Wer hat Bambi getötet?

Wer hat Bambi getötet?

Hardcover
3.717

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Beschreibung

Antje Rávik Strubel ist mit „Wer hat Bambi getötet?“ für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung nominiert. Ein furioser Roman voll von Punk, Zorn und bissigem Witz: Atemlos folgen wir einer Reise durch die Abgründe der Vorstadtidylle von Helsinki. Seit jener Party der vielversprechenden Jeunesse dorée ist nichts mehr, wie es war in dem eleganten Villenviertel bei Helsinki: Familien zerbrechen, Karrieren enden, und ein düsteres Schweigen liegt über der einst so heiteren Idylle am See. Unerbittlich legt Fagerholm frei, was sich in dieser Nacht ereignet hat: Der charmante Gastgeber Nathan, Gusten und deren zwei Freunde haben das Mädchen Sascha im Keller eingeschlossen, sie stundenlang gequält und vergewaltigt. Und auch wenn Schweigegeld bezahlt und Geständnisse abgelegt werden, kann nichts mehr heil werden, weil es keine Sprache gibt für das, was geschehen ist. Das muss auch Gusten erfahren, als er nach Jahren auf der Suche nach seiner großen Jugendliebe Emmy zurückkehrt …

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
256
Preis
25.00 €

Autorenbeschreibung

Monika Fagerholm, geboren 1961 in Helsingförs, zählt zu den bedeutendsten skandinavischen Autorinnen der Gegenwart. Sie studierte Psychologie und Literaturwissenschaft an der Universität Helsinki und machte 1987 ihren Abschluss. Sie publizierte zahlreiche Kurzgeschichten, der literarische Durchbruch gelang der finnlandschwedischen Autorin mit ihrem ersten Roman „Wunderbare Frauen am Wasser“ (1994), für den sie den Runeberg Preis erhielt. Für „Das amerikanische Mädchen“ wurde sie 2005 mit dem August-Preis ausgezeichnet und für „Wer hat Bambi getötet?“ mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates 2020.

Beiträge

4
Alle
4

Stilistisch mitunter anstrengend aber sprachlich oft unaufdringlich poetisch bei einem Inhalt, der auf vielfältige Weise erschütternd ist!

3.5

Bedrückendes Thema mit besonderer Erzählstimme

In Monika Fagerholms Roman treffen ein einzigartiger Schreibstil mit besonderer Erzählstimme und ein erdrückendes Thema aufeinander. Denn das Erzählen über eine Vergewaltigung und der schmerzhafte Blick auf die (Nicht-)Konsequenzen ist sicher eine große Herausforderung. Die Autorin hat es jedoch geschafft, einen für mich passenden Ton zu treffen, der die Täter-Opfer-Kultur an den Pranger stellt. Die Geschädigte verblasst, tritt zurück, während die (natürlich) gut betuchten Täter, die „Boys“ wie sie verharmlosend genannt werden, sich in Selbstgerechtigkeit und einer scheinbar unbefleckten Zukunft suhlen. Trotzdem wird deutlich, dass auch der schönste Schein irgendwann bröckelt, das Faule und Feige im Inneren hervortritt und alles zerstört. Dabei schafft es der episodenhafte, teils mit filmischen Elementen versehene Text mit einer Mischung aus elitärer (Jugend?)Sprache und literarisch hochwertigen Formulierungen zu kritisieren, zu portraitieren und zu karikieren. Insgesamt muss man sich auf einen vor alle sprachlich überspitzen Text einlassen können, dessen Ende mich mit ein paar losen Enden zurückgelassen hat. Beeindruckt hat Monika Fageeholm mich aber auf jeden Fall.

4.5

Poetisch, provokant, preisverdächtig. Hin und wieder etwas redundant, aber das gehört eigentlich auch zum besonderen Sound.

Dieses Buch hätte ich gern im Buddyread gelesen! Denn die im Untergrund brodelnde Begebenheit - eine Vergewaltigung eines Mädchens durch vier Jungs - ist schwer zu ertragen. Genauso wie der Umgang der Figuren damit. Es wird verdrängt, es wird versucht, "diese Sache" unter den Tisch fallen zu lassen. Lange Zeit hat man das Gefühl, über einen ganz normalen Vorort zu lesen, über ganz "normale" Leben. Doch immer wieder bricht die Erinnerung an die vergangene Tat durch. Und Stück für Stück offenbart sich nicht nur, welche Folgen das Geschehene - die Vergewaltigung, name it! - für alle hatte (und hat), sondern auch, was eigentlich genau passiert ist. Monika Fagerholm erzählt das sehr besonders: Sie schildert die Gewalt nicht explizit, führt das Opfer also nicht vor - sondern konzentriert sich auf das, was man normalerweise wohl Nebenfiguren nennen würde. Größtenteils steht Gusten Grippe im Fokus, der zwar eine entscheidende Rolle spielt, aber weder Haupttäter noch Opfer ist. Ich weiß immer noch nicht abschließend, wie ich das finde. Einerseits spiegelt der Umgang des Textes mit dem zum Opfer degradierten Mädchen wider, wie der Umgang der Öffentlichkeit mit der Vergewaltigung ist (sie gerät immer wieder ins Blitzlicht, aber tiefer hinter die Fassade blickt dann niemand). Andererseits rückt sie dadurch ein Stück weit in eine Funktionsrolle, dient als Aufhänger, um etwas ganz anderes zu erzählen. So oder so: Allein schon durch die Wahl dessen, WAS erzählt wird, hat Fagerholm einen lesenswerten Roman mit Diskussionspotential geschaffen, aber WIE sie das erzählt, ist das eigentlich Herausragende: Manchmal bekommt der Text durch seine Anordnung und die Wiederholung einzelner Elemente einen fast poetischen Sound. Durch Zeilensprünge wird Geschwindigkeit herausgenommen, wird innegehalten. Durch fehlende Kommata bei Aufzählungen wird Geschwindigkeit aufgebaut, wirkt das Erzählte atemlos und wie unter besonderen Mühen hervorgebracht. Fettgedruckte Wörter verleihen einzelnen Aspekten Nachdruck. Das alles war so besonders, SO GUT! Dass die von Antje Ravik Strubel angefertigte Übersetzung LBM-Preis-nominiert war, wundert mich nicht. Kennst du den Roman? Wie fandest du ihn?

4

4 Jugendliche aus einem Villenviertel begehen an der Exfreundin eines von ihnen eine gemeinsame Vergewaltigung. Wie geht es weiter in ihrem Leben und im Leben ihrer Eltern? Harter Stoff, ich fand es auch durch die vielen Zeitsprünge nicht einfach zu lesen und verstehen. Dennoch hat es sich für mich gelohnt, mich darauf einzulassen.

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