Obwohl Aurora Venturini sehr viel geschrieben hat, wird sie erst jetzt ins Deutsche übersetzt. "Wir, die Familie Caserta" ist nach "Die Cousinen" das zweite Werk, welches nun bei uns erscheint. Auch dieses Buch ist von Johanna Schwering übersetzt, welche für "Die Cousinen" den Übersetzerpreis der Leipziger Buchmesse 2023 erhalten hat, und beweist erneut, dass auch den übersetzenden Personen Beachtung geschenkt werden sollte. Denn Venturini zu übersetzen stelle ich mich wirklich nicht einfach vor. Ihr Schreibstil ist fliessend, intellektuell, eigenwillig. Das Buch wimmelt von Gedichtfragmenten und Hinweise auf Kunst und Politik. Die Autorin setzt dieses Wissen voraus, war sie selbst doch enorm gebildet. Jedoch lässt sich der Roman auch lesen, ohne ständig Google zu fragen (was ich aber doch gelegentlich getan habe). Vor allem zu Beginn erinnerte mich dieses Buch an "Die Cousinen". Die Stimmung, die Figuren, die Umgebung und Dialoge ähnelten sich ziemlich stark. Was für mich aber durchaus seinen Reiz hatte. Die geschilderte Kindheit ist faszinierend, fremd und auch beklemmend. Venturini ist keine Autorin für alle, sondern eher für jene, welche sich mit kaputten Figuren, Familien, System beschäftigen möchten. Es ist ein durch und durch unbequemes Buch, das es uns auf keiner Seite einfach machen möchte. Leider verlor mich die Autorin ab der Hälfte des Buches ein wenig. Das Leben als Erwachsene empfand ich als weniger faszinierend als die Kindheit. Da sich die Struktur hier zu sehr anderen Titeln mit ähnlichem Inhalt annähert. Es empfiehlt sich auch, das überaus interessante Nachwort zu lesen, in welchem Johanna Schwering sich u.a. auch zur schwierigen Figur der Dienerin Sara äussert und darüber wie genau sie an diesen Text herangegangen ist. Beides fand ich sehr aufschlussreich. Einerseits was die Arbeit als Übersetzende betrifft, aber auch hilft, die Lektüre besser zu verstehen.
21. Dez.21. Dez. 2024
Wir, die Familie Casertavon Aurora Venturinidtv Verlagsgesellschaft


