
KI-Technologien und Überwachung - eine dystopische Darstellung
"Land ohne Geheimnis" handelt von einer Provinz in China im Jahr 2035. Ein KI-gestütztes System überwacht alle Bewohner*innen und lässt diese keinen Schritt unbeobachtet machen. Schon kleine Vergehen werden sofort bestraft, niemand kommt davon. In dieser Realität finden sich Tian und Dshamilja, welche aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft eigentlich nicht zusammen sein sollten. Dennoch verlieben sich die beiden ineinander und versuchen in diesem dystopischen Überwachungsstaat gemeinsam zu überleben. In Zeiten wie heute, wo KI immer weiter ausgebaut und weiterentwickelt wird finde ich es wichtig, sich damit zu beschäftigen. Diese Systeme können schon jetzt und vor Allem in Hinblick auf die Zukunft starke Auswirkungen auf Gesellschaften haben. Der Autor greift in seinem Buch "Land ohne Geheimnis" diesen Umstand auf und zeichnet eine mögliche Welt in zehn Jahren. Da das Thema Überwachung in China ja bereits eine große Rolle spielt, bietet sich das Land für eben diese Geschichte an. Die große Frage der Geschichte ist in meinen Augen, wie eine Gesellschaft in all ihren Spaltungen usw. mit einer derartigen Überwachung umgehen würde. Die Umsetzung habe ich etwas widersprüchlich aufgenommen. Der Autor sagt selbst, dass sein Schreibstil nicht jedem gefällt. Dem stimme ich zu. Zwar war der Schreibstil für mich nicht "unerträglich", aber auf jeden Fall nicht das, was ich sonst gewohnt bin. "Gewöhnungsbedürftig" trifft es ganz gut. Mehrere Beschreibungen von Dingen beziehungsweise Ausdrücke haben mich gestört. Allerdings hat der Schreibstil von Boris Steidle das Buch auch zu einem einzigartigen Erlebnis gemacht. In der aktuellen Fassung sind viele Rechtschreibfehler zu finden, oder aber fehlende Wörter etc. Beeinträchtigt hat es das Leseerlebnis für mich aber nicht allzu extrem. In dem Buch gibt es sehr viele Charaktere. Den Überblick zu behalten war nicht einfach, netterweise gibt es jedoch eine Liste mit allen Charakteren und welche Rolle sie in der Geschichte spielen. Allgemein fiel es mir teilweise schwer, die Ereignisse richtig zuzuordnen und die verschiedenen "Lager" auseinander zu halten, vor allem zum Ende des Buches. Das Liebespaar, Tian und Dshamilja, spielt nicht die größte Rolle in dem Buch. Das sollte man wissen, wenn man sich zu Beginn des Buches auf eine "komplizierte" Liebesbeziehung in schwierigen Zeiten einstellt. Das Drumherum und die Umstände der Gesellschaft und was die Überwachung bei den Menschen auslöst spielt eher die größere Rolle. So kommen Tian und Dshamilja zwischen Anfang und Ende des Buches nicht allzu oft vor. Dennoch beginnt und endet die Geschichte mit den beiden und sie tragen auf jeden Fall ihren Teil zum Geschehen bei. Besonders am Ende wird es sehr turbulent und die Situation "eskaliert". Danach erfährt man, wie es nach der Eskalation weitergeht. Zusammengefasst halte ich das Thema für wichtig und ich möchte auch künftig mehr Bücher in diese Richtung lesen. Leider kann ich aufgrund der genannten Punkte nicht mehr als drei Sterne geben. Ich kann nicht abstreiten, dass das Leseerlebnis angenehmer hätte sein können. Ich bewundere den Autor aber durchaus sehr für die vielen Ideen (zu Story und auch Charakteren) und die Umsetzung.



