So, in etwa, ist es geschehen

So, in etwa, ist es geschehen

Hardback
4.125

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Description

Der neue Roman der Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo

Sie sind auf dem Weg nach Timmendorfer Strand: Amata Haller und ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat, sie mit dem Auto dorthin zu fahren. Amata ist in Eile, ihre Mutter wartet, wie jedes Jahr am 3. Mai. An diesem Tag jährt sich der Untergang der Cap Arcona, jene Katastrophe gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, die ihr Großvater nur knapp überlebt hat. Die Hitze drückt auf die überfüllten Straßen, die Fahrt wird immer länger, Brockhaus redet ununterbrochen, und Amata verliert die Fassung. Am Ende des Tages wird Brockhaus nicht mehr leben, und Monate später wird Amata vor Gericht stehen.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
144
Price
22.70 €

Author Description

Sharon Dodua Otoo ist Schriftstellerin, Herausgeberin der englischsprachigen Buchreihe »Witnessed« und Kuratorin des Schwarzen Literaturfestivals »Resonanzen«. Mit dem Text »Herr Gröttrup setzt sich hin« gewann Otoo 2016 den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2020 hielt sie die Klagenfurter Rede zur Literatur »Dürfen Schwarze Blumen Malen?«, die im Verlag Heyn erschien. Ihr erster Roman »Adas Raum« wurde 2023 für die Shortlist des BücherFrauen-Literaturpreises »Christine« ausgewählt und in mehrere Sprachen übersetzt. Es folgten weitere Auszeichnungen und Stipendien; 2025 hielt sie die Zürcher Poetikvorlesung. 2026 erschien ihr zweiter Roman »So, in etwa, ist es geschehen«. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Posts

5
All
3.5

Ein kluges, unbequemes Buch mit vielen wichtigen Themen, das mich beeindruckt, aber auch gefordert hat.

So, in etwa, ist es geschehen war eines dieser Bücher, bei denen ich etwas völlig anderes erwartet habe. Der Klappentext hat bei mir direkt Interesse geweckt. Ich dachte an einen Roman mit Krimi- oder Thriller-Vibes, kombiniert mit Traumaaufarbeitung und Familiengeschichte. Und irgendwie stimmt das auch alles ein bisschen. Gleichzeitig war ich überhaupt nicht darauf vorbereitet, was mich auf diesen 140 Seiten tatsächlich erwartet. Denn dieses Buch ist viel mehr als die Geschichte eines Mordes. Von Anfang an weiß man, dass Heinz Brockhaus sterben wird. Die spannende Frage ist nie, wie das passiert, sondern warum es überhaupt so weit kommt. Und auf dem Weg dorthin packt Sharon Dodua Otoo unglaublich viele Themen in diese kurze Geschichte. Es geht um Rassismus, Erinnerungskultur, Familiengeschichte, Krieg, Trauma, Zugehörigkeit, Vorurteile, gesellschaftliche Machtverhältnisse und darum, wie unterschiedlich Menschen dieselbe Situation erleben können. Ich war überrascht, wie viel in diesen wenigen Seiten steckt. Immer wenn ich dachte, jetzt weiß ich, worauf das Buch hinauswill, kam noch eine weitere Ebene dazu. Besonders spannend fand ich die Geschichte rund um die Cap Arcona. Davon hatte ich vorher noch nicht gehört und ich hätte nicht gedacht, dass mich dieser historische Teil so interessieren würde. Tatsächlich war das einer der Abschnitte, die ich am liebsten gelesen habe. Die Autorin verbindet Geschichte mit den Schicksalen ihrer Figuren, sodass sie nie trocken wirkt. Das hat mich neugierig gemacht und wer weiß, vielleicht landet nach diesem Buch tatsächlich noch das eine oder andere historische Buch auf meiner Leseliste. Der Schreibstil war anders und schwer zu beschreiben. Die Geschichte wechselt zwischen verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen. Man muss sich darauf einlassen, aber insgesamt ließ sich das Buch gut lesen. Mein größter Zwiespalt war gleichzeitig seine größte Stärke. Auf diesen 140 Seiten steckt unglaublich viel. Einerseits fand ich das beeindruckend. Andererseits hatte ich manchmal das Gefühl, dass manche Themen noch mehr Raum verdient hätten. Vieles wird angesprochen, manches nur kurz gestreift und trotzdem bleibt erstaunlich viel hängen. Am meisten beschäftigt hat mich am Ende tatsächlich Brockhaus. Die Kapitel aus seiner Sicht haben mich irgendwann regelrecht gestresst. Nicht weil sie schlecht geschrieben waren, sondern weil sie genau das erreicht haben, was sie erreichen sollten. Er redet, erklärt, relativiert und nimmt immer mehr Raum ein. Irgendwann hatte ich beim Lesen fast das Gefühl, mit Amata in diesem Auto festzusitzen und ihm zuhören zu müssen. Das war unglaublich gut gemacht, aber gleichzeitig war ich auch froh, wenn diese Passagen vorbei waren. Genau deshalb reicht es für mich am Ende nicht ganz für vier Sterne. Das Buch ist außerdem sehr melancholisch. Es behandelt viele schwere Themen und lässt einem nur wenig Zeit zum Durchatmen. Ich glaube, genau das wollte die Autorin erreichen und das ist ihr auch gelungen. Für mich persönlich hat es die Leseerfahrung aber manchmal etwas anstrengend gemacht. Trotzdem hat mir das Buch gefallen. Es spricht viele wichtige Themen an, regt zum Nachdenken an und hat mich mehrfach überrascht. Vor allem die Verbindung aus persönlichen Schicksalen, gesellschaftlichen Fragen und historischen Ereignissen fand ich sehr gelungen. Für mich ist es eines dieser Bücher, bei denen man nicht unbedingt jede Entscheidung liebt, über die man aber noch lange nach dem Zuklappen nachdenkt.

Ein kluges, unbequemes Buch mit vielen wichtigen Themen, das mich beeindruckt, aber auch gefordert hat.
4

So, in etwa finde ich es:

Was an „So, in etwa, ist es geschehen“ von Sharon Dodua Otoo direkt auffällt, ist das Konzept: Der Roman arbeitet mit unterschiedlichen Formen wie Briefen, Audiotranskripten und fragmentierten Perspektiven. Das hebt ihn klar ab und schafft eine besondere Dynamik innerhalb der Geschichte und unterstreicht die entstehende Anspannung. Gleichzeitig zeigt sich hier auch eine kleine Schwäche. Trotz der nur rund 140 Seiten verliert das Buch zwischendurch an Spannung. Vor allem im zweiten Teil zieht es sich teilweise und kann das anfängliche Niveau nicht ganz halten. Was wiederum gut funktioniert: Die episodenhaften Passagen. Stück für Stück setzt sich ein Bild zusammen, fast wie ein Puzzle. Die Tat und vor allem das Gefühl dahinter werden greifbar, ohne dass alles explizit ausgesprochen werden muss.

So, in etwa finde ich es:
5

Eigentlich soll es für Amata Haller nur nach Timmendorfer Strand gehen, wo ihre Mutter auf sie wartet. Jedes Jahr am 3. Mai treffen sie sich dort, um Amatas Großvater zu gedenken, der zu den Überlebenden der Cap Arkona gehörte – einem Schiff, das am 3.5.1945 mit 7500 KZ-Häftlingen an Bord von der britischen Royal Air Force bombardiert und versenkt wurde. Für diese wichtige Verabredung hätte Amata einen Mietwagen reservieren sollen, es aber vergessen. Doch dann bietet ihr Chef Heinz Brockhaus an, sie mit dem Auto dorthin zu fahren. Die beiden kommen ins Gespräch (naja, eigentlich spricht nur Heinz), stehen im Stau, halten an Raststätten – und am Ende ist Heinz tot und Amata im Gefängnis, wo sie auf ihren Gerichtstermin wartet. Der Ausgang ist uns schon bekannt, wenn wir beginnen, Sharon Dodua Otoos neusten Roman „So, in etwa, ist es geschehen“ zu lesen. Der Titel beschreibt dabei sehr genau, was uns erwartet; in dieser Geschichte geht es jedoch nicht darum, „was“ passiert ist, sondern vielmehr „wie“ und vor allem „warum“. Die Handlung ist dabei sehr raffiniert aufgebaut. Zunächst ist da ein Brief von Amata an die fiktive Herausgeberin des Buchs, Nkechi. Dann folgt Amatas Schilderung der Ereignisse und schließlich zwei Anhänge: ein Transkript einer Audiodatei - denn Amatas Handy hat versehentlich alles aufgezeichnet – und ihr Geständnis. Der Roman löst vielerlei Reaktionen in mir aus. Zunächst bin ich überrascht über Amata, die fast schon stolz auf den Mord an ihrem Chef zu sein scheint. Sie bereue nichts, sagt sie, doch ihre Schilderung des Tages bleibt zunächst recht sachlich. Ja, Brockhaus war sicherlich anstrengend, doch ihn gleich umbringen? Erst das Transkript der Audiodatei und ein Rückblick auf ihr bisheriges Leben enthüllt einen Teil des riesigen Berges an Mikroaggressionen, Diskriminierung bis hin zu Hass, den Amata als Schwarze Frau erfahren musste. Und plötzlich erscheint es beinahe folgerichtig, dass Heinz nicht mehr am Leben ist. „So, in etwa, ist es geschehen“ ist ein bedeutsames Buch und ich habe das Gefühl, nicht klug genug zu sein, um all seine Anspielungen und Implikationen zu verstehen. Einen kleinen Ausblick kann ich erhaschen, als ich in einer Satzkonstruktion eine Parallele zu Paul Celans bekanntestem Gedicht „Die Todesfuge“ entdecke. Ich wette aber, es ist noch viel mehr in diesem nicht einmal 150 Seiten langen Text versteckt. Und wir alle sollten, nein müssen, ihn lesen!

4

So, in etwa, ist es geschehen von Sharon Dodua Otoo hat mir sprachlich und insbesondere durch den Aufbau mit den unterschiedlichen Perspektiven und Aufzeichnungen (Brief, Bericht, Transkript) gut gefallen. Fasziniert hat mich, wie die unterschiedlichen Perspektiven ein Bild ergeben: Amata wirkte zu Beginn in ihrem Bericht überdreht/überfordert und für mich war es absolut unverständlich, warum es zu diesem Mord kam. Zum Ende wurde dies durch das Transkript ihres Chefs Brockhaus mit dem Vorwissen aus Amatas Bericht zumindest ansatzweise verständlicher. Aber überall, wo ich die einzige Schwarze Freundin bin, die einige Schwarze Kollegin oder einzige Schwarze Verwandte, ist es nie wirklich entspannt. (S. 39) Otoo hat mit Brockhaus einen maximal unangenehme Person - übergriffig, anmaßend, anstrengend, unreflektiert, nervtötend - beschrieben, mit dem niemand an so einem missglückten Tag insbesondere bei hohen Temperaturen stundenlang in einem Auto sein möchte. In Amatas Bericht wird „Theodor Wonja Michael“ erwähnt und ich hab mich gefreut seinen Namen vorzufinden, da ich sein Buch vor Kurzem erst gelesen habe und den Eindruck hatte, Otoos Text dadurch besser zu verstehen. Es schadet vermutlich nicht, das Buch mindestens zweimal zu lesen.

4.5

'Warum?' als zentrale Frage

Spannendes Konzept. Die Lösung mit dem 'Anhang 1' hat mir sehr gefallen, weil ich mich während des Hauptteils gefragt habe, was Herr Brockhaus gesagt hat. Die Wiedergabe in einem Stück das ununterbrochene Reden sehr greifbar gemacht. Ich hätte mir einen etwas längeren Hauptteil gewünscht, fand aber die Informationsdichte (sowohl über die Personen als auch über historische Ereignisse) beeindruckend. Viele reale Ereignisse werden beschrieben / angedeutet, was ich stilistisch interessant fand. Ich hoffe, dass es eine Fortsetzung geben wird.

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