Blick ins Buch

Krimis

Nackter Mann, der brennt

3,3(9)
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Über das Buch

Im Alter von vierzehn Jahren flieht ein Junge aus dem süddeutschen Dorf Heiligsheim. Vierzig Jahre später kehrt er als Ludwig, »Luggi« Dragomir zurück: Alkohol, Drogen und alle gegen sich und die anderen ausgefochtenen Kriege in Berlin verhinderten nicht das ständige Wiederleben des Missbrauchs seiner Spielkameraden und seiner selbst durch die Honoratioren von Heiligsheim. Die Schuldgefühle, diese Jungen nicht beschützt zu haben, treiben ihn an: »Je mehr Zeit ich im Dorf verbrachte, desto mehr Kinder kamen zurück und scharten sich in meinem Kopf ums schwarze Brot der Erinnerung.«

Seit seiner Anwesenheit verschwinden gleich mehrere ältere Herren, einige werden tot aufgefunden – ob durch Unfall oder Mord, das versucht Kommissarin Anna Darko herauszufinden. Dabei gerät auch Ludwig ins Visier, da er ein Verhältnis hat mit der Ehefrau eines der Vermissten, den er als Gefangenen im eigenen Haus malträtiert. Denn in Ludwig Dragomir hatte Wut die Oberhand erlangt, und nun »durfte sie brennen«: »Da stand ich, am Rand der Nacht, zum Morden geboren, zum Sterben bereit und starb nicht und mordete noch lang nicht genug.«

Wie aus Opfern Täter werden, in welcher Weise dieser unaufhaltsame, alle Grenzen der Grausamkeit sprengende Prozess abläuft – dies erzählt Friedrich Ani, der Meister des Noir, einfühlsam, überraschend und bis ins kleinste Detail und auf eine Weise, die ihresgleichen nicht hat.

Editionen (5)

ISBN9783518425428
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum10.08.16
Seitenzahl223

Rezensionen & Bewertungen

9 Bewertungen

4 Rezensionen

3,3

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  • julsico
    julsico

    77 Follower

    4,0

    Die Kinder von Heiligsheim

    Ludwig Dragomir zieht frisch nach Heiligsheim und hat bereits einen Gast in seinem Haus, die Politistin Anna Darko ist irgendwie im Urlaub in dem kleinen Örtchen - irgendwie sucht sie aber auch einen Vermissten und die alten weißen Männer ertränken ihre Vergangenheit im Alkohol. Und dann gibt es da noch die Kinder von Heiligsheim, die sich leider nicht alle selbst helfen können. Die Geschichte um diese zahlreichen Protagonisten beginnt ganz unvermittelt aber auch in positiven Sinne anspruchsvoll. Ich musste mich erstmal in Dragomirs verwirrenden, springenden aber auch reflektierenden Gedanken zurechtfinden. Und obwohl der Ausgangspunkt ebenso brutal wie auch simpel ist, dauert es doch eine Weile, bis man das gesamte Konstrukt durchschaut hat. Die Gesellschaftskritik, die Ani mit seinem Plot transportiert, ist allerdings überhaupt nicht simpel, sondern zeugt von einer dunklen Wahrheit, die wahrscheinlich in vielen Orten eine Quelle hat. Insgesamt war auch die Lesung des Hörbuchs durch Ulrich Noethen ein qualitativ hochwertiger Genuss und hat die Figuren sehr lebendig gemacht.

    12. Okt. 2023

  • schmoizhauser
    schmoizhauser

    15 Follower

    4,5

    Düster und hart.

    Der Mann, der in seinen Heimatort zurückkehrt und seine Vergangenheit „aufräumt“. Geschrieben aus Sicht des Täters, der ebenso Opfer ist. Es ist hart, es ist brutal, es ist immer wieder sehr explizit, es ist wahnsinnig düster und immer wieder sehr zynisch. Absolute Empfehlung, aber nichts für schwache Nerven .

    13. März 2024

  • jessycando
    jessycando

    40 Follower

    2,5

    Mit 14 Jahren flüchtete er aus Heiligstenheim... nach 40 Jahren kehrt er als Luggi Dragomir zurück

    An sich eine interessante Geschichte über jemanden der nach traumatisierenden Erfahrungen mit 14 Jahren aus seiner Heimatstadt flieht..Nach 40 Jahren und weiteren Erfahrungen mit Alkohol und Drogen kehrt er zurück. Es sterben Männer nach seiner Rückkehr .. auch er gerät in das Visir der Ermittlungen.. Ich bin leider nicht wirklich in die Geschichte reingekommen. Weder in Buch noch in Hörbuchform. Weil mich die Geschichte dennoch interessiert hat bin ich dennoch dran geblieben. Leider konnte mich das Buch (wahrscheinlich auch aus diesem Grund) nicht mitreißen...

    18. Sept. 2023

3 von 4 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Friedrich Ani

Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde in zehn Sprachen übersetzt und vielfach prämiert, u. a. sieben Mal mit dem Deutschen Krimipreis, dem Crime Cologne Award, dem Burgdorfer Krimipreis, dem Adolf-Grimme-Preis, dem Bayerischen Fernsehpreis und der Goldenen Romy. Friedrich Ani ist Mitglied des PEN-Berlin.

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