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Romane

So, in etwa, ist es geschehen

4,2(34)
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Über das Buch

Der neue Roman der Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo

Sie sind auf dem Weg nach Timmendorfer Strand: Amata Haller und ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat, sie mit dem Auto dorthin zu fahren. Amata ist in Eile, ihre Mutter wartet, wie jedes Jahr am 3. Mai. An diesem Tag jährt sich der Untergang der Cap Arcona, jene Katastrophe gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, die ihr Großvater nur knapp überlebt hat. Die Hitze drückt auf die überfüllten Straßen, die Fahrt wird immer länger, Brockhaus redet ununterbrochen, und Amata verliert die Fassung. Am Ende des Tages wird Brockhaus nicht mehr leben, und Monate später wird Amata vor Gericht stehen.

Editionen (1)

ISBN9783103977059
VerlagS. FISCHER
Erscheinungsdatum29.04.26
Seitenzahl144

Rezensionen & Bewertungen

34 Bewertungen

8 Rezensionen

4,2

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  • aygen_e
    aygen_e

    137 Follower

    5,0

    Sternebewertung fiktiv

    Ich lese viele Romane mit historischem Bezug und denke oft, schon ziemlich viel zu kennen. Umso überraschter war ich, dass mir die Tragödie der Cap Arcona bis zu diesem Buch überhaupt kein Begriff war. Kurz vor Kriegsende, am 3. Mai 1945, wurden tausende KZ-Häftlinge auf Schiffe gebracht, die anschließend von den Alliierten bombardiert wurden. Mehr als 7.000 Menschen verloren ihr Leben. Sharon Dodua Otoo greift dieses historische Ereignis auf und macht daraus keinen historischen Roman, sondern eine Geschichte über Erinnerung, Rassismus und die Frage, wie ein Mensch an seine Grenzen gebracht werden kann. Im Mittelpunkt steht Amata Haller, die bereits zu Beginn im Gefängnis sitzt. Sie hat ihren Chef Heinz getötet, ohne Reue, ohne Ausreden und ohne den Versuch, ihre Tat schönzureden. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Was ist passiert? sondern warum? Jedes Jahr fährt Amata mit ihrer Mutter an den Timmendorfer Strand, um ihres Großvaters zu gedenken, einem Überlebenden der Cap-Arcona-Katastrophe. Als sie dieses Mal vergisst, einen Mietwagen zu reservieren, bietet ihr ausgerechnet ihr Chef an, sie zu fahren. Eine scheinbar gewöhnliche Autofahrt entwickelt sich zu einem beklemmenden Gespräch, das immer deutlicher macht, wie unterschiedlich zwei Menschen dieselbe Welt erleben. Heinz hält sich für einen guten Menschen. Doch gerade seine beiläufigen Bemerkungen, seine Unsicherheit und sein fehlendes Bewusstsein für alltäglichen Rassismus zeigen, wie tief Vorurteile und Mikroaggressionen in unserer Gesellschaft verankert sind. Während er vieles für harmlos hält, trägt Amata ein Leben voller Erfahrungen mit Ausgrenzung, Verletzungen und den Folgen generationsübergreifender Traumata mit sich. Besonders beeindruckt hat mich, wie fein Sharon Dodua Otoo diese psychologische Entwicklung zeichnet. Es gibt keinen plötzlichen Ausbruch, sondern das Gefühl, dass sich über Jahre etwas angestaut hat, bis irgendwann nichts mehr zurückgehalten werden kann. Das macht die Geschichte so eindringlich und gleichzeitig auch eine beklemmende Atmosphäre. Ein wichtiges Buch, das mich noch lange beschäftigt hat.

    2. Juli 2026

  • annalovesbooks23
    annalovesbooks23

    730 Follower

    3,5

    Ein kluges, unbequemes Buch mit vielen wichtigen Themen, das mich beeindruckt, aber auch gefordert hat.

    So, in etwa, ist es geschehen war eines dieser Bücher, bei denen ich etwas völlig anderes erwartet habe. Der Klappentext hat bei mir direkt Interesse geweckt. Ich dachte an einen Roman mit Krimi- oder Thriller-Vibes, kombiniert mit Traumaaufarbeitung und Familiengeschichte. Und irgendwie stimmt das auch alles ein bisschen. Gleichzeitig war ich überhaupt nicht darauf vorbereitet, was mich auf diesen 140 Seiten tatsächlich erwartet. Denn dieses Buch ist viel mehr als die Geschichte eines Mordes. Von Anfang an weiß man, dass Heinz Brockhaus sterben wird. Die spannende Frage ist nie, wie das passiert, sondern warum es überhaupt so weit kommt. Und auf dem Weg dorthin packt Sharon Dodua Otoo unglaublich viele Themen in diese kurze Geschichte. Es geht um Rassismus, Erinnerungskultur, Familiengeschichte, Krieg, Trauma, Zugehörigkeit, Vorurteile, gesellschaftliche Machtverhältnisse und darum, wie unterschiedlich Menschen dieselbe Situation erleben können. Ich war überrascht, wie viel in diesen wenigen Seiten steckt. Immer wenn ich dachte, jetzt weiß ich, worauf das Buch hinauswill, kam noch eine weitere Ebene dazu. Besonders spannend fand ich die Geschichte rund um die Cap Arcona. Davon hatte ich vorher noch nicht gehört und ich hätte nicht gedacht, dass mich dieser historische Teil so interessieren würde. Tatsächlich war das einer der Abschnitte, die ich am liebsten gelesen habe. Die Autorin verbindet Geschichte mit den Schicksalen ihrer Figuren, sodass sie nie trocken wirkt. Das hat mich neugierig gemacht und wer weiß, vielleicht landet nach diesem Buch tatsächlich noch das eine oder andere historische Buch auf meiner Leseliste. Der Schreibstil war anders und schwer zu beschreiben. Die Geschichte wechselt zwischen verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen. Man muss sich darauf einlassen, aber insgesamt ließ sich das Buch gut lesen. Mein größter Zwiespalt war gleichzeitig seine größte Stärke. Auf diesen 140 Seiten steckt unglaublich viel. Einerseits fand ich das beeindruckend. Andererseits hatte ich manchmal das Gefühl, dass manche Themen noch mehr Raum verdient hätten. Vieles wird angesprochen, manches nur kurz gestreift und trotzdem bleibt erstaunlich viel hängen. Am meisten beschäftigt hat mich am Ende tatsächlich Brockhaus. Die Kapitel aus seiner Sicht haben mich irgendwann regelrecht gestresst. Nicht weil sie schlecht geschrieben waren, sondern weil sie genau das erreicht haben, was sie erreichen sollten. Er redet, erklärt, relativiert und nimmt immer mehr Raum ein. Irgendwann hatte ich beim Lesen fast das Gefühl, mit Amata in diesem Auto festzusitzen und ihm zuhören zu müssen. Das war unglaublich gut gemacht, aber gleichzeitig war ich auch froh, wenn diese Passagen vorbei waren. Genau deshalb reicht es für mich am Ende nicht ganz für vier Sterne. Das Buch ist außerdem sehr melancholisch. Es behandelt viele schwere Themen und lässt einem nur wenig Zeit zum Durchatmen. Ich glaube, genau das wollte die Autorin erreichen und das ist ihr auch gelungen. Für mich persönlich hat es die Leseerfahrung aber manchmal etwas anstrengend gemacht. Trotzdem hat mir das Buch gefallen. Es spricht viele wichtige Themen an, regt zum Nachdenken an und hat mich mehrfach überrascht. Vor allem die Verbindung aus persönlichen Schicksalen, gesellschaftlichen Fragen und historischen Ereignissen fand ich sehr gelungen. Für mich ist es eines dieser Bücher, bei denen man nicht unbedingt jede Entscheidung liebt, über die man aber noch lange nach dem Zuklappen nachdenkt.

    Ein kluges, unbequemes Buch mit vielen wichtigen Themen, das mich beeindruckt, aber auch gefordert hat.

    31. Mai 2026

  • readrichhainz
    readrichhainz

    233 Follower

    4,0

    So, in etwa finde ich es:

    Was an „So, in etwa, ist es geschehen“ von Sharon Dodua Otoo direkt auffällt, ist das Konzept: Der Roman arbeitet mit unterschiedlichen Formen wie Briefen, Audiotranskripten und fragmentierten Perspektiven. Das hebt ihn klar ab und schafft eine besondere Dynamik innerhalb der Geschichte und unterstreicht die entstehende Anspannung. Gleichzeitig zeigt sich hier auch eine kleine Schwäche. Trotz der nur rund 140 Seiten verliert das Buch zwischendurch an Spannung. Vor allem im zweiten Teil zieht es sich teilweise und kann das anfängliche Niveau nicht ganz halten. Was wiederum gut funktioniert: Die episodenhaften Passagen. Stück für Stück setzt sich ein Bild zusammen, fast wie ein Puzzle. Die Tat und vor allem das Gefühl dahinter werden greifbar, ohne dass alles explizit ausgesprochen werden muss.

    So, in etwa finde ich es:

    4. Mai 2026

3 von 8 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Sharon Dodua Otoo

Sharon Dodua Otoo ist Schriftstellerin, Herausgeberin der englischsprachigen Buchreihe »Witnessed« und Kuratorin des Schwarzen Literaturfestivals »Resonanzen«. Mit dem Text »Herr Gröttrup setzt sich hin« gewann Otoo 2016 den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2020 hielt sie die Klagenfurter Rede zur Literatur »Dürfen Schwarze Blumen Malen?«, die im Verlag Heyn erschien. Ihr erster Roman »Adas Raum« wurde 2023 für die Shortlist des BücherFrauen-Literaturpreises »Christine« ausgewählt und in mehrere Sprachen übersetzt. Es folgten weitere Auszeichnungen und Stipendien; 2025 hielt sie die Zürcher Poetikvorlesung. 2026 erschien ihr zweiter Roman »So, in etwa, ist es geschehen«. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

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