Tolles Buch für jüngere Jugendliche
Leute. Ich habe selten ein Kinderbuch gelesen, das so sehr zwischen Licht und Schatten tanzt wie Hinter der blauen Tür. Marcin Szczygielski schreibt keine süße Gute-Nacht-Geschichte. Er schreibt ein Sturmgewitter, eingewickelt in Märchenpapier. Lukasz, der kleine Held dieser Geschichte, wacht nach einem Autounfall im Krankenhaus auf – ohne seine Mutter, die im Koma liegt. Schon dieser Einstieg hat mich kalt erwischt. Kein beschönigtes Drama, sondern ehrliche, kindgerechte Traurigkeit. Dann kommt die Tante, das alte Haus an der Ostsee, das Zimmer seiner Mutter – und natürlich diese blaue Tür, die mehr ist als nur ein Stück Holz. Hinter ihr: die Silberwelt. Wundersam. Düster. Magisch auf die Art, die dir eine Gänsehaut bis hinter die Seele jagt. Fremde Kreaturen, flüsternde Schatten, Schönheit und Gefahr, Hand in Hand. Szczygielski erschafft eine Welt, mit der poetischen Schärfe eines osteuropäischen Märchens. Und Lukasz? Ein Held aus Fleisch, Blut und Angst. Kein Auserwählter, kein geborener Retter – sondern ein Junge, der lernen muss, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben. Sondern, dass man die Tür trotzdem öffnet.


