Gegen den Geschichtsrevisionismus
Das Buch ist eine quasi unveränderte Neuauflage der 2007 erstmals erschienen Ausgabe. Hubertus Knabe hat lediglich ein neues Vorwort hinzugefügt. Als ich zu lesen begann, erinnerte ich mich dunkel, bereits irgendwann einmal ein Buch von diesem Autor gekauft zu haben und Bingo: ich fand die alte Ausgabe im Taschenbuch, damals bei Ullstein/List herausgegeben. Hab ich also sehr, sehr alten SUB reduziert. Hubertus Knabe war viele Jahre lang Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im ehemaligen berüchtigten Stasi-Untersuchungsgefängnis. Seine absolute Ablehnung gegen die alte Stasi-Garde und wie sie die DDR und ihre Machenschaften immer noch verherrlicht, beschönigen und bestreitet, ist deshalb total gerechtfertigt. Beim Lesen wird man oft sehr wütend: auf die Politiker, denen gerechte Aufarbeitung und kritische Auseinandersetzung völlig egal sind, auf Richter, die zugunsten der Täter und nicht der Opfer urteilen, auf einen Staat, dem seine Bürger egal sind. Die Bilanz, die Hubertus Knabe 2007 zog, ist bis heute unverändert, fürchte ich. Verharmlosung, die Zeit für sich arbeiten lassen, Dinge schönreden und jetzt aktuell die AfD mit ihrem "DDR 2.0" und "Vollende die Wende", was ich wirklich nicht kapiere. Ich will die DDR, das Land, in dem ich meine Kindheit verbrachte, auf keinen Fall wieder so haben. Es war eine Diktatur mit einer Grenze, um die Leute im Inneren gefangen zu halten, nicht um sie von außen zu schützen. "Die Täter sind unter uns" ist ein immer noch wichtiges Buch, eine Stimme, die gehört werden sollte, eine laute Anklage, das historische Bild der DDR nicht zu nostalgisieren.

