Schwarzer September

Schwarzer September

Hardcover
3.813

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Beschreibung

Der neue, große Roman des Strega-Preisträgers Sandro Veronesi: Über Italien in den 1970ern und einen Sommer, der alles verändert Fiumetto in der Toskana im Sommer 1972: Sind es anfangs der Kampf um die Schachweltmeisterschaft zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski und die kommenden Olympischen Spiele von München, die den zwölfjährigen Gigio interessieren, so ändert sich das schlagartig, als die dreizehnjährige Astel mit ihrer aus Äthiopien stammenden Mutter die benachbarte Strandkabine bezieht. Das Übersetzen von Songtexten bringt die belesene Astel und den pubertierenden Gigio zusammen; die Musik von David Bowie und Cat Stevens, der Geruch von Strand und Vinyl durchziehen das ganze Buch. Doch dann wird Astels Vater ermordet. Gigios Vater, ein Rechtsanwalt, soll die Verteidigung der verdächtigten Ehefrau übernehmen. Und in München verübt die Terrorgruppe »Schwarzer September« einen Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
288
Preis
24.70 €

Autorenbeschreibung

Sandro Veronesi wurde 1959 in Florenz geboren und lebt in Rom. 2006 wurde er für seinen später mit Nanni Moretti verfilmten Roman »Stilles Chaos« zum ersten und 2020 für »Der Kolibri« zum zweiten Mal mit dem Premio Strega ausgezeichnet. Die deutsche Übersetzung von »Der Kolibri« erschien 2021 bei Zsolnay, »Comandante« (2024), das er gemeinsam mit dem Filmregisseur Edoardo De Angelis schrieb, sowie 2026 der Roman »Schwarzer September«.

Beiträge

6
Alle
4.5

Willkommen im Italien der 70er Jahre

Der Autor schafft es, dass wir eine Zeitreise machen in das Italien der 70er Jahre. Wie werden zu dem kleinen Jungen, der dort aufwächst und uns intime Einblicke in seinen Alltag gewährt. Es ist so erzählt, dass es keine Lücke mehr gibt. Man fühlt sich selbst so als lebe man zu der Zeit an diesem Ort. Ich war in den 70ern nicht einmal geboren und finde es deshalb umso erstaunlicher, wie der Autor dies schafft. Insgesamt mag manch einer behaupten, dass gar nicht viel passiert. Und damit mag er Recht haben. Die Qualität dieses Buchs liegt im "Wie", nicht im "Was". Wer sich darauf einlassen kann, wird eine schöne, sommerliche Zeit in Italien haben!

2

Leider hat dieser Roman für mich nicht gehalten, was der Klappentext und die Leseprobe versprochen haben. Ich bin extrem schwer ins Buch gekommen, was vor allem an den langatmigen Erzählungen über die sportlichen Interessen des jungen Gigio lag. Der Autor verwendet unglaublich viel Zeit auf Vorgeplänkel, um auf die Geschehnisse – die man aufgrund des Klappentextes ja bereits kennt – hinzuleiten. Erst nach knapp 200 Seiten kommt man dort an und dann ist das Buch auch schon vorbei… Zusätzlich haben mich noch die meist recht langen Schachtelsätze in meinem Lesefluss gestört. Was mir allerdings gut gefallen hat, sind die Beschreibungen der Landschaft, des Strandlebens und des italienischen Sommers. Ich konnte die Sonnencreme und das Plastik der Luftmatratzen riechen und hab mich an meine eigene Kindheit und Jugend erinnert gefühlt, die ich mit meiner Familie an der italienischen Adriaküste verbracht habe. 🏅 Mich konnte das Buch leider nicht abholen und ich habe immer wieder überlegt, ob ich es abbrechen soll. Fans von Coming-of-Age-Romanen könnten trotzdem auf ihre Kosten kommen.

Mit „Schwarzer September“ beweist Sandro Veronesi erneut seine große Stärke: das Ineinandergreifen von persönlicher Erinnerung und historischer Wirklichkeit so fein zu erzählen, dass daraus weit mehr entsteht als eine klassische Coming-of-Age-Geschichte. Der Roman führt in den Sommer 1972 an die toskanische Küste, wo der zwölfjährige Gigio seine Ferien verbringt. Seine Welt ist zunächst überschaubar: Sport, Comics, Musik – und die ersten tastenden Schritte ins Erwachsenwerden. Doch mit dem Auftauchen der ein Jahr älteren Astel verändert sich alles. Zwischen gemeinsam übersetzten Songtexten, Schallplatten und langen Nachmittagen am Strand entsteht eine zarte, vorsichtige Nähe, die Veronesi mit großer Sensibilität schildert. Es ist diese erste Liebe, die gleichzeitig unschuldig und überwältigend ist, die den emotionalen Kern des Romans bildet. Was „Schwarzer September“ jedoch besonders macht, ist die ständige Überlagerung dieser intimen Geschichte mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der Zeit. Der titelgebende Bezug auf die Terrororganisation Schwarzer September und den Anschlag während der Olympische Spiele 1972 verleiht dem Roman eine historische Schwere, die sich nach und nach auch in Gigios persönlichem Erleben niederschlägt. Die große Welt dringt unaufhaltsam in die kleine ein. Parallel dazu entfaltet sich eine zweite, ebenso erschütternde Ebene: ein Mordfall im direkten Umfeld der Figuren, in den Gigios Vater als Anwalt involviert wird. Spätestens hier kippt die sommerliche Leichtigkeit. Das Gefühl von Sicherheit beginnt zu bröckeln, moralische Gewissheiten geraten ins Wanken. Für Gigio markiert dieser Sommer den Verlust der kindlichen Unschuld – ein „schwarzer September“ im ganz persönlichen Sinn. Veronesis Sprache ist dabei zugleich detailreich und atmosphärisch dicht. Besonders eindrucksvoll ist, wie er den Zeitgeist der frühen 1970er-Jahre einfängt: die Musik von David Bowie oder Cat Stevens, das Lebensgefühl zwischen Aufbruch und Verunsicherung, die politischen Spannungen im Hintergrund. Diese Elemente wirken nie dekorativ, sondern sind organisch mit der Handlung verwoben. Auch die Figurenzeichnung überzeugt. Gigio als Ich-Erzähler blickt aus der Distanz des Erwachsenen auf seine Jugend zurück, was dem Roman eine reflektierende Tiefe verleiht. Astel bleibt dabei fast ein wenig geheimnisvoll – weniger als vollständig greifbare Figur, sondern vielmehr als Projektionsfläche für Gerechtigkeit, Begehren und Verlust. Die Elternfiguren wiederum spiegeln die gesellschaftlichen Spannungen ihrer Zeit und erweitern die Perspektive über das rein Persönliche hinaus. „Schwarzer September“ ist ein leiser, melancholischer und zugleich eindringlicher Roman über das Erwachsenwerden in einer Welt, die plötzlich ihre Unschuld verliert. Er erzählt von erster Liebe, von Schuld und Gerechtigkeit, von politischer Realität und persönlicher Erschütterung – und davon, wie ein einziger Sommer ein ganzes Leben prägen kann. Eine vielschichtige, atmosphärisch dichte Lektüre. Aus dem Italienischen von Karin Krieger.

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Das Ende eines Sommers

📖 Italien 1972: Während der junge Gigio die Olympischen Spiele in München über das Radio verfolgt und mit seinen Stars jubelt, entdeckt er, dass das Leben weitaus mehr zu bieten hat. Neben seiner Liebe zu der aufgeweckten Astel entdeckt er auch die Liebe zur Musik und zu seiner zweiten Muttersprache „Englisch“. Doch so unbeschwert der Sommer auch anfing, wird er nicht Enden…. 💫 „Schwarzer September“ ist wahrlich kein Buch, welches sich mal ebenso lesen lässt. Es ist sehr tiefgründig und ebenso verwirrend, wie die Erinnerungen des nun erwachsenen Gigio. Dabei gelingt es dem Autor die Innenwelt des Protagonisten mit einer unglaublichen Sensibilität darzustellen, die fast schon fragil wirkt. Dabei geht er auch auf berechtigte und unberechtigte Schuldgefühle ein, die den jungen Gigio sehr geprägt haben. Weitere zentrale Themen sind Verlust, Traumbewältigung und Herkunft. 💫 Der Titel des Buchs ist eine Anlehnung an die Terrorgruppe „Schwarzer September“, die am 05.09.1972 bei den Olympischen Spielen in München, das Olympische Dorf der israelischen Sportler überfielen und diese nach einem gescheitertem Befreiungsversuch töteten. Wiedererwartend stehen nicht die politischen Ereignisse im Vordergrund, sondern die familiären, persönlichen Schicksalsschläge, die Gigios Leben und das seiner Familie auf den Kopf stellen. Aufgrund dessen wird eher sehr lange nicht mehr zu der Unbeschwertheit zurückfinden, die seine Jugend gekennzeichnet haben. 💫 Sprachlich ist die Erzählung klar und doch zugleich poetisch verfasst., ohne dabei laut zu sein. Im Gegenteil: Diese Geschichte lebt von den leisen Zwischentönen, die sich langsam aber nachhaltig im Kopf festsetzen.

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SCHWARZER SEPTEMBER Sandro Veronesi ET: 17.02.26 Fiumetto, 1972: Der zwölfjährige Gigio freut sich auf die langen Sommerferien an der italienischen Küste. Dort wird er Astel wiedersehen, ein Mädchen, das ihm bereits im vergangenen Jahr ins Auge gefallen ist. Auch Astel sucht Gigios Nähe. Unter dem Vorwand seiner guten Englischkenntnisse bittet sie ihn, Songtexte von Cat Stevens zu übersetzen. Immer öfter verbringen sie ganze Nachmittage bei ihr, verfolgen die Olympischen Spiele im Fernsehen, die gerade in München eröffnet werden, und kommen sich ganz langsam auch körperlich näher. Für Gigio hat es etwas Unwirkliches, ja geradezu Magisches, dass Astel in ihn verliebt zu sein scheint – und dass ihre äthiopische Mutter nie zu Hause ist und ihnen dadurch alle Freiheiten bleiben. An jenem Wochenende, an dem Terroristen elf israelische Sportler der Olympischen Spiele in ihre Gewalt bringen, geschieht auch in Fiumetto etwas Schreckliches. Was genau, sollte man besser nicht dem Klappentext entnehmen, der zu viel verrät, sondern selbst entdecken. Der erste Teil des Romans wirkte auf mich sehr kindlich erzählt – passend zum Protagonisten, aber stellenweise verwirrend und gefühlt aus endlosen Nebensätzen zusammengesetzt. Im zweiten Teil verändert sich der Ton und wirkt zwar erwachsener, doch Veronesi beschreibt mit großer Detailverliebtheit Songs, Sportler und Wettkämpfe, was mir insgesamt einfach zu viel war. Erst die letzten rund hundert Seiten konnten mich wirklich erreichen, wobei ich das abschließende Kapitel als überflüssig empfand. Fazit Ein Coming-of-Age-Roman mit einem schönen Cover, das mehr Dramatik verspricht, als der Text letztlich einlöst. Empfehlenswert für Leser*innen, die Freude daran haben, Namen und Leistungen der Olympischen Spiele von 1972 wieder aufgefrischt zu bekommen. Für mich blieb es insgesamt ein eher durchschnittliches Buch. 3/5

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3.5

Wie ein träger, heißer Sommertag

Die flirrende Hitze im Italien der 70er-Jahre, Tage am Strand, die Trägheit nach vielen Stunden in der Sonne – davon handelt dieser Roman nicht nur zum Teil, so fühlt er sich auch an. Als hätte man einen leichten Sonnenstich und wäre ganz benommen vom vielen Meeresrauschen. Der Erzähler Gigio nimmt uns in "Schwarzer September" mit zurück in seine Kindheit/Jugend und erinnert sich an den Sommer 1972, als er mit 12 die 13-jährige Astel kennengelernt hat. Er erinnert sich daran, wie sie gemeinsam die Liebe zur Musik geteilt haben, an die Olympischen Sommerspiele in München und ganz besonders an die familiäre Tragödie, die seinem Sommerflirt ein jähes Ende bereitet hat. Diese Geschichte erzählt er aber nicht einfach gerade heraus, sondern über sehr viele Umwege, Andeutungen und teilweise Zeitsprünge. Erst am Ende des Buches erfährt man eigentlich, was genau vorgefallen ist. Das heißt, man braucht einen langen Atem, denn Sandro Veronesi driftet teilweise in scheinbar unwesentliche Details ab und lebt seine Vorliebe für lange, verschachtelte Sätze vollends aus. Der Erzählstil erinnert ein wenig an Joel Dicker und auch Bret Easton Ellis, hat aber irgendwie seine ganz eigene Magie. Deswegen habe ich das Buch – obwohl 90% der Geschichte eigentlich gar nichts Spektakuläres passiert – trotzdem gern gelesen und war gefühlt mit in Vinci oder in Fiuometto an der ligurischen Küste. Empfehlenswert für alle, die leise und eher langsame Bücher ohne viel Action, dafür aber mit einem ausufernden Schreibstil mögen.

Wie ein träger, heißer Sommertag
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