Ours. Die Stadt
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Description
Ein bildgewaltiges Epos über die Freiheit
Nördlich von St. Louis liegt in den 1830er Jahren eine Stadt, die auf keiner Landkarte verzeichnet ist: Ours. Gegründet und beschützt von der mächtigen Saint, einer geheimnisvollen Frau mit noch geheimnisvolleren Kräften, ist sie Zufluchtsort für die Verlorenen, ehemals Versklavten, die Geretteten. Hier schlagen sie Wurzeln, werden zu Nachbarn und Familien, zu Liebenden. Jahrzehntelang gelingt es Saint und ihrem stummen Begleiter, die Gemeinschaft vor den brutalen Übeln der Welt zu bewahren. Doch als ihre eigenen Verwundungen immer dunklere Schatten werfen und eine neue Macht in die Stadt eindringt, beginnt die Gemeinschaft sich zu fragen, ob Sicherheit sich nicht unweigerlich auf Unfreiheit gründen muss, sogar an einem Ort wie dem ihren. Phillip B. Williams' »Ours« ist ein visionärer Roman, der in der radikalen Neuschöpfung der Vergangenheit eine Stimme für unsere Gegenwart findet, und eine so intime wie elementare Geschichte darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein.
Book Information
Author Description
Phillip B. Williams, geboren in Chicago, Illinois, ist Autor von zwei Gedichtbänden, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem American Book Award, außerdem stand er in der Endauswahl für den PEN/Voelcker Award for Poetry Collection. Derzeit unterrichtet er Kreatives Schreiben an der New York University. Im Sommersemester 2025 wird Phillip B. Williams Picador-Gastprofessor für Literatur an der Universität Leipzig. »Ours. Die Stadt« ist sein erster Roman.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Hinter den Erfahrungen bist du einfach nur Mensch
Was wäre, wenn es einen Ort gäbe, an dem alle Verfolgte, durch Machtmissbrauch Drangsalierte und Versklavte ungestört leben könnten? Nur Ausgewählte könnten überhaupt nur diesen Ort betreten. Er wäre wohl die wahre Zuflucht, ein Raum des Friedens und der Freiheit. Wir sind im Beginn des 19. Jahrhunders, nördlich von St. Louis. Saint, eine Magierin, bewandert in afrikanischer Spiritualität und Hoodoo erschafft so einen Ort, indem sie die Stadt, „Ours“ gründet, ein Zuhause für ehemalige Versklavte, die sie zum grossen Teil auch selbst befreit hat, indem sie ihre „sogenannten Herren“ tötete. Sie wird zur Gründerin und ist zunächst auch ihre einzige Beschützerin. Ein Paradies auf Erden, in dem man sich einfach nur wohlfühlen kann, fernab jeder Gefahr, an dem man sich frei entfalten kann, für alles nötige ist gesorgt, hier kann man sich entspannen. Die ausnahmslos nur aus Schwarzen bestehenden Personen in diesem Buch sind nun befreit und können erst jetzt anfangen, sich zu entwickeln. Wir erleben das mühsame Erlernen eines selbstbestimmten Lebens mit Höhen in Tiefen und damit zugleich die langsame und oft zögerliche Emanzipation einer afroamerikanischen Gesellschaft. Der Debütroman von Phillip V. Williams macht es uns nicht leicht, hinter die Geschichte zu kommen, die beinahe vordergründig poetische Sprache folgt oft keiner chronologischen Logik und ist zudem durchsetzt mit einer Art magischem Realismus, Visionen und Verschiebungen der Wirklichkeit hin zu den Geistwelten und mystischen Zwischenräumen. Es wird nicht möglich sein, hier weitere Beschreibungen des Inhalts des Buches zusammenzufassen, zu verschlungen und vieldimensional ist es. Mir ging es ganz wunderbar in diesem Buch, mit seinen versteckten Orten und vielschichtigen Menschen. Ich konnte tief eintauchen in mir bisher unbekannten Gepflogenheiten, Geschichten und Zaubereien, hier und jenseits. Die Sprache traf mich direkt ins Herz und liess mich alles Viel unmittelbar fühlen. Dies ist kein Buch des Verstandes, auch wenn es ein eher hohes, poetisches Niveau und einen glasklaren Verstand einfordert. Ein Zitat als Beispiel dieser Sprache: „Ich dachte, wenn ich mit dem Kopf im Damals bleibe, würde ich mich im Jetzt an das Damals erinnern, um es dir zurückzubringen, aber je mehr ich im Damals blieb, desto mehr übernahm das Jetzt die Oberhand, und jetzt kann ich dich nicht retten, weil das Du jetzt etwas von dem Ich damals braucht, das mein Ich jetzt nicht mehr hat. Das Du von damals war der Rettung näher, als ich weiter vom Hier entfernt war, das immer hier ist. Das Hier kam immer wieder, und das Damals-Du verwandelte sich immer wieder in das Jetzt-Du, dein Hier-Jetzt war im Geist leichter zu retten, aber meine Gedanken haben es schwerer, dich in dieser Zeit zu retten.“ (Lass dich bitte nicht abschrecken, dies ist ein Beispiel für eine seltene Verworrenheit, für die ich einiges an Zeit brauchte, bis ich es ungefähr erfassen konnte. ) Für mich ist es sicher ein Lebensbuch, welches ich wohl nie mehr vergessen werde. Es sei von Herzen jedem empfohlen, der den Sinn für Poesie, Mystik und Ausdauer (ja, es ist ein dickes Buch!) mitbringt
Tot oder lebendig?
Dieser Roman ist nicht nur durch seinen Umfang anspruchsvoll, sondern auch sprachlich und inhaltlich eine Herausforderung, die sich jedoch lohnt. Insgesamt bin ich am Ende der Lektüre trotzdem etwas ratlos, denn die Stärken des Textes waren für mein Empfinden auch gleichzeitig die Schwachstellen - und diese Uneindeutigkeit beschreibt den gesamten Roman schon ziemlich gut. Besonders der Ideenreichtum und die Kreativität, mit der Williams das vor den fremden Blicken verborgene „Ours“ ausschmückt, sind meiner Meinung nach einzigartig. Scheinbar werden dort alle Regeln des Erzählens auf den Kopf gestellt, sodass ich wirklich mit nichts rechnen und nichts vorhersehen konnte. Und die Frage, ob die Figuren in Ours jetzt nun tot oder lebendig sind, ist nur eine von vielen, über die sich sicher trefflich diskutieren lässt. In Kombination mit der lyrisch geprägten Sprache wurden die Einzelschicksale der Bewohner der Stadt auf märchenhafte und außergewöhnliche Weise mit afrikanischer Mythologie und den Gräueln der Sklaverei verbunden. Dieses wirklich wilde Durcheinander war aber teilweise auch etwas zu viel des Guten. Ein paar durchschaubare Muster zum Festhalten hätten mir daher sehr geholfen, dieses erzählerische Gesamtkunstwerk noch eindeutiger würdigen zu können.
Märchenhafte Saga die einen verzaubert
Mit diesem Buch schafft Phillip B Williams eine poetische Saga. Um 1830 erscheint die Voodoo Zauberin Saint um versklavte Afrikaner*innen von den Plantagen der Vereinigten Staaten zu befreien, die sogenannten Herren fallen einfach Tod um. Und führt die Befreiten in die, von ihr neu gegründete Stadt Ours. Mit einem Zauber vor fremden und Eindringlingen geschützt leben die Menschen nun frei in der neuen Gemeinschaft. Und jede*r kämpft mit seinen eigenen Dämonen der Vergangenheit. Williams bedient sich einer wunderschönen epischen Sprache die manchmal wie Gesang anmutet. So beschreibt er Schicksal und persönliche Erlebnisse der einzelnen Bewohner*innen aus den unterschiedlichen Perspektiven, es gibt keine Hauptprotagonisten und dennoch verliert man den Faden nicht. Es geht um tiefe Traumata, Schuld und Vergebung und wie uns das in der Vergangenheit erduldete über Generationen beeinflusst. Ich bin von der ersten Seite in den Bann gezogen und tief ergriffen. Diesen Autor muss man sich merken.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Ein bildgewaltiges Epos über die Freiheit
Nördlich von St. Louis liegt in den 1830er Jahren eine Stadt, die auf keiner Landkarte verzeichnet ist: Ours. Gegründet und beschützt von der mächtigen Saint, einer geheimnisvollen Frau mit noch geheimnisvolleren Kräften, ist sie Zufluchtsort für die Verlorenen, ehemals Versklavten, die Geretteten. Hier schlagen sie Wurzeln, werden zu Nachbarn und Familien, zu Liebenden. Jahrzehntelang gelingt es Saint und ihrem stummen Begleiter, die Gemeinschaft vor den brutalen Übeln der Welt zu bewahren. Doch als ihre eigenen Verwundungen immer dunklere Schatten werfen und eine neue Macht in die Stadt eindringt, beginnt die Gemeinschaft sich zu fragen, ob Sicherheit sich nicht unweigerlich auf Unfreiheit gründen muss, sogar an einem Ort wie dem ihren. Phillip B. Williams' »Ours« ist ein visionärer Roman, der in der radikalen Neuschöpfung der Vergangenheit eine Stimme für unsere Gegenwart findet, und eine so intime wie elementare Geschichte darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein.
Book Information
Author Description
Phillip B. Williams, geboren in Chicago, Illinois, ist Autor von zwei Gedichtbänden, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem American Book Award, außerdem stand er in der Endauswahl für den PEN/Voelcker Award for Poetry Collection. Derzeit unterrichtet er Kreatives Schreiben an der New York University. Im Sommersemester 2025 wird Phillip B. Williams Picador-Gastprofessor für Literatur an der Universität Leipzig. »Ours. Die Stadt« ist sein erster Roman.
Posts
Hinter den Erfahrungen bist du einfach nur Mensch
Was wäre, wenn es einen Ort gäbe, an dem alle Verfolgte, durch Machtmissbrauch Drangsalierte und Versklavte ungestört leben könnten? Nur Ausgewählte könnten überhaupt nur diesen Ort betreten. Er wäre wohl die wahre Zuflucht, ein Raum des Friedens und der Freiheit. Wir sind im Beginn des 19. Jahrhunders, nördlich von St. Louis. Saint, eine Magierin, bewandert in afrikanischer Spiritualität und Hoodoo erschafft so einen Ort, indem sie die Stadt, „Ours“ gründet, ein Zuhause für ehemalige Versklavte, die sie zum grossen Teil auch selbst befreit hat, indem sie ihre „sogenannten Herren“ tötete. Sie wird zur Gründerin und ist zunächst auch ihre einzige Beschützerin. Ein Paradies auf Erden, in dem man sich einfach nur wohlfühlen kann, fernab jeder Gefahr, an dem man sich frei entfalten kann, für alles nötige ist gesorgt, hier kann man sich entspannen. Die ausnahmslos nur aus Schwarzen bestehenden Personen in diesem Buch sind nun befreit und können erst jetzt anfangen, sich zu entwickeln. Wir erleben das mühsame Erlernen eines selbstbestimmten Lebens mit Höhen in Tiefen und damit zugleich die langsame und oft zögerliche Emanzipation einer afroamerikanischen Gesellschaft. Der Debütroman von Phillip V. Williams macht es uns nicht leicht, hinter die Geschichte zu kommen, die beinahe vordergründig poetische Sprache folgt oft keiner chronologischen Logik und ist zudem durchsetzt mit einer Art magischem Realismus, Visionen und Verschiebungen der Wirklichkeit hin zu den Geistwelten und mystischen Zwischenräumen. Es wird nicht möglich sein, hier weitere Beschreibungen des Inhalts des Buches zusammenzufassen, zu verschlungen und vieldimensional ist es. Mir ging es ganz wunderbar in diesem Buch, mit seinen versteckten Orten und vielschichtigen Menschen. Ich konnte tief eintauchen in mir bisher unbekannten Gepflogenheiten, Geschichten und Zaubereien, hier und jenseits. Die Sprache traf mich direkt ins Herz und liess mich alles Viel unmittelbar fühlen. Dies ist kein Buch des Verstandes, auch wenn es ein eher hohes, poetisches Niveau und einen glasklaren Verstand einfordert. Ein Zitat als Beispiel dieser Sprache: „Ich dachte, wenn ich mit dem Kopf im Damals bleibe, würde ich mich im Jetzt an das Damals erinnern, um es dir zurückzubringen, aber je mehr ich im Damals blieb, desto mehr übernahm das Jetzt die Oberhand, und jetzt kann ich dich nicht retten, weil das Du jetzt etwas von dem Ich damals braucht, das mein Ich jetzt nicht mehr hat. Das Du von damals war der Rettung näher, als ich weiter vom Hier entfernt war, das immer hier ist. Das Hier kam immer wieder, und das Damals-Du verwandelte sich immer wieder in das Jetzt-Du, dein Hier-Jetzt war im Geist leichter zu retten, aber meine Gedanken haben es schwerer, dich in dieser Zeit zu retten.“ (Lass dich bitte nicht abschrecken, dies ist ein Beispiel für eine seltene Verworrenheit, für die ich einiges an Zeit brauchte, bis ich es ungefähr erfassen konnte. ) Für mich ist es sicher ein Lebensbuch, welches ich wohl nie mehr vergessen werde. Es sei von Herzen jedem empfohlen, der den Sinn für Poesie, Mystik und Ausdauer (ja, es ist ein dickes Buch!) mitbringt
Tot oder lebendig?
Dieser Roman ist nicht nur durch seinen Umfang anspruchsvoll, sondern auch sprachlich und inhaltlich eine Herausforderung, die sich jedoch lohnt. Insgesamt bin ich am Ende der Lektüre trotzdem etwas ratlos, denn die Stärken des Textes waren für mein Empfinden auch gleichzeitig die Schwachstellen - und diese Uneindeutigkeit beschreibt den gesamten Roman schon ziemlich gut. Besonders der Ideenreichtum und die Kreativität, mit der Williams das vor den fremden Blicken verborgene „Ours“ ausschmückt, sind meiner Meinung nach einzigartig. Scheinbar werden dort alle Regeln des Erzählens auf den Kopf gestellt, sodass ich wirklich mit nichts rechnen und nichts vorhersehen konnte. Und die Frage, ob die Figuren in Ours jetzt nun tot oder lebendig sind, ist nur eine von vielen, über die sich sicher trefflich diskutieren lässt. In Kombination mit der lyrisch geprägten Sprache wurden die Einzelschicksale der Bewohner der Stadt auf märchenhafte und außergewöhnliche Weise mit afrikanischer Mythologie und den Gräueln der Sklaverei verbunden. Dieses wirklich wilde Durcheinander war aber teilweise auch etwas zu viel des Guten. Ein paar durchschaubare Muster zum Festhalten hätten mir daher sehr geholfen, dieses erzählerische Gesamtkunstwerk noch eindeutiger würdigen zu können.
Märchenhafte Saga die einen verzaubert
Mit diesem Buch schafft Phillip B Williams eine poetische Saga. Um 1830 erscheint die Voodoo Zauberin Saint um versklavte Afrikaner*innen von den Plantagen der Vereinigten Staaten zu befreien, die sogenannten Herren fallen einfach Tod um. Und führt die Befreiten in die, von ihr neu gegründete Stadt Ours. Mit einem Zauber vor fremden und Eindringlingen geschützt leben die Menschen nun frei in der neuen Gemeinschaft. Und jede*r kämpft mit seinen eigenen Dämonen der Vergangenheit. Williams bedient sich einer wunderschönen epischen Sprache die manchmal wie Gesang anmutet. So beschreibt er Schicksal und persönliche Erlebnisse der einzelnen Bewohner*innen aus den unterschiedlichen Perspektiven, es gibt keine Hauptprotagonisten und dennoch verliert man den Faden nicht. Es geht um tiefe Traumata, Schuld und Vergebung und wie uns das in der Vergangenheit erduldete über Generationen beeinflusst. Ich bin von der ersten Seite in den Bann gezogen und tief ergriffen. Diesen Autor muss man sich merken.







