Riccardino
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Beschreibung
Ein früher Anruf reißt Commissario Montalbano aus dem Schlaf. Er möge zu einem Treffen mit mehreren Freunden erscheinen, verlangt ein gewisser Riccardino - und legt auf. Kaum im Kommissariat angekommen, erreicht Montalbano die Nachricht von einem Mord auf offener Straße durch einen unerkannt geflohenen Täter. Als Montalbano die Identität des Opfers erfährt - ein Mann namens Riccardino -, fangen seine Probleme erst an. Denn kurz darauf muss der Commissario sich mit einer mysteriösen Anfrage des örtlichen Bischofs und mit einer Wahrsagerin auseinandersetzen, die von seltsamen Vorkommnissen in ihrem Viertel berichtet, in welche anscheinend auch Riccardino verstrickt war.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Andrea Camilleri (1925-2019) ist der erfolgreichste zeitgenössische Autor Italiens und begeistert mit seinem vielfach ausgezeichneten Werk ein Millionenpublikum. Ob er seine Leser mit seinem unwiderstehlichen Helden Salvo Montalbano in den Bann zieht, ihnen mit kulinarischen Köstlichkeiten den Mund wässrig macht oder ihnen unvergessliche Einblicke in die mediterrane Seele gewährt: Dem Charme der Welt Camilleris vermag sich niemand zu entziehen.
Beiträge
Nach meinem Tod zu veröffentlichen
Mit 80 Jahren war Camilleri müde. Seine Romanfigur Salvo Montalbano entglitt ihm, verhielt sich nicht mehr so, wie er es wollte. Ein Grund war nicht Camilleris Müdigkeit sondern die Verfilmung seiner Montalbano-Krimi, an der Camilleri beteiligt war, und die sich nicht an das Original hielt. Also entschied Camilleri den letzten Krimi zu schreiben. Das Ende von Salvo Montalbano als Romanfigur. Das Manuskript übergab er seinem Verlag mit der Auflage es nach seinem Tod zu veröffentlichen. Camilleri lebte noch weitere vierzehn Jahre und veröffentlichte noch viele Bücher, nicht nur Montalbano-Krimi. Nach rund zehn Jahren überarbeitete er das Manuskript. Spezial sind die Telefonanrufe des Autors, welcher die Romanfigur zu beeinflussen versucht. Was dieser in seiner bockigen Art ignoriert. Der Fall ist eigentlich Nebensache. Mord, Mafia, Schweigen, Korruption und Angst. Camilleri verabschiedet sich hier von seiner Romanfigur, die er als Siebzigjähriger auf den Markt brachte, indem er als erster geht. Die Romanfigur muss so lange warten, dass die Geschichte nicht mehr in das Italien zum Zeitpunkt der Veröffentlichung passt. Ein Buch für Camilleri-Fans, weniger für Krinifreunde.
Mit „Riccardino“ nimmt Andrea Camilleri Abschied – nicht nur von seinem Publikum, sondern auch von seinem berühmten Ermittler, Commissario Salvo Montalbano. Es ist ein bewegender, kluger und gleichzeitig verspielter letzter Fall, der mehr ist als bloß ein klassischer Kriminalroman. Vielmehr handelt es sich um eine literarische Meta-Erzählung, ein Werk zwischen Realität und Fiktion, in dem Camilleri Montalbano und sich selbst mit feiner Ironie und tiefem Ernst gegenüberstellt. Der Fall selbst beginnt konventionell: Ein früher Anruf weckt Montalbano, ein gewisser Riccardino bittet um ein Treffen. Kurz darauf ist der Mann tot – erschossen auf offener Straße. Was zunächst wie ein Eifersuchtsdrama wirkt, entwickelt sich zu einer komplexen Ermittlung, die den Commissario nicht nur mit einem Bischof und einer Wahrsagerin konfrontiert, sondern auch mit sich selbst, seinem medialen Doppelgänger aus dem Fernsehen – und seinem Schöpfer, dem Autor. Diese drei Ebenen – Realität, Fiktion, Selbstreflexion – sind das eigentliche Herzstück des Romans. Montalbano spricht mit seinem Autor, widerspricht ihm, rebelliert gegen den Verlauf der Geschichte. Es ist, als würde Camilleri seinem Protagonisten ein letztes Mal die Chance geben, sich zu emanzipieren – aber auch als wolle er selbst in einem finalen Gespräch Abschied nehmen. Dabei schwingt ein melancholischer Ton mit: der Abschied vom Alter Ego, von einer langen Ära, von literarischem Schaffen. Es ist kein lauter, sondern ein nachdenklicher, fast zärtlicher Abschied. Sprachlich bleibt Camilleri seiner Linie treu: Die ironisch-lebendige, oft unübersetzbare Kunstsprache, der Charme des Sizilianischen, das farbenreiche Lokalkolorit – all das ist auch in „Riccardino“ präsent. Doch wer glaubt, der Roman sei nur ein Rückblick, täuscht sich: Camilleri bleibt bis zuletzt experimentierfreudig. Die vierte Wand wird eingerissen, Realität und Erfindung verschmelzen, Figuren treten aus ihrer Rolle – und gerade dadurch wird dieser letzte Fall überraschend aktuell, fast modernistisch. Natürlich sind viele liebgewonnene Elemente wieder dabei: der ewige Streit mit Livia, der tumbe Catarella, die kulinarischen Ausschweifungen. Doch spürt man in allem eine Müdigkeit, eine Ahnung von Abschied. Und so ist „Riccardino“ nicht nur das Ende einer Serie, sondern ein würdiges Finale, das alle Facetten der Reihe – Humor, Melancholie, Spannung, Gesellschaftskritik – noch einmal in sich vereint. Der 2019 verstorbene Krimiautor Andrea Camilleri hat das Finale um seinen Ermittler Montalbano bereits 2005 geschrieben und elf Jahre später nochmals überarbeitet. „Riccardino“ ist ein würdiger, intelligenter und zutiefst literarischer Schlussakkord für eine der bedeutendsten Krimireihen Europas. Es ist ein Buch über das Ende, über das Schreiben, über das Altern – und über die Liebe zu einer Figur, die längst über ihren Autor hinausgewachsen ist. Ein Muss für alle Montalbano-Fans – mit einem Tränchen im Auge, aber auch mit einem Schmunzeln im Gesicht. Ciao, Commissario Montalbano, es war mir eine Ehre! Aus dem Italienischen von Rita Seuß und Walter Kögler.

I did it my way
Commissario Montalbano ist ein harter Hund. Aber auch ein alter harter Hund. Da mag man nicht mehr unsanft geweckt werden. Oder sich um Banalitäten kümmern oder dem Azubi die Welt erklären... Als er dann mitten in einen neuen, rätselhaften Fall geschubst wird, nimmt die Arbeit kein Ende und mit jedem vermeintlich gelösten Rätsel wartet ein neues. Ich bin mit Serien wie Kommissar Rex aufgewachsen und habe durchaus ein intensives Interesse an Krimis. Daher hat mich das Buch interessiert, auch wenn ich den Commissario noch nicht kannte, denn wie viele Krimis schaffen es schon verfilmt zu werden. Mit dem letzten Band einzusteigen kann funktionieren, für mich hat es das hier leider nicht. Zwar kann man durchaus den Fall als eigenständigen Fall erleben, viele Umstände bzw. mancher Charakter scheinen mir aber besser verständlich oder in ihrer ganzen Tragweite zu erfassen, wenn man den Charakter des Commissario und sein Umfeld bereits kennengelernt hätte. Natürlich ist die Aussage hypothetisch, denn das Szenario lässt sich individuell nicht neu erzeugen. Ich fand die Struktur des Falls durch den Autor durchaus raffiniert gestrickt und denke auch, dass sich Kenner der Reihe durchaus munter in die Diskussion um den Fall stürzen. Ich habe mich in manchen Dingen am Commissario gestoßen, da man aber seltenst die perfekte Interpretation nach eigenen Wünschen in Büchern finden, war das für mich weniger relevant als die vorabgenannten Hindernisse. Daher würde ich das Buch für die empfehlen, die mit Vorwissen glänzen können. Dennoch: Ein angegrautes Original geht seinen eigenen Weg.
Dieser posthum veröffentlichte Roman, der schon 2005 entstand, ist der Versuch Camilleris, seine Montalbano-Krimi-Reihe, der er müde war, zu einem befriedigenden Ende zu bringen. Der Befreiungsschlag ist ihm nicht ganz gelungen, denn schrieb noch viele Montalbanos, die immer schwächer wurden. Zuletzt erblindet, diktierte er sie. Den Geist, den er gerufen hatte, wurde er nicht mehr los. Riccardino ist aber noch ein starker Krimi, hier sind der Autor und die Protagonisten noch nicht Abziehbilder ihrer selbst.
Beschreibung
Ein früher Anruf reißt Commissario Montalbano aus dem Schlaf. Er möge zu einem Treffen mit mehreren Freunden erscheinen, verlangt ein gewisser Riccardino - und legt auf. Kaum im Kommissariat angekommen, erreicht Montalbano die Nachricht von einem Mord auf offener Straße durch einen unerkannt geflohenen Täter. Als Montalbano die Identität des Opfers erfährt - ein Mann namens Riccardino -, fangen seine Probleme erst an. Denn kurz darauf muss der Commissario sich mit einer mysteriösen Anfrage des örtlichen Bischofs und mit einer Wahrsagerin auseinandersetzen, die von seltsamen Vorkommnissen in ihrem Viertel berichtet, in welche anscheinend auch Riccardino verstrickt war.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Andrea Camilleri (1925-2019) ist der erfolgreichste zeitgenössische Autor Italiens und begeistert mit seinem vielfach ausgezeichneten Werk ein Millionenpublikum. Ob er seine Leser mit seinem unwiderstehlichen Helden Salvo Montalbano in den Bann zieht, ihnen mit kulinarischen Köstlichkeiten den Mund wässrig macht oder ihnen unvergessliche Einblicke in die mediterrane Seele gewährt: Dem Charme der Welt Camilleris vermag sich niemand zu entziehen.
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Nach meinem Tod zu veröffentlichen
Mit 80 Jahren war Camilleri müde. Seine Romanfigur Salvo Montalbano entglitt ihm, verhielt sich nicht mehr so, wie er es wollte. Ein Grund war nicht Camilleris Müdigkeit sondern die Verfilmung seiner Montalbano-Krimi, an der Camilleri beteiligt war, und die sich nicht an das Original hielt. Also entschied Camilleri den letzten Krimi zu schreiben. Das Ende von Salvo Montalbano als Romanfigur. Das Manuskript übergab er seinem Verlag mit der Auflage es nach seinem Tod zu veröffentlichen. Camilleri lebte noch weitere vierzehn Jahre und veröffentlichte noch viele Bücher, nicht nur Montalbano-Krimi. Nach rund zehn Jahren überarbeitete er das Manuskript. Spezial sind die Telefonanrufe des Autors, welcher die Romanfigur zu beeinflussen versucht. Was dieser in seiner bockigen Art ignoriert. Der Fall ist eigentlich Nebensache. Mord, Mafia, Schweigen, Korruption und Angst. Camilleri verabschiedet sich hier von seiner Romanfigur, die er als Siebzigjähriger auf den Markt brachte, indem er als erster geht. Die Romanfigur muss so lange warten, dass die Geschichte nicht mehr in das Italien zum Zeitpunkt der Veröffentlichung passt. Ein Buch für Camilleri-Fans, weniger für Krinifreunde.
Mit „Riccardino“ nimmt Andrea Camilleri Abschied – nicht nur von seinem Publikum, sondern auch von seinem berühmten Ermittler, Commissario Salvo Montalbano. Es ist ein bewegender, kluger und gleichzeitig verspielter letzter Fall, der mehr ist als bloß ein klassischer Kriminalroman. Vielmehr handelt es sich um eine literarische Meta-Erzählung, ein Werk zwischen Realität und Fiktion, in dem Camilleri Montalbano und sich selbst mit feiner Ironie und tiefem Ernst gegenüberstellt. Der Fall selbst beginnt konventionell: Ein früher Anruf weckt Montalbano, ein gewisser Riccardino bittet um ein Treffen. Kurz darauf ist der Mann tot – erschossen auf offener Straße. Was zunächst wie ein Eifersuchtsdrama wirkt, entwickelt sich zu einer komplexen Ermittlung, die den Commissario nicht nur mit einem Bischof und einer Wahrsagerin konfrontiert, sondern auch mit sich selbst, seinem medialen Doppelgänger aus dem Fernsehen – und seinem Schöpfer, dem Autor. Diese drei Ebenen – Realität, Fiktion, Selbstreflexion – sind das eigentliche Herzstück des Romans. Montalbano spricht mit seinem Autor, widerspricht ihm, rebelliert gegen den Verlauf der Geschichte. Es ist, als würde Camilleri seinem Protagonisten ein letztes Mal die Chance geben, sich zu emanzipieren – aber auch als wolle er selbst in einem finalen Gespräch Abschied nehmen. Dabei schwingt ein melancholischer Ton mit: der Abschied vom Alter Ego, von einer langen Ära, von literarischem Schaffen. Es ist kein lauter, sondern ein nachdenklicher, fast zärtlicher Abschied. Sprachlich bleibt Camilleri seiner Linie treu: Die ironisch-lebendige, oft unübersetzbare Kunstsprache, der Charme des Sizilianischen, das farbenreiche Lokalkolorit – all das ist auch in „Riccardino“ präsent. Doch wer glaubt, der Roman sei nur ein Rückblick, täuscht sich: Camilleri bleibt bis zuletzt experimentierfreudig. Die vierte Wand wird eingerissen, Realität und Erfindung verschmelzen, Figuren treten aus ihrer Rolle – und gerade dadurch wird dieser letzte Fall überraschend aktuell, fast modernistisch. Natürlich sind viele liebgewonnene Elemente wieder dabei: der ewige Streit mit Livia, der tumbe Catarella, die kulinarischen Ausschweifungen. Doch spürt man in allem eine Müdigkeit, eine Ahnung von Abschied. Und so ist „Riccardino“ nicht nur das Ende einer Serie, sondern ein würdiges Finale, das alle Facetten der Reihe – Humor, Melancholie, Spannung, Gesellschaftskritik – noch einmal in sich vereint. Der 2019 verstorbene Krimiautor Andrea Camilleri hat das Finale um seinen Ermittler Montalbano bereits 2005 geschrieben und elf Jahre später nochmals überarbeitet. „Riccardino“ ist ein würdiger, intelligenter und zutiefst literarischer Schlussakkord für eine der bedeutendsten Krimireihen Europas. Es ist ein Buch über das Ende, über das Schreiben, über das Altern – und über die Liebe zu einer Figur, die längst über ihren Autor hinausgewachsen ist. Ein Muss für alle Montalbano-Fans – mit einem Tränchen im Auge, aber auch mit einem Schmunzeln im Gesicht. Ciao, Commissario Montalbano, es war mir eine Ehre! Aus dem Italienischen von Rita Seuß und Walter Kögler.

I did it my way
Commissario Montalbano ist ein harter Hund. Aber auch ein alter harter Hund. Da mag man nicht mehr unsanft geweckt werden. Oder sich um Banalitäten kümmern oder dem Azubi die Welt erklären... Als er dann mitten in einen neuen, rätselhaften Fall geschubst wird, nimmt die Arbeit kein Ende und mit jedem vermeintlich gelösten Rätsel wartet ein neues. Ich bin mit Serien wie Kommissar Rex aufgewachsen und habe durchaus ein intensives Interesse an Krimis. Daher hat mich das Buch interessiert, auch wenn ich den Commissario noch nicht kannte, denn wie viele Krimis schaffen es schon verfilmt zu werden. Mit dem letzten Band einzusteigen kann funktionieren, für mich hat es das hier leider nicht. Zwar kann man durchaus den Fall als eigenständigen Fall erleben, viele Umstände bzw. mancher Charakter scheinen mir aber besser verständlich oder in ihrer ganzen Tragweite zu erfassen, wenn man den Charakter des Commissario und sein Umfeld bereits kennengelernt hätte. Natürlich ist die Aussage hypothetisch, denn das Szenario lässt sich individuell nicht neu erzeugen. Ich fand die Struktur des Falls durch den Autor durchaus raffiniert gestrickt und denke auch, dass sich Kenner der Reihe durchaus munter in die Diskussion um den Fall stürzen. Ich habe mich in manchen Dingen am Commissario gestoßen, da man aber seltenst die perfekte Interpretation nach eigenen Wünschen in Büchern finden, war das für mich weniger relevant als die vorabgenannten Hindernisse. Daher würde ich das Buch für die empfehlen, die mit Vorwissen glänzen können. Dennoch: Ein angegrautes Original geht seinen eigenen Weg.









