Egostreicheln für AfD-Anhänger
Gleich vorweg: Ich habe ein linkes Weltbild und bin daher natürlich nicht zu 100% unvoreingenommen an das Buch herangegangen. Ich versuche aber, alle Menschen aus dem politischen Spektrum zu verstehen und wage mich daher manchmal auch in Gefilde der entgegengesetzten Seite. Dieses Buch war allerdings argumentativ schwach, unterkomplex, realitätsfern, enthält Falschinformationen (nein, das sind keine "alternativen Fakten") und hat sich obendrein ständig selbst widersprochen. Ich gehe davon aus, dass der Autor sich noch nie näher mit linken Diskursen auseinandergesetzt hat. Sonst würde er beispielsweise wissen, dass es zahlreiche linke Content Creator gibt, die gar nicht oder nur inkonsequent gendern. Ich habe noch nie erlebt, dass das jemandem aufgezwungen worden wäre. Auch werden besonders absurde Beispiele herangezogen, die mit Sicherheit nicht repräsentativ für progressiv eingestellte Menschen sind (who is cherry picking now?). Ansonsten frage ich mich auch, wie es eigentlich sein kann, im Fazit von Freiheit und der Würde des Menschen zu sprechen, aber zuvor mehrmals angemerkt zu haben, bestimmte Begriffe wie das N-Wort ja blöderweise nicht mehr ohne Konsequenzen nutzen zu können. Freiheit und Würde sind keine Einbahnstraße. An der Stelle würde es helfen, sich mit der Geschichte Schwarzer Communities auseinanderzusetzen - von denen stammt übrigens auch der woke-Begriff, den Rechte für ihre populistische Agenda beansprucht haben und der auch in diesem Buch auf gefühlt jeder zweiten Seite fällt. Die Krönung des Widerspruchs bildet das Kapitel über Manipulationsmethoden, in der genau das kritisiert wird, was rechtspopulistische Kräfte beherrschen wie kaum jemand anderes und worauf auch in diesem Buch zurückgegriffen wird (ich sage nur cherry picking 🤫). Nicht, dass sich der Autor hier selbst als rechts bezeichnet hätte, allerdings ist das anhand der gewählten Beispiele mehr als eindeutig. Ich könnte ohne Probleme stundenlang darüber aufklären, wo dieses Buch überall falschliegt und hätte immer noch nicht alles gesagt. Nicht, weil ich mich moralisch überhöhen möchte, sondern weil ich selten so einen substanzlosen Unsinn gelesen habe. Auch Religion schützt eben nicht vor Indoktrination und Ideologie. Die haben aber ja immer nur die anderen.

