Verstanden habe ich es nicht, aber gemocht habe ich es trotzdem.
„Auf dem Boden lag ein Seil - nichts weiter.“ Ein abgelegenes Bauerndorf, umgeben von Feldern, Wiesen und Wäldern, mit hart und ehrlich arbeitenden Bewohnern, deren Alltag durch ihr bäuerliches Leben bestimmt ist. Geregelte Abläufe, ein Gefühl von Sicherheit und die Gewissheit, dass die Zukunft eine gute sein wird. Bis dieses Seil auftaucht. Ein Seil, das scheinbar kein Ende hat und dessen Mysterium es den Bauern unmöglich macht, gewohnte Strukturen beizubehalten. Getrieben von Neugier und Tatendrang, macht sich eine Gruppe von Männern auf den Weg, das Geheimnis des Seils zu ergründen. Was die Gruppe fortan erlebt, fand ich äußerst spannend - nicht das Erlebte an sich, sondern das, was auf zwischenmenschlicher Ebene vor sich geht. Beziehungen, Gefühle, Gedanken und wie das eigentliche Ziel langsam aber sicher in die Ferne rückt. Das mehr oder weniger blinde Verfolgen eines immer bizarreren Weges, ohne dessen Sinnhaftigkeit zu hinterfragen, auch wenn offensichtlich kein Ende greifbar ist. Die Atmosphäre - subtil boshaft, die Handlung - offenkundig absurd, die Sprache - bewusst irreführend. Meisterlich erzählt hat mich ‚Das Seil‘ von Anfang bis Ende in gespannter Erwartung gefesselt.

