Wolkentöchter

Wolkentöchter

von Xinran
Hardcover
3.77
VerlustChinesische TraditionGeschichteEin-Kind-Politik

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Beschreibung

Da ist Kumei, die von ihrer Familie gezwungen wurde, die beiden Mädchen, die sie zur Welt brachte, zu töten. Was sollte man mit den nutzlosen Wesen auch anfangen? Oder ein Ehepaar, das sich während einer Zugfahrt liebevoll um seine Tochter kümmerte – und sie dennoch an einem verlassenen Bahnhof aussetzte. Oder Xinran selbst, die ein Mädchen vor dem Dasein als Waise retten wollte. Doch ihr Verstoß gegen die Ein-Kind-Politk wurde geahndet. Little Snow musste ins Waisenhaus, ein trostloses Heim, das Xinran mit allen Mitteln, die sie besaß, in einen freundlichen Ort verwandelte. Doch nach einer Dienstreise findet sie das Haus vollkommen verlassen vor. Bis heute fehlt jede Spur von Little Snow.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
320
Preis
19.60 €

Autorenbeschreibung

Xinran, 1958 in Beijing geboren, ist in China ein Star seit einer Radiosendung, in der Frauen ihrSchicksal schilderten. An das Buch „Verborgene Stimmen“ schlossen sich internationalerfolgreiche Bestseller an, darunter besonders beachtet: "Himmelsbegräbnis". Die Autorin lebt seit 1997 in England. Für Recherchen ist sie regelmäßig monatelang in ihrer Heimat.

Beiträge

4
Alle
3

Es fällt sehr schwer, dieses Buch zu rezensieren. Ich habe das Gefühl, dass meine Worte gleich eher eine Abrechnung als ein Review werden. Nachdem ich es gerade beendet habe, las ich mir einige andere Rezension durch, um Anregungen zu bekommen. Die anderen Leser/innen erzählen, wie sehr sie dieses Buch zu Tränen gerührt hat. Das kann ich von mir nicht behaupten, denn scheiße NEIN, ich hab hier keine Rührung verspürt, sondern eine Stinkwut, eine Abneigung, einen Ekel und vielleicht noch eine Verzweifelung, was auf dieser Welt alles möglich ist. In diesem Sachbuch hat die ehemalige Radiomoderatorin 10 Geschichten zusammengetragen von chinesischen Müttern und/oder zur Adoption gegebenen Mädchen, die verdeutlichen sollen, was für ein Elend viele Frauen und Mädchen in diesem Land erleben mussten und immer noch müssen. Ein Land, dessen Menschen zu keinem unterentwickelten Indianerstamm im tropischen Regenwald gehören, deren Sitten uns fremd sind, sondern ein Land, welches schon seit 4000 Jahren zur Hochkultur auf der Erde zählt. Wir lernen aus den Geschichten, dass Mädchen nicht als Kinder erachtet werden, wenn sie auf die Welt kommen und solange entsorgt werden, bis endlich der ersehnte Stammhalter das versmogte Licht der Erde erblickt. Es ist kaum zu ertragen, wenn Hebammen berichten, dass sie das noch lebende Neugeborene im Mülleimer entsorgen, während die Verwandtschaft, die um das Bett der Wöchnerin stand, mit traurig gesenktem Haupt das Zimmer verlässt. Solche Informationen sind uns im Groben ja nicht neu. In Indien ist es genauso schlimm. Mittlerweile werden die Bräute aus Vietnam importiert, da aufgrund der Ein-Kind-Politik nicht mehr genug Frauen für die strammen Chinaburschen mehr da sind. Aber die aktuelle chinesische Familienpolitik ist nicht der alleinige Grund für diese Greultaten. Das wird auch aus dem Buch klar. Gerade in den ländlichen Regionen hat dieses Patriarchatsdenken eine jahrhundertealte Tradition. Die Familie braucht einen Jungen, sonst kann sie nicht überleben. Klar, kann man sagen, ist halt eine andere Kultur. Andere Länder, andere Sitten. Aber dieses lapidare Zurtagesordnung gehen, fällt extrem schwer, gerade wenn man selbst Kinder hat, sich noch gut erinnern kann, was da für Gefühle in einem hochkommen, wenn man das neu geborene Leben in der Hand hält. Was für eine Sitte soll das sein, dass man so ein Kind gleich ins Waisenhaus gibt oder sogar tötet? In der letzten Geschichte erzählt eine Betroffene Mutter, dass „Chinesinnen die selbstlosesten Frauen der Welt sind. Sie würden alles für ihren Mann tun, Schmerzen erdulden, Blut und Tränen vergießen, um für das Wohlergehen ihrer Liebsten zu sorgen!“ Ja, da fällt mir echt das eBook aus der Hand. Schon klar, das Wohlergehen ihrer Liebsten. Ich fasse es nicht. Jetzt stelle ich mir die Frage: was mache ich nun nach der Lektüre dieses Sachbuchs mit den erhaltenen Informationen? Spenden für einen chinesisches Waisenhaus in einem Land, dass sich zu der kommenden ökonomischen Weltmacht zählen will? Beim nächsten Besuch beim Chinesen eine freundliches Gespräch mit der Kellnerin über die Familienpolitik ihres Landes beginnen? Oder einfach nur dankbar sein, dass ich nicht in diesem Kulturkreis aufgewachsen bin? Manche Sachen will ich in dieser Detailtiefe gar nicht wissen. Daher bin ich gerade recht ratlos und wütend. Dem Buch habe ich 3 Sterne gegeben, weil es ein wichtiges Buch ist und eigentliche auch ein gutes Buch. Es leidet allerdings an der Erzähltechnik und -Stil der Autorin, wobei der Übersetzer das auch damit erklärt, dass sich Emotionen, wie wir sie in Europa kennen, nicht so sehr im Mandarin wiederfinden und er versucht hat, dass quasi sinngemäß emotional zu übersetzen. Und da ist er schon wieder, der große kulturelle Unterschied. Ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin mehr auf die soziologischen Zusammenhänge eingeht und weniger oft die Lebensgeschichten der Einzelnen sachlich wiedergibt. Aus diesem Grund fiel es mir schwer, das Buch zügig zu lesen. Zum Abschluss noch einen extra großen Rüffel an den Droemer Verlag. Sind eure Coverzeichner eigentlich voll auf Drogen? Oder seid ihr so verkaufsgeil, dass gnadenlos jedes Buch eine ziel- und vor allem kaufgruppengerechte Verpackung bekommen muss? Hier geht es um eine ganz traurige Angelegenheit, ein dunkles Kapitel unserer Menschheitsgeschichte, was die englischen Verlagshäuser dazu bewegte, ein einsames Kleinkind in einer versmogten Strassenschlucht in China zu fotografieren. Ein deprimierendes Bild passend zum traurigen Originaltitel. Und ihr nennt das Buch Wolkenkinder, ein Buchtitel wie von einer Romanze von Armentrout, pinselt das ganze in quietschvergnügtes Sonnengelb, dazu noch ein paar liebliche Schwälbchen und ganz wichtig für den deutschen Markt (damit man auch merkt, dass es um Asien geht), der klischeehaft blühende Zierkirschenzweig. Echt, ganz große Arbeit, toll, wie da Inhalt und Verpackung aufeinander abgestimmt wurden.

3

Xinran schildert in ihrem Buch 10 Schicksale von Frauen, die aufgrund der 1-Kind-Politik in China ihre Tochter weggeben mussten/töteten oder selbst zu diesen verlorenen Töchtern zählten. Die Vielfältigkeit der verschiedenen Erfahrungen hat mich sehr schockiert. Eine Gesellschaft, in der Frauen als deutlich minderwertiger betrachtet werden als Männer, ist einfach grauenvoll. Dank des Unwissens über Genetik in gewissen Landesteilen werden die Frauen [vor allem in ländlichen Regionen] dann verstoßen, wenn sie keinen wertvollen Sohn gebähren. So etwas menschenverachtendes. Mitunter hat man leider das Gefühl, dass die Autorin sich unsagbar distanziert und manches gar nicht auszusprechen wagt. Ich möchte keine Horror-Splatter-Geschichten lesen, aber es verbirgt sich viel hinter Andeutungen und diese Distanz beim Erzählen erscheint mir fragwürdig. Gefühlt wird in jedem [2.] Text gleich die Werbekeule für ihre großartige Organisation "The Mothers' Bridge of Love" geschwungen - etwas störend. Ansonsten ein sehr krasser Einblick hinter Chinas Gesellschaft und welche unwürdigen Auswirkungen einzeln politisch-ausgefeilten Beschlüsse haben können, um ein Volk zu 'optimieren'.

4

Geschichten die nahe gehen und einen den Kopf schütteln lassen. vor allem, wenn man die Gesetzesartikel am Ende liest. Lesenswert!

3

Es fällt sehr schwer, dieses Buch zu rezensieren. Ich habe das Gefühl, dass meine Worte gleich eher eine Abrechnung als ein Review werden. Nachdem ich es gerade beendet habe, las ich mir einige andere Rezension durch, um Anregungen zu bekommen. Die anderen Leser/innen erzählen, wie sehr sie dieses Buch zu Tränen gerührt hat. Das kann ich von mir nicht behaupten, denn scheiße NEIN, ich hab hier keine Rührung verspürt, sondern eine Stinkwut, eine Abneigung, einen Ekel und vielleicht noch eine Verzweifelung, was auf dieser Welt alles möglich ist. In diesem Sachbuch hat die ehemalige Radiomoderatorin 10 Geschichten zusammengetragen von chinesischen Müttern und/oder zur Adoption gegebenen Mädchen, die verdeutlichen sollen, was für ein Elend viele Frauen und Mädchen in diesem Land erleben mussten und immer noch müssen. Ein Land, dessen Menschen zu keinem unterentwickelten Indianerstamm im tropischen Regenwald gehören, deren Sitten uns fremd sind, sondern ein Land, welches schon seit 4000 Jahren zur Hochkultur auf der Erde zählt. Wir lernen aus den Geschichten, dass Mädchen nicht als Kinder erachtet werden, wenn sie auf die Welt kommen und solange entsorgt werden, bis endlich der ersehnte Stammhalter das versmogte Licht der Erde erblickt. Es ist kaum zu ertragen, wenn Hebammen berichten, dass sie das noch lebende Neugeborene im Mülleimer entsorgen, während die Verwandtschaft, die um das Bett der Wöchnerin stand, mit traurig gesenktem Haupt das Zimmer verlässt. Solche Informationen sind uns im Groben ja nicht neu. In Indien ist es genauso schlimm. Mittlerweile werden die Bräute aus Vietnam importiert, da aufgrund der Ein-Kind-Politik nicht mehr genug Frauen für die strammen Chinaburschen mehr da sind. Aber die aktuelle chinesische Familienpolitik ist nicht der alleinige Grund für diese Greultaten. Das wird auch aus dem Buch klar. Gerade in den ländlichen Regionen hat dieses Patriarchatsdenken eine jahrhundertealte Tradition. Die Familie braucht einen Jungen, sonst kann sie nicht überleben. Klar, kann man sagen, ist halt eine andere Kultur. Andere Länder, andere Sitten. Aber dieses lapidare Zurtagesordnung gehen, fällt extrem schwer, gerade wenn man selbst Kinder hat, sich noch gut erinnern kann, was da für Gefühle in einem hochkommen, wenn man das neu geborene Leben in der Hand hält. Was für eine Sitte soll das sein, dass man so ein Kind gleich ins Waisenhaus gibt oder sogar tötet? In der letzten Geschichte erzählt eine Betroffene Mutter, dass „Chinesinnen die selbstlosesten Frauen der Welt sind. Sie würden alles für ihren Mann tun, Schmerzen erdulden, Blut und Tränen vergießen, um für das Wohlergehen ihrer Liebsten zu sorgen!“ Ja, da fällt mir echt das eBook aus der Hand. Schon klar, das Wohlergehen ihrer Liebsten. Ich fasse es nicht. Jetzt stelle ich mir die Frage: was mache ich nun nach der Lektüre dieses Sachbuchs mit den erhaltenen Informationen? Spenden für einen chinesisches Waisenhaus in einem Land, dass sich zu der kommenden ökonomischen Weltmacht zählen will? Beim nächsten Besuch beim Chinesen eine freundliches Gespräch mit der Kellnerin über die Familienpolitik ihres Landes beginnen? Oder einfach nur dankbar sein, dass ich nicht in diesem Kulturkreis aufgewachsen bin? Manche Sachen will ich in dieser Detailtiefe gar nicht wissen. Daher bin ich gerade recht ratlos und wütend. Dem Buch habe ich 3 Sterne gegeben, weil es ein wichtiges Buch ist und eigentliche auch ein gutes Buch. Es leidet allerdings an der Erzähltechnik und -Stil der Autorin, wobei der Übersetzer das auch damit erklärt, dass sich Emotionen, wie wir sie in Europa kennen, nicht so sehr im Mandarin wiederfinden und er versucht hat, dass quasi sinngemäß emotional zu übersetzen. Und da ist er schon wieder, der große kulturelle Unterschied. Ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin mehr auf die soziologischen Zusammenhänge eingeht und weniger oft die Lebensgeschichten der Einzelnen sachlich wiedergibt. Aus diesem Grund fiel es mir schwer, das Buch zügig zu lesen. Zum Abschluss noch einen extra großen Rüffel an den Droemer Verlag. Sind eure Coverzeichner eigentlich voll auf Drogen? Oder seid ihr so verkaufsgeil, dass gnadenlos jedes Buch eine ziel- und vor allem kaufgruppengerechte Verpackung bekommen muss? Hier geht es um eine ganz traurige Angelegenheit, ein dunkles Kapitel unserer Menschheitsgeschichte, was die englischen Verlagshäuser dazu bewegte, ein einsames Kleinkind in einer versmogten Strassenschlucht in China zu fotografieren. Ein deprimierendes Bild passend zum traurigen Originaltitel. Und ihr nennt das Buch Wolkenkinder, ein Buchtitel wie von einer Romanze von Armentrout, pinselt das ganze in quietschvergnügtes Sonnengelb, dazu noch ein paar liebliche Schwälbchen und ganz wichtig für den deutschen Markt (damit man auch merkt, dass es um Asien geht), der klischeehaft blühende Zierkirschenzweig. Echt, ganz große Arbeit, toll, wie da Inhalt und Verpackung aufeinander abgestimmt wurden.

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