Alice muss mit dieser Mutter leben - dieser Mutter, die sie bis zu ihrem 6. Lebensjahr vor angeblichen Feinden versteckt hat, sie von der Außenwelt abgeschirmt hat und sie hat verwahrlosen lassen. Dann holt der Vater Alice zu sich und es entbrennt ein Sorgerechtsstreit, der Alice alles abverlangt. Als Erwachsene steht Alice als Comedienne auf der Bühne und weiß doch nicht, wer sie ist. Ein unsichtbares Band fesselt sie an die Mutter, die sie beschimpft, anpöbelt, beschuldigt und dann wieder liebevoll und freundlich zu sein scheint. Aber Alice kann ihr Leben so nicht leben. Sie muss sich von dieser Frau, die ihr nur geschadet hat, irgendwie lösen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wieso ich mir „Sei nicht so“ von Kirstin Warnke gekauft habe. Vielleicht, weil der Klappentext so traurig und doch stark klang. Und genau so habe ich auch diesen Roman empfunden. Alice‘s Mutter ist unerträglich. Sie ist psychisch krank und Alice ist ihr ungeschützt ausgeliefert. Erst als der Vater die Reißleine zieht, lernt sie in anderes Leben kennen. Doch ihre Mutter bleibt immer Teil ihres Lebens und sie erholt sich nie von dem, was ihr kontinuierlich angetan wurde und auch noch als Erwachsene angetan wird. Es war beklemmend diese Beziehung zu verfolgen, hat mich wütend und fassungslos gemacht und zugleich habe ich verstanden, warum Alice all das über sich hat ergehen lassen. Wie großartig war es zu lesen, wie Alice sich langsam gefunden hat, ihren eigenen Weg beschritten hat und es war beinahe schmerzhaft zu erleben, dass sie ihre Mutter doch nie gänzlich aus ihrem System bekommen kann. Wortgewandt und betont leicht wird diese Geschichte erzählt, versucht die Schwere zu kaschieren. Ein Buch, das weh tut, das zornig macht und Mitgefühl generiert - ein Roman über ein unvorstellbares Leben, das so nah an der Realität ist, dass es einem den Atem raubt. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
16. Sept.16. Sept. 2024
Sei nicht sovon Kirstin WarnkePiper
