Meine langen Nächte
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Ilva Fabiani, geboren 1970 in Ascoli Piceno, Italien, studierte Philosophie und zog anschließend nach Deutschland. Ihr erster Roman, Meine langen Nächte, ist das Ergebnis einer dreijährigen Recherche. Das Buch wurde in Italien mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem ilmioesordio (2013), mit dem Preis der Literaturkritik Premio Scuola Holden per l’opera più originale, dem von Leser:innen vergebenen Preis community ilmiolibro sowie mit dem Literaturpreis der Stadt Cuneo für den besten Debütroman 2014. Fabiani arbeitet als Italienisch-Lektorin an der Universität Göttingen.
Beiträge
Oh, wie großartig ist dieses Buch! "Ich war eine braune Schwester. Dienstnummer 271207. Ich war die einzige in der gesamten Klinik und die erste in Göttingen. Am Tag der Zeugnisausgabe hatte ich dem Führer die Treue geschworen [...]" Wow! Leute, lest diesen Roman! Ich konnte 'Meine langen Nächte' nicht mehr zur Seite legen und musste das Buch in einem Rutsch durchlesen. Eindringlich, ergreifend, bewegend, erschreckend, abstoßend..... sucht Euch was aus: Ilva Fabiani bedient all diese Emotionen wie auf einer Klaviatur.
„Adler, die auf ihre Jungen einhacken, Wölfe, die verletzte Tiere aus dem Rudel verstoßen. Verbrecher. Die Forderungen des Führers, die Reden der Meinhardt, die Schule, die ich besucht hatte, alles vollkommener Irrsinn. Eine Todesmaschinerie, die Taugenichtse wie mich anzog und dazu brachte, auszusortieren, was die sorglose Natur nun einmal hervorgebracht hatte.“
Anna wächst als älteste Tochter einer wohlhabenden Familie auf, verbringt unbeschwerte Sommer in Salzgitter und erlebt ihre erste große Liebe. Doch früh verfällt sie der Ideologie des Nationalsozialismus, bricht ihr Medizinstudium ab und wird eine NS-Schwester. In Göttingen führt sie Zwangssterilisationen durch, überzeugt davon, das Richtige zu tun. Erst als ihre beste Freundin plötzlich Patientin wird und sie sich in einen Medizinstudenten verliebt, beginnt ihr Weltbild nach und nach zu bröckeln. Der Roman hat mich sehr berührt und gefesselt. Obwohl ich es oft nur in kurzen Etappen lesen konnte, blieb die Geschichte intensiv und bedrückend zugleich. Besonders stark fand ich, wie die Autorin Annas persönliche Entwicklung mit den politischen Umständen dieser Zeit verwebt. Gut gelungen sind auch die Perspektivwechsel – einerseits Annas eigene Stimme, andererseits die Szenen, die sie wie von außen nach ihrem Tod betrachtet beschreibt. Von Beginn an weiß man, dass sie sterben wird, doch das Wie bleibt ein Rätsel und hält die Spannung hoch. Das Ende war ein erschütternder Abschluss, der mich sehr bewegt hat.

Am 14. Juli 1933 trat der Erlass in Kraft, der die Zwangssterilisation von Erb- und Geisteskranken anordnete. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte das Ilva Fabiani hier wiedergibt. Anna wächst wohlbehütet in einem liberalen Elternhaus auf, doch kann dies nicht verhindern, dass Anna sich immer mehr und mehr von den Nazis und ihren Ideen vereinnahmen lässt. "...am 4. November 1925 lernte ich Adolf Hitler kennen..." S.102 "...haben wir wirklich geglaubt, dass dieser Mann uns würde retten können?..." (S. 104) "...der Wolf erzählte uns genau das, was wir hören wollten und wie wir es hören wollten..." (S.107) Anna die in die Fußstapfen ihres Vaters treten wollte und ein Medizinstudium begann, bricht dieses ab, bleibt der Medizin aber treu und wird zu einer so genannten "braunen Schwester" und beginnt am Programm der Zwangssterilisationen teilzunehmen. Anna ist überzeugt von dem, was sie dort tut, als aber ihre beste Freundin aus Kindes Tagen in die Klinik eingeliefert wird, beginnt ihr Glaube zu bröckeln. Als sie sich dann noch in einen französischen Medizinstudenten mit jüdischen Wurzeln verliebt, wird sie sich ihrer Taten bewusst und zusammen versuchen sie, etwas zu verändern und ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Wir begleiten Anna von der Kindheit bis zu ihrem Tod, und darüber hinaus, und sehen wie sie sich entwickelt, sich unter all den Enttäuschungen die das Leben einem bereit hält verändert und sich verrennt und begleiten sie bei ihrer späten Einsicht. Ein intensiver, starker Roman, der sicher noch lange nachhallen wird und dem ich in Zeiten wie diesen noch viele Leser wünsche! "...denke daran, wenn der Leitwolf wütend von der Bühne herab geifert, denke daran, dass es Menschen gibt, die ihm folgen, und welche die auch in finsterster Nacht noch klar sehen..." (S.263)

✨️ Highlight
📚 Inhalt Anna ist ein gewöhnliches deutsches Mädchen mit blonden Haaren. Als Tochter wohlhabender Eltern verbringt sie glückliche Sommer und erlebt eine unbeschwerte Kindheit zusammen mit ihrem Bruder und ihrer besten Freundin Helene. Anna interessiert sich schon früh für den Nationalsozialismus und ihre liberalen Eltern können keinen Einfluss auf sie nehmen. Auch nicht, als sie ihr Medizinstudium abbricht, um eine «NS-Schwester» zu werden. Anna arbeitet in einer Klinik, in der «erbkranke» Frauen und Männer zwangssterilisiert werden. Dieses Gesetz wurde von Hitler angeordnet und Anna ist überzeugt, das Richtige zu tun. Ihre Überzeugungen kommen ins Wanken, als sie sich in einen französischen Medizinstudenten verliebt und ihre Kindheitsfreundin Helene in die Klinik eingeliefert wird. Anna wird Mitglied einer Gruppe, die Patient:innen zu Flucht verhilft. Bald muss Anna eine folgenschwere Entscheidung treffen. 📖 Meinung Wow. Diese drei Buchstaben reichen aus, um «Meine langen Nächte» zu beschreiben. Eine ganz klare Leseempfehlung. Wir begleiten Anna durch ihr Leben. Währenddessen können wir beobachten und "nachvollziehen" wie sie sich radikalisiert. Ich möchte klar stellen, dass man ihre Beweggründe NICHT verstehen kann. Trotzdem war es äusserst interessant, in ihre Gedanken- und Gefühlswelt abzutauchen und Einblicke zu bekommen. Aber als Protagonistin kann ich sie nicht mögen, das ist allerdings auch gar nicht wichtig für die Geschichte. Aber Anna entwickelt sich weiter in der Geschichte und sie muss ihre politischen Ideologien überdenken und kommt ins Wanken. Ich muss gestehen, dass ich bevor ich das Buch gelesen habe, nicht wusste, dass es "braune Schwestern" gab und fand es umso spannender von ihnen zu erfahren. Es ist ein wichtiges Thema, das nicht vergessen werden sollte. Mich hat die Geschichte total mitgerissen und kaum losgelassen. Ich habe viel über das Buch und die Geschehnisse nachgedacht. Eine absolute Leseempfehlung.
"Ich hieß Anna Alrutz, Dienstnummer 271207. Ich war eine braune Schwester und hatte eine unvernünftige Beziehung mit einem Blatt. Im Herbst." Ein Buch über ein grausames Stück Geschichte in Deutschland und gleichzeitig die Lebensbeichte und späte Einsicht einer jungen Frau. Anna kommt aus gutem Haus, der Vater ist Arzt. Langsam schleicht sich der Nationalsozialismus in Annas Leben und Denken. Sie beginnt ein Medizinstudium, das sie nicht abschließt und arbeitet als "braune Schwester" in Göttingen, wo Zwangs-Sterilisationen an erbkranken Frauen vorgenommen werden, die von Hitler per Gesetz angeordnet waren. Zwar ein fiktiver Roman, aber leider auf geschichtlich nachgewiesenen Fakten basierend. Aufgrund des Themas keine einfache Lektüre, aber absolut empfehlenswert!
Ein eindrucksvolles Buch. Klare Leseempfehlung !
“Meine langen Nächte” von Ilva Fabiani. Anna Alrutz, Dienstnummer 271207 lebt in einer Art Halbschatten ohne Raum und Zeit. Der Wind hebt das Schattenwesen Anna hoch und der Leser wird in die verschiedenen Kapitel ihres kurzen Lebens getragen. Anna wächst mit ihrer kranken Schwester und ihrem fettleibigen Bruder in einer wohlhabenden Familie auf. Der Vater ist Arzt und die Familie verbringt ihre Sommer nicht in Luxusorten, sondern in Salzgitter. Dort lebt der Pastor Heinrich Rudinski, ein guter Freund der Familie und Annas erste Liebe. Ihre Liebe für Rudinski empfindet Anna, wie eine Hand, die sich im Magen zu einer Faust ballt, Warmes und Schmerzhaftes wird zugleich empfunden. Und erst in einer anderen Welt wird ihr einiges klar … Helene, Anjas beste Freundin, kommt auch jedes Jahr in den Ferien nach Salzgitter zu ihrer Großmutter und die Mädchen führen ein unbeschwertes Leben. Um so schwieriger ist Annas Begeisterung für den Nationalsozialimus zu verstehen, aber ihre Eltern können es nicht verhindern. Anna wird immer mehr in den Sog von Hitlers Worten gezogen. “Wir brauchen neue Horizonte, neue Hoffnungen”, mit diesen und weiteren Worten werden die Kameraden in eine neue Partei gelockt. Männer und Frauen folgen den Worten, ersehen sich eine Bewegung, die dem deutschen Volke den Glauben wiedergibt. Die wirtschaftliche Krise hat Deutschland in den Abgrund getrieben und der junge, entschlossene und mutige Hitler zeigt den jungen Leuten auf, dass die Deutschen wieder emporsteigen werden. Seine Worte waren wie Peitschenhiebe und die Menge jubelte vor Begeisterung. Auch in Anna wurde die Hoffnung genährt und erst mit ihrer Existenz als Schattenwesen wurde ihr bewusst, was für einem Irrglauben oder Wahnsinn sie nachgerannt ist. Ihr Weg ist steinig und doch klar in seinen Linien, Anna liebt Ordnung. Sie hat dem Führer ihre Treue geschworen und erst mit ihrer Liebe zu Therence Picard, kurz Thierry genannt, ein Halbjude aus Frankreich und Medizinstudent beginnt ihr Idealismus zu bröckeln. Bis dahin hat sie jedoch mit ihrem nicht-arischen Professor Hartmann unglaublich viele Zwangssterilisationen durchgeführt. Der Führer hat angeordnet, dass Frauen mit vermeintlichen Erb-und Geisteskrankheiten Zwangssterilisiert werden müssen und der Professor hat mit Annas Hilfe die Anordnungen des Führers systematisch umgesetzt. Anna beginnt eine Beziehung mit dem Halbjuden Thierry und beschreibt diese wie folgt: “Ich hieß Anna Alrutz, Dienstnummer 271207. Ich war eine braune Schwester und hatte eine unvernünftige Beziehung mit einem Blatt. Im Herbst.” Sachlich, klar und prägnant erzählt die Autorin aus Annas Leben, ihre Sichtweise aus der Schattenwelt und erklärt ihr handeln zu Lebzeiten. Anna weckt verschiedene Emotionen und die Autorin lässt den Leser tief in die Handlungen während fer Nazizeit eintauchen. In das Leid, das Elend, die unglaublichen Machenschaften gegenüber vermeintlich andersartigen Menschen, die geplante Ausmerzung aller Menschen, die keine Arier sind, aber auch das Glück, die Hoffnung, das Mitgefühl und die Liebe werden hervorgehoben. Die Autorin hat sehr intensiv recherchiert und real sind in Göttingen 787 Frauen sterilisiert worden. Ein intensiver, sehr eindrucksvoller und lesenswerter Roman, der nachhallt. Eine klare Leseempfehlung.
Klare Leseempfehlung! Schwere Kost die zum Nachdenken anregt. Ich habe es sehr gerne gelesen obwohl manche Verhaltensweisen der Hauptprotagonistin widersprüchlich waren. An manchen Stellen vielleicht nicht ganz auserzählt . Aber alles in allem ein schön geschriebener Roman mit einem selten erzählten Thema.

Schade
Leider behandelten nur die letzten 60-80 Seiten das tatsächliche Thema, welches auf dem Klappentext stand. Sehr komisch. Auf den Seiten davor, die zwar flüssig zu lesen waren, ging es aber um das Leben/Geschwister der Protagonistin. Bin ziemlich enttäuscht. Das Buch wäre sonst wunderschön gewesen.
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Ilva Fabiani, geboren 1970 in Ascoli Piceno, Italien, studierte Philosophie und zog anschließend nach Deutschland. Ihr erster Roman, Meine langen Nächte, ist das Ergebnis einer dreijährigen Recherche. Das Buch wurde in Italien mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem ilmioesordio (2013), mit dem Preis der Literaturkritik Premio Scuola Holden per l’opera più originale, dem von Leser:innen vergebenen Preis community ilmiolibro sowie mit dem Literaturpreis der Stadt Cuneo für den besten Debütroman 2014. Fabiani arbeitet als Italienisch-Lektorin an der Universität Göttingen.
Beiträge
Oh, wie großartig ist dieses Buch! "Ich war eine braune Schwester. Dienstnummer 271207. Ich war die einzige in der gesamten Klinik und die erste in Göttingen. Am Tag der Zeugnisausgabe hatte ich dem Führer die Treue geschworen [...]" Wow! Leute, lest diesen Roman! Ich konnte 'Meine langen Nächte' nicht mehr zur Seite legen und musste das Buch in einem Rutsch durchlesen. Eindringlich, ergreifend, bewegend, erschreckend, abstoßend..... sucht Euch was aus: Ilva Fabiani bedient all diese Emotionen wie auf einer Klaviatur.
„Adler, die auf ihre Jungen einhacken, Wölfe, die verletzte Tiere aus dem Rudel verstoßen. Verbrecher. Die Forderungen des Führers, die Reden der Meinhardt, die Schule, die ich besucht hatte, alles vollkommener Irrsinn. Eine Todesmaschinerie, die Taugenichtse wie mich anzog und dazu brachte, auszusortieren, was die sorglose Natur nun einmal hervorgebracht hatte.“
Anna wächst als älteste Tochter einer wohlhabenden Familie auf, verbringt unbeschwerte Sommer in Salzgitter und erlebt ihre erste große Liebe. Doch früh verfällt sie der Ideologie des Nationalsozialismus, bricht ihr Medizinstudium ab und wird eine NS-Schwester. In Göttingen führt sie Zwangssterilisationen durch, überzeugt davon, das Richtige zu tun. Erst als ihre beste Freundin plötzlich Patientin wird und sie sich in einen Medizinstudenten verliebt, beginnt ihr Weltbild nach und nach zu bröckeln. Der Roman hat mich sehr berührt und gefesselt. Obwohl ich es oft nur in kurzen Etappen lesen konnte, blieb die Geschichte intensiv und bedrückend zugleich. Besonders stark fand ich, wie die Autorin Annas persönliche Entwicklung mit den politischen Umständen dieser Zeit verwebt. Gut gelungen sind auch die Perspektivwechsel – einerseits Annas eigene Stimme, andererseits die Szenen, die sie wie von außen nach ihrem Tod betrachtet beschreibt. Von Beginn an weiß man, dass sie sterben wird, doch das Wie bleibt ein Rätsel und hält die Spannung hoch. Das Ende war ein erschütternder Abschluss, der mich sehr bewegt hat.

Am 14. Juli 1933 trat der Erlass in Kraft, der die Zwangssterilisation von Erb- und Geisteskranken anordnete. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte das Ilva Fabiani hier wiedergibt. Anna wächst wohlbehütet in einem liberalen Elternhaus auf, doch kann dies nicht verhindern, dass Anna sich immer mehr und mehr von den Nazis und ihren Ideen vereinnahmen lässt. "...am 4. November 1925 lernte ich Adolf Hitler kennen..." S.102 "...haben wir wirklich geglaubt, dass dieser Mann uns würde retten können?..." (S. 104) "...der Wolf erzählte uns genau das, was wir hören wollten und wie wir es hören wollten..." (S.107) Anna die in die Fußstapfen ihres Vaters treten wollte und ein Medizinstudium begann, bricht dieses ab, bleibt der Medizin aber treu und wird zu einer so genannten "braunen Schwester" und beginnt am Programm der Zwangssterilisationen teilzunehmen. Anna ist überzeugt von dem, was sie dort tut, als aber ihre beste Freundin aus Kindes Tagen in die Klinik eingeliefert wird, beginnt ihr Glaube zu bröckeln. Als sie sich dann noch in einen französischen Medizinstudenten mit jüdischen Wurzeln verliebt, wird sie sich ihrer Taten bewusst und zusammen versuchen sie, etwas zu verändern und ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Wir begleiten Anna von der Kindheit bis zu ihrem Tod, und darüber hinaus, und sehen wie sie sich entwickelt, sich unter all den Enttäuschungen die das Leben einem bereit hält verändert und sich verrennt und begleiten sie bei ihrer späten Einsicht. Ein intensiver, starker Roman, der sicher noch lange nachhallen wird und dem ich in Zeiten wie diesen noch viele Leser wünsche! "...denke daran, wenn der Leitwolf wütend von der Bühne herab geifert, denke daran, dass es Menschen gibt, die ihm folgen, und welche die auch in finsterster Nacht noch klar sehen..." (S.263)

✨️ Highlight
📚 Inhalt Anna ist ein gewöhnliches deutsches Mädchen mit blonden Haaren. Als Tochter wohlhabender Eltern verbringt sie glückliche Sommer und erlebt eine unbeschwerte Kindheit zusammen mit ihrem Bruder und ihrer besten Freundin Helene. Anna interessiert sich schon früh für den Nationalsozialismus und ihre liberalen Eltern können keinen Einfluss auf sie nehmen. Auch nicht, als sie ihr Medizinstudium abbricht, um eine «NS-Schwester» zu werden. Anna arbeitet in einer Klinik, in der «erbkranke» Frauen und Männer zwangssterilisiert werden. Dieses Gesetz wurde von Hitler angeordnet und Anna ist überzeugt, das Richtige zu tun. Ihre Überzeugungen kommen ins Wanken, als sie sich in einen französischen Medizinstudenten verliebt und ihre Kindheitsfreundin Helene in die Klinik eingeliefert wird. Anna wird Mitglied einer Gruppe, die Patient:innen zu Flucht verhilft. Bald muss Anna eine folgenschwere Entscheidung treffen. 📖 Meinung Wow. Diese drei Buchstaben reichen aus, um «Meine langen Nächte» zu beschreiben. Eine ganz klare Leseempfehlung. Wir begleiten Anna durch ihr Leben. Währenddessen können wir beobachten und "nachvollziehen" wie sie sich radikalisiert. Ich möchte klar stellen, dass man ihre Beweggründe NICHT verstehen kann. Trotzdem war es äusserst interessant, in ihre Gedanken- und Gefühlswelt abzutauchen und Einblicke zu bekommen. Aber als Protagonistin kann ich sie nicht mögen, das ist allerdings auch gar nicht wichtig für die Geschichte. Aber Anna entwickelt sich weiter in der Geschichte und sie muss ihre politischen Ideologien überdenken und kommt ins Wanken. Ich muss gestehen, dass ich bevor ich das Buch gelesen habe, nicht wusste, dass es "braune Schwestern" gab und fand es umso spannender von ihnen zu erfahren. Es ist ein wichtiges Thema, das nicht vergessen werden sollte. Mich hat die Geschichte total mitgerissen und kaum losgelassen. Ich habe viel über das Buch und die Geschehnisse nachgedacht. Eine absolute Leseempfehlung.
"Ich hieß Anna Alrutz, Dienstnummer 271207. Ich war eine braune Schwester und hatte eine unvernünftige Beziehung mit einem Blatt. Im Herbst." Ein Buch über ein grausames Stück Geschichte in Deutschland und gleichzeitig die Lebensbeichte und späte Einsicht einer jungen Frau. Anna kommt aus gutem Haus, der Vater ist Arzt. Langsam schleicht sich der Nationalsozialismus in Annas Leben und Denken. Sie beginnt ein Medizinstudium, das sie nicht abschließt und arbeitet als "braune Schwester" in Göttingen, wo Zwangs-Sterilisationen an erbkranken Frauen vorgenommen werden, die von Hitler per Gesetz angeordnet waren. Zwar ein fiktiver Roman, aber leider auf geschichtlich nachgewiesenen Fakten basierend. Aufgrund des Themas keine einfache Lektüre, aber absolut empfehlenswert!
Ein eindrucksvolles Buch. Klare Leseempfehlung !
“Meine langen Nächte” von Ilva Fabiani. Anna Alrutz, Dienstnummer 271207 lebt in einer Art Halbschatten ohne Raum und Zeit. Der Wind hebt das Schattenwesen Anna hoch und der Leser wird in die verschiedenen Kapitel ihres kurzen Lebens getragen. Anna wächst mit ihrer kranken Schwester und ihrem fettleibigen Bruder in einer wohlhabenden Familie auf. Der Vater ist Arzt und die Familie verbringt ihre Sommer nicht in Luxusorten, sondern in Salzgitter. Dort lebt der Pastor Heinrich Rudinski, ein guter Freund der Familie und Annas erste Liebe. Ihre Liebe für Rudinski empfindet Anna, wie eine Hand, die sich im Magen zu einer Faust ballt, Warmes und Schmerzhaftes wird zugleich empfunden. Und erst in einer anderen Welt wird ihr einiges klar … Helene, Anjas beste Freundin, kommt auch jedes Jahr in den Ferien nach Salzgitter zu ihrer Großmutter und die Mädchen führen ein unbeschwertes Leben. Um so schwieriger ist Annas Begeisterung für den Nationalsozialimus zu verstehen, aber ihre Eltern können es nicht verhindern. Anna wird immer mehr in den Sog von Hitlers Worten gezogen. “Wir brauchen neue Horizonte, neue Hoffnungen”, mit diesen und weiteren Worten werden die Kameraden in eine neue Partei gelockt. Männer und Frauen folgen den Worten, ersehen sich eine Bewegung, die dem deutschen Volke den Glauben wiedergibt. Die wirtschaftliche Krise hat Deutschland in den Abgrund getrieben und der junge, entschlossene und mutige Hitler zeigt den jungen Leuten auf, dass die Deutschen wieder emporsteigen werden. Seine Worte waren wie Peitschenhiebe und die Menge jubelte vor Begeisterung. Auch in Anna wurde die Hoffnung genährt und erst mit ihrer Existenz als Schattenwesen wurde ihr bewusst, was für einem Irrglauben oder Wahnsinn sie nachgerannt ist. Ihr Weg ist steinig und doch klar in seinen Linien, Anna liebt Ordnung. Sie hat dem Führer ihre Treue geschworen und erst mit ihrer Liebe zu Therence Picard, kurz Thierry genannt, ein Halbjude aus Frankreich und Medizinstudent beginnt ihr Idealismus zu bröckeln. Bis dahin hat sie jedoch mit ihrem nicht-arischen Professor Hartmann unglaublich viele Zwangssterilisationen durchgeführt. Der Führer hat angeordnet, dass Frauen mit vermeintlichen Erb-und Geisteskrankheiten Zwangssterilisiert werden müssen und der Professor hat mit Annas Hilfe die Anordnungen des Führers systematisch umgesetzt. Anna beginnt eine Beziehung mit dem Halbjuden Thierry und beschreibt diese wie folgt: “Ich hieß Anna Alrutz, Dienstnummer 271207. Ich war eine braune Schwester und hatte eine unvernünftige Beziehung mit einem Blatt. Im Herbst.” Sachlich, klar und prägnant erzählt die Autorin aus Annas Leben, ihre Sichtweise aus der Schattenwelt und erklärt ihr handeln zu Lebzeiten. Anna weckt verschiedene Emotionen und die Autorin lässt den Leser tief in die Handlungen während fer Nazizeit eintauchen. In das Leid, das Elend, die unglaublichen Machenschaften gegenüber vermeintlich andersartigen Menschen, die geplante Ausmerzung aller Menschen, die keine Arier sind, aber auch das Glück, die Hoffnung, das Mitgefühl und die Liebe werden hervorgehoben. Die Autorin hat sehr intensiv recherchiert und real sind in Göttingen 787 Frauen sterilisiert worden. Ein intensiver, sehr eindrucksvoller und lesenswerter Roman, der nachhallt. Eine klare Leseempfehlung.
Klare Leseempfehlung! Schwere Kost die zum Nachdenken anregt. Ich habe es sehr gerne gelesen obwohl manche Verhaltensweisen der Hauptprotagonistin widersprüchlich waren. An manchen Stellen vielleicht nicht ganz auserzählt . Aber alles in allem ein schön geschriebener Roman mit einem selten erzählten Thema.

Schade
Leider behandelten nur die letzten 60-80 Seiten das tatsächliche Thema, welches auf dem Klappentext stand. Sehr komisch. Auf den Seiten davor, die zwar flüssig zu lesen waren, ging es aber um das Leben/Geschwister der Protagonistin. Bin ziemlich enttäuscht. Das Buch wäre sonst wunderschön gewesen.












