6. Okt.
Bewertung:4

Der wiederentdeckte Roman der jüdischen Autorin Maria Lazar (1895-1948) wurde Ende der 1920er Jahre in Wien verfasst, aber wo er spielt, wird nie ganz klar. Es kann Wien sein, muss es aber nicht. Die namenlose Ich-Erzählerin schreibt ihre Lebensgeschichte auf und springt nicht nur zwischen den Zeiten hin und her, sondern verwebt auch die Figuren miteinander, sodass mitunter eine Art vierköpfiges Mischwesen aus allen zu entstehen scheint. Die vier Mädchen , später Frauen (neben der Ich-Erzählerin sind da noch die wunderschöne, irgendwie entrückt wirkende Grete, die Arzttochter Ulla, "klug, viel zu klug", die ihrem Vater bei illegalen Abtreibungen assistiert und Anette, "schwatzhaft" und abenteuerlustig) gehen gemeinsam zur Schule und bleiben auch nach der Matura miteinander verbunden. Doch die Freundinnen haben Geheimnisse voreinander, es kommt zu Täuschungen und Verrat. Sie alle suchen ihren Platz im Leben und das ist in der Zwischenkriegszeit (insbesondere für Frauen) gar nicht so leicht. Ich hatte viel Freude beim Lesen und der teils eigenwillige Erzählstil (die Ich-Erzählerin reflektiert zwischendurch immer wieder auch das eigene Schreiben und als Leser*innen wissen wir nie so ganz, was wahr ist und was Fantasie) hat für mich sehr gut funktioniert. Leider wird mehrfach rassistische Sprache (inklusive N- und Z-Wort) verwendet. Fans von Irmgard Keun, Tove Ditlevsen und Vicki Baum kommen hier bestimmt auf ihre Kosten.

Viermal ICH
Viermal ICHvon Maria LazarDas vergessene Buch