Meeresstille

Meeresstille

Hardcover
4.06
Un-KriegsverbrechertribunalBalkankriegBosnienkriegLiebesgeschichte

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Beschreibung

Robert liebt Ana, und Ana liebt Robert. Doch etwas gerät zwischen sie, worüber Ana nicht sprechen kann. Etwas ist vorgefallen, damals, im Jugoslawien-Krieg, als sie noch ein Mädchen war. Eine ungeklärte Schuld ihres Vaters, die sie, weit weg von ihrer Heimat, bis nach Berlin verfolgt.
Der serbische Kriegsverbrecher Zlatko Šimic steht in Den Haag vor Gericht. Im Zuschauerraum sitzt Robert und versucht, sich ein Bild von dem Mann zu machen, über den Ana so liebevoll erzählt hat. Wie konnte dieser Mann schuldig werden an einem teuflischen Verbrechen, bei dem 42 Menschen qualvoll verbrannten, ausgerechnet er, der Professor für Anglistik war und ein hochgebildeter und angesehener Shakespeare-Liebhaber? In Deutschland geboren, hat sich Robert für seine kroatische Abstammung nie interessiert, bis er eines Tages Ana begegnet, einer serbischen Studentin. Die Liebe zu ihr führt ihn in die Vergangenheit seiner Familie und die eines ganzen Volkes.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
N/A
Format
Hardcover
Seitenzahl
192
Preis
17.50 €

Autorenbeschreibung

Nicol Ljubic wurde 1971 in Zagreb geboren und wuchs als Sohn eines Flugzeugtechnikers in Schweden, Griechenland, Russland und Deutschland auf. Er studierte Politikwissenschaften und arbeitet als freier Journalist und Autor. Seine Reportagen wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Theodor-Wolff-Preis. 2010 erschien sein Roman Meeresstille, für den er den Adelbert-von- Chamisso-Förderpreis und den ver.di Literaturpreis Berlin-Brandenburg erhielt. Zuletzt gab er die Anthologie Schluss mit der Deutschenfeindlichkeit (2012) heraus.

Beiträge

2
Alle
5

Der Titel sowie das Cover dieses kleinen Buchs leiten einen hinsichtlich des Themas in eine falsche Richtung. In Meeresstille geht es nicht um mediterrane Schauplätze oder sommerliche Gefühle. Das für den Deutschen Buchpreis im Jahr 2010 nominierte Werk ist vielmehr ein sehr ernstes Buch über die Fragen nach Schuld und Sühne über Generationen hinweg. Geschichtliche Grundlage ist der Balkankrieg in Bosnien in den Jahr 1992/93. Ljubić erzählt seine Geschichte aus Sicht von Robert, einem Deutschen, dessen Vater Kroate ist und der sich in die in Berlin lebende Serbin Ana verliebt. Während Ana im ehemaligen Jugoslawien geboren wurde und aufgrund des Kriegs mit ihren Eltern nach Deutschland flüchtete, ist Robert seinen kroatischen Wurzeln kaum bewusst. Er wurde in Deutschland geboren, und sein Vater wollte nicht, dass sein Sohn seine Muttersprache lernt. Kann es eine Generation nach dem Balkankrieg schon gelingen, dass eine Serbin und ein Kroate sich lieben und eine Beziehung eingehen? Ana fühlt sich stets unwohl, wenn im Freundeskreis das Thema auf den Balkan kommt. Sofort fühlt sie sich als Serbin angeklagt, muss sich verteidigen für Dinge, die sie nicht zu verantworten hat. Das belastet die Beziehung, auch wenn der sehr sensible Robert ihr immer wieder das Gefühl, dass die Herkunft nicht zwischen ihnen steht. Doch dann erfährt Robert, dass Anas Vater in Den Haag vor dem Kriegsverbrechentribunal steht. Die Beziehung zerbricht, da Robert das fehlende Vertrauen in seine Person auch verletzt. Er will Ana verstehen, die er vermisst. Also reist er nach Den Haag und setzt sich in den Zuschauerraum bei der Gerichtsverhandlung. Ljubić erzählt die Geschichte nicht linear, sondern springt stets zwischen Den Haag, den Rückblicken der Zeugen auf die Kriegshandlungen und der Beziehung zwischen Ana und Robert. Robert begegnet Anas Vater zunehmend mit Nachsicht, weil er merkt, wie begrenzt Gewissheiten und Überzeugungen sind, die man von anderen Menschen vermittelt bekommt, und wie wenig sie mit den eigenen Erfahrungen zu tun haben. Die fehlende Erfahrung warf Ana auch Robert vor, z.B. in dem sie ihr Unverständnis äußerte, dass er noch nie in Bosnien war. Am Ende holt Robert dies nach. Ich habe beim Lesen auch gemerkt, wie wenig Bezug ich zu diesem Krieg vor den Toren der EU habe. Vielleicht war ich zu dieser Zeit durch das begonnene Studium und einer intensiven Fernbeziehung zu sehr abgelenkt vom Weltgeschehen. Die Schilderungen der Genozide sind in diesem Buch sehr sachlich, aber auch eindeutig und schonungslos. Da ist nichts von einer verspielten Poesie wie in Sasa Stanisics [b:Wie der Soldat das Grammofon repariert|2553299|Wie der Soldat das Grammofon repariert|Saša Stanišić|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1347561977l/2553299._SY75_.jpg|2053079] zu spüren und gerade deswegen gefiel mir Ljubics Buch auch wesentlich besser. Das Buch liefert keine Antworten oder Lösungen, geschweige denn irgend eine Form von Hoffnung. Es ist zutiefst traurig und deprimierend. Aber das Buch hat es geschafft, mir den Konflikt zwischen Christen und Muslime in der Region näher zu bringen. Sehr lesenswert.

5

Der Titel sowie das Cover dieses kleinen Buchs leiten einen hinsichtlich des Themas in eine falsche Richtung. In Meeresstille geht es nicht um mediterrane Schauplätze oder sommerliche Gefühle. Das für den Deutschen Buchpreis im Jahr 2010 nominierte Werk ist vielmehr ein sehr ernstes Buch über die Fragen nach Schuld und Sühne über Generationen hinweg. Geschichtliche Grundlage ist der Balkankrieg in Bosnien in den Jahr 1992/93. Ljubić erzählt seine Geschichte aus Sicht von Robert, einem Deutschen, dessen Vater Kroate ist und der sich in die in Berlin lebende Serbin Ana verliebt. Während Ana im ehemaligen Jugoslawien geboren wurde und aufgrund des Kriegs mit ihren Eltern nach Deutschland flüchtete, ist Robert seinen kroatischen Wurzeln kaum bewusst. Er wurde in Deutschland geboren, und sein Vater wollte nicht, dass sein Sohn seine Muttersprache lernt. Kann es eine Generation nach dem Balkankrieg schon gelingen, dass eine Serbin und ein Kroate sich lieben und eine Beziehung eingehen? Ana fühlt sich stets unwohl, wenn im Freundeskreis das Thema auf den Balkan kommt. Sofort fühlt sie sich als Serbin angeklagt, muss sich verteidigen für Dinge, die sie nicht zu verantworten hat. Das belastet die Beziehung, auch wenn der sehr sensible Robert ihr immer wieder das Gefühl, dass die Herkunft nicht zwischen ihnen steht. Doch dann erfährt Robert, dass Anas Vater in Den Haag vor dem Kriegsverbrechentribunal steht. Die Beziehung zerbricht, da Robert das fehlende Vertrauen in seine Person auch verletzt. Er will Ana verstehen, die er vermisst. Also reist er nach Den Haag und setzt sich in den Zuschauerraum bei der Gerichtsverhandlung. Ljubić erzählt die Geschichte nicht linear, sondern springt stets zwischen Den Haag, den Rückblicken der Zeugen auf die Kriegshandlungen und der Beziehung zwischen Ana und Robert. Robert begegnet Anas Vater zunehmend mit Nachsicht, weil er merkt, wie begrenzt Gewissheiten und Überzeugungen sind, die man von anderen Menschen vermittelt bekommt, und wie wenig sie mit den eigenen Erfahrungen zu tun haben. Die fehlende Erfahrung warf Ana auch Robert vor, z.B. in dem sie ihr Unverständnis äußerte, dass er noch nie in Bosnien war. Am Ende holt Robert dies nach. Ich habe beim Lesen auch gemerkt, wie wenig Bezug ich zu diesem Krieg vor den Toren der EU habe. Vielleicht war ich zu dieser Zeit durch das begonnene Studium und einer intensiven Fernbeziehung zu sehr abgelenkt vom Weltgeschehen. Die Schilderungen der Genozide sind in diesem Buch sehr sachlich, aber auch eindeutig und schonungslos. Da ist nichts von einer verspielten Poesie wie in Sasa Stanisics [b:Wie der Soldat das Grammofon repariert|2553299|Wie der Soldat das Grammofon repariert|Saša Stanišić|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1347561977l/2553299._SY75_.jpg|2053079] zu spüren und gerade deswegen gefiel mir Ljubics Buch auch wesentlich besser. Das Buch liefert keine Antworten oder Lösungen, geschweige denn irgend eine Form von Hoffnung. Es ist zutiefst traurig und deprimierend. Aber das Buch hat es geschafft, mir den Konflikt zwischen Christen und Muslime in der Region näher zu bringen. Sehr lesenswert.

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