Sunset Flip

Sunset Flip

Hardback
4.016

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Description

Für Auggie Schnuck sieht die Zukunft so gut aus wie nie zuvor. Als Wrestler hat er fast alles erreicht. Mit Nadine, der Liebe seines Lebens, plant er ein gemeinsames Zuhause. Doch er traut seinem Glück nicht. Je besser es läuft, desto mehr verwandelt sich Auggie, der eigentlich zum Film will, in seine Figur ›The Aug‹. Ein raffiniert erzählter Roman über Träume, die wahr werden und an den Rand von Verstand und Wirklichkeit führen, über Künstlichkeit, Kampf und Zärtlichkeit.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
384
Price
26.80 €

Author Description

Joey Goebel, 1980 in Henderson, Kentucky, geboren, ist Schriftsteller, Drehbuchautor, Musiker – ein weltweit gefeiertes Multitalent. Seine Romane ›Vincent‹, ›Freaks‹ und ›Heartland‹ wurden in 14 Sprachen übersetzt. Joey Goebel hat einen Sohn und lebt in Henderson, wo er englische Literatur unterrichtet.

Posts

7
All
5

Bin begeistert

Meiner Meinung nach gehört Joey Goebel zu den talentiertesten und unterschätztesten Autoren der Gegenwart und das beweist er auch mit diesem Roman wieder. Die Geschichte über einen Wrestling-Star, der mit inneren Dämonen zu kämpfen hat, überzeugte mich, von der ersten, bis zur letzten Seite. Die Anachronologische Erzählstruktur und die sehr gut geschriebenen Dialoge, helfen dem Roman enorm, ein sensationelles Pacing zu haben. Die Geschichte gibt einem so viele verschiedene Möglichkeiten verschiedene Emotionen durchzuleben. Ich war als Kind und jugendlicher selbst großer Fan vom Wrestling und hatte dementsprechend auch in den Beschreibungen der Kämpfe und storylines ein riesiges Vergnügen. Jedoch glaub ich auch, dass man als nicht Wrestling Fan, viel Freude an diesem großartigen Roman haben wird (auch wenn man vielleicht einige Fachbegriffe nachschlagen muss). Die Übersetzung und das Cover sind sehr gut und passend.

4

Auggie Schnuck wächst in schwierigen Verhältnissen auf und träumt von einer Karriere als Schauspieler. Doch als sich dieser Wunsch nicht erfüllt, landet er eher zufällig in der Welt des Wrestlings. Über einige Umwege wird er dort als „The Aug“ zur echten Kultfigur. Er arbeitet sehr hart, gerät an seine Grenzen und geht darüber hinaus. Dabei verliert er aus den Augen, was ihm am wichtigsten ist, nämlich seine Frau Nadine und der gemeinsame Traum von einer Familie. Immer tiefer gerät er in die glitzernde, künstliche Welt des Wrestlings und weiß irgendwann selbst nicht mehr genau, wer er ist: der liebevolle, sensible Auggie oder die düstere, wütende Kunstfigur „The Aug“. Joey Goebel nimmt uns mit hinter die Kulissen einer Welt, von der die meisten nur flüchtige Eindrücke haben. Gleichzeitig erzählt er die Geschichte einer großen Liebe, die immer wieder auf die Probe gestellt wird. Auggies Traum scheint zum Greifen nah, doch Erfolg, Ruhm und Geld können nicht ersetzen, was in der Kindheit an Liebe, Halt und Geborgenheit gefehlt hat. Wie wir es von Goebel gewohnt sind, ist es ein packender Roman mit viel Tiefgang, starken Figuren und emotionaler Wucht.

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4.5

Als ich gesehen habe, dass es einen neuen Roman von Joey Goebel gibt, war ich einerseits hellauf begeistert. Andererseits verunsicherte mich das Thema: Wrestling. Eine Welt, mit der ich bis dato absolut nichts anfangen konnte. Aber ich wollte dem Buch unbedingt eine Chance geben, also ließ ich mich darauf ein. Und ich kann sagen, es ist toll und absolut lesenswert. Joey Goebel erweist sich einmal mehr als Meister seines Fachs. Die Entwicklung der Story und der Charaktere sind gekonnt aufgebaut. Liest sich sehr flüssig. Und man muss absolut nichts von Wrestling verstehen.

3

Selbstinszenierung, Erfolgsdruck und Tragik. Mit „Sunset Flip“ aus Diogenes Verlag bewegt sich Joey Goebel erneut in den Themen, die viele seiner Romane prägen: Menschen am Rand der Gesellschaft, zerstörerische Sehnsüchte und die Rolle in der Gesellschaft. Diesmal steht die Welt des Wrestlings im Mittelpunkt – eine Branche, in der Show und Realität ständig ineinander übergehen und die Realität vom purem Theater geprägt wird. Hauptfigur ist Auggie Schnuck, der unter seinem Wrestlingnamen „The Aug“ immer erfolgreicher wird. Eigentlich möchte er das Wrestling hinter sich lassen und Schauspieler werden, doch seine Karriere entwickelt sich genau in die entgegengesetzte Richtung. Gemeinsam mit seiner Freundin Nadine versucht er, sich ein normales Leben aufzubauen, während Ruhm, Leistungsdruck und Selbstinszenierung ihn zunehmend vereinnahmen. Der Roman zeigt eindringlich, wie Auggie immer stärker mit seiner Bühnenfigur verschmilzt. Die körperlichen Folgen des Wrestlings, der Umgang mit Steroiden und die psychische Belastung hinter der grellen Fassade spielen dabei eine große Rolle. Besonders gelungen ist die Darstellung dieser künstlichen Unterhaltungswelt, in der Gewalt zur Ware wird und echte Gefühle kaum noch Platz haben. Nadine fungiert dabei als Gegenpol zu Auggies Selbstzerstörung, auch wenn sie als Figur etwas zu wenig Raum erhält. Trotz der interessanten Grundidee bleibt „Sunset Flip“ jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Goebel macht seine Kritik an Medienkultur und Inszenierung oft sehr direkt deutlich. Vieles wird ausgesprochen, statt sich natürlich aus Handlung und Figuren zu entwickeln. Manche Passagen wirken unnötig wiederholend. Vor allem Auggies innere Konflikte drehen sich mehrfach um dieselben Gedanken, ohne dass sich seine Figur entscheidend weiterentwickelt. Auch die Begriffe und Vorgänge aus der Welt des Wrestlings nehmen zu großen Raum ein. Für die Fans von Wrestlings sicherlich sehr interessant und leicht verständlich, doch für Leser, die mit diesem Sport nichts anzufangen wissen, schwierig. Hinzu kommt, dass der Roman emotional eine gewisse Distanz wahrt. Auggie ist bewusst als schwierige, egoistische und destruktive Figur angelegt, was zwar zur Geschichte passt, aber das Mitfühlen erschwert. Gerade in den ruhigeren Momenten fehlt manchmal die emotionale Tiefe, die nötig wäre, um seine Krise wirklich greifbar zu machen. Nebenfiguren bleiben eher funktional und bekommen zu wenig eigene Konturen. Dennoch besitzt „Sunset Flip“ die typische Handschrift von Joey Goebel. Der trockene Humor, die melancholische Stimmung und der Blick auf kaputte Existenzen funktionieren weiterhin gut. Fans seiner früheren Bücher werden viele vertraute Motive erkennen: Menschen, die an ihren Rollen zerbrechen und verzweifelt versuchen, ihrem Leben Bedeutung zu geben. Die Wrestling-Thematik sorgt zwar für ein ungewöhnliches Setting, doch inhaltlich wiederholt der Roman manches, was Goebel in anderen Werken bereits stärker und präziser erzählt hat. Dadurch bleibt „Sunset Flip“ ein interessanter, aber nicht vollständig überzeugender Roman über Selbstinszenierung, Erfolgsdruck und Identitätsverlust.

3.5

Mehr als nur Wrestling!

Sunset Flip war mein erstes Buch mit Wrestling-Thematik überhaupt, weshalb ich anfangs ehrlich gesagt ziemlich gebraucht habe, um reinzukommen. Die ersten 100–150 Seiten waren für mich etwas zäh, weil ich mit Wrestling bisher keinerlei Berührungspunkte hatte. Dadurch hat mich das Buch zwischenzeitlich sogar leicht in eine Leseflaute gebracht. Trotzdem hat es sich am Ende definitiv gelohnt dranzubleiben. Gerade die Themen Selbstinszenierung, Erfolgsdruck und Identitätsverlust fand ich sehr spannend umgesetzt. Besonders interessant war, wie sehr Auggie mit seiner Wrestlingfigur verschwimmt und daran immer mehr zerbricht. Außerdem vertraue ich dem Diogenes Verlag eigentlich fast immer, weil ich viele Bücher aus dem Verlag sehr gerne lese und auch hier haben mich Schreibstil und Atmosphäre überzeugt. Außerdem konnte ich so noch einiges über Wrestling lernen, was ich total interessant fand! Insgesamt war das Buch sehr intensiv, melancholisch und definitiv besonders, auch wenn mir der Einstieg schwergefallen ist.

4.5

Schein und Sein in der Wrestling Welt

Wrestling war für mich immer mehr Show als Sport. Als früherer Fan von 'Hogan Knows Best' (I know) wusste ich nur dass es schlecht für den Rücken ist. Was Wrestling einem Menschen abverlangt, zeigt der Roman 'Sunset Flip' sehr deutlich. Der sympathische und eher zurückhaltende Auggie sieht in seiner Verwandlung in den unberechenbaren und verwirrten 'The Aug' einerseits die Möglichkeit seiner Kindheit in Armut zu entfliehen, andererseits ein Sprungbrett in die Schauspielbranche. 300 Tage im Jahr ist er unterwegs und rackert sich ab, während seine Frau Nadine zurückbleibt. Der Stress, die hohen Erwartungen und der Druck, immer abzuliefern, fordern ihren Tribut: die Grenzen zwischen Auggie und The Aug verschwimmen. Mich hat das sehr an die Rollentheorie aus der Sozialpsychologie erinnert: Wir alle führen je nach sozialer Situation und damit verbundenen Erwartungen unterschiedliche Rollen aus. Gehen die Erwartungen zu weit auseinander, kann es zu einem Rollenkonflikt kommen. Genau das scheint bei Auggie zu geschehen - oder steckt in seiner Figur doch mehr von ihm selbst, als ihm lieb ist? Mir hat das Buch nach einigen Startschwierigkeiten sehr viel Freude bereitet. Es wird wenig zum Thema Wrestling erklärt, ich musste mir viel erschließen. Auch die langen Dialoge sind nicht immer leicht nachzuvollziehen. Unterm Strich fand ich die Handlung und die Protagonist:innen sensibel und fein gezeichnet. Ich kann es also empfehlen und würde 4,5/5⭐ geben!

5

Übersetzt von Nicolai von Schweder-Schreiner Es gibt Autoren, bei denen man die Geschichten liebt. Und dann gibt es Autoren, bei denen man vor allem die Art liebt, wie sie Menschen schreiben. Ich liebe Joey Goebels Geschichten aber vor allem liebe ich die Art und Weise, wie er über seine Figuren schreibt. Natürlich hat "Vincent", eines meiner absoluten All Time Favorit Bücher, das nie wieder aus meinem kleinen Leserinnenherz verschwinden wird, den Weg zur Goebels unglaublich authentischen Charakterbeschreibungen, geebnet. Was mich damals schon so fasziniert hat, fasziniert mich auch heute noch: Goebel erschafft Charaktere, die sich nicht wie Figuren aus einem Roman anfühlen. Während des Lesens vergisst man stellenweise völlig, dass man einer Geschichte folgt, weil die Menschen darin so greifbar, widersprüchlich und lebendig wirken. Seine Charaktere nehmen so viel Raum ein, dass die Handlung manchmal fast zur Nebensache wird. Genau deshalb hat mich auch Sunset Flip wieder so begeistert. Vor allem Auggie ist eine dieser Figuren, die sich sofort im Kopf festsetzen. Er ist Wrestler, lebt von Inszenierungen und davon, vor Publikum bestimmte Rollen zu spielen. Sein eigentlicher Plan ist allerdings Schauspieler zu werden und eigentlich wird er nur Wrestler, weil das mit den verschiedenen Rollen ein scheinbar gutes Sprungbrett für seinen ursprünglichen Plan darstellen soll. Klingt nach einer zwar ungewöhnlichen Beschreibung einer literarischen Figur, aber dennoch etwas auf das man sich bereitwillig einlässt, doch dann macht Joey Goebel daraus mehr als nur eine Geschichte über Wrestling. Er erzählt von einem Menschen, bei dem die Grenzen zwischen der Rolle im Ring und der Person dahinter immer mehr verschwimmen. Was mich besonders beeindruckt hat, war die Art, wie Auggies psychischer Verfall dargestellt wird. Das geschieht nicht plötzlich oder dramatisch von einer Seite zur nächsten. Stattdessen begleitet man ihn dabei, wie er Stück für Stück die Kontrolle verliert. Die Rollen, die er spielt, scheinen sich immer stärker mit seinem echten Ich zu vermischen, bis irgendwann kaum noch klar ist, wo die Inszenierung endet und der Mensch beginnt. Und genau darin liegt für mich die große Stärke des Romans. Auggie ist keine Figur, die man einfach mögen oder ablehnen kann. Er ist gleichzeitig faszinierend, tragisch, erschreckend und zutiefst menschlich. Sein Absturz wirkt nie konstruiert, sondern unangenehm realistisch. Man erlebt mit, wie ein ohnehin schon angeschlagener Mensch nach und nach in ein für ihn psychisches Endzeitszenario stolpert– und das ist unfassbar bedrückend, intensiv und teilweise schwer zu ertragen. Und doch geht man mit, weil man irgendwie nicht anders kann, nicht anders will und ihn auch nicht alleine lassen will. Weil man ihn kennt, den liebevollen Auggie, der eigentlich nur mit seiner Frau und Kindern vor der Glotze sitzen und gemütlich fernsehen will. Joey Goebel gelingt in "Sunset Flip" etwas, das nur wenige Autoren schaffen: Er verurteilt seine Figuren nicht und verklärt sie auch nicht. Stattdessen zeigt er sie in all ihren Widersprüchen. Genau deshalb fühlen sie sich so echt an. Für mich war Auggie ganz klar das Herzstück von des Romans.. Und gleichzeitig war diese Geschichte für mich eine weitere Erinnerung daran, warum Joey Goebel seit "Vincent" zu den Autoren gehört, deren Figuren mich immer wieder aufs Neue faszinieren. Mich begleiten, auch wenn ich schon längst die letzte Seite gelesen habe und die mich nie wieder loslassen werden, bis dann bei Joey Goebels nächstem Roman eine weitere Figur hinzukommt. "Ja ", flüstert er. "Ja. Alles okay. Es tut mir so leid, Nadine. Ich glaube, mir fehlt etwas, das die meisten Menschen haben, nur ich nicht." "Nein. Nein, das stimmt nicht. Es ist genau andersrum. Wenn überhaupt, dann hast du zu viel. Und das ist wunderbar." S.354

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