Verehrung

Verehrung

Hardcover
4.02

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Beschreibung

In Pontinia, einer Kleinstadt südlich von Rom, wurde die 17-jährige Elena von ihrem Freund getötet. Ein Jahr später stehen ihre Freunde immer noch unter dem Eindruck dieses Traumas, sind hin- und hergerissen zwischen ihrem Schmerz und dem Lebenshunger einer Generation, die ausbrechen möchte aus ihrem Umfeld, in dem tief verinnerlichte patriarchalische Werte gelten. In dieser von Emotionen und sexuellem Erwachen bestimmten Lebensphase, in der Zärtlichkeit und Begehren mit Demütigung und Scham kollidieren, wird Elenas Tod für jeden und jede eine andere Bedeutung haben: Vanessa, Elenas beste Freundin, Giorgio, der in sie verliebt war, Christian, ihr Ex-Freund, Vera, Giorgios jüngere Schwester, und Diana. Im Lauf eines schwülen Sommers zwischen Pontinia und dem Strand von Sabaudia verflechten sich ihre Schicksale.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Weitere Themen
Format
Hardcover
Seitenzahl
392
Preis
24.70 €

Autorenbeschreibung

Alice Urciuolo (*1994), Schriftstellerin und Drehbuchautorin, wurde in der Provinz Latina geboren und lebt in Rom. Ihr Debütroman Adorazione (66thand2nd) stand auf der Longlist für den Strega‐Preis 2021 und wurde 2024 als gleichnamige Netflix‐ Serie verfilmt. Ihr zweiter Roman, La verità che ci riguarda (66thand2nd), wurde im Oktober 2023 veröffentlicht. Als Drehbuchautorin ist sie eine der Autorinnen der Serien Skam Italia (Netflix) und Miss Fallaci (Rai) und ist Mitschöpferin von Prisma (Prime Video), das 2023 den Nastro d’Argento für die beste Dramaserie gewann.

Beiträge

2
Alle
5

„Verehrung“ von Alice Urciuol / Verlag: nonsolo Was für ein stimmiger Roman über das Erwachsenwerden. Über die Leichtigkeit der Jugend, über Liebe, Verführung und Verehrung. Über Begehren, Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung, über das Loslösen von Erwartungen und das Gehen eigener Wege. In der Provinz Pontinia südlich von Rom erschüttert der Tod der siebzehnjährigen Elena, die von ihrem Freund getötet wurde, eine ganze Gruppe von Jugendlichen. Die Tat wirft lange Schatten, niemand hat sie kommen sehen und doch hätten alle es ahnen können. Die Schuldgefühle, welche der Tod ihrer Freundin hervorruft, zieht sich wie ein unsichtbarer Faden durch das Leben der FreundInnen. Vanessa, Elenas beste Freundin, steht zwischen den patriarchalen Werten, die ihr Umfeld noch immer tief verinnerlicht hat, und dem Drang, ihr Leben selbstbestimmt zu führen. Giorgio, der in Elena verliebt war und sie nicht beschützen konnte, trägt schwer daran und versucht nun, seine Schwester Vera vor allem zu bewahren; und mischt sich damit oft in Dinge ein, die ihn nichts angehen. Christian, Elenas Ex-Freund, taumelt zwischen Teresa und Vera. Er schafft es nicht, aus den Fehlern seiner Vergangenheit zu lernen. Und Diana, die mit einem großen Muttermal am Oberschenkel lebt, versteckt sich aus Scham - unsicher, ob sie jemals jemanden so nah an sich heranlassen darf. Alice Urciuolo versteht es meisterhaft, die ungestüme Dynamik dieser jungen Menschen einzufangen. Sie zeigt, wie eng Leichtigkeit und Unbeschwertheit mit Trauer und Schuld verwoben sein können; wie Begehren, Macht und Sehnsucht ineinanderfließen. In den Dialogen, in den Gesten, in den schwülen Sommernächten zwischen Pontinia und den Stränden von Sabaudia liegt diese ganz besondere Hitze, die das Aufwachsen beschleunigt und doch alles zerbrechlich wirken lässt. Es ist ein Roman, der die Leidenschaft der Heranwachsenden in all ihrer Schönheit, Unvernunft und Wildheit spürbar macht. Gleichzeitig zeichnet er das Bild einer Elterngeneration, die an ihren Erwartungen und überholten Werten festhält und von der sich die jungen ProtagonistInnen lösen, um ihr eigenes Leben zu leben. Und so gelingt es Urciuolo, von Trauer und Schuld zu erzählen, aber auch von diesem unbändigen Hunger nach Freiheit: vom Schwimmen im Meer, vom Schmecken des Sommers, von der Lust, das eigene Leben trotz allem zu feiern und sich auszuprobieren. In vielerlei Hinsicht. Ein Roman voller Schwere in der Leichtigkeit, voller Sommerhitze und voller Sehnsucht. Wunderschön, berührend, authentisch und eine große Leseempfehlung.

„Verehrung“ von Alice Urciuolo ist ein Coming-of-Age-Roman, der so pulsierend und vielschichtig ist wie das Leben selbst. In einer sommerlich flirrenden Atmosphäre zwischen Pontinia und den Stränden von Sabaudia erzählt sie von einer Gruppe Jugendlicher, deren Leben nach dem gewaltsamen Tod der siebzehnjährigen Elena aus den Fugen geraten ist. Ein Jahr nach der Tat ist Elena allgegenwärtig – in Erinnerungen, in Schuldgefühlen, in unausgesprochenen Fragen. Urciuolo verwebt die Stimmen ihrer Figuren zu einem dichten, vielstimmigen Chor: Vanessa, Elenas beste Freundin, ringt mit den Grenzen eines von patriarchalen Erwartungen geprägten Umfelds. Giorgio trägt die Last seiner Ohnmacht und überträgt seinen Beschützerdrang auf seine jüngere Schwester Vera. Christian, Elenas Ex-Freund, taumelt durch seine Beziehungen, unfähig, aus der Vergangenheit zu lernen. Und Diana, unsicher im eigenen Körper, sucht nach einem Ort, an dem sie sich zeigen darf, wie sie ist. Urciuolos Erzählweise ist dabei ebenso empathisch wie unerbittlich. Sie zeigt eine Jugend, die zwischen Aufbruch und Erstarrung schwankt, zwischen der Sehnsucht nach Freiheit und dem Erbe einer Gesellschaft, in der Geschlechterrollen, Scham und Begehren eng miteinander verwoben sind. Der Roman ist ein Spiegel einer Generation, die spürt, dass sie anders leben möchte, ohne zu wissen, wie. Was den Text so eindringlich macht, ist die Atmosphäre: Die Hitze des Sommers liegt wie ein unsichtbarer Schleier über allem – sie beschleunigt das Erwachsenwerden, lässt Emotionen überkochen und legt zugleich eine träge Melancholie über die Figuren. In jedem Satz schwingt das Spannungsverhältnis zwischen Leichtigkeit und Schwere, zwischen Leben und Verlust. Urciuolo gelingt es meisterhaft, Jugend nicht zu romantisieren, sondern ernst zu nehmen. Ihre Figuren sind widersprüchlich, verletzlich, manchmal grausam – und gerade dadurch tief menschlich. Das Ergebnis ist ein Roman, der von der Wucht des Begehrens erzählt, von der Suche nach Identität und von der unausweichlichen Erkenntnis, dass Erwachsenwerden immer auch Abschied bedeutet: von der Unschuld, von anderen, von früheren Versionen des eigenen Ichs. „Verehrung“ ist ein intensiver, emotional aufgeladener Roman, der Schmerz, Liebe, Freundschaft und Freiheit mit beeindruckender Ehrlichkeit vereint. Alice Urciuolo fängt die Hitze eines italienischen Sommers ebenso ein wie das innere Brodeln einer Generation, die zwischen alten Werten und neuen Sehnsüchten steht. Ein Buch, das nachhallt – poetisch, schmerzhaft, wunderschön. Aus dem Italienischen von Verena von Koskull.

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