18 Kilometer bis Ljubljana

18 Kilometer bis Ljubljana

Hardback
4.05

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Description

„Das Leben ist ein Sonntagnachmittag, wie Radovan sagen würde. Lang und langweilig, und nimmt ein schlimmes Ende.“ Widerwillig kehrt Marko in seine alte Heimat zurück. In Fužine, dem Vorort von Ljubljana, ist nichts mehr so, wie es war. Die Leute hängen nicht mehr in Trainingsanzügen vor dem Block ab. Die Jugendlichen beschmieren keine Aufzüge mehr und sehen jetzt aus wie brave Geklonte. Er gehört nicht mehr hierher und fühlt sich wie ein Außerirdischer. Seine Freunde sind Junkies oder zum Islam konvertiert, sein Vater hat einen Tumor und tut so, als ginge ihm das am Arsch vorbei. Nach zehn Jahren in der bosnischen Provinz bei Oma und Opa und nach einer unglücklichen Liebe zu einer abgefahrenen Muslimin versucht er dort, wo er nie zu Hause war, seinen Platz zu finden.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
319
Price
26.00 €

Author Description

Goran Vojnović, geboren 1980 in Ljubljana. Bereits mit seinem Debütroman „Tschefuren raus!“ hat er mit der Darstellung von Polizeigewalt einen öffentlichen Skandal ausgelöst. Ihm geht es stets unsentimental und doch berührend um Identitätssuche und kulturelle Offenheit. Auch als Filmregisseur entwirft er in starken Bildern ein Sittenbild der postjugoslawischen Gesellschaften. Vojnović ist einer der erfolgreichsten slowenischen Schriftsteller der Gegenwart, seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt.

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Nix mehr los im Vorort, wo einst die Hütte brannte Marko Dordic kehrt nach jahrelangem „Exil" bei den Großeltern in Bosnien nach Fuzine zurück, einem Stadtteil von Ljubljana. Marko ist das Kind von bosnisch-serbischen Arbeitsmigranten, die in Slowenien ihr Glück suchten. Marko kommt zurück, weil sein Vater Radowan einen Tumor hat, was der Vater aber selber nie zugeben würde. Jedoch ist der Grund bur vorgeschoben, denn eigentlich ist Marko auf der Flucht vor einer bosnischen Unterweltgröße, weil er mit dessen Frau geschlagen hat. Als Marko noch Kind und Jugendlicher war, war Fuzine ein Stadtteil von slawischen Immigranten und entsprechend ging es da zur Sache. Doch heute sind diese Siedlungen chic und entsprechend hat sich das Klientel verändert. Es ist ruhiger geworden im Viertel und auch die einzigen Freunde haben sich entweder den Felgen zugesandt oder dem Islam oder haben sich ein Leben aufgebaut. In dieses Leben dringt Marko nun wieder ein und versucht Fuß zu fassen und zu verstehen, warum sich alles so verändert hat und wie er darin zurecht kommen kann. Wir begleiten diesen jungen Mann in den Tagen während der Basketball-Europameisterschaft 2017, die letztlich Slowenien sogar gewonnen hat, weil es genau der Sport ist, den Marko früher gerne ausgeübt hat. Mit „Tschefuren raus!" hat Goran Vojnovic sein Debüt veröffentlicht, was auch gleichzeitig, der Vorgänger zu diesem Roman ist. Im Debütroman wird die Jugend von Marko beleuchtet und wie es dazu kommt, dass er zu seinen Großeltern zieht. Als ich erfahren hatte, dass dieses Buch einen Vorgänger hat, wollte ich erst nicht weiterlesen, da ich Angst hatte, dass ich nichts verstehe. Aber diese Bedenken kann ich zerstreuen. Ich denke, dass dieses Buch unabhängig von „Tschefuren raus" gelesen werden kann. Vieles wird zwischen den Zeilen erklärt, aber sehr verständlich. Letztendlich geht es in diesem Buch um eine Generation von jungen Männern, die zum einen die jugoslawischen Kriege nicht mehr mitmachen mussten, aber zum anderen nicht wissen, wohin sie gehören. Für die einen sind sie schon waschechte Slowenen (im Buch sogenannte Janez, als abfälliger Begriff für Slowenen, die ihre Tugenden raushängen lassen) und für die gebürtigen Slowenen sind sie immer noch die Tschefuren, Kinder von Arbeitsmigranten, gedulded, aber nicht akzeptiert. Das Buch folgt Marko von seiner Ankunft an auf Schritt und Tritt während der Zeit der Basketball-Europameisterschaft 2017, die Marko mit etwas Interesse verfolgt, da er diesen Sport selber mal richtig gut ausgeübt hat. In dieser Zeit sehen wir deinen Umgang mit der Familie und seinem an Krebs erkranktem Vater und auch mit seinen Freunden, die entweder dauernd im Drogenrausch sind oder irgendwelche komischen Geschäfte machen, in die sich Marko mit hinein ziehen lässt. Das Buch zeigt so eine Generation, die nicht weiß, was sie mit ihrer Zeit und ihren Fähigkeiten anfangen soll. Ich hatte dieses Buch schon seit meinem Urlaub vor 3 Jahren auf dem Schirm, als ich zu Teilen auch in Slowenien verweilte und auch der sehr niedlichen Hauptstadt Ljubljana einen Besuch abstattete. Nun konnte ich es endlich lesen und habe eine etwas abseitigere Seite von diesem Land kennengelernt beziehungsweise die Seite der Immigranten, die aus anderen Ex-Staaten Jugoslawiens zum Arbeiten und Geld verdienen dahin gekommen sind und deren Kinder. Die Sprache unter den Jungen Erwachsenen ist sehr derb und oftmals unter der Gürtellinie, gegenseitige kleinere Provokationen sind an der Tagesordnung. Da wird man mal als Janez beschimpft (quasi das slowenische Pendant zum Alman) oder als Tschefur, was als Abgrenzung zu slowenischen Slowenen zählt. Es ist ein kleiner Ausschnitt, den wir aus dem Leben von Marko erleben, einen weiteren, wenn man den Debütroman in Betracht zieht. Dabei ist es wirklich egal, ob man das erste Buch schon gelesen hat, denn meines Erachtens nach erschließt sich die Vergangenheit aus dem Erzählten recht gut. Wir erleben Marko in seiner Orientierungslosigkeit. Er weiß nicht richtig, wohin er gehört. Ist er nun mehr Slowene, Bosnier, beides? Wo ist seine Heimat und was macht er mit seiner Vergangenheit, die ihn unablässig einholt und nicht in Ruhe lässt? Insbesondere die Beziehung zu seiner Ex Alma lässt ihn immer noch nicht los. Man merkt diesem jungen Mann einen enormen Zorn an, den er aber gegenüber früher nicht mehr so einfach rauslassen kann. Denn mittlerweile ist das ehemalige Ghetto kein Ghetto mehr, sondern vielmehr ein kleinbürgerliches Idyll und dementsprechende Verhaltensmuster, wie sie Marko früher an den Tag legte, nicht mehr gern gesehen. Also muss es irgendwie an andere Stelle raus. Mir hat der Roman trotz der derben Sprache echt gut gefallen, auch wenn ich da an mancher Stelle echt zu tun hatte, das auszuhalten. Gerade die Sicht auf das Leben von Marko und die damit verbundene Außensicht auf das Leben in Slowenien als Zugezogener hat mich viel zum Nachdenken angeregt, dass vielleicht doch nicht alles so gechillt abläuft in Slowenien, wie ich das immer dachte. Und auch so habe ich einige Dinge dazu gelernt, die mir vorher nicht so geläufig waren. Dass Buch ist nicht unbedingt für alle geeignet, gerade wegen der Sprache. Aber wenn man sich darauf einlässt, dann bekommt man einen etwas gesonderten Blick auf ein Land, was man vermeintlich eingeordnet glaubte in den europäischen Kontext.

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„Das Leben ist ein Sonntagnachmittag, wie Radovan sagen würde. Lang und langweilig und nimmt ein schlimmes Ende.“ (S.7) - Lang und langweilig war das Buch definitiv nicht. Es ist voll mit bekannten Balkan Beleidigungen, Bräuchen und Leben. Marko ergeht es wie vielen jungen Menschen dessen Eltern ihre Heimat verlassen haben um ein „besseres“ Leben in einem fremden Land zu haben. Viele hat es nach Schweden, Österreich oder Deutschland verschlagen. Marko ist in Ljubljana gelandet, wurde dann nach Bosnien geschickt und ein Ereignis führt ihn wieder zurück nach Ljubljana. Kaum ist er wieder in Ljubljana holt ihn auch seine Vergangenheit ein und die Menschen von damals. Nicht nur das er sich mit seiner vor Sorge verrückten Mutter und seinem unbelehrbaren Vater auseinandersetzten muss, auch seine damaligen besten Freunde sorgen für eine turbulente Zeit in Slowenien. Vojnović bringt es auf den Punkt: die oft genau so herrschende Eltern-Kind Beziehung auf dem Balkan, die Freundschaften zwischen jungen Männern auf dem Balkan und die Liebeleien von jungen Menschen. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und nennt das Kind beim Namen. Auch Marko hat, wie viele anderen jungen Leute in seiner Situation, Schwierigkeiten rauszukristallisieren wer er ist und wo er hingehört. In Slowenien ist er Tschefur, in Bosnien ist er ein Serbe, aber wer ist Marko? Es ist ein wirklich guter Roman mit einem Hauch von Humor, derber Sprache und vielen Momenten in denen ich mich in kleinen Teilen wiedererkannt habe. Für jeden der sich dafür interessiert zu erfahren wie es sich anfühlt in dieser hin und her gerissenen Identität zu stecken und für jeden der das selbst durchgemacht hat ist dieses Buch ein tolles Porträt. Ein weiteres Buch von Goran Vojnovic steht noch in meinem Regal und wird nach dem grandiosen Leseerlebnis definitiv zeitnah gelesen. (Selbstgekauftes Exemplar)

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