Real Life
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Description
Über die Sprengkraft der Diskriminierung
Ein Spätsommerabend bei Freunden, man plaudert und sagt: Wallace könne froh sein, es als einziger Schwarzer an der Uni zum Biochemie-Doktoranden gebracht zu haben. Selbst die, die ihm angeblich nahestehen, sehen oft nicht mehr als die Farbe seiner Haut. Als sein Vater stirbt, brechen die Erinnerungen über Wallace herein: an eine Kindheit in Alabama, die ihrem Elend nicht gewachsene, trinkende Mutter und den kühlen, seltsam unbeteiligten Vater. All das hat Wallace hinter sich gelassen. Doch noch immer spürt er die Kluft der Scham, die ihn von seinen Freunden trennt. Und nicht zuletzt von Miller, mit dem er eine heimliche Affäre beginnt.
Real Life ist ein aufwühlender Roman über die Sprengkraft subtiler Diskriminierung. Wallace bricht mit der Vergangenheit, die ihn in einem Leben hält, das nicht mehr seines ist. Er wagt sich hinaus ins echte Leben, zeigt sich und riskiert, alles zu verlieren – oder alles zu gewinnen.
»Es ist, als würden sie sagen, du sollst mit all deinen Erfahrungen kommen und ganz du selbst sein. Aber wenn du dann an ihrem Tisch sitzt, als queere schwarze Person aus dem Arbeitermilieu der Südstaaten, wollen sie auf einmal nicht mehr, dass du über bestimmte Dinge sprichst, weil du damit alle Regeln ihrer Welt brechen würdest.« Brandon Taylor im Interview mit Maddie Sofia, NPR
»Ein umwerfendes Debüt … Feinfühlig tanzt das Erzählen über die Seite: mit reiner, präziser Poesie.« The New York Times Book Review
»Taylor thematisiert unter anderem Einsamkeit, Begehren und – vor allem anderen – den Versuch, sich einer Sache zu verschreiben, Sinn und Glück aus ihr für das eigene Leben zu ziehen.« Time Magazine
»Real Life verdeutlicht auf ergreifende Weise, welcher Widerspruch aufklafft, sobald man sich in einer Institution nicht akzeptiert und verstanden fühlt, die aggressiv ihre eigene unbefleckte Progressivität bewirbt.« The Guardian
»Brandon Taylor ist ein brillanter Autor, und dies ist ein wunderschönes Buch.« Garth Greenwell
»In einer zarten, intimen und eigensinnigen Sprache lotet Taylor aus, was Race, Sexualität und Begehren bedeuten.« Newsweek
»Mal bitter, mal zart schreibt sich dieser fein gewirkte Roman in die schwule Literatur ein. Aber damit nicht genug, Wallace' Stimme trägt mit ihrer erfrischenden Nuanciertheit und ihrem Sinn fürs Mikroskopische auch zur Debatte um Black Lives Matter bei.« Financial Times
»Ein bestechender Entwicklungsroman!« O: The Oprah Magazine
Book Information
Author Description
Brandon Taylor, geboren 1989 in Prattville, Alabama, legte mit »Real Life« sein hochgepriesenes literarisches Debüt vor, das ein Editor’s Pick der New York Times war und auf der Shortlist des Booker Prize 2020 stand. Der ehemalige Iowa Arts Fellow schreibt literarische Essays und Rezensionen für The New York Times, Guernica, American Short Fiction, O: The Oprah Magazine, The New Yorker und viele mehr. Noch vor Erscheinen zählten 26 Medien in den USA und Großbritannien seine Story-Sammlung »Vor dem Sprung« zu den wichtigsten Büchern 2021. Taylors zweiter Roman »Die letzten Amerikaner« wurde von der amerikanischen und britischen Presse gefeiert und stieg mit Erscheinen auf der Bestsellerliste der New York Times ein.
Posts
Anfangs hatte ich ziemliche James Baldwin Vibes, denn auch Brandon Taylor lässt sich viel Zeit, um Szenarien zu beschreiben, damit sich Stimmungen langsam aufbauen. Das beherrscht er wirklich gut. Leider bin ich mit Wallace nicht so richtig warm geworden, denn anders als es auf dem Klappentext steht, hatte ich nicht den Eindruck, dass Wallace, egal was er tut, immer nur ein Außenstehender ist. Ich hatte viel mehr den Eindruck, dass er von allen erwartet hat, sie müssen seine Gedanken lesen, denn ausgesprochen hat er sie nie - keinem gegenüber - und dann beschlossen hat, dass ihn sowieso keiner versteht.
Die Geschichte spielt sich an einem einzigen Sommerwochenende in einer Universitätsstadt im Mittleren Westen ab und folgt Wallace, einem zurückhaltenden Biochemiestudenten, der sich einem existenziellen Zusammenbruch nähert. Wallace war der Meinung, dass seine Homosexualität nicht mit dem Ort vereinbar ist, an dem er aufgewachsen ist. Er denkt, das er am College akzeptiert wird oder er hofft vielmehr, das er als erster schwarzer Student in das System endlich hineinpassen darf. Sein Vater ist kürzlich verstorben und als er diese Tatsache endlich ausspricht scheinen auch noch andere Gegebenheiten zum Vorschein zu kommen. Er lebt als Schwarzer in einem überwiegend weißen Umfeld und ist den ständigen Mikroaggressionen und offenkundigen rassistischen Belästigungen ausgesetzt. Die Sache wird noch komplizierter als eine Affäre mit seinem eigensinnigen weißen Kollegen aufkeimt, dem er bisher mehr als Feind als als Freund gegenüber stand. Der Titel Real Life impliziert, das man in diesem Roman etwas authentisches wiederfindet, das er darstellt was das wirkliche Leben außerhalb des Labors bedeutet. Was der Roman also mitteilt auf ist das Unglück junger Menschen aus nächster Nähe. An der Stelle fällt es mir schwer zu beurteilen ob junge studierende alle so individuell geworden sind, dass sie nur versuchen können, sich gegenseitig zu Verstehen und füreinander da zu sein, während sie mit Ihren eigenen Problemen zu Kämpfen haben. Der Roman hat für mich ein Gefühle der Einsamkeit transportiert. Alle versuchen ein hohes Maß an Verständnis füreinander aufzubringen und sich gegenseitig zu respektieren ABER in Extremsituationen, wenn die Gefühle rein sind und die Nerven blank liegen entpuppen sie sich als Heuchelei. Der Roman deckt an vielen Stellen den versteckten Rassismus in dem Freundeskreis auf, Z.B. werden gewisse Privilegien mit Hautfarbe gleichgesetzt oder Wallace wird unterstellt, seinen vermeintlichen Opferstatus auszunutzen, weil er schwarz und Schwul ist. Was ich damit sagen will ist, das Freundschaften, Umarmungen aus Mitgefühl oder plötzliches Begehren nur so lange Kraftquellen sind, bis die die einzelnen Charaktere wieder zu Ihren eigenen individuellen Probleme geführt werden. Das Ganze ist sehr subtile, sprachlich sehr lebendig und flüssig dargestellt. Taylor schafft es eine sehr destillierte und dichte Version eines fehlgeleiteten Individualismus darzustellen. Dabei sind manche Situationen etwas überspitzt, wie zum Beispiel die hysterische Frau im Labor, die Wallace einfach Frauenfeindlichkeit unterstellt weil sie sich in ihrer Karriere bedroht fühlt oder der Freundeskreis der überwiegend aus homosexuellen besteht und heterosexuelle sowie Frauen als Randgruppe darstellt. Da gehe ich nicht ganz mit aber letztendlich wird die Message des Romans so verdichtet. Die große Frage die der Roman für mich aufwirft ist: geben junge Leute heute nur vor, offen füreinander zu sein oder sind sie es wirklich? Verhedderrt die Gesellschaft sich in Zukunft durch die vielen Besonderen? Und ist Queerness, also die Freiheit anders sein zu dürfen, wirklich so gut, wenn sich niemand mehr zugehörig fühlt und alle einsam unter den Vielen sind?
Real Life von Brandon Taylor handelt von Wallace einem schwarzen und schwulen Studenten, der sich in seinem Freundeskreis nicht wirklich zugehörig fühlt, ständig mit Rassismus konfrontiert wird und hinterfragt ob sein Studium überhaupt, dass ist was er eigentlich möchte. Ich fand die Themen die in dem Buch aufgegriffen werden sehr spannend. All die Dinge mit denen Wallace zu kämpfen hat und wie sehr ihn all das mitnimmt und ihn zweifeln lässt, sein tiefer Selbstwert und auch die Traumata aus seiner Kindheit waren alle sehr feinfühlig beschrieben. Dennoch hatte ich auch so meine Schwierigkeiten mit dem Buch, denn über die ganzen mehr als 300 Seiten während Wallace all diese grossen und kleinen Ungerechtigkeiten erlebt bleibt er unglaublich passiv. Vieles wird nie wieder angesprochen, es geschieht nie etwas und während all das wohl leider realistisch ist, hatte ich dadurch immer mehr das Gefühl mich durch das Buch durchquälen zu müssen und hatte das Gefühl immer mehr abzustumpfen. Auch das Ende kam für mich viel zu abrupt, ohne dass irgendetwas klar oder gelöst oder überhaupt irgendeine Entwicklung stattgefunden hätte. Insgesamt kann ich sagen, dass ich froh bin das Buch gelesen habe, es behandelt wichtige Themen und ich fand Wallace als Charakter und seine Perspektive sehr interessant und wertvoll. Dennoch hat für mich einfach etwas die Handlung oder der rote Fanden gefehlt und am Ende wusste ich nicht wirklich was ich nun aus der Geschichte mitnehmen sollte.
Manche Bücher haben eine ganz besondere Stimmung. In "Real Life" von Brandon Taylor liegt von Seite 1 an Verheißung in der Luft, aber auch Sentimentalität. Für Wallace ist es "ein ganz normaler Abend im Spätsommer", vielleicht der letzte, an dem das Wetter noch gut genug ist, um mit den Freund*innen an den Seeterrassen ein Feierabendbier zu trinken. Wallace ist Biochemie-Doktorand und der einzige promovierende Afroamerikaner in der kleinen Universitätsstadt im Mittleren Westen. Doch nicht nur an der Uni fühlt sich Wallace wie ein Fremdkörper, auch in seinem queeren Freundeskreis bleibt er stets ein wenig außen vor. Die anderen wissen nicht, wie das ist: als Schwarzes Kind in Alabama groß werden, die Mutter gewalttätig, der Vater teilnahmslos... Wallace will dazugehören und auch wieder nicht. Er will ausbrechen aus seinem Leben zwischen Labor und Belanglosigkeit und er will so sein wie die anderen. Am liebsten so wie Miller, mit dem er eine heimliche Affäre beginnt. "Real Life" ist der Debütroman des US-amerikanischen Autors Brandon Taylor, der auf der Shortlist des Bookerprize 2020 stand. Seine intensive Sprache, die das Geschehen sinnlich spürbar werden lässt, hat Eva Bonné hervorragend ins Deutsche übersetzt. Es ist ein Roman über das Anderssein, über Schmerz und Begehren. "Real Life" ist poetisch und krass, zärtlich und brutal. Wer Ocean Vuong oder Hanya Yanagihara mochte, wird Brandon Taylor lieben.
Schwere Lektüre mit Stellen der Leichtigkeit "Booker Prize"-Lektüren sind selten "leichte Lektüren". Hier wird literarische Qualität ausgezeichnet, die Themen sind meistens existenziell und tiefgreifend. So reiht sich auch Brandon Taylors Debütroman in diese Tradition mit ein, mit dem er es 2020 auf die Shortlist der renommierten Auszeichnung schaffte. Passt der Titel "Real Life", das wahre bzw. echte Leben (in der deutschen Übersetzung wurde der Originaltitel dankenswerterweise beibehalten) zu seinem Buch? Zumindest seziert Taylor in seinem Roman - wie sein Protagonist Wallace es mit Würmern bzw. Nematoden macht - das alltägliche Dasein eines Biochemie-Doktoranden an einer amerikanischen Universität im Mittleren Westen und inszeniert damit das scheinbar echte Leben seines Protagonisten Wallace. Dieser sinniert über seine Vergangenheit, über Gegenwart und Zukunft, er liebt, er leidet, er lebt - und das alles als Individuum in einer Gesellschaft. Denn Wallace muss sich nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit anderen auseinandersetzen - mit ihrer Freundlichkeit, ihren Problemen, ihren Komplexen, etc. Ausserdem ist Wallace ein schwarzer schwuler Mann in einer vermeintlich post-rassistischen, post-homophoben Welt. Immerhin ist der Mikrokosmos des Campus und der mit ihm assoziierten Gesellschaft ein solcher Ort - zumindest an der Oberfläche. Denn Wallace muss erleben, dass seine Hautfarbe und seine sexuelle Orientierung für andere trotz der liberalen Grundstimmung im intellektuellen Milieu nach wie vor eine Rolle spielen. "Real Life" ist ein zutiefst menschliches Buch darüber, wie wir mit Schuld und Traumata umgehen, aber auch darüber ob es ein Überwinden derselben gibt, Versöhnung und das "Danach". Vor allem aber auch geht es um Selbstfindung und dem Umfang mit der eigenen Depression und den Dämonen der Vergangenheit. Die Lektüre war stellenweise erhellend schön, wenn es um die Beschreibung bestimmter Stimmungen ging. Dennoch war mir der Grundtenor zu düster, die Leiden zu schwer, der Fatalismus der jungen Menschen zu viel. Zu viel Verfall, zu viel "Memento mori"-Metaphorik (illustriert ab toten Tieren), zu viel sinnlose Gewalt. Dass der Booker Prize keine "Feelgood Romane" auszeichnet, dürfte jedem klar sein. Und am Ende gibt es ja auch einen Hoffnungschimmer. Trotzdem hätte ich mir mehr Stellen dieser Leichtigkeit angesichts der menschlichen und gesellschaftlichen Abgründe auch im Plot gewünscht. Zum Highlight hat mir also ein kleines Quäntchen gefehlt, aber dennoch ein hervorragender Roman.
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Über die Sprengkraft der Diskriminierung
Ein Spätsommerabend bei Freunden, man plaudert und sagt: Wallace könne froh sein, es als einziger Schwarzer an der Uni zum Biochemie-Doktoranden gebracht zu haben. Selbst die, die ihm angeblich nahestehen, sehen oft nicht mehr als die Farbe seiner Haut. Als sein Vater stirbt, brechen die Erinnerungen über Wallace herein: an eine Kindheit in Alabama, die ihrem Elend nicht gewachsene, trinkende Mutter und den kühlen, seltsam unbeteiligten Vater. All das hat Wallace hinter sich gelassen. Doch noch immer spürt er die Kluft der Scham, die ihn von seinen Freunden trennt. Und nicht zuletzt von Miller, mit dem er eine heimliche Affäre beginnt.
Real Life ist ein aufwühlender Roman über die Sprengkraft subtiler Diskriminierung. Wallace bricht mit der Vergangenheit, die ihn in einem Leben hält, das nicht mehr seines ist. Er wagt sich hinaus ins echte Leben, zeigt sich und riskiert, alles zu verlieren – oder alles zu gewinnen.
»Es ist, als würden sie sagen, du sollst mit all deinen Erfahrungen kommen und ganz du selbst sein. Aber wenn du dann an ihrem Tisch sitzt, als queere schwarze Person aus dem Arbeitermilieu der Südstaaten, wollen sie auf einmal nicht mehr, dass du über bestimmte Dinge sprichst, weil du damit alle Regeln ihrer Welt brechen würdest.« Brandon Taylor im Interview mit Maddie Sofia, NPR
»Ein umwerfendes Debüt … Feinfühlig tanzt das Erzählen über die Seite: mit reiner, präziser Poesie.« The New York Times Book Review
»Taylor thematisiert unter anderem Einsamkeit, Begehren und – vor allem anderen – den Versuch, sich einer Sache zu verschreiben, Sinn und Glück aus ihr für das eigene Leben zu ziehen.« Time Magazine
»Real Life verdeutlicht auf ergreifende Weise, welcher Widerspruch aufklafft, sobald man sich in einer Institution nicht akzeptiert und verstanden fühlt, die aggressiv ihre eigene unbefleckte Progressivität bewirbt.« The Guardian
»Brandon Taylor ist ein brillanter Autor, und dies ist ein wunderschönes Buch.« Garth Greenwell
»In einer zarten, intimen und eigensinnigen Sprache lotet Taylor aus, was Race, Sexualität und Begehren bedeuten.« Newsweek
»Mal bitter, mal zart schreibt sich dieser fein gewirkte Roman in die schwule Literatur ein. Aber damit nicht genug, Wallace' Stimme trägt mit ihrer erfrischenden Nuanciertheit und ihrem Sinn fürs Mikroskopische auch zur Debatte um Black Lives Matter bei.« Financial Times
»Ein bestechender Entwicklungsroman!« O: The Oprah Magazine
Book Information
Author Description
Brandon Taylor, geboren 1989 in Prattville, Alabama, legte mit »Real Life« sein hochgepriesenes literarisches Debüt vor, das ein Editor’s Pick der New York Times war und auf der Shortlist des Booker Prize 2020 stand. Der ehemalige Iowa Arts Fellow schreibt literarische Essays und Rezensionen für The New York Times, Guernica, American Short Fiction, O: The Oprah Magazine, The New Yorker und viele mehr. Noch vor Erscheinen zählten 26 Medien in den USA und Großbritannien seine Story-Sammlung »Vor dem Sprung« zu den wichtigsten Büchern 2021. Taylors zweiter Roman »Die letzten Amerikaner« wurde von der amerikanischen und britischen Presse gefeiert und stieg mit Erscheinen auf der Bestsellerliste der New York Times ein.
Posts
Anfangs hatte ich ziemliche James Baldwin Vibes, denn auch Brandon Taylor lässt sich viel Zeit, um Szenarien zu beschreiben, damit sich Stimmungen langsam aufbauen. Das beherrscht er wirklich gut. Leider bin ich mit Wallace nicht so richtig warm geworden, denn anders als es auf dem Klappentext steht, hatte ich nicht den Eindruck, dass Wallace, egal was er tut, immer nur ein Außenstehender ist. Ich hatte viel mehr den Eindruck, dass er von allen erwartet hat, sie müssen seine Gedanken lesen, denn ausgesprochen hat er sie nie - keinem gegenüber - und dann beschlossen hat, dass ihn sowieso keiner versteht.
Die Geschichte spielt sich an einem einzigen Sommerwochenende in einer Universitätsstadt im Mittleren Westen ab und folgt Wallace, einem zurückhaltenden Biochemiestudenten, der sich einem existenziellen Zusammenbruch nähert. Wallace war der Meinung, dass seine Homosexualität nicht mit dem Ort vereinbar ist, an dem er aufgewachsen ist. Er denkt, das er am College akzeptiert wird oder er hofft vielmehr, das er als erster schwarzer Student in das System endlich hineinpassen darf. Sein Vater ist kürzlich verstorben und als er diese Tatsache endlich ausspricht scheinen auch noch andere Gegebenheiten zum Vorschein zu kommen. Er lebt als Schwarzer in einem überwiegend weißen Umfeld und ist den ständigen Mikroaggressionen und offenkundigen rassistischen Belästigungen ausgesetzt. Die Sache wird noch komplizierter als eine Affäre mit seinem eigensinnigen weißen Kollegen aufkeimt, dem er bisher mehr als Feind als als Freund gegenüber stand. Der Titel Real Life impliziert, das man in diesem Roman etwas authentisches wiederfindet, das er darstellt was das wirkliche Leben außerhalb des Labors bedeutet. Was der Roman also mitteilt auf ist das Unglück junger Menschen aus nächster Nähe. An der Stelle fällt es mir schwer zu beurteilen ob junge studierende alle so individuell geworden sind, dass sie nur versuchen können, sich gegenseitig zu Verstehen und füreinander da zu sein, während sie mit Ihren eigenen Problemen zu Kämpfen haben. Der Roman hat für mich ein Gefühle der Einsamkeit transportiert. Alle versuchen ein hohes Maß an Verständnis füreinander aufzubringen und sich gegenseitig zu respektieren ABER in Extremsituationen, wenn die Gefühle rein sind und die Nerven blank liegen entpuppen sie sich als Heuchelei. Der Roman deckt an vielen Stellen den versteckten Rassismus in dem Freundeskreis auf, Z.B. werden gewisse Privilegien mit Hautfarbe gleichgesetzt oder Wallace wird unterstellt, seinen vermeintlichen Opferstatus auszunutzen, weil er schwarz und Schwul ist. Was ich damit sagen will ist, das Freundschaften, Umarmungen aus Mitgefühl oder plötzliches Begehren nur so lange Kraftquellen sind, bis die die einzelnen Charaktere wieder zu Ihren eigenen individuellen Probleme geführt werden. Das Ganze ist sehr subtile, sprachlich sehr lebendig und flüssig dargestellt. Taylor schafft es eine sehr destillierte und dichte Version eines fehlgeleiteten Individualismus darzustellen. Dabei sind manche Situationen etwas überspitzt, wie zum Beispiel die hysterische Frau im Labor, die Wallace einfach Frauenfeindlichkeit unterstellt weil sie sich in ihrer Karriere bedroht fühlt oder der Freundeskreis der überwiegend aus homosexuellen besteht und heterosexuelle sowie Frauen als Randgruppe darstellt. Da gehe ich nicht ganz mit aber letztendlich wird die Message des Romans so verdichtet. Die große Frage die der Roman für mich aufwirft ist: geben junge Leute heute nur vor, offen füreinander zu sein oder sind sie es wirklich? Verhedderrt die Gesellschaft sich in Zukunft durch die vielen Besonderen? Und ist Queerness, also die Freiheit anders sein zu dürfen, wirklich so gut, wenn sich niemand mehr zugehörig fühlt und alle einsam unter den Vielen sind?
Real Life von Brandon Taylor handelt von Wallace einem schwarzen und schwulen Studenten, der sich in seinem Freundeskreis nicht wirklich zugehörig fühlt, ständig mit Rassismus konfrontiert wird und hinterfragt ob sein Studium überhaupt, dass ist was er eigentlich möchte. Ich fand die Themen die in dem Buch aufgegriffen werden sehr spannend. All die Dinge mit denen Wallace zu kämpfen hat und wie sehr ihn all das mitnimmt und ihn zweifeln lässt, sein tiefer Selbstwert und auch die Traumata aus seiner Kindheit waren alle sehr feinfühlig beschrieben. Dennoch hatte ich auch so meine Schwierigkeiten mit dem Buch, denn über die ganzen mehr als 300 Seiten während Wallace all diese grossen und kleinen Ungerechtigkeiten erlebt bleibt er unglaublich passiv. Vieles wird nie wieder angesprochen, es geschieht nie etwas und während all das wohl leider realistisch ist, hatte ich dadurch immer mehr das Gefühl mich durch das Buch durchquälen zu müssen und hatte das Gefühl immer mehr abzustumpfen. Auch das Ende kam für mich viel zu abrupt, ohne dass irgendetwas klar oder gelöst oder überhaupt irgendeine Entwicklung stattgefunden hätte. Insgesamt kann ich sagen, dass ich froh bin das Buch gelesen habe, es behandelt wichtige Themen und ich fand Wallace als Charakter und seine Perspektive sehr interessant und wertvoll. Dennoch hat für mich einfach etwas die Handlung oder der rote Fanden gefehlt und am Ende wusste ich nicht wirklich was ich nun aus der Geschichte mitnehmen sollte.
Manche Bücher haben eine ganz besondere Stimmung. In "Real Life" von Brandon Taylor liegt von Seite 1 an Verheißung in der Luft, aber auch Sentimentalität. Für Wallace ist es "ein ganz normaler Abend im Spätsommer", vielleicht der letzte, an dem das Wetter noch gut genug ist, um mit den Freund*innen an den Seeterrassen ein Feierabendbier zu trinken. Wallace ist Biochemie-Doktorand und der einzige promovierende Afroamerikaner in der kleinen Universitätsstadt im Mittleren Westen. Doch nicht nur an der Uni fühlt sich Wallace wie ein Fremdkörper, auch in seinem queeren Freundeskreis bleibt er stets ein wenig außen vor. Die anderen wissen nicht, wie das ist: als Schwarzes Kind in Alabama groß werden, die Mutter gewalttätig, der Vater teilnahmslos... Wallace will dazugehören und auch wieder nicht. Er will ausbrechen aus seinem Leben zwischen Labor und Belanglosigkeit und er will so sein wie die anderen. Am liebsten so wie Miller, mit dem er eine heimliche Affäre beginnt. "Real Life" ist der Debütroman des US-amerikanischen Autors Brandon Taylor, der auf der Shortlist des Bookerprize 2020 stand. Seine intensive Sprache, die das Geschehen sinnlich spürbar werden lässt, hat Eva Bonné hervorragend ins Deutsche übersetzt. Es ist ein Roman über das Anderssein, über Schmerz und Begehren. "Real Life" ist poetisch und krass, zärtlich und brutal. Wer Ocean Vuong oder Hanya Yanagihara mochte, wird Brandon Taylor lieben.
Schwere Lektüre mit Stellen der Leichtigkeit "Booker Prize"-Lektüren sind selten "leichte Lektüren". Hier wird literarische Qualität ausgezeichnet, die Themen sind meistens existenziell und tiefgreifend. So reiht sich auch Brandon Taylors Debütroman in diese Tradition mit ein, mit dem er es 2020 auf die Shortlist der renommierten Auszeichnung schaffte. Passt der Titel "Real Life", das wahre bzw. echte Leben (in der deutschen Übersetzung wurde der Originaltitel dankenswerterweise beibehalten) zu seinem Buch? Zumindest seziert Taylor in seinem Roman - wie sein Protagonist Wallace es mit Würmern bzw. Nematoden macht - das alltägliche Dasein eines Biochemie-Doktoranden an einer amerikanischen Universität im Mittleren Westen und inszeniert damit das scheinbar echte Leben seines Protagonisten Wallace. Dieser sinniert über seine Vergangenheit, über Gegenwart und Zukunft, er liebt, er leidet, er lebt - und das alles als Individuum in einer Gesellschaft. Denn Wallace muss sich nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit anderen auseinandersetzen - mit ihrer Freundlichkeit, ihren Problemen, ihren Komplexen, etc. Ausserdem ist Wallace ein schwarzer schwuler Mann in einer vermeintlich post-rassistischen, post-homophoben Welt. Immerhin ist der Mikrokosmos des Campus und der mit ihm assoziierten Gesellschaft ein solcher Ort - zumindest an der Oberfläche. Denn Wallace muss erleben, dass seine Hautfarbe und seine sexuelle Orientierung für andere trotz der liberalen Grundstimmung im intellektuellen Milieu nach wie vor eine Rolle spielen. "Real Life" ist ein zutiefst menschliches Buch darüber, wie wir mit Schuld und Traumata umgehen, aber auch darüber ob es ein Überwinden derselben gibt, Versöhnung und das "Danach". Vor allem aber auch geht es um Selbstfindung und dem Umfang mit der eigenen Depression und den Dämonen der Vergangenheit. Die Lektüre war stellenweise erhellend schön, wenn es um die Beschreibung bestimmter Stimmungen ging. Dennoch war mir der Grundtenor zu düster, die Leiden zu schwer, der Fatalismus der jungen Menschen zu viel. Zu viel Verfall, zu viel "Memento mori"-Metaphorik (illustriert ab toten Tieren), zu viel sinnlose Gewalt. Dass der Booker Prize keine "Feelgood Romane" auszeichnet, dürfte jedem klar sein. Und am Ende gibt es ja auch einen Hoffnungschimmer. Trotzdem hätte ich mir mehr Stellen dieser Leichtigkeit angesichts der menschlichen und gesellschaftlichen Abgründe auch im Plot gewünscht. Zum Highlight hat mir also ein kleines Quäntchen gefehlt, aber dennoch ein hervorragender Roman.













