Sie wollen uns erzählen

Sie wollen uns erzählen

Hardback
3.827

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Nach »Wovon wir leben« erzählt Bachmannpreisträgerin Birgit Birnbacher in ihrem neuen Roman sensibel und literarisch vom Umgang mit Neurodivergenz Oz ist anders, er hat ADHS und tut sich schwer in der Schule, aber diesmal ist ihm etwas wirklich Blödes passiert. Auf dem Heimweg wünscht er sich deshalb zumindest eine kleine Katastrophe, die seine Mutter von dem Brief der Lehrerin, den er ihr geben muss, ablenken würde. Als Oz nach Hause kommt, ist Ann – auch sie ausgestattet mit einem flirrenden Nervenkostüm – nicht wie vermutet in Zeugnis-Feierlaune, sondern es ist tatsächlich etwas passiert. Die Zilly-Oma, die in den Bergen lebt, ist weg … Intensiv, humorvoll und mit großer Empathie erzählt Birgit Birnbacher von der Liebe einer Mutter, die mit sich und gegen andere kämpft, um ihr Kind gegen die Zuschreibungen von außen zu verteidigen – und sei es letztlich mit dem Erzählen selbst. Ein Roman über die Chancen, die der Wildwuchs im Denken eröffnet. Haben die, die sich nicht anpassen können, unserer überreizten Natur und Umwelt womöglich tatsächlich etwas entgegenzusetzen? »Birgit Birnbacher beherrscht sie noch, diese älteste und edelste Kunst: das lebendige Erzählen als seelenrettende Maßnahme.« Clemens J. Setz

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
224
Price
24.70 €

Author Description

Birgit Birnbacher, geboren 1985, lebt als Schriftstellerin in Salzburg. Ihr Debütroman »Wir ohne Wal« (2016) wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung ausgezeichnet, darüber hinaus erhielt sie zahlreiche Preise und 2019 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Romane »Ich an meiner Seite« (2020), »Wovon wir leben« (2023) und »Sie wollen uns erzählen« (2026).

Posts

13
All
4

Was ist auf jeden Fall interessant geschrieben

Kennst du Bücher, die sich irgendwie besonders anfühlen beim Lesen? 🤍🌻 Das Buch von Birgit Birnbacher ist definitiv so ein Buch. Der Schreibstil ist besonders. Es fühlt sich schon etwas so an, als würde man direkt in den Gedanken von jemandem mit ADHS stecken. Sehr sprunghaft, intensiv, verwirrend und manchmal auch chaotisch. Ich konnte mich da tatsächlich in einigen Momenten wiederfinden, aber ich glaube auch, dass das nicht für jeden etwas ist. Man braucht ein bisschen Geduld, um in die Geschichte reinzukommen und um dranzubleiben. Die Geschichte selbst war für mich nicht ganz mein Setting, aber trotzdem hat sie mich auf eine gewisse Art gepackt. Vor allem, weil sie sich einfach sehr ehrlich anfühlt. Nichts wird beschönigt, das mochte ich. Die Beziehung zwischen Oz und seiner Mutter fand ich richtig gut dargestellt. Man merkt die Spannungen und die Überforderung, aber eben auch die Liebe und den Zusammenhalt. Das wirkte für mich sehr echt. Mit Zäzilia bin ich leider gar nicht warm geworden. Ich konnte ihre Handlungen bis zum Schluss oft nicht so richtig nachvollziehen. Am Ende blieben für mich auch noch einige Dinge offen. Klar kann man sich vieles selbst zusammenreimen, aber bei manchen Punkten hätte ich mir einfach noch mehr Auflösung gewünscht. Trotzdem ist es ein besonderes Buch, auf das ich mich gerne eingelassen habe. Nicht perfekt für mich, aber definitiv etwas Eigenes und Authentisches. Schau dir gerne die Leseprobe an, um herauszufinden, ob der Schreibstil etwas für dich wäre.

4.5

Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher, Hanser Verlag Ann und Oz, ihr Sohn, der die dritte Schulklasse besucht, leben in der Schweiz. Um für die weitere Schullaufbahn eine Qualifikation zu erhalten, wird der lebendige Junge, der Konzentrationsprobleme hat, getestet. Dabei kommt heraus, dass er, ebenso wie seine Mutter, ADHS hat. Der Vater lebt inzwischen in Wien, weil er das nicht aushält. Der Roman beginnt mit dem Ereignis in der Schule, bei dem der Hase stirbt. Abwechselnd erzählt nun die Autorin die Vergangenheit und dazwischen die aktuellen Ereignisse. Hierbei wechselt die Erzählung in sehr kurzen Sequenzen zwischen Ann und Oz. Das ist sehr gut gemacht. Man fiebert richtig mit. Brigitte Burnbacher gelingt es, dass nun die Not der beiden spürt und Mitleid empfindet. Man sieht den Berg an Problemen und hat keine Idee, woher Hilfe kommen kann. Die Charaktere sind glaubhaft und richtig gut beschrieben. Die Autorin kann sehr gut die Zerrissenheit zwischen "normal sein" und mit der Andersartigkeit leben, darstellen. Dazu nutzt sie die Empfehlungen und Gedanken von Ann und Oz. Das ist ausgezeichnet gelungen. Die Entwicklung bis hin zum Ende haben mir gefallen, realistisch, glaubhaft, passend zur Problematik. Die Vergleiche und Metaphern sind passend gewählt. Der Schreibstil ist flüssig, abwechslungsreich, aussagekräftig und zwischendrin immer wieder mit herrlichem Humor gewürzt. Auch der Wechsel in kurzen Abschnitten und den Einschüben aus der Vergangenheit unterstreichen die Rast- und Ruhelosigkeit, in der beide leben. Mir hat der Roman gefallen. Die Sprache ist besonders, der Erzählstil was fesselnd und anregend. Ich habe das Buch nicht am Stück, sondern in Abschnitten gelesen, so konnte der Text sich gut entfalten. Vielen Dank an NetGalley und den Hanser Verlag für die Bereitstellung dieses eBooks. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

5

YES- wurde NICHT enttäuscht!!!

Das hatte ich nämlich befürchtet .... Warum? Weil ich Birnbacher's Bücher bis jetzt ALLE LIEBE. ALLE. Nun bin ich sehr beruhigt, auch DIESES konnte mich VOLKOMMEN abholen. Was LIEBE ich nun sosehr daran? Es ist eine ruhige Familiengeschichte. Ruhige, ABER es liest sich, wie in einem Kopf eines ADHS- Menschen zu sein.... Von einer Erzählstimme wird aus Sicht des jeweiligen Charakters aus beschrieben und, nun ja, diese Charaktere haben ADHS. Hierauf sollte sich Leser*in einstellen (können). Ich persönlich fand es interessant und spannend, es packte mich und brachte mich dazu, wirklich nachzudenken. Die Umgebung/ Umwelt SO wahrzunehmen ist für Betroffene mit Sicherheit anstrengend . Meine ABSOLUTE LESE EMPFEHLUNG, wer sich darauf einlassen kann wird überrascht werden!

YES- wurde NICHT enttäuscht!!!
3

𝒲𝑒𝓇𝒷𝓊𝓃𝑔[Rezensionsexemplar] „Sie wollen uns erzählen“ von Birgit Birnbacher ist ein thematisch wie ich finde unheimlich wichtiges Buch! Wir sind hier quasi von Beginn an mit den schwierigen Umständen von Ann und ihrem Sohn Oz konfrontiert. Beide haben es durch ADHS in ihrem Leben, schulisch, beruflich und auch im privaten Bereich nicht leicht. Hier zeigt Birgit Birnbacher sehr gut auf, wie schwierig es mitunter das Unverständnis in der Gesellschaft es Menschen machen kann... gleichzeitig spürt man, wie sehr sie im Alltag damit einfach zu kämpfen haben und dann kommt noch das schwere Thema Demenz, Krankheit etc. hinzu. Birgit Birnbacher vereint hier viele wichtige Thematiken und zeigt, wie das funktionieren kann, oder eben auch nicht, in unserem gesellschaftlichen Chaos mit all seinen Hürden. Für mich persönlich gab es hier viele Punkte, die zum nachdenken angeregt haben, und ich empfand das Buch definitiv als lesenswert, allein um sich mit den einzelnen Themen mal zu konfrontieren und auseinander zu setzen. Allerdings muss ich auch sagen, dass mir die Erzählweise doch zu oberflächlich war und gerade Ann und Oz mir auf emotionaler Ebene nicht nah genug kommen konnten. Es wurde halt viel wichtiges angerissen, wo ich mir einfach mehr Tiefe gewünscht hätte um noch mehr mit dem Herzen dabei sein zu können. Ich verstehe hier den Ansatz durch die gewisse Nüchternheit die Dinge ungeschönt aufzuzeigen, mich konnte es dadurch aber einfach emotional nicht so erreichen, wie ich es mir erhofft hatte. 3/5✨ #siewollenunserzählen #birgitbirnbacher

3.5

ADHS, Neurodivergenz, Anders sein

Die Geschichte hatte mich interessiert, weil es laut Klappentext und Leseprobe um die neurodivergente Mutter Ann und ihren Sohn Oz geht. Beide haben ADHS und müssen dagegen ankämpfen, in eine gesellschaftliche Norm gepresst zu werden. Leider war dies nur im ersten drittel des Romans zu ersehen, danach ging es nur darum, die aus dem Krankenhaus entlaufene Großmutter und dann auch den verschwundenen Oz zu suchen. Zwar werden mit der Schwester, die ein alternatives Leben auf einem Selbstversorger-Bauernhof führt und der dementen Oma weitere unkonventionelle Frauenbilder eingeführt, aber diese werden lediglich angerissen. Der Junge hat laut Inhaltsangabe Probleme in der Schule. Diese können bei einem Notendurchschnitt von 1,2 allerdings nicht dramatisch sein. Bei einem Vorkommnis hat Oz etwas angerichtet, was meiner Meinung nach hoch empathisch war, nach Außen aber wie eine schlimme Missetat wirkte. Trotzdem hat er Freunde und gute Noten. Auch die Mutter lebt zwar in Trennung, hat aber trotz ihres Andersseins eine berufliche Nische gefunden. Auch hier werden ihre Art ungewöhnlich zu denken und ihre Probleme mit Kollegen nur angerissen. Man spürt beim Lesen einfach nicht, dass eine der Protagonisten Leidensdruck hat oder an Grenzen stösst. Ich kann mit vorstellen, dass ADHS für die Betroffenen nicht nur positives mit sich bringt. Hier wirkt es ein wenig so, als würde man die Menschen mit ADHS als liebenswert-chaotisch darstellen und ich bin mir nicht sicher, ob man diesen damit tatsächlich so gerecht wird. Gut finde ich, dass die Autorin keine platten Lösungen findet, sondern die Figuren mit ihren Besonderheiten und Sensibilitäten stehen lässt. Trotzdem hat mich die Geschichte leider nicht wirklich abgeholt. Ich hätte mir gewünscht, mehr über das Denken, Fühlen, die Impulsivität und Kreativität von Menschen mit ADHS zu erfahren.

Eine besondere Gesichte über Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen 👌

Ozzy, Oz genannt, ist anders. Nicht auf eine Weise, die sich leicht erklären ließe, sondern auf eine, die in Klassenzimmern aneckt und in Heften sichtbare Spuren hinterlässt. Die Welt verlangt von ihm Ordnung, während in ihm alles flimmert und springt. Diesmal jedoch ist es mehr als ein schiefer Blick, mehr als ein missglückter Tag: Etwas wirklich Dummes ist passiert. Auf dem Heimweg trägt er den Brief der Lehrerin bei sich wie ein kleines, schweres Geheimnis und wünscht sich, halb trotzig, halb verzweifelt, wenigstens eine kleine Katastrophe. Etwas, das groß genug wäre, um die drohende Enttäuschung seiner Mutter zu übertönen. Doch als Oz die Tür öffnet, ist die Stimmung im Haus ohnehin gekippt. Ann, selbst von einer nervösen Unruhe durchzogen, die nie ganz zur Ruhe kommt, erwartet ihn nicht mit jener angespannten Feierlichkeit, die Zeugnisse manchmal begleiten. Stattdessen liegt etwas anderes in der Luft, etwas Unwirkliches, das den Raum enger macht: Die Zilly-Oma, die oben in den Bergen lebt, ist verschwunden. „In Zäzilia ist immer so eine Unrast gewesen , die Unrast jener, die das richtige Leben am falschen Ort durchziehen, aber bei vollem Bewusstsein. Mit den Dichtern und der Liebe zu den Pflanzen hat sie das hinuntergedrückt. So hat sie durchziehen können, hierzubleiben, ist sie selbst geblieben.” Mit feinem Gespür für Zwischentöne und erzählerischer Souveränität entfaltet dieses Buch seine Wirkung. Es ist leise und eindringlich zugleich. Es verzichtet auf vorschnelle moralische Urteile und nähert sich stattdessen seinen Figuren mit aufrichtiger Neugier: Menschen, die aus der Norm fallen, werden hier nicht erklärt, sondern erfahrbar gemacht. „Oz schaut in sein Glas und trinkt und zupft sich am Rücken das Shirt von der Haut. Der Bub lebt ein Leben in Angst vor ihrem nächsten Gefühlsausbruch, denkt sie.” Dabei trägt die Geschichte eine heitere Leichtigkeit in sich, die immer wieder aufblitzt, ohne je ins Belanglose zu kippen. Es ist ein Humor, der aus dem Leben selbst kommt. Warm, manchmal schräg und oft überraschend. So entsteht eine ganz besondere Geschichte, die mit einem beinahe schwerelosen Ernst erzählt ist: spielerisch im Ton, doch von stiller Tiefe durchzogen. Ausgesprochene Leseempfehlung!

3

Kann man machen... ... muss man aber nicht

Von ADHS, Schule, Hasen über eine verschwundene Oma ins Waldviertel - dieses Buch hat meine Erwartungen leider nicht erfüllen können. Sprachlich wunderschön, oft schräg und auch traurig. Vielleicht war es einfach nicht der richtige Lese-Zeitpunkt bei mir, weil das vorher gelesene Buch einfach ein Highlight für mich war.

4

Neurodiverse Perspektiven ungestüm und berührend erzählt

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Ann und Oz. Ann ist anders, Oz auch. Was trotz dieses anstrengenden Anderseins möglich ist, zeigt Anns Weg, ihr akademischer Abschluss und ihr Job in der Forschung. Doch sie scheitert auch immer wieder, vor allem an Oz. Dabei will sie ihm so gerne helfen, in dieser Welt zurecht zu kommen. Aber ist das, was alle Ann einreden und reinreden wirklich das Beste für Oz? Und dann bricht auch noch die Sache mit der Zilly-Oma in ihr Leben hinein wie ein Unwetter. Als ob die Sache mit dem Hasen nicht schon kompliziert genug wäre… Die Geschichte ist dicht, schnell und intensiv erzählt. Die zwischen Oz und Ann wechselnde Erzählperspektive erzeugt eine ganz besondere Dynamik, die einen das Buch kaum aus der Hand legen lässt. Die Geschichte bleibt insgesamt sehr auf Ann und Oz fokussiert, was ihre Intensität und Kürze überhaupt möglich macht. Fast fand ich es ein bisschen schade, recht wenig über die anderen so interessant anerzählten Charaktere zu erfahren. Doch dieser Roman ist keine auserzählte Familiengeschichte. Wäre sicher auch interessant gewesen, aber eben ein anderes Buch. Nachdem ich auch schon ihren Roman „Wovon wir leben“ sehr mochte, habe ich auch ihren neuen Roman sehr gerne gelesen.

4

(Gem-)einsam anders

Oz ist anders. Und manchmal ist das nicht so einfach. Und oft ist es deshalb sehr schwer verstanden zu werden. Der Drittklässler versucht so zu handeln, wie es von ihm erwartet wird, aber woher soll man die ganzen Erwartungshaltungen antizipieren? Ann ist auch anders. Und manchmal ist das nicht so einfach. Und oft fällt es ihr schwer andere zu verstehen und den Ansprüchen, auch ihren eigenen, gerecht zu werden. Insbesondere in ihrer Mutterrolle hält ihr Oz immer wieder den Spiegel vor. Während sie so gerne alles richtig machen wollen würde, stößt sie immer wieder an Grenzen. Birgit Birnbacher zaubert in einem beeindruckenden prosaischen Stil das Bild einer besonderen Mutter-Sohn-Beziehung, die durch viele Parallelen geprägt ist. Der Roman lebt von der beeindruckenden Tiefe, mit welcher die Autorin das Innenleben ihrer Protagonisten zeichnet. Eine sehr bewegende Lektüre, die die gesellschaftlichen Ansprüche an neurodivergente Menschen verbildlicht.

4

Wieder einmal ein sehr schöner und bemerkenswerter Roman von Birgit Birnbacher. Wer ihre anderen Romane kennt und mag, wird auch diesen Roman wieder mögen. Bin nur so durch die Seiten geflogen.

5

Schön. Schön. Schön.

Habe keinen einzigen Kritikpunkt, möchte das Buch noch 50 mal lesen. Möchte mir jeden zweiten Satz anstreichen. Möchte meiner Mama das Buch schicke und sagen, dass ich jetzt vielleicht ein Stück besser verstehe, wie sich Mutterliebe anfühlen muss. Uh doch ein Kritikpunkt: das Cover spricht mich nicht an. Mag die gelbe Schrift auf dem Grünton nicht- und selbst das ist sehr pingelig.

Schön. Schön. Schön.
4

Zwischen Anpassung und Selbstsein

„Sie wollen uns erzählen“ ist ein berührender Roman. Im Mittelpunkt steht der neunjährige Ozzy, der mit ADHS lebt und dessen letzter Schultag vor den Ferien in einem Desaster endet. Ein tragischer Unfall, bei dem der Schulhase stirbt, lastet schwer auf ihm. Mit einem Brief der Lehrerin in der Tasche kreisen seine Gedanken unaufhörlich darum, wie er seiner Mutter davon erzählen kann . Er möchte sie nicht enttäuschen. Dieses innere Ringen ist unglaublich feinfühlig und nachvollziehbar dargestellt. Besonders gelungen ist die Figurenzeichnung. Ozzy ist ein kluger Junge, der genau weiß, dass er „anders“ ist. Er bemüht sich ständig, sich so zu verhalten, dass seine Mutter sich nicht aufregt, was gleichzeitig berührt und schmerzt. Seine Schwierigkeiten im Schulalltag und seine Konzentrationsprobleme wirken dabei sehr authentisch. Auch Ann, seine Mutter, ist vielschichtig gezeichnet. Sie liebt ihren Sohn über alles, ist aber oft überfordert, schnell aufbrausend und ungeduldig. Gerade diese Mischung macht sie unglaublich menschlich und sogar sympathisch, weil man ihre Zerrissenheit zwischen Schutzinstinkt und Überforderung spürt. Birnbacher schafft es eindrucksvoll, mich direkt in die Gefühls- und Gedankenwelt von Ozzy und Ann hineinzuziehen. Die besondere, teils sprunghafte Erzählweise mit Gedankenfetzen und Abschweifungen spiegelt die Neurodivergenz wider und macht das Erleben von ADHS greifbar. Dieser Stil ist zunächst ungewohnt, passt aber natürlich zur Thematik und verleiht dem Roman auch damit eine starke Authentizität. Der Einstieg ist besonders gelungen. Es wird vor allem von Ozzys Gedankenkreisen rund um die „Beichte“ erzählt sowie Anns Bemühungen, ihn im Schulsystem zurechtkommen zu lassen, ohne dass er sich selbst verliert. Im weiteren Verlauf rücken jedoch zusätzliche Handlungsstränge in den Fokus, etwa rund um die aus dem Krankenhaus verschwundene Großmutter oder Anns Schwester Nelly. Diese Aspekte wirkten auf mich weniger packend und lenkten etwas von der zentralen Geschichte ab. Trotzdem überzeugt der Roman insgesamt. Er eröffnet einen eindrucksvollen Einblick in das Erleben von ADHS und macht nachvollziehbar, vor welchen Herausforderungen Kinder in einem stark auf Anpassung ausgerichteten Schulsystem stehen. Gleichzeitig zeigt er sensibel den Balanceakt zwischen Erwartungen gerecht werden und die eigene Identität zu bewahren.

5

„𝘚𝘪𝘦 𝘪𝘴𝘵 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘴𝘰 𝘥𝘪𝘦 𝘬𝘭𝘢𝘴𝘴𝘪𝘴𝘤𝘩𝘦 𝘚𝘱𝘪𝘦𝘭𝘱𝘭𝘢𝘵𝘻-𝘔𝘶𝘵𝘵𝘦𝘳. 𝘝𝘰𝘮 𝘛𝘦𝘮𝘱𝘦𝘳𝘢𝘮𝘦𝘯𝘵 𝘩𝘦𝘳 𝘪𝘴𝘵 𝘴𝘪𝘦 𝘦𝘩𝘦𝘳 𝘥𝘦𝘳 𝘗𝘶𝘭𝘷𝘦𝘳𝘧𝘢𝘴𝘴-𝘛𝘺𝘱.“⁣ ⁣ Birgit Birnbacher erzählt uns die Geschichte von Ozzy, der die dritte Klasse Volksschule besucht und einem Spektrum von Neurodivergenz zugeteilt wird, in den letzten Jahren unter dem Begriff ADHS eine weit verbreitete Diagnose. Die Mutter von Ozzy ist Soziologin und ordnet sich selbst einer Form von Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität zu. Der letzte Schultag hätte besonders werden sollen, von Mutter und Sohn herbeigesehnt, aber dann passiert etwas mit dem Schulhasen, die Oma verschwindet aus dem Krankenhaus und über das Salzburger Innergebirg droht ein Unwetter hereinzubrechen.⁣ ⁣ Auf knapp 200 Seiten und über die kurze Zeitspanne von drei Tagen entwirft die Autorin ein detailliertes und liebevolles Bild ihrer Protagonisten, in erster Linie natürlich von Oz und seiner Mutter Ann. Keine Belehrungen und Ratschläge, keine Rezepte, dafür ganz viel Witz, Gefühl, und eine spannende Geschichte. Besonders gefallen haben mir die wechselnden Perspektiven von Oz und Ann. Die Spannungen, oder wie Ann es beschreibt die „knisternden Nerven“, werden vielfach spürbar.⁣ ⁣ Eine unbedingte Leseempfehlung!

Post image
Create Post