Wie man endlich glücklich wird
von Linus Reichlin
Hardcover
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Beschreibung
Als das Flugzeug Kloten auf dem schnellsten Weg verliess, waren meine Hände wieder mal so feucht, dass ein Goldfisch darin hätte herumschwimmen können. Um mich auf den eventuellen Absturz vorzubereiten, griff ich zum "Safety on board"-Prospekt. Gütiger Himmel! Da stand: "Sie fliegen in einer MD-11"! Also in der Teufelsmaschine mit ihren berüchtigten Unterhaltungselektronik-Kabeln, aus denen die Funken feuerwerksähnlich stieben, bis die Piloten im brennenden Cockpit niedersinken! Jetzt brauchte ich wirklich einen Freund. "Ich möchte Sie nicht stören", sagte ich zur bildschönen Frau neben mir, "aber das ist ein Notfall! Wir fliegen in der tödlichen MD-11!" Ihre schönen Augen begannen unruhig herumzuwandern. "Aber ich habe doch", flüsterte sie, "bei der Buchung ausdrücklich eine Boeing-747 verlangt, alles, nur keine MD-11!" "Zu spät", sagte ich nach einem Blick aus dem Fenster. "Ich habe eine zweijährige Tochter und eine gutgehende Boutique", flüsterte die Schöne. "Bitte, unternehmen Sie etwas!" Das war aber gar nicht nötig, denn ein Herr hinter uns war der Swissair ebenfalls auf die Schliche gekommen. "Fräulein", rief er Richtung Stewardess, "Sie, das ist eine MD-11! Das hat mir aber keiner gesagt! Ich möchte sofort mit dem Kapitän sprechen!" Die Stewardess bot ihm einen Cognac an, aber der Herr verlangte kategorisch eine Notlandung. "Bravo!" rief die Schöne, deren Parfüm umwerfend war. Wenigstens wirst du in einer wunderbaren Duftwolke abstürzen, sagte ich mir und zog die Schwimmweste an. Das löste in meiner näheren Umgebung eine kleine Panik aus. "Unter meinem Sitz fehlt der Schwimmgurt!" schrie jemand. Ein anderer hämmerte mit den Fäusten auf das Fach, in dem er die Sauerstoffmaske vermutete. Der Chefsteward war auch nicht gerade die Ruhe selbst. "Ladies and Gentlemen", rief er ins Mikrophon, "wir bitten Sie, die Schwimmwesten auszuziehen und eine ganz normale Sitzposition einzunehmen!" Vorn in der Business Class hatten nämlich alle die im "Safety on board"-Prospekt für den Fall einer Bruchlandung vorgeschriebene Kopf-zwischen-die-Knie-Haltung angenommen. Dem Chefsteward zuliebe hoben jetzt einige ihre Köpfe, steckten sie aber sofort wieder zwischen die Knie, als jemand rief: "Rauch! Das Triebwerk brennt!" "Adieu", flüsterte meine Sitznachbarin erstaunlich gefasst. "Es war schön, mit Ihnen zu fliegen", sagte ich leise. Wie durch einen Nebel hörten wir die Stimme des Flugkapitäns, der uns erklärte, das Triebwerk brenne nicht; bei dem "Rauch" handle es sich vielmehr um Wolken, denen man in dieser Flughöhe und Jahreszeit relativ oft begegne. "Gibt es hier einen Pfarrer?" fragte eine ältere Dame jeden, an dem sie auf dem Weg zur Toilette vorbeikam. Acht Stunden später landeten wir komplett erschöpft in New York. Einige legten erst im Zubringerbus ihre Sauerstoffmaske ab. Die Schwimmwesten durften wir behalten - trotz allem eine nette Geste der Swissair. Bei der Gepäckausgabe kam es dann zu ergreifenden Szenen: Wir Überlebenden fielen einander um den Hals, weinten, machten Duzis und gründeten spontan eine Selbsthilfegruppe ehemaliger MD-11-Passagiere.
Buchinformationen
Haupt-Genre
Ratgeber & Sachbücher
Sub-Genre
Humoristisch
Format
Hardcover
Seitenzahl
132
Preis
13.40 €
Beschreibung
Als das Flugzeug Kloten auf dem schnellsten Weg verliess, waren meine Hände wieder mal so feucht, dass ein Goldfisch darin hätte herumschwimmen können. Um mich auf den eventuellen Absturz vorzubereiten, griff ich zum "Safety on board"-Prospekt. Gütiger Himmel! Da stand: "Sie fliegen in einer MD-11"! Also in der Teufelsmaschine mit ihren berüchtigten Unterhaltungselektronik-Kabeln, aus denen die Funken feuerwerksähnlich stieben, bis die Piloten im brennenden Cockpit niedersinken! Jetzt brauchte ich wirklich einen Freund. "Ich möchte Sie nicht stören", sagte ich zur bildschönen Frau neben mir, "aber das ist ein Notfall! Wir fliegen in der tödlichen MD-11!" Ihre schönen Augen begannen unruhig herumzuwandern. "Aber ich habe doch", flüsterte sie, "bei der Buchung ausdrücklich eine Boeing-747 verlangt, alles, nur keine MD-11!" "Zu spät", sagte ich nach einem Blick aus dem Fenster. "Ich habe eine zweijährige Tochter und eine gutgehende Boutique", flüsterte die Schöne. "Bitte, unternehmen Sie etwas!" Das war aber gar nicht nötig, denn ein Herr hinter uns war der Swissair ebenfalls auf die Schliche gekommen. "Fräulein", rief er Richtung Stewardess, "Sie, das ist eine MD-11! Das hat mir aber keiner gesagt! Ich möchte sofort mit dem Kapitän sprechen!" Die Stewardess bot ihm einen Cognac an, aber der Herr verlangte kategorisch eine Notlandung. "Bravo!" rief die Schöne, deren Parfüm umwerfend war. Wenigstens wirst du in einer wunderbaren Duftwolke abstürzen, sagte ich mir und zog die Schwimmweste an. Das löste in meiner näheren Umgebung eine kleine Panik aus. "Unter meinem Sitz fehlt der Schwimmgurt!" schrie jemand. Ein anderer hämmerte mit den Fäusten auf das Fach, in dem er die Sauerstoffmaske vermutete. Der Chefsteward war auch nicht gerade die Ruhe selbst. "Ladies and Gentlemen", rief er ins Mikrophon, "wir bitten Sie, die Schwimmwesten auszuziehen und eine ganz normale Sitzposition einzunehmen!" Vorn in der Business Class hatten nämlich alle die im "Safety on board"-Prospekt für den Fall einer Bruchlandung vorgeschriebene Kopf-zwischen-die-Knie-Haltung angenommen. Dem Chefsteward zuliebe hoben jetzt einige ihre Köpfe, steckten sie aber sofort wieder zwischen die Knie, als jemand rief: "Rauch! Das Triebwerk brennt!" "Adieu", flüsterte meine Sitznachbarin erstaunlich gefasst. "Es war schön, mit Ihnen zu fliegen", sagte ich leise. Wie durch einen Nebel hörten wir die Stimme des Flugkapitäns, der uns erklärte, das Triebwerk brenne nicht; bei dem "Rauch" handle es sich vielmehr um Wolken, denen man in dieser Flughöhe und Jahreszeit relativ oft begegne. "Gibt es hier einen Pfarrer?" fragte eine ältere Dame jeden, an dem sie auf dem Weg zur Toilette vorbeikam. Acht Stunden später landeten wir komplett erschöpft in New York. Einige legten erst im Zubringerbus ihre Sauerstoffmaske ab. Die Schwimmwesten durften wir behalten - trotz allem eine nette Geste der Swissair. Bei der Gepäckausgabe kam es dann zu ergreifenden Szenen: Wir Überlebenden fielen einander um den Hals, weinten, machten Duzis und gründeten spontan eine Selbsthilfegruppe ehemaliger MD-11-Passagiere.
Buchinformationen
Haupt-Genre
Ratgeber & Sachbücher
Sub-Genre
Humoristisch
Format
Hardcover
Seitenzahl
132
Preis
13.40 €



