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Über das Buch

JENSEITS DES DURCHGETAKTETEN LEBENS

Von morgens bis abends ist unser Leben durchgetaktet: Jeder einzelne Moment wird erfasst, optimiert oder als ökonomische Ressource vereinnahmt und das macht uns kaputt. Jenny Odell, die Autorin des New-York-Times-Bestsellers «Nichts tun», erkundet in Ihrem scharfsinnigen neuen Buch, welche falschen Vorstellungen unser modernes, kapitalistisches Zeitverständnis prägen und wie fernab davon ein menschlicheres, freieres Leben aussehen könnte.

Was tun, wenn die Zeit immer zu knapp scheint? Um diese scheinbar einfache Frage zu beantworten, taucht Odell tief in die Geschichte der Menschheit ein. Sie rekonstruiert, wie es zur Einteilung des Tages in 24 gleichförmige, austauschbare Zeiteinheiten kommen konnte. Sie führt uns zur Entstehung der "Zeit ist Geld"-Mentalität an den Fließbändern der tayloristischen Fabrik. Und sie problematisiert die Vermarktung von Entschleunigung als leicht konsumierbare Freizeiterfahrung in Yoga- und Achtsamkeitsretreats. Dabei entlarvt Odell die kapitalistischen und kolonialistischen Wurzeln unserer Zeiterfahrung und zeigt, wie diese untrennbar mit der Zerstörung unserer natürlichen Umwelt verbunden sind. Jenny Odells schillerndes, unkonventionelles Buch ist kein weiterer Ratgeber für effizientere Zeit- und Selbstoptimierung. Es ist das kluge und zutiefst hoffnungsvolle Plädoyer für ein Leben jenseits der tickenden Uhr, das mehr Raum für zwischenmenschliche Nähe, gesellschaftliche Teilhabe und Klimagerechtigkeit bietet.

Thema im Zeitgeist: Eine kapitalismuskritische Auseinandersetzung mit Arbeitszeit, der 40-Stunden-Woche und unserer Burnout-Kultur
Wie können wir wieder Autonomie über unsere Lebenszeit gewinnen und eine alternative Wahrnehmung von Zeit etablieren? Essayistische Gesellschaftskritik für Leser:innen von Rebecca Solnit und Naomi Klein

Editionen (1)

ISBN9783406807701
VerlagC.H.Beck
Erscheinungsdatum12.10.23
Seitenzahl440

Rezensionen & Bewertungen

11 Bewertungen

5 Rezensionen

4,0

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  • allesisterleuchtet
    allesisterleuchtet

    199 Follower

    5,0

    Ganz neue Erkenntnisse über Zeit

    Für mich sind Jenny Odells Bücher eine Offenbarung. Sie schreibt derart vielfältig und tief über ein Thema, dass ich nicht nur Wissen sondern Weisheit und Erkenntnis dazu erlange. Ich habe monatelang an diesem Buch gelesen. Immer wieder ein Häppchen und dann tagelang gedanklich darauf rum gekaut. Zeit - Odell beschreibt wie und warum die Zeit als Konstrukt, wie wir es heute kennen, geschaffen wurde, um Menschen zur Arbeit für Andere zu organisieren. Vorher arbeitete man so viel nötig war, ein Zeitschema war nicht nötig. Zeit existierte nur soweit der Glockenturm, der "die Stunde schlug" zu hören war. Ausserhalb gab es keine "Zeit". Sie beschreibt die geschichtliche Entwicklung über die Industrialisierung bis hin zu unserer heutigen Zeit und ihre Auswirkungen auf den Menschen. Vielfach widmet Sie sich Kulturen, die ein gänzlich anderes Konzept von Zeit haben und - jenseits unserer linearen Zeitvorstellung - in jedem Ding und jedem Ort seine eigene Zeit sehen. Denn wir haben nicht Zeit. Wir sind Zeit. Ein faszinierendes Buch - nicht leicht aber es lohnt sich. Wärmstens möchte ich hier auch "Nichts tun" von Jenny Odell empfehlen, der Vorgänger dieses Buches, der mir noch besser gefallen hat.

    21. Juni 2025

  • hansdampf
    hansdampf

    200 Follower

    4,5

    Die Autorin betrachtet das Phänomen Zeit und spannt dabei einen weiten Bogen von Arbeitszeit bis zur Lebenszeit sowohl historisch, biografisch als auch kulturell. Die Verknüpfung von Zeit mit Arbeit und Geld, die Zeiterfassung, Freizeit, Zeitwahrnehmung von indigenen Völkern, geologische Zeiträume werden individuell und philosophisch durchleuchtet. Vom Lebensratgeber über Schriften von Kulturphilosophen oder Märchen und Gedichten wird alles zitiert, was sich in irgendeiner Weise mit Zeit befasst. Wer viel Zeit hat, kann in dieses Mammutwerk (ca 500 Seiten, davon 100 Quellenangaben) eintauchen.

    12. Juli 2025

  • backtothebooks
    backtothebooks

    100 Follower

    4,0

    What makes the world go round?

    So gern ich darauf mit Schlagworten wie Solidarität und Mitgefühl antworten würde, so realistisch kann es ich nur mit „Geld“ beantworten. „Money makes the world go round“ . Weil wir gerade bei Redewendungen sind, lässt sich hier ideal mit „Zeit ist Geld“ anknüpfen. Diese Phrase ist nicht mehr nur so zu verstehen, dass man sich beeilen sollte, um viel zu erledigen. Sie passt auch auf das Phänomen, das ich als das große Buhlen um unsere Zeit und um unsere Aufmerksamkeit bezeichnen möchte. In mir regt sich seit Längerem ein dumpfes Gefühl der Abgrenzung dagegen, das ich bisher kaum in konkrete Worte fassen konnte. Umso interessierter war ich als ich, als ich Jenny Odell und ihre Bücher entdeckte, die dann auch noch in einem meiner „Top 3“ Verlage, dem C.H. Beck Verlag in der deutschen Übersetzung von Annabel Zettel verlegt wurden. Im Oktober gesellten sich somit gleich zwei Bücher zu meinen Sachbuch-Jahresfavoriten. Jenny Odell ist Schriftstellerin, Künstlerin und Dozentin, sie lehrt in Stanford, schreibt für verschiedenste Zeitungen und war als Künstlerin u.a. Teil des Residency Projekts von Facebook. „Nichts tun. Die Kunst, sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen“ und „Zeit finden. Jenseits des durchgetakteten Lebens“ beschäftigen sich beide mit der Frage, wie wir unsere Balance im Umgang mit der Ökonomisierung unserer Aufmerksamkeit und Zeit finden. Von allen Seiten wird mittels mehr oder weniger subtiler Werbung um unsere Konsumentscheidungen gebuhlt und damit um unsere Aufmerksamkeit und Zeit. Gleichzeitung wird uns suggeriert, dass Selbstoptimierung und Effizienzstreben unsere Ziele sein sollen. Da die Welt Menschen wie uns braucht und unser Engagement zum Besseren, ist ein Eremitendasein keine Alternative. So liegt es an uns, diese Prozesse bewusst zu reflektieren und inne zu halten und Kunst, Muße, Kreativität, echtem Austausch und politischem Engagement Raum zu geben und somit nicht zuletzt ein Zeichen des Protests und für den Naturschutz (Thema KI) zu setzen. Wem nutzt es, wenn jede Minute unseres Tages durchökonomisiert ist, wie kam es kulturhistorisch dazu? Zu diesen und noch vielen weiteren Schwerpunkten legt die Autorin in beiden Büchern ihre Gedankengänge dar, schildert viele Hintergründe und Beispiele. Der Stil ist durchweg anspruchsvoll, die Lektüre verlangt stetiges Mitdenken. Hier liegt womöglich auch der größte, denkbare Kritikpunkt verankert: Beide Texte imponieren in ihrer Form eher wie ein essayistisches Selbstgespräch, wie ein gemeinsames Nachdenken und nicht wie ein klar strukturiertes Sachbuch, in man stets den Überblick über das bisher Gesagte behält. Ich konnte mich gut auf diesen Reflektionsfluss einlassen, insofern habe ich mich daran nicht gestört. Vielmehr war ich immer wieder begeistert und berührt, dass Odell Dinge, die ich seit Längerem spüre, so treffend in Worte kleiden konnte. Beide Bücher klingen immer noch nach in meinen Gedanken und setzen immer wieder den Impuls, mir die Verfügungshoheit über meine Zeit und meine Aufmerksamkeit zurück zu erobern. Am Beispiel kommerzieller sozialer Medien möchte ich die Vorteile für mich nutzen und mich nicht von jeder Wellenbewegung umstoßen lassen, in der es letztlich nur ums aufmerksamkeitsbindende Gruppen-Echauffieren (ergo Engagement Provozieren) und nicht um inhaltliche Schwerpunkte geht. Eine Leseempfehlung mit Tiefgang und (nice to have) großer Coverliebe meinerseits.

    30. Okt. 2025

3 von 5 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Jenny Odell

Jenny Odell ist Künstlerin und Schriftstellerin. Sie lehrt an der Stanford University und war als Artist-in-Residence bei Facebook, dem Internet-Archiv und der Planungsabteilung der Stadt San Francisco tätig. Ihre Arbeiten erschienen u.a. in der New York Times, dem New York Magazine, The Atlantic, The Believer, The Paris Review und McSweeneys. Sie lebt in Oakland, Kalifornien.

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