die mir für immer in Erinnerung bleiben werden. Sie lernen sich zur falschen Zeit am falschen Ort kennen - oder war es genau der Richtige, weil sie sich woanders nie kennengelernt hätten? Pristina, Kosovo, 1995. Ganz Kosovo ist besetzt von serbischen Truppen, der Krieg lauert am Horizont, viele Albaner fliehen aus dem Land, das keine Zukunft mehr zu verheißen scheint. Auch der 25-jährige Student der Geisteswissenschaften, Arsim, ist Albaner. In einem Café lernt er den ein Jahr jüngeren Medizinstudenten Miloš kennen - einen Serben. Sie verlieben sich ineinander und beginnen eine heimliche Beziehung. Nicht nur ist Homophobie im damaligen zerrütteten Jugoslawien allgegenwärtig, auch die Feindschaft und die alltäglichen Spannungen zwischen Albanern und Serben befinden sich auf einem Höhepunkt. Zudem kommt, dass Arsim frisch verheiratet ist und seine Frau Ajshe ein Kind erwartet. Doch die Anziehung von Miloš und Arsim ist stärker als alle Widerstände und sie genießen den einen Sommer, der ihnen vergönnt ist. Bis sich ihre Wege wieder trennen - für immer? Der Text ist heftig. Die genauen Beschreibungen des Massakers von Zivilisten im Krieg sind definitiv nichts für sensible Gemüter und ich musste diese Stellen ein wenig “überlesen”, um nicht in eine extrem depressive Stimmung zu verfallen. “Bolla” ist zum einen ganz klar ein Antikriegsroman. Er zeigt, wie Krieg und die daraus resultierenden Traumata einen Menschen - in diesem Fall Miloš - zerstören können, so dass er nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Das Beispiel von Arsim zeigt, was Entwurzelung und das Leugnen der eigenen Identität mit einem machen. Er, aus dessen Ich-Perspektive das Geschehen erzählt ist (von Milos gibt es immer wieder zwischengeschaltete Textpassagen), ist kein sympathischer Protagonist. Und das ist besonders bezeichnend, denn einen Antihelden zu erschaffen, mit dem sich die Lesenden dennoch identifizieren können, ist definitiv kein Kinderspiel. Arsim ist egoistisch, weil er ein Doppelleben führt. Er ist gewalttätig gegenüber seiner Frau und seinen Kindern. Er hat oft Gedanken, die nicht gerade menschenfreundlich sind. Er möchte eigentlich nur Schriftsteller und mit Miloš zusammen sein, er kann und darf es aber nicht. Die Tragik dieses Lebens, das er führt, ist abgrundtief und schwer zu ertragen - auch für die Lesenden. Trotz der Schwere der Thematik mochte ich dieses Buch, denn es ist einfach brillant. Das Motiv der Schlange (Bolla) bzw. des verlorenen Paradieses zieht sich leitmotivisch durch den Roman (man denke nur an Miloš’ Leidenschaft für Äpfel) und macht es auch für semiotisch interessierte Lesende sehr interessant. Die klare und dennoch poetische Prosa hat mir unglaublich gut gefallen, natürlich auch mit ein Verdienst des Übersetzers. Ich möchte jetzt unbedingt noch mehr von Pajtim Statovici lesen, vielleicht auch die Sachen, die bereits auf Deutsch übersetzt wurden. “Bolla” ist bislang (Juni 24) nur auf Englisch erhältlich. Triggerwarnungen: Krieg, Beschreibungen von extremer Gewalt, Inzest, Missbrauch, Homophobie, psychische Krankheit, etc.

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