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Der zweite Roman, den ich für meine Bachelor-Arbeit gelesen habe, ist „Die Bienen“ von Laline Paull. In meiner Thesis vergleiche ich diesen Roman mit „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde, denn es geht bei mir um Bienen in der zeitgenössischen Literatur. Was „Die Bienen“ aus dem Jahr 2014 so außergewöhnlich macht, ist dass die Protagonistin hier selbst eine Arbeiterbiene ist, die versucht, ihre Rolle im Bienenstock zu finden. Ein Bienenstock als Handlungsort mit Bienen und anderen Insekten als denkende, sprechende und fühlende Figuren, ist sicherlich gewöhnungsbedürftig. Dennoch hat Paulls Debütroman auf seine Weise fasziniert. In einem Bienenstock wird die Biene Flora 717 geboren. Sie gehört den Hygienearbeiterinnen an, der untersten Kaste des Stocks. Ihre Aufgabe ist es, den Stock sauber zu halten und die toten Bienen in die Leichenhalle zu bringen. Doch Flora sieht nicht nur anders als die anderen Bienen aus, sie hat auch besondere Fähigkeiten, die in ihrer Sippe unüblich sind. Schnell arbeitet sie sich zur Pflegerin hoch. Sie träumt davon, eines Tages als Sammlerin von Blüte zu Blüte fliegen zu dürfen, um Pollen und Nektar zu sammeln. Doch dann entsteht in ihrem Leib plötzlich ein Ei, und darauf steht die Todesstrafe. Denn in einem Bienenstock darf sich nur die Königin fortpflanzen. „Die Bienen“ von Laline Paull ist ein schwierig zu bewertendes Buch. Einerseits ist der Bienenkosmos faszinierend, der Schreibstil eindrucksvoll und wenn man sich auf die Geschichte einlassen kann, erlebt man ein betörendes, psychedelisches Honigmärchen. Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass dieser Debütroman zu speziell ist, um jedermanns Geschmack zu treffen. Die Vorstellung von Bienen, die Helme und Uniformen tragen oder Verwundete auf Bahren tragen, ist so skurril, dass sich manche trotz längerer Eingewöhnung vielleicht nie damit anfreunden können. Erschwerend hinzu kommen der biologische Fehler, der mich als Studentin besonders gestört hat, sowie ein enttäuschendes, geradezu langweiliges Ende. Deswegen kann ich dem Roman nicht mehr als drei von fünf Federn geben. „Die Bienen“ ist vor allem für diejenigen etwas, die den Mut zu gehobenerer Literatur haben, welche sich von unserem anthropozentrischen Weltbild weit entfernt. Vermutlich werde ich in Zukunft keine weiteren Bücher von Laline Paull lesen.

19. Feb. 2024
Der zweite Roman, den ich für meine Bachelor-Arbeit gelesen habe, ist „Die Bienen“ von Laline Paull. In meiner Thesis vergleiche ich diesen Roman mit „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde, denn es geht bei mir um Bienen in der zeitgenössischen Literatur. Was „Die Bienen“ aus dem Jahr 2014 so außergewöhnlich macht, ist dass die Protagonistin hier selbst eine Arbeiterbiene ist, die versucht, ihre Rolle im Bienenstock zu finden. Ein Bienenstock als Handlungsort mit Bienen und anderen Insekten als denkende, sprechende und fühlende Figuren, ist sicherlich gewöhnungsbedürftig. Dennoch hat Paulls Debütroman auf seine Weise fasziniert. In einem Bienenstock wird die Biene Flora 717 geboren. Sie gehört den Hygienearbeiterinnen an, der untersten Kaste des Stocks. Ihre Aufgabe ist es, den Stock sauber zu halten und die toten Bienen in die Leichenhalle zu bringen. Doch Flora sieht nicht nur anders als die anderen Bienen aus, sie hat auch besondere Fähigkeiten, die in ihrer Sippe unüblich sind. Schnell arbeitet sie sich zur Pflegerin hoch. Sie träumt davon, eines Tages als Sammlerin von Blüte zu Blüte fliegen zu dürfen, um Pollen und Nektar zu sammeln. Doch dann entsteht in ihrem Leib plötzlich ein Ei, und darauf steht die Todesstrafe. Denn in einem Bienenstock darf sich nur die Königin fortpflanzen. „Die Bienen“ von Laline Paull ist ein schwierig zu bewertendes Buch. Einerseits ist der Bienenkosmos faszinierend, der Schreibstil eindrucksvoll und wenn man sich auf die Geschichte einlassen kann, erlebt man ein betörendes, psychedelisches Honigmärchen. Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass dieser Debütroman zu speziell ist, um jedermanns Geschmack zu treffen. Die Vorstellung von Bienen, die Helme und Uniformen tragen oder Verwundete auf Bahren tragen, ist so skurril, dass sich manche trotz längerer Eingewöhnung vielleicht nie damit anfreunden können. Erschwerend hinzu kommen der biologische Fehler, der mich als Studentin besonders gestört hat, sowie ein enttäuschendes, geradezu langweiliges Ende. Deswegen kann ich dem Roman nicht mehr als drei von fünf Federn geben. „Die Bienen“ ist vor allem für diejenigen etwas, die den Mut zu gehobenerer Literatur haben, welche sich von unserem anthropozentrischen Weltbild weit entfernt. Vermutlich werde ich in Zukunft keine weiteren Bücher von Laline Paull lesen.
19. Feb. 2024







