
Wer Stefan Barth kennt, weiß längst, dass hier kein klassischer Western serviert wird, sondern dreckiges Exploitation-Kino in Romanform. Und genau das liefert die Geschichte um Frenchie Queen wieder mit voller Wucht. Frenchie kennt man bereits aus dem RONDO-Roman Hölle auf Rädern — und auch hier zieht die dauerbetrunkene Revolverheldin wie eine hemmungslose Naturgewalt durch den Wilden Westen. Gemeinsam mit einer Horde skrupelloser Halunken begibt sie sich auf die Suche nach einem legendären Goldschatz. Die Schatzkarte? Wurde einem Indianermädchen brutal in den Rücken geritzt. Frenchie säuft, flucht, schießt um sich und stürzt sich hemmungslos in sexuelle Abenteuer — ob mit Männern oder Frauen spielt dabei keine Rolle. Trotzdem bleibt die Figur mehr als nur eine überzeichnete Exzessmaschine. Hinter all dem Whiskey, Dreck und Zynismus blitzt immer wieder auf, dass selbst in dieser kaputten Welt noch ein Rest Menschlichkeit existiert. Mit dabei ist ausgerechnet der Mörder von Wild Bill Hickok, während plötzlich auch Calamity Jane auftaucht, die den Tod ihres Geliebten rächen will — nur leider kaum noch geradeaus laufen kann, weil sie ebenfalls permanent dauerbetrunken ist. Dadurch geraten die Figuren immer tiefer in einen Strudel aus Gewalt, Whiskey, Gier und Wahnsinn. Das Ganze wirkt wie eine völlig enthemmte Mischung aus Italowestern, Grindhouse-Kino und Tarantino-Exzess. Überall fliegen Kugeln, Blut und zynische Dialoge durch die Gegend, während Frenchie Queen wie ein nihilistischer Revolverengel durch diesen zerstörten Westen taumelt. Genau diese völlig überzeichnete Art macht den Reiz der Geschichte aus: laut, brutal, schmutzig — und absolut kompromisslos.



