6. Juni
🔪 Unter der glühenden Sommerhitze Tokios lauert etwas viel Dunkleres als die Nacht.
Bewertung:3.5

🔪 Unter der glühenden Sommerhitze Tokios lauert etwas viel Dunkleres als die Nacht.

Als in Tokio zwei kleine Mädchen verschwinden und eines von ihnen wenig später tot aufgefunden wird, beginnt für Kommissar Saeki eine Ermittlung, die ihn immer tiefer in menschliche Abgründe führt. Gleichzeitig sucht ein trauernder Vater Trost bei einer Glaubensgemeinschaft, deren Einfluss zunehmend bedrohliche Ausmaße annimmt. Tokyo: Schwarzer Sommer ist kein klassischer Thriller, der mit Spannung und rasanten Wendungen um sich wirft. Der Autor nimmt sich bewusst Zeit, die Charaktere und die gesellschaftlichen Hintergründe der Handlung detailliert auszuarbeiten. Genau das war für mich gleichzeitig Stärke und Schwäche des Buches. Die bedrückende Atmosphäre und die Einblicke in das Japan der frühen 90er-Jahre haben eine besondere Stimmung geschaffen. Gleichzeitig empfand ich den Erzählfluss über weite Strecken als sehr langsam. Gerade zu Beginn fiel es mir schwer, wirklich in die Geschichte hineinzufinden, und die Spannung blieb lange Zeit eher unterschwellig. Besonders der Handlungsstrang rund um Matsumoto und die Glaubensgemeinschaft konnte jedoch mein Interesse früh wecken. Mit fortschreitender Handlung greifen die verschiedenen Ereignisse und Perspektiven immer stärker ineinander, wodurch auch die Figuren zunehmend greifbarer werden. Einige Entwicklungen haben mich tatsächlich überrascht. Erst im letzten Drittel entfaltet die Handlung ihr volles Potenzial. Zusammenhänge werden sichtbar und die Geschichte gewinnt deutlich an Tempo. Ab diesem Punkt konnte mich das Buch schließlich doch noch fesseln. Schade nur, dass dieser Sog erst so spät eingesetzt hat. Fazit: Nicht der spannendste Thriller, den ich gelesen habe, dafür aber eine atmosphärische und tiefgründige Geschichte mit einem gelungenen Schluss und interessanten Einblicken in die japanische Gesellschaft. 3,5 ⭐️

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
5. Juni
Irgendwie mehr erhofft...
Bewertung:3

Irgendwie mehr erhofft...

Ich liebe japanische Literatur und auch Thriller, aber dieses Buch hat sich wirklich sehr gezogen. Es ist mehr ein Krimi wie ein Pageturner. Man bekommt viel erklärt und das leider auch sehr emotionslos erzählt. Der Twist am Ende ist gut und ich hab das Buch auch gerne gelesen, aber umgehauen hat es mich leider nicht...

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
5. Juni
Habe viel zu lange gebraucht, um mit der Erzählweise warm zu werden. Liest sich wie ein sehr langsam erzählter Podcast.
Bewertung:3

Habe viel zu lange gebraucht, um mit der Erzählweise warm zu werden. Liest sich wie ein sehr langsam erzählter Podcast.

Ich hatte am Anfang ein paar Schwierigkeiten mit dem Schreibstil, da es auch etwas trocken zuging. Man erfährt viel über die Machtgefälle und polizeiliche Strukturen innerhalb Japans. Der Thriller wird aus zwei Perspektiven erzählt und gewann so für mich einiges an Spannung. Allerdings war die Story bis ungefähr 60-65% eher zäh und ich musste mich einige Male zum weiterlesen überwinden. Ich hätte mir etwas mehr Spannung gewünscht. Es gibt zwei Handlungsstränge. Einmal verfolgen wir den Kommissar Saeki, der die Fälle der ermordeten Kinder ermittelt. Im anderen Handlungsstrang verfolgen wir Matsumoto, der einer Glaubensgemeinschaft beitritt. Tatsächlich fand ich diesen Part anfangs viel interessanter und greifbarer. Je weiter die Story fortschreitet, desto mehr greift ineinander und die Charaktere wurden für mich greifbarer. Es gibt einige Dinge, mit denen ich persönlich nicht gerechnet habe. Das letzte Drittel legte einen rasanten Sprint hin und fesselte mich vollends ans Buch. Das hätte ich mir schon viel eher gewünscht. Fazit Ein interessanter und komplexer Thriller, bei dem man aufmerksam alles lesen sollte. Die Erzählweise ist eher ruhiger und zielt auf komplexe Verstrickungen ab. Das letzte Drittel war äußerst spannend. Empfehlenswert, jedoch wird es nicht alle Geschmäcker treffen. Als Hörbuch sehr zu empfehlen. Ist, als würde man einen True Crime Podcast hören.

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
3. Juni
Bewertung:4

TOKIO ZEIGT SEIN DUNKELSTES GESICHT – UND DIESER TWIST HAT MICH KALT ERWISCHT 🗼

"Tokyo" von Tokuro Nukui hat mich bereits mit Titel und Klappentext sofort angesprochen. Ich lese viel Thriller, aber ein Thriller aus Japan verspricht oft eine ganz andere Art von Spannung – und genau das bekommt man hier auch. Die Geschichte beginnt mit einem schockierenden Verbrechen und entfaltet sich anschließend zu einem komplexen Netz aus Ermittlungen, gesellschaftlichen Strukturen und persönlichen Schicksalen. Dabei geht es nicht nur um die Suche nach der Wahrheit, sondern auch um die Schattenseiten einer Millionenmetropole und die Institutionen, die hinter den Kulissen agieren. Was mir direkt aufgefallen ist: Dieser Thriller ist komplett anders aufgebaut als viele westliche Thriller. Während hierzulande oft schon auf den ersten Seiten ein Spannungsfeuerwerk gezündet wird, nimmt sich der Autor viel Zeit für Hintergründe, Figuren und Strukturen. Die ersten etwa 40 % des Buches waren für mich deshalb ehrlich gesagt etwas zäh. Statt rasanter Spannung bekommt man zunächst viele Informationen über die handelnden Personen, ihre Verbindungen und auch über Institutionen wie die japanische Polizeibehörde und ihre Arbeitsweise. In dieser Phase war ich noch nicht komplett gefesselt und habe mich stellenweise gefragt, wann die Geschichte endlich Fahrt aufnimmt. Aber dann kam der Wendepunkt. Irgendwann greifen plötzlich alle Zahnräder ineinander. Die Figuren gewinnen an Tiefe, Zusammenhänge werden klarer und die Spannung zieht spürbar an. Ab diesem Moment konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Was vorher wie ein langsamer Aufbau wirkte, entpuppt sich rückblickend als sehr bewusst gesetztes Fundament für das, was noch kommt. Besonders beeindruckt hat mich, wie vielschichtig die Geschichte am Ende wird. Immer wieder werden Erwartungen unterlaufen, neue Informationen verändern die Perspektive auf die Ereignisse und man merkt, dass hier vieles deutlich komplexer ist, als es zunächst scheint. Und dann dieses Ende. Dieser Plot Twist ganz am Schluss hat mich wirklich kalt erwischt. Ich dachte mehrfach, ich hätte inzwischen verstanden, worauf die Geschichte hinauswill – und lag damit nicht ganz richtig. Einen Kritikpunkt habe ich allerdings: Ich hätte mir zu Beginn des Buches eine Triggerwarnung gewünscht. Themen wie Gewalt gegen Kinder und Tiere spielen eine Rolle und könnten für manche Leser:innen sehr belastend sein. Das kam für mich unerwartet und hätte meiner Meinung nach vorab kommuniziert werden dürfen. Fazit: Ein ungewöhnlicher, anspruchsvoller japanischer Thriller, der Geduld verlangt, diese aber belohnt. Wer einen klassischen Pageturner ab Seite eins erwartet, könnte anfangs Schwierigkeiten haben. Wer sich jedoch auf die besondere Erzählweise einlässt, bekommt eine intensive und überraschende Geschichte mit einem Finale, das lange nachhallt.

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
3. Juni
Post image
Bewertung:4

Rezension [ Genre: Thriller] F: Was würdest du tun ,wenn dein Kind entführt wird? ,, Tokyo: "Schwarzer Sommer”, von Tokuro Nukui verfasst, ist der Auftakt einer Buchserie. Ich hoffe, dass die weiteren Bände übersetzt werden! In der ersten Hälfte war ich kurz davor abzubrechen, da das Tempo in der Geschichte sehr ruhig ist und auch die private Geschichte rund um den Dezernatsleiter ziemlich ermüdend beim Lesen für mich war. Mich interessieren nicht Ränge und was für Beef in der Soko herrscht. Aber dieses Element ist trotzdem super wichtig. Das, was mich fasziniert hat, ist das Thema mit der Religionsgemeinschaft und wie viel macht die hatten zumindest damals Anfang der 90er ,aber ob es heute noch so ist ?! Ja,ich weis ich habe auch zuerst gedacht ,warum lese ich jetzt was über Askese ,warum über Kabbala und Leute die sich melken lassen wie eine Kuh ,aber auch da kann ich sagen es wird alles einen Sinn machen! Es ist definitiv ein Thriller, der anders Angst machen wird,weil die Art und Weise wirklich jedes Kind locken kann. Aber das Mordmotiv macht mich einfach sprachlos . Am Ende bin ich so froh, es gelesen zu haben, denn dieser Twist macht sprachlos. Ich kann nur sagen, gibt dem Buch eine Chance.Das ist eine andere Art von Thriller. Der Schreibstil ist sehr hölzern und in der dritten Perspektive geschrieben. 2 Pov ein Geheimnis, kannst du es herausfinden? Manchmal lohnt es sich, ein paar Seiten mehr zu lesen. Vielen Dank für das Bereitstellen des Leseexemplars an die Bloggerjury. Alles Gute,eure Jassy!

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
2. Juni
Bewertung:3

Mit „Tokyo“ liefert Tokuro Nukai einen psychologisch dichten Noir-Krimi, der vor allem durch seine düstere Atmosphäre besticht. Die Handlung führt uns in den schwülen Sommer des Jahres 1991: Das Verschwinden zweier kleiner Mädchen erschüttert die Stadt. Als eines der Kinder tot in einem Flussbett entdeckt wird, flüchtet sich der verzweifelte Vater in die Fänge einer Sekte. Kriminalbeamter Saeki übernimmt den Fall und wird dabei nicht nur mit den Abgründen des Verbrechens, sondern auch mit seiner eigenen inneren Leere konfrontiert. Spätestens als ein weiteres Kind verschwindet, erwartet man als Leser einen rasanten Wettlauf gegen die Zeit – doch der Autor schlägt einen ganz eigenen Weg ein. Dank der auktorialen Perspektive und gut platzierten Rückblenden gewährt Nukai tiefe Einblicke in die vielschichtigen Charaktere. Das größte Highlight des Buches ist jedoch das Setting: Die drückende Hitze und die düstere Grundstimmung Tokios werden spürbar lebendig eingefangen. Trotz der starken Figurenentwicklung (insbesondere bei Saeki) blieb mir der Ermittler emotional allerdings seltsam fremd. Auch wenn der Schreibstil bildhaft und elegant ist, bremst das sehr langsame Erzähltempo die Spannung spürbar aus. Was eine intensive Milieustudie sein soll, zog sich für mich streckenweise leider sehr zäh dahin. Die Exkurse in das japanische Polizeisystem und die Mechanismen von Sekten besitzen zwar gesellschaftliche Relevanz, blieben im Gesamtkontext aber etwas ungreifbar. Zudem fordern die vielen, teils sperrigen Namen Geduld – ich musste mir beim Lesen mental Brücken bauen, um nicht den Faden zu verlieren. Fazit: Ein atmosphärischer und tiefgründiger Gesellschaftskrimi für Fans von ruhigen, soziokulturellen Noir-Geschichten. Wer allerdings einen packenden, dynamischen Ermittlungsthriller sucht, könnte sich hier etwas im zähen Erzählfluss verlieren.

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
1. Juni
Bewertung:4

Puh, ich finde es schwer bei diesem Thriller die passenden Worte zu finden. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, besonders bei den Kapitel aus der Perspektive von Matsumoto. Diese empfand ich als Langweilig und hätte diese am liebsten bis zur Mitte des Buchs übersprungen. Der Hinweis, dass seine Tochter tot ist und er nun Hoffnung in eine neue Religion setzt, hätte mir anfangs vermutlich gereicht.. bzw. hätte vielleicht, für meinen Geschmack, der Aufbau des Buch anders gestaltet sein können.. Aber ab ca. Mitte des Buchs wurde es spannend! Während ich für die erste Hälfte 5 Tage gebraucht habe, habe ich die zweite Hälfte in 2 Tage verschlungen. .. und das Ende: Wow, was ein Plot!

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
1. Juni
Bewertung:3

Ein Buch, bei dem es mir schwer fällt, eine Beurteilung zu verfassen. Grundsätzlich finde ich sowohl die Optik, als auch den Klappentext super ansprechend. Der Schreibstil hat mir soweit auch gut gefallen, wobei die typisch fernöstliche emotionslose Sprache in diesem Kontext für mich oft verwirrend anmutet. Aufgrund vieler kultureller Unterschiede fiel mir das Lesen teilweise etwas schwerer. Inhaltlich hätte ich mir vor allem im Mittelteil mehr Spannung gewünscht, dieser war für mich durch viele Längen gekennzeichnet. Gegen Ende hin hat das Buch allerdings noch mal an Spannung aufgenommen, diese hätte gerne ausführlicher sein dürfen. Zudem war mir das Ende zu offen gehalten, was mir persönlich nicht gefällt. Fazit Ein für den westlichen Geschmack meiner Ansicht nach sehr ruhiges Buch, für mich damit auch kein Thriller. Wer gerne in die japanische Kultur abtauchen möchte, könnte hier fündig werden.

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
1. Juni
Bewertung:5

Sehr geschickt konstruierter Thriller

"Tokyo" von Tokuro Nukui ist ein sehr geschickt konstruierter Thriller. Einmal drin im Geschehen, wollte ich ihn nicht mehr weglegen. Der Thriller spielt im Jahr 1991. In Tokyo sind innerhalb kurzer Zeit zwei Kindergartenkinder spurlos verschwunden. Eines der Mädchen wird tot aufgefunden. Kommissar Saeki und sein Dezernat stehen vor einem Rätsel. Während die Polizei noch rätselt, ob die Fälle der beiden Mädchen zusammenhängen, , verschwindet ein weiteres Kind. Ein Vater ,der sein Kind verloren hat und Trost in einer religiösen Glaubensgemeinschaft sucht, scheint mit den Fällen zu tun zu haben. Wir lernen aus zwei Perspektiven die Hauptprotagonisten kennen. Da ist Matsumoto, der verzweifelte Vater, den wir in seiner Verzweiflung über den Verlust seiner Tochter begleiten. In einer merkwürdigen Religionsgemeinschaft mit Sektencharakter findet er Hoffnung. Die zweite Perspektive handelt von den Ermittlungen, insbesondere wird hier Kommissar Saeki beschrieben, der zu den sogenannten Karrierebeamten gehört. Das Dezernat ist geprägt von Feindseligkeiten zwischen Karrierebeamten und Nicht-Karrierebeamten, Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Ob es diese Hierarchien in Japan wirklich gab oder gibt, kann ich nicht beurteilen und habe dazu auch nichts im Internet gefunden. Deutlich wird in diesem Thriller die Kultur Japans, das niemals Gefühle zeigen und nicht aus der Haut fahren. Mir tat Saeiki wirklich leid, ich hätte mich nicht zurückhalten können und hätte Contra gegeben. Beide Handlungsstränge sind jeder für sich spannend und ergänzen sich bestens. Nukui beschreibt glaubwürdig, bildhaft, atmosphärisch und trotzdem ruhig. Sein Schreibstil ist lebendig, die einzelnen Kapitel nicht zu lang. Die Gefühlswelt der Charaktere wird nachvollziehbar geschildert, dabei steigt die Spannung kontinuierlich. Die Auflösung kam für mich unerwartet und hat mich total überrascht. Ich hatte mit viel gerechnet, damit nicht! Meine Vermutungen gingen in eine völlig andere Richtung. Perfekt! Ein Problem hatte ich mit den vielen für mich manchmal ähnlich klingenden japanischen Namen. Nachdem ich mir dann aber eine Liste der Namen und den Funktionen der Personen angelegt hatte, war auch das kein Problem mehr. Trotz der "Zusatzarbeit" bekommt der Thriller von mir verdiente 5 Sterne. Ich kann ihn auf jeden Fall weiterempfehlen, nicht nur an Freunde asiatischer Literatur!

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
1. Juni
Bewertung:3.5

Tokyo, 1990. Mehrere Morde an Kindern erschüttern die Bevölkerung. Kommissar Saeki steht unter Druck, die Fälle schnell aufzuklären, liegt sein rasanter Aufstieg die Karriereleiter hinauf doch auch in bestimmten familiären Beziehung begründet. Gleichzeitig irrt Matsumoto durch die Straßen, völlig verzweifelt und auf der Suche nach einem neuen Sinn in seinem Leben. Als er diesen in einer Sekte findet, geht es für ihn endlich wieder bergauf. Dann aber bemerkt er erste Unstimmigkeiten und hört Gerüchte über dunkle Machenschaften in den höheren Rängen. Was spielt sich hinter den Kulissen der Sekte ab? „Tokyo. Schwarzer Sommer“ ist der Debütroman des japanischen Schriftstellers Tokuro Nukui und erschien im Original bereits 1993. Die deutsche Übersetzung verfasste Heike Patzschke. Die Geschichte wird im Wechsel aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt: auf der einen Seite verfolgen wir die Ermittlungen rund um die mysteriöse Mordserie, auf der anderen Seite beobachten wir das Abgleiten eines verzweifelten Mannes in die Fänge einer Sekte. Es ist klar, dass diese beiden Stränge sich irgendwann treffen werden, wann und wie bleibt aber lange unklar. Der Thriller gibt einen guten Einblick in die Strukturen der japanischen Polizei. Saeki ist ein so genannter Karrierebeamter, der durch entsprechende Förderung viel schneller einen hohen Rang erreicht hat, als das bei andere Kandidaten möglich wäre. Das macht ihn bei seinen Kollegen nicht besonders beliebt, so dass er mit Anfeindungen zu kämpfen hat und jeder nur darauf wartet, dass er einen Fehler macht. Auf der anderen Seite stehen Glaubensgemeinschaften im Fokus, die Menschen in bestimmten Lebenssituationen ausnutzen. An Matsumotos Beispiel wird sehr deutlich, wie eine solche Sekte den Selbstwert eines Menschen zu eigenen Zwecken wieder aufbaut und eine Art Ersatzfamilie vortäuscht. Lange war ich überzeugt, durchschaut zu haben, wie die beiden Handlungsstränge zusammenhängen, doch dann kam am Ende noch ein echtes Überraschungsmoment. Gestört hat mich jedoch, dass nicht alle Fälle aufgeklärt werden – ich hoffe, es existiert ein Folgeband?

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
31. Mai
Post image
Bewertung:4

Die Prämisse von Nukuis Debütroman hat mich schon sehr gereizt. Und was soll ich sagen? Konstruktion und Plot sind wirklich ein absoluter Geniestreich. ​Das Buch wechselt kapitelweise zwischen zwei Perspektiven: Auf der einen Seite steht der verzweifelte Polizeichef Saeki, der im Tokio der 90er Jahre eine grausame Serie von Kindesentführungen aufklären muss. Auf der anderen Seite erleben wir aus der Ich-Perspektive den psychischen Verfall eines traumatisierten Vaters, der in die Fänge einer obskuren Sekte gerät. Nukui seziert hier ganz hervorragend und erschreckend präzise, wie Isolation, unbewältigte Trauer und die manipulative Dynamik neureligiöser Gruppierungen einen Menschen komplett ruinieren können. Das ist stellenweise richtig harter Stoff, regt enorm zum Nachdenken an und gipfelt in einem der wohl brillantesten und bittersten Plottwists, die ich je in diesem Genre gelesen habe. Da passt am Ende einfach jedes Puzzleteil. ​ Warum also keine 5 Sterne? ​So faszinierend die psychologischen Abgründe auch geschildert sind, hat das Buch für mich eine spürbare Schwäche: den Schreibstil. Nukui schreibt sehr sachlich, fast schon distanziert. Obwohl wir es hier mit absolut hochemotionalen Themen wie dem Verlust eines Kindes und wahnsinnigem Schmerz zu tun haben, fühlte ich mich beim Lesen eher wie eine auf Abstand gehaltene Beobachterin. Man schaut den Figuren dabei zu, wie sie zerbrechen, aber man leidet nicht so richtig mit ihnen, weil der Funke durch die kühle Erzählweise nicht ganz überspringen will. Das nimmt der Tragödie im Mittelteil leider ein wenig die Wucht. Allerdings ist das für einen ostasiatischen, ins Deutsche übersetzten Roman nicht so ungewöhnlich. Man muss diese Erzählart mögen. ​Fazit: Trotz der stilistischen Distanz ist das Buch ein absolut lesenswerter, hochgradig cleverer Psychokrimi für alle, die komplexe Strukturen und düstere Abgründe mögen. Wer ein emotionales Mitfühl-Drama sucht, wird hier vielleicht enttäuscht, wer aber ein verdammt stark konstruiertes Rätsel mit gesellschaftskritischem Unterton sucht, sollte hier definitiv zugreifen. Das Buch lohnt sich!

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
26. Mai
Bewertung:3

Durchwachsener japanischer Krimi

"Tokyo" fällt zwar offiziell ins Genre Thriller, für mich persönlich war es aber eher eine Mischung aus Drama und Krimi. Für mich fehlte hier der Spannungsbogen und es mangelte etwas an Tempo, daher fällt es mir schwer, das Buch als Thriller zu betiteln. Inhaltlich dreht sich das Buch um eine Reihe von vermissten Kindern in Tokyo, die die Gesellschaft und vor allem die zuständigen Polizeibeamten erschüttern. Alles voran der Dezernatsleiter Saeki, der mir ganz eigenen familiären Problemen zu kämpfen hat und auf den die Aufmerksamkeit fällt, denn es fällt ihm schwer, bei den Ermittlungen voran zu kommen. Weiterhin spielt die Figur Matsomoto eine entscheidende Rolle. Durch ihn erfahren wir als Leser so einige interessante Details zu den Religionsgemeinschaften in Japan. Die Menschen in diesen Releigionsgemeinschaften sind oft angetrieben von dem Wunsch nach Veränderung, Gott näher zu sein, verborgene Kräfte zu Tage zu fördern oder einfach nur glücklich zu sein oder einen Sinn im Leben zu entdecken. Matsumoto selbst hat seine Tochter verloren und bekommt dadurch recht schnell den Anknüpfungspunkt zu diesen Religionsgemeinschaften. Hier hätte ich mir im Nachwort des Autos einen Hinweis gewünscht, ob diese Thematik der Religionsgemeinschaft tatsächlich mit so einer Deutlichkeit in Tokyo bzw. Japan existiert oder ob es eher fiktiver Natur ist. Das werde ich anschließend noch selbst recherchieren, da ich das recht interessant finde. Wie zuvor schon erwähnt, hat mir ein wenig Spannung und Tempo in dem Plot gefehlt. Ein großer Fokus liegt auch auf den Lebensumständen der Figuren und die eigentlichen Ermittlungen zu den Kindern wird da etwas in den Hintergrund gedrängt, was ich teils schade und langweilig fand. Am Ende gibt es nochmal einen großen Plottwist, mit dem ich nicht gerechnet hätte, der mir aber nochmal gut gefallen hat und dem Buch ein schlüssiges Ende beschert.

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe
24. Mai
Bewertung:5

Noch auf den letzten Seiten überraschend! Ein Thriller, wie man sich das wünscht. Spannend bis zum Ende. In Tokio sind zwei kleine Mädchen verschwunden. Es gibt keine Hinweise auf den Täter. Als von einem der verschwundenen Mädchen die Leiche gefunden wird, kommt eine SoKo zusammen unter der Leitung von Saeki. Die Ermittlungen kommen nur schwer voran und ein weiteres Kind verschwindet. Das Buch wechselt zwischen zwei verschiedenen Ebenen. Die Ermittlungen der Polizei, wir haben die Perspektiven von Saeki und Okamoto. Viele Infos zu beiden Ermittlern und ihren Lebens. Die zweite Perspektive ist die eines Mannes. Zu Beginn ist nicht viel bekannt, nur dass er unter einem schweren Verlust leidet. Wir lernen ihn auf seiner Suche nach dem Glück immer besser kennen. Er gerät in die Fänge einer obskuren Glaubensgemeinschaft. Ich habe lange nicht verstanden, in welchem Zusammenhang diese beiden Perspektiven stehen. Zeitweise war ich mir nicht sicher, ob es überhaupt einen gibt. Nach etwa der Hälfte habe ich dann gedacht, jetzt habe ich’s verstanden. Nö, falsch gedacht, auf den letzten Seiten wurde ich völlig überrascht. Durch die beiden Perspektiven ist es schwer zu erraten, welche Verbindung es gibt. Der Thriller ist ruhig geschrieben, wie ich es schon von anderen japanischen Thrillern kenne. Die Spannung ist von Anfang an da, man rätselt mit und versucht, sich zurechtzufinden. Das Buch überzeugt nicht durch Action oder weil es blutig ist. Es baut eine realistische Spannung auf und man ist gefesselt von den Figuren und der Entwicklung. Von mir eine absolute Leseempfehlung!

Tokyo
Tokyovon Tokuro NukuiLübbe