Wahrhaft revolutionär
Französische Frauen, die sich mit Stift und Papier gegen Opferbeschuldigung wehren und Täter sexuellen Missbrauchs verantwortlich machen sind meine persönlichen Heldinnen, mein innerer Sturm auf die Bastille im 21. Jahrhundert. Vanessa Springora erzählt ungeschminkt und authentisch ihre Geschichte, reflektiert und bedacht beschäftigt sie sich mit allen Teilhabenden ihres Missbrauchs. Ein wichtiges literarisches Werk, ich liebe ihren Schreibstil, der mit Worten eine Leinwand bemalt um diese mit ihrem eigenen Messer einzureißen. Und eins noch: Springora hat mir bewusst gemacht, dass es einfach noch nicht mal 100 Jahre her ist, wo Kindesmissbrauch „salonfähig“ war. Wo Intellektuelle in Talk Shows saßen und dieselbe Güllegrütze von sich gegeben haben wie verurteilte Straftäter nur in eloquenter. Im Fernsehen? Und das fand man revolutionär und.. richtig?? Richtig und wichtig?? Leute, die 60er, 70er und 80er müssen wirklich richtig wild gewesen sein.

