Unten leben
Jetzt kaufen
Durch das Verwenden dieser Links unterstützt du READO. Wir erhalten eine Vermittlungsprovision, ohne dass dir zusätzliche Kosten entstehen.
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Gustavo Faverón Patriau (geboren 1966 in Lima, Peru) hat an der Cornell University in spanischer Literatur promoviert und arbeitet derzeit als Professor für lateinamerikanische Literatur am Bowdoin College in Maine. Er ist als Autor, Journalist, Herausgeber und Wissenschaftler tätig. Faverón Patriau veröffentlichte u. a. die nicht fiktionalen Bücher Historia Rebeldes (2006), das literaturtheoretische Buch Contra la alegoría (2011), zusammen mit Edmundo Paz Soldán die Anthologie Bolaño salvaje (2008, erweiterte Ausgabe 2013) sowie El orden del Aleph (2021). Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Bislang erschienen die Romane El Anticuario (2010), Vivir abajo (2018, dt. Unten leben) und Minimosca (2024). Vivir abajo stand 2018 auf der Shortlist für den Premio Bienal de Novela Mario Vargas Llosa. Unten leben ist sein erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.
Merkmale
1 Bewertungen
Stimmung
Hauptfigur(en)
Handlungsgeschwindigkeit
Schreibstil
Beiträge
Ein Buch wie ein Labyrinth: Zwischen Wahnsinn, Gewalt und Sprache World-Challenge 14|194, neu 🇵🇪
Dieses Buch wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse für Übersetzung prämiert – zurecht! Denn „Unten leben“ vom peruanischen Autor Gustavo Faverón Patriau ist ein sprachlich verdichtetes Labyrinth: Die Texte sind gespickt mit Anspielungen auf andere Autoren, Wortspielen und poetischen Passagen. Es ist dadurch kein sehr zugängliches Werk, weil ein ganzer Kosmos paralleler Geschichten aufgemacht wird. All das hat Übersetzer Manfred Gmeiner hervorragend in die deutsche Sprache übertragen. Der Kern der Handlung ist ein Mord im Herzen Perus durch einen amerikanischen Filmemacher. Im Versuch, den Fall zu rekonstruieren, interagieren viele Figuren miteinander, die wiederum ganz eigene Traumata haben. So entstehen Geschichten in der Geschichte, in denen auch das Trauma ganzer Staaten deutlich wird: Kriege, Verbrechen an Indigenen, Folterungen durch die CIA, Putsche und Diktatoren. Diese Vielfalt an Themen schafft Patriau zu einer Gesamterzählung zu gießen. Die Figuren wirken einerseits distanziert miteinander, im Wissen um die Gräueltaten ihrer Länder. Das versachlicht das Grauen, denn der Name ist Programm: Der Schrecken liegt im Verborgenen, erscheint im Text oftmals als dumpfes, schwer fassbares Dröhnen – und bricht dann eruptiv heraus. Es ist schwer, Orientierung zu behalten und im Mittelteil bekommt man das Gefühl, den roten Faden im Labyrinth zu verlieren. Doch Patriau gelingt es, die Geschichten Schritt für Schritt miteinander zu verbinden, indem die Figuren allmählich in das Leben der anderen drängen. Doch das passiert dezent, als Leser muss man achtsam bleiben. Zugleich erzeugt er gewaltige Bilder (Ein Stein des Wahnsinns, der aus dem Hirn operiert werden muss; ein Serienkiller, der mit Bärenmaske schläft), die hängen bleiben. Das Bild des Labyrinths gilt also auch für den Leser. Im Text begegnen wir dem Horror und Wahnsinn von Menschen und ganzen Staaten – so spielen viele Passagen in Irrenhäusern, Kellern, Gefängnissen. Eine Triggerwarnung ist hier angebracht, denn Patriau schreckt vor brutalen Szenen nicht zurück, doch er kostet sie auch nicht aus. Der sachliche Stil hilft dabei. Gleichzeitig gibt es Szenen des Übernatürlichen, Fabelwesen treten auf und Zeitebenen vermischen sich. Nach all den Abzweigungen des Labyrinths ist man am Ende froh, wieder das Tageslicht der Geschichte zu sehen. Denn Patriau schafft es, den Knoten zu entwirren. Somit ist „Unten leben“ zugegebenermaßen kein leichtes Buch und nicht immer ein Lesegenuss. Die Begeisterung entfaltet sich erst beim Betrachten des Gesamtwerkes. Es ist intensiv und enthält so viele Geschichten, die einzeln für sich betrachtet schon ein Roman wert wären. Patriau bleibt für mich als Meister der Sprache und Geschichten im Gedächtnis.

Merkmale
1 Bewertungen
Stimmung
Hauptfigur(en)
Handlungsgeschwindigkeit
Schreibstil
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Gustavo Faverón Patriau (geboren 1966 in Lima, Peru) hat an der Cornell University in spanischer Literatur promoviert und arbeitet derzeit als Professor für lateinamerikanische Literatur am Bowdoin College in Maine. Er ist als Autor, Journalist, Herausgeber und Wissenschaftler tätig. Faverón Patriau veröffentlichte u. a. die nicht fiktionalen Bücher Historia Rebeldes (2006), das literaturtheoretische Buch Contra la alegoría (2011), zusammen mit Edmundo Paz Soldán die Anthologie Bolaño salvaje (2008, erweiterte Ausgabe 2013) sowie El orden del Aleph (2021). Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Bislang erschienen die Romane El Anticuario (2010), Vivir abajo (2018, dt. Unten leben) und Minimosca (2024). Vivir abajo stand 2018 auf der Shortlist für den Premio Bienal de Novela Mario Vargas Llosa. Unten leben ist sein erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.
Beiträge
Ein Buch wie ein Labyrinth: Zwischen Wahnsinn, Gewalt und Sprache World-Challenge 14|194, neu 🇵🇪
Dieses Buch wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse für Übersetzung prämiert – zurecht! Denn „Unten leben“ vom peruanischen Autor Gustavo Faverón Patriau ist ein sprachlich verdichtetes Labyrinth: Die Texte sind gespickt mit Anspielungen auf andere Autoren, Wortspielen und poetischen Passagen. Es ist dadurch kein sehr zugängliches Werk, weil ein ganzer Kosmos paralleler Geschichten aufgemacht wird. All das hat Übersetzer Manfred Gmeiner hervorragend in die deutsche Sprache übertragen. Der Kern der Handlung ist ein Mord im Herzen Perus durch einen amerikanischen Filmemacher. Im Versuch, den Fall zu rekonstruieren, interagieren viele Figuren miteinander, die wiederum ganz eigene Traumata haben. So entstehen Geschichten in der Geschichte, in denen auch das Trauma ganzer Staaten deutlich wird: Kriege, Verbrechen an Indigenen, Folterungen durch die CIA, Putsche und Diktatoren. Diese Vielfalt an Themen schafft Patriau zu einer Gesamterzählung zu gießen. Die Figuren wirken einerseits distanziert miteinander, im Wissen um die Gräueltaten ihrer Länder. Das versachlicht das Grauen, denn der Name ist Programm: Der Schrecken liegt im Verborgenen, erscheint im Text oftmals als dumpfes, schwer fassbares Dröhnen – und bricht dann eruptiv heraus. Es ist schwer, Orientierung zu behalten und im Mittelteil bekommt man das Gefühl, den roten Faden im Labyrinth zu verlieren. Doch Patriau gelingt es, die Geschichten Schritt für Schritt miteinander zu verbinden, indem die Figuren allmählich in das Leben der anderen drängen. Doch das passiert dezent, als Leser muss man achtsam bleiben. Zugleich erzeugt er gewaltige Bilder (Ein Stein des Wahnsinns, der aus dem Hirn operiert werden muss; ein Serienkiller, der mit Bärenmaske schläft), die hängen bleiben. Das Bild des Labyrinths gilt also auch für den Leser. Im Text begegnen wir dem Horror und Wahnsinn von Menschen und ganzen Staaten – so spielen viele Passagen in Irrenhäusern, Kellern, Gefängnissen. Eine Triggerwarnung ist hier angebracht, denn Patriau schreckt vor brutalen Szenen nicht zurück, doch er kostet sie auch nicht aus. Der sachliche Stil hilft dabei. Gleichzeitig gibt es Szenen des Übernatürlichen, Fabelwesen treten auf und Zeitebenen vermischen sich. Nach all den Abzweigungen des Labyrinths ist man am Ende froh, wieder das Tageslicht der Geschichte zu sehen. Denn Patriau schafft es, den Knoten zu entwirren. Somit ist „Unten leben“ zugegebenermaßen kein leichtes Buch und nicht immer ein Lesegenuss. Die Begeisterung entfaltet sich erst beim Betrachten des Gesamtwerkes. Es ist intensiv und enthält so viele Geschichten, die einzeln für sich betrachtet schon ein Roman wert wären. Patriau bleibt für mich als Meister der Sprache und Geschichten im Gedächtnis.





