Unentdeckt

Unentdeckt

Hardcover
2.95

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Beschreibung

Welche Spuren hinterlässt koloniale Gewalt?

Die heiligen Orte in den Anden beherbergten einst wertvolle Grabbeigaben. Heute findet man sie in den großen Sammlungen europäischer Museen. Dort wird Gabriela Wiener mit ihrem Erbe konfrontiert: ausgerechnet ihr Ururgroßvater Charles Wiener, ein jüdisch-österreichischer Forscher, erbeutete im 19. Jahrhundert Tausende Artefakte. Als sie der väterlichen Linie ihres Stammbaums nachgeht, stößt sie auf patriarchale Heldenerzählungen: die Legende des bescheidenen Deutschlehrers, der über Nacht zu Indiana Jones wird, aber in Peru Frau und Kind zurücklässt. Und die Parallelbeziehung ihres Vaters, in der dieser mit Vorliebe eine Augenklappe trug. Werden Vorstellungen von Liebe und Lust weitergetragen? – Ausgehend von ihrem Nachnamen wird Gabriela Wiener nicht nur zur Chronistin von Kolonialverbrechen, sondern auch zur Chronistin ihrer selbst.

»Die vielleicht mutigste Stimme der neuen literarischen Generation lateinamerikanischer Frauen. Sie hat praktisch jedes heikle Problem erforscht, mit dem sich die heutige Gesellschaft herumschlägt.« The New York Times

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
192
Preis
22.70 €

Autorenbeschreibung

Gabriela Wiener, geboren 1975 in Lima, ist eine peruanische Schriftstellerin und Journalistin. Zu ihren Büchern gehören »Nueve lunas«, ein Memoir über Schwangerschaft, und »Sexografías«, eine Essay-Sammlung über die zeitgenössische Sexkultur. Für eine Reportage über Gewalt gegen Frauen wurde Wiener mit dem peruanischen Nationalen Journalistenpreis ausgezeichnet. Ihr autobiografischer Roman »Unentdeckt« stand 2024 auf der Longlist für den International Booker Prize und wurde in 8 Sprachen übersetzt.

Beiträge

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Alle
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Leider nicht meine Geschichte

Die Familiengeschichte der Autorin ist nicht einfach. Die Vergangenheit zieht sich wie ein roter Faden durch die Familie. Ururgroßvater Charles Wiener hinterlässt Scham und Schande und die Nachkommen werden immer wieder damit konfrontiert bzw. sie stehen selbst vor Fragen, die sie nicht beantwortet bekommen. Der äußere Schein des erfolgreichen Forschers bröckelt immer mehr, sobald man sich mit der Kolonialgeschichte Perus beschäftigt. Charles Wiener war zudem ein untreuer Mensch und scheinbar hat sich auch die Untreue in die Gene der Nachfahren eingeschlichen. Die Autorin erzählt viel von ihrer Polyamorie, ihrer Untreue und der eigenen Eifersucht. Obwohl sie die Untreue auslebt, kommt sie damit nicht so gut zurecht und ihre Gedanken drehen sich mehr als es gut um diesen Umstand. Der Schreibstil war anstrengend. Hölzern und sperrig. Die Sätze teilweise so verschachtelt, dass man sie zweimal lesen musste, um herauszufinden, was die Autorin damit zum Ausdruck bringen wollte. Leider ergab sich dadurch kein schöner Lesefluss, sondern eher ein Stolpern durch den Text. Ich wünschte mir, dass ich in den Lobgesang der anderen Lesenden einstimmen könnte. Aber leider bin ich weder mit der Geschichte, noch dem Schreibstil warm geworden.

3

In ihrem vielschichtigen, autofiktionalen Roman „Unentdeckt“ verwebt Gabriela Wiener persönliche Familiengeschichte mit einer kritischen Auseinandersetzung mit Kolonialismus, kulturellem Erbe und Identität. Die peruanische Autorin und Journalistin ist bekannt für ihre schonungslos ehrlichen Texte über Sexualität, Mutterschaft und gesellschaftliche Machtverhältnisse. Mit „Unentdeckt“, das 2024 auf der Longlist des International Booker Prize stand, legt sie ein hybrides Werk zwischen Essay, Autobiografie und Reportage vor, das sie selbst als Akt der Spurensuche versteht. Worum geht’s genau? Im Zentrum des Buches steht die Frage: Welche Spuren hinterlässt koloniale Gewalt – kollektiv und persönlich? Ausgangspunkt ist die Figur von Charles Wiener, Gabriela Wieners Ururgroßvater, ein österreichischer Forscher, der im 19. Jahrhundert Tausende Artefakte aus Peru nach Europa brachte. Seine „Entdeckungen“ sind heute Teil großer europäischer Museumssammlungen. Für Gabriela Wiener wird dieser Mann zum Symbol kolonialer Gewalt und familiärer Scham. Während sie sich mit seinem Erbe auseinandersetzt, stößt sie auf Lücken, Unausgesprochenes und verdrängte Wahrheiten. Parallel entfaltet sie ihre eigene Geschichte: als Migrantin in Spanien, als Tochter eines Mannes mit Doppelleben, als polyamor lebende Frau mit vielen Fragen zu Begehren, Treue, Macht und Verletzlichkeit. So wird aus einer historischen Spurensuche ein tief persönlicher, oft schmerzhafter Reflexionsprozess. Meine Meinung Gabriela Wieners „Unentdeckt“ ist vielschichtig aber - zumindest auch für mich - leider auch schwer zugänglich. Die erzählerische Struktur folgt keiner klaren Linie – sie besteht aus Fragmenten, essayistischen Gedanken, Erinnerungen, Reflexionen über koloniale Gewalt und intime Einblicke in das eigene Beziehungsleben. Diese Mischung ist mutig und bedeutsam, aber nicht einfach zu lesen. Der Stil wirkt oft sperrig, stellenweise fast hölzern, mit langen, verschachtelten Sätzen, die das Lesen erschweren. Ich musste viele Passagen mehrfach lesen, um ihren Sinn zu erfassen. Der Lesefluss war dadurch brüchig, das Buch fordernd – vielleicht zu fordernd für mich. Dennoch hat mich die thematische Tiefe beeindruckt: Die Autorin erzählt von kolonialem Raub, rassistischem Trauma, Migration, familiären Lügen, polyamorem Leben und sexueller Selbstbestimmung. Sie spricht über die Scham, Nachfahrin eines Mannes zu sein, der Kulturgüter geplündert hat – und über die Verlegenheit, wenn ihre eigene Beziehung zwischen Offenheit und Eifersucht schwankt. Die Parallelen zwischen persönlichem und historischem Erbe sind aufwühlend – besonders die Verbindung von emotionaler Ehrlichkeit mit gesellschaftskritischer Wut. Das Buch verlangt den Leser:innen (und nicht zuletzt mir) viel ab, aber es ist wichtig, dass diese Perspektiven ihren Platz finden. Die fragmentarische Form – mal autobiografisch, mal fast philosophisch, mal sachlich berichtend – wirkt gewollt und ist wohl Ausdruck von Wieners Zerrissenheit. Dennoch konnte ich oft keinen Zugang finden. Der Ton schwankt zwischen anklagend und zweifelnd, was auf der inhaltlichen Ebene nachvollziehbar ist, mich stilistisch aber verloren zurückließ. Es gibt starke, aufrüttelnde Passagen, keine Frage – aber auch viele, die mir fremd blieben. Vielleicht ist genau das Teil des Konzepts: dass sich marginalisierte Perspektiven nicht immer für alle lesbar machen müssen. Fazit „Unentdeckt“ ist ein bedeutendes Buch, das wichtige Themen wie koloniales Erbe, Identität, Sexualität und Rassismus verhandelt – mutig, unbequem und mit einer scharfen, wütenden Stimme. Doch der sperrige Stil und die fragmentarische Form erschwerten mir persönlich den Zugang. Deshalb vergebe ich 3 von 5 Sternen – für ein Werk, das wichtig, aber nicht für jede:n zugänglich & lesbar ist.

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