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Ein Buch, das ich aus ethischen Gründen abgebrochen habe
Ich bin kein großer Fan von der seit einigen Jahren grassierenden True Crime Welle. Podcasts höre ich sowieso nicht und wenn ich mal eine Doku anschaue, ärgere ich mich meistens über die einseitige oder nicht vollständige Berichterstattung. Kriminalfälle verfolge ich lieber über Presseartikel und Prozessberichte in gut moderierten Foren. Darum lese ich auch selten Krimis, die ‚auf wahren Begebenheiten‘ beruhen. Und wenn, dann solche, wo der tatsächliche Fall schon weit in der Vergangenheit liegt oder stark verfremdet ist und im besten Fall literarisch sehr hochwertig aufgearbeitet wurde. Leider ist das alles hier nicht der Fall. Literarischen Anspruch hat das Buch keinen, es ist viel mehr ein journalistischer True Crime Bericht mit ein wenig Ausschmückung. Den behandelten Fall habe ich sofort auf den ersten Seiten erkannt, weil ich ihn damals intensiv verfolgt habe und er bis ins kleinste Detail wiedergegeben wird. Der Dreifachmord in Starnberg geschah erst im Jahr 2020 und da war ich schon hin- und hergerissen und dachte mir so ‚muss das sein?‘. Im Buch wird dann erst mal das Leben der Opfer, auch in den Wochen vor der Tat, minutiös ausgebreitet und mein Gefühl wurde immer schlechter. Ja, vielleicht war die Ehe nicht gut, der Vater ein Choleriker, die Mutter hilflos angesichts der Probleme und der Sohn durch seine Diagnose schwierig und ohne Halt. Aber wir reden hier von echten Menschen, die beschrieben werden und diese werden so dermaßen unsympathisch dargestellt, dass es für mich stellenweise an Opferbashing grenzte. Nichts, keine dysfunktionale Familie oder was diese drei Menschen getan haben, rechtfertigt es, in den eigenen vier Wänden im Schlaf niedergemetzelt zu werden. Im Gegensatz dazu erfindet sie dann einen kriminellen Mastermind, der den Täter zur Tat manipuliert, oder mit-manipuliert. Warum? Um hier Verantwortung kleiner zu machen? Oder brauchte die Autorin einfach irgendein Ende, weil sich der echte Prozess ungeplant zu lange hingezogen hat? Das Tüpfelchen auf dem i - und für mich an Pietätlosigkeit kaum zu überbieten - ist nämlich, dass das Buch bereits im Herbst 2022 erschien, das Urteil allerdings erst im März 2023 fiel. Ich habe die letzten 30% dann nur noch quergelesen und mein Fazit dazu ist, dass die Tochter der Familie dieses Machwerk hoffentlich nie in die Hände bekommen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für den Trauerprozess hilfreich ist, zu lesen, wie andere genüsslich in deiner ganz privaten Tragödie herumwühlen um dann den Lesenden eine krude Mischung aus Fakten und Fantasie zu präsentieren.
5. Dez. 2025
Ein Buch, das ich aus ethischen Gründen abgebrochen habe
Ich bin kein großer Fan von der seit einigen Jahren grassierenden True Crime Welle. Podcasts höre ich sowieso nicht und wenn ich mal eine Doku anschaue, ärgere ich mich meistens über die einseitige oder nicht vollständige Berichterstattung. Kriminalfälle verfolge ich lieber über Presseartikel und Prozessberichte in gut moderierten Foren. Darum lese ich auch selten Krimis, die ‚auf wahren Begebenheiten‘ beruhen. Und wenn, dann solche, wo der tatsächliche Fall schon weit in der Vergangenheit liegt oder stark verfremdet ist und im besten Fall literarisch sehr hochwertig aufgearbeitet wurde. Leider ist das alles hier nicht der Fall. Literarischen Anspruch hat das Buch keinen, es ist viel mehr ein journalistischer True Crime Bericht mit ein wenig Ausschmückung. Den behandelten Fall habe ich sofort auf den ersten Seiten erkannt, weil ich ihn damals intensiv verfolgt habe und er bis ins kleinste Detail wiedergegeben wird. Der Dreifachmord in Starnberg geschah erst im Jahr 2020 und da war ich schon hin- und hergerissen und dachte mir so ‚muss das sein?‘. Im Buch wird dann erst mal das Leben der Opfer, auch in den Wochen vor der Tat, minutiös ausgebreitet und mein Gefühl wurde immer schlechter. Ja, vielleicht war die Ehe nicht gut, der Vater ein Choleriker, die Mutter hilflos angesichts der Probleme und der Sohn durch seine Diagnose schwierig und ohne Halt. Aber wir reden hier von echten Menschen, die beschrieben werden und diese werden so dermaßen unsympathisch dargestellt, dass es für mich stellenweise an Opferbashing grenzte. Nichts, keine dysfunktionale Familie oder was diese drei Menschen getan haben, rechtfertigt es, in den eigenen vier Wänden im Schlaf niedergemetzelt zu werden. Im Gegensatz dazu erfindet sie dann einen kriminellen Mastermind, der den Täter zur Tat manipuliert, oder mit-manipuliert. Warum? Um hier Verantwortung kleiner zu machen? Oder brauchte die Autorin einfach irgendein Ende, weil sich der echte Prozess ungeplant zu lange hingezogen hat? Das Tüpfelchen auf dem i - und für mich an Pietätlosigkeit kaum zu überbieten - ist nämlich, dass das Buch bereits im Herbst 2022 erschien, das Urteil allerdings erst im März 2023 fiel. Ich habe die letzten 30% dann nur noch quergelesen und mein Fazit dazu ist, dass die Tochter der Familie dieses Machwerk hoffentlich nie in die Hände bekommen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für den Trauerprozess hilfreich ist, zu lesen, wie andere genüsslich in deiner ganz privaten Tragödie herumwühlen um dann den Lesenden eine krude Mischung aus Fakten und Fantasie zu präsentieren.
5. Dez. 2025







