Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat

Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat

Ebook
4.038

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Description

„Eine erstklassige Mischung aus Anekdoten, Analysen und Alkohol. Und die große Frage, ob wir so leben wollen, wie wir leben sollen. Hört auf diese Frauen!“ Katja Oskamp Drei Freundinnen, ein Küchentisch, vor den Fenstern die Nacht: Annett Gröschner, Peggy Mädler und Wenke Seemann reden. Über sich als „Ostfrauen“, was auch immer diese Schublade bedeutet, über das Glück krummer Lebensläufe, über die Gegenwart mit ihrer sich ständig reindrängelnden Vergangenheit. Es wird getrunken, gelacht und gerungen, es geht um Erinnerungsfetzen und Widersprüche, um die Vielschichtigkeit von Prägungen und um mit den Jahren fremd gewordene Ideale. Im japanischen Volksglauben gibt es Geister, die aus achtlos weggeworfenen Dingen geboren werden – „wie sähe der Dinggeist der DDR aus?“, fragen die drei. Ihr Buch ist dem Erinnern und dem Sich-neu-Erfinden gegenüber so gewitzt und warmherzig, wie es jede große Gesellschaftsdiskussion verdient.

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
Memoirs
Format
Ebook
Pages
224
Price
13.99 €

Author Description

Annett Gröschner, geboren 1964 in Magdeburg, lebt seit 1983 in Berlin und ist Schriftstellerin und Journalistin. 2021 erhielt sie den Großen Kunstpreis Berlin – Fontanepreis und den Klopstock-Preis des Landes Sachsen-Anhalt.

Posts

10
All
3

Zunächst habe ich dieses Buch sehr interessiert gelesen. Aufmachung fand ich spannend. Denn das Buch ist aufgebaut wie ein Gespräch unter Freundinnen. Ein bißchen wie im Interview Stil. Es wird schnell klar, dass eine Tonbandaufnahme lief und die thematischen Abende aufgezeichnet wurde und daraus wurde dieses reportagemässige Buch. Den Aufbau fand ich zunächst gut und bin schnell durch die Seite geflogen mit einigen Ausnahmen allerdings. Es gibt immer mal wieder Fußnote. Diese bringen Informationen ein die wahrscheinlich nicht in den Aufnahmen vorkamen und im Kontext hinzugefügt wurden. Das hat mich immer wieder rausgebracht. Zudem waren diese Fußzeilen sehr klein gedruckt, der gesamte Druck des Taschenbuchs ist klein und dann noch die Fußnote halb so groß wie der sonstige Fließtext, machte das lesen oft sehr unangenehm. Das fliest nicht in meine inhaltliche Bewertung mit ein aber nichst desto trotz, war es unangenehm zu lesen. Inhaltlich wird es nach und nach auch leider langweiliger. Zudem wird auch erwähnt, dass immer wieder Alkohol und Zigaretten konsumiert werden. Wobei ich mich frage, was hat das mit dem Thema zu tun? Ich habe es nicht verstanden und diese ständige Erwähnung der Drogen war nervig und eben für mich überflüssig. Leider hat mich das Buch schlussendlich mehr gelangweilt als unterhalten. Inhaltlich wird auch immer mal wieder um den zukünftigen Buchtitel diskutiert und was soll ich sagen, jeder andere hätte besser gepasst. Denn wenn eines nicht passiert, denn, das ein idealer Staat gegründet wird. Von mir keine Empfehlung.

4.5

Nachdenklich und bereichert lässt mich das Buch zurück!

Zitat S. 203: Der Osten in mir ist solidarisch und zärtlich. Annett Gröscher, Peggy Mädler und Wenke Seemann treffen sich in sieben Nächten, um über gesellschaftliche Zustände, ihre Erinnerungen an die DDR und den Transformationsprozess zu sprechen. Das machen sie auf eine sehr sympathische Art und Weise, so dass man auch die Debatte zur Dialektik oder anderen eher abstrakten Begriffen gut folgen kann. Während ihrer Gespräche geben die drei Protagonistinnen auch Einblicke in ihr persönliches Leben. Aufgrund ihres Alters konnte insbesondere Annett Gröscher aus persönlicher Erfahrung von den Verhandlungen am Runden Tisch für eine gemeinsame Verfassung oder der Frauenbewegung in der DDR berichten. Bis zu diesem Buch hatte ich noch nichts von der Lila Offensive gehört. Besonders toll fand ich die vielen Bezüge zu anderen Kunstschaffenden, insbesondere Autor*innen wie Manja Präkels, Hendrik Bolz und Grit Lemke, aber auch zu Wissenschaftler*innen wie Steffen Mau und Andrej Holm. Dadurch haben die Lesenden viele Anregungen sich mit dem Thema DDR und Transformation zu beschäftigen. Ein kurzweiliges und tolles Buch mit einer klaren Leseempfehlung von mir!

4

„Peggy legt sich zu Wenke und Annett auf den Dielenboden. Die drei Frauen schließen die Augen. Von wegen: Bowle beschwingt. Sie atmen leise nebeneinander her.“ Zu den Getränken, die die drei Autorinnen während ihrer Gespräche konsumieren, gibt es eine spannende Diskussion über die Werte von früher und heute.

4.5

Reden (und trinken) über Erfahrungen als ostdeutsche Frauen. Ein informatives, ernstes und humorvolles Buch voller schöner Fußnoten, biografischen Erzählungen und diskursiven Annäherungen!

„Annett: Ich hatte Anfang der Neunziger nicht das Gefühl, dass ich nicht demokratiefähig oder zivilisatorisch zurückgeblieben bin. Aber ich wusste, auf mich hat niemand im Westen gewartet, ich bin überflüssig. Und ich fand mich selbst durch die Diktatur beschädigt.“ (Gröschner, Mädler, Seemann 2024, S. 218) Schaut man in die jüngere Buchvergangenheit, so häuft sich die Auseinandersetzung mit dem Aufwachsen in den neuen Bundesländern in den 90ern des wiedervereinigten Deutschlands. Während ich mich selbst und meine ostdeutschen Erfahrungen in Hendrik Bolz’ „Nullerjahre“ wiederfinde, lernte ich durch Katharina Warda und Don Pablo Mulemba Perspektiven von People of Colour kennen und werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass wir in einer Aufarbeitung und der Bedeutung der ehemaligen DDR für unsere unmittelbaren vergangenen und gegenwärtigen Lebenswelt noch lange nicht dort angekommen sind, was uns nun mit jedem Wiedervereinigungsjubiläum weis gemacht wird. Umso interessierter war ich dann, als ein Freund mir von „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ erzählte und mich zur Leipziger Buchmesse mit zur Vorstellung des Buches mitnahm. Klischees über ostdeutsche Frauen sind mir nicht unbekannt - bin ich doch in einer Kleinstadt und Dorf des Ostens der gerade wiedervereinigten Bundesrepublik geboren, aufgezogen und sozialisiert worden. Sieben Nächte, drei ostdeutsche Frauen und verschiedene Getränke. Ein verloren gegangener Staat. Was ist geblieben? Was bleibt? Was ging oder wird noch gehen? Was heißt es ostdeutsche Erfahrungen wie einen Rucksack mit sich herumschleppen? Was hieß und heißt es, ostdeutsche Frau zu sein? So amüsant der Titel des Buches klingen mag (und stellenweise inhaltlich auch ist), verhandeln die Autorinnen darin viele politische Themen und nähern sich biografisch erzählend solchen Fragestellungen. Christa Wolf, die Lila Offensive, das Recht auf Abtreibung, die ökonomisch unabhängigere Frau in der DDR: Ich konnte so viel Neues, aber auch Vertrautes in diesem Buch entdecken. So wie ich mich beim Lesen über den nachquellenden Milchreis im Bett an meine Mutter erinnert gefühlt habe (die das bis heute noch so macht) und es mich bei „Auch Pferde? - Auch Pferde.“ komplett zerrissen hat (mein Vater lässt keine Gelegenheit ungenutzt, diese Manfred Krug Referenz anzubringen) - hörte ich doch auch gleichzeitig diejenigen Erwachsenen meiner Kindheit in meinem inneren Ohr, die (manchmal laut, meistens aber nur im Privaten) ihren Frust über den Westen und die Wiedervereinigung, ja, ihre Resignation artikulierten. Als Kind konnte ich nichts damit anfangen, je älter ich aber werde und je mehr ich ihre Stimmen nun höre, desto mehr wird mir klar, dass die Ungerechtigkeiten nachhallen und wohl noch länger nachwirken werden. Man merkt an der Länge: Ich könnte noch viel mehr dazu erzählen - es hat mich sehr bewegt, ich will euch das Buch aber lieber als unbedingte Lektüre ans Herz legen. Es bietet unzählige Fußnoten (viel Liebe dafür!), eine Vielzahl an Literaturverweisen zum tiefer Eintauchen und hat mir den finalen Motivationsschub gegeben, Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T.“ nun endlich selbst zu lesen.

Reden (und trinken) über Erfahrungen als ostdeutsche Frauen. Ein informatives, ernstes und humorvolles Buch voller schöner Fußnoten, biografischen Erzählungen und diskursiven Annäherungen!
5

Intelligent und für mich horizonterweiternd - was für kluge Frauen mit klugen Gedanken! Ich habe das Buch mit Gewinn gelesen und dabei viel gelacht.

4

"Überhaupt Autounfälle - die Lieblingstodesart im deutschen Fernsehprogramm. Ich glaube, schon deshalb wird es nie ein Tempolimit geben. Die Drehbuchautor*innen wüssten gar nicht, wie sie überflüssige Figuren beseitigen könnten." Wenn drei Frauen, gepaart mit reichlich Alkohol, miteinander über die Vergangenheit plaudern, diskutieren und dabei reflektieren, dann ist das so unterhaltsam, teilweise urkomisch, manchmal äußerst schmerzlich und auf jeden Fall immer eins: total interessant. Dass es ostdeutsche Frauen sind und sie über die DDR erzählen, macht es für mich als Wessi-Frau nochmal spannender.

5

Witzig, klug und unterhaltsam, trotzdem mit nachhaltig wertvollen Aussagen! Jetzt schon mein Lieblingssachbuch '24 ♥️

Selten habe ich so oft lachen und schmunzeln müssen bei einem Sachbuch! Die Unterhaltung zwischen den drei Frauen schließt den Lesen gleich mit ein; sie räumen mit Klischees über Ostdeutsche Frauen, verkehrt gelaufener Politik und Nostalgie auf ohne den Humor zu kurz kommen zu lassen. Neben den ernsten großen Themen der Politik und Geschichte , die zwischen Gummitwist und Picknick beschwipst besprochen werden, kommen auch viele lustigen Anekdoten auf, es wird der beste Vodka empfohlen und über Muscheleis sinniert. Noch nie habe ich so gern und mit Vorfreude Fußnoten gelesen. Ein Buch über große Themen mit Alkohol und Spaß!

Witzig, klug und unterhaltsam, trotzdem mit nachhaltig wertvollen Aussagen! 
Jetzt schon mein Lieblingssachbuch '24 ♥️
4

Da hab ich viel dazu gelernt. Den Dialogstil fand ich manchmal ermüdend und die viiiiielen Fußnoten. Schade, dass die nicht in den Text eingearbeitet wurden. Insgesamt eine empfehlenswerte Lektüre 😊

3

„…immer radikal aber niemals konsequent…“

Auch dieses Buch wird im Rahmen der globale° am Sonntag von den drei Autorinnen präsentiert. Die Autorinnen treffe sich an sieben verschiedenen Tagen/Abenden um über den idealen Staat zu sprechen. Sie erzählen Anekdoten zu ihrem eigenen Aufwachsen in der DDR. Es geht um die stereotype ostdeutsche Frau, Eigentumsdebatten, Schlüsselkinder, Appellplatzerfahrungen der Autorinnen, das Positonspapier der Lila Offensive vom 4. November 1989 (Spoileralert - es mutet noch sehr aktuell an) und Gummitwist. Das alles nebst Bowle, einer Vodka-Verkostung uvm. Das Buch gibt einen tollen Einblick in das abenteuerliche Leben dreier Frauen gespickt mit vielen Anekdoten, Exkursen und wissenschaftlichen Überlegungen. Beim Lesen hat man das Gefühl, einem Podcast zu lauschen.

4

Insightful and thought-provoking

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