
Paul Tordays Roman Lachsfischen im Jemen ist eine ebenso unterhaltsame wie tiefgründige Satire, die mit feinem, unterschwelligem Humor politische Absurditäten und menschliche Eigenheiten seziert. Die Geschichte rund um das scheinbar absurde Projekt, Lachse in der jemenitischen Wüste anzusiedeln, entfaltet sich in einem intelligent konstruierten Spannungsfeld zwischen Rationalität und Glaube, Wissenschaft und Idealismus. Besonders gelungen ist die Charakterzeichnung: Der stoische Fischereiexperte Dr. Alfred Jones steht in reizvollem Kontrast zum visionären Scheich, der mit ruhiger Weisheit und unerschütterlichem Vertrauen nicht nur Jones’ Weltbild, sondern auch das des Lesers ins Wanken bringt. Diese Konstellation verleiht dem Roman eine stille Tiefe, die weit über reine Unterhaltung hinausgeht. Torday gelingt es meisterhaft, satirisch auf die Mechanismen von Macht, Medien und politischem Opportunismus hinzuweisen, ohne den Leser dabei mit erhobenem Zeigefinger zu belehren. Vielmehr webt er seine Gesellschaftskritik elegant in eine amüsante, berührendes und warmherziges Buch.
