Meeresstille

Meeresstille

Taschenbuch
4.06
Un-KriegsverbrechertribunalBalkankriegBosnienkriegLiebesgeschichte

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Beschreibung

Wie viele Seiten hat die Wahrheit?

Robert, ein junger Deutscher mit kroatischen Wurzeln, liebt Ana, eine serbische Studentin. Ihre Beziehung droht zu zerbrechen, als Anas Vater in Den Haag vor Gericht steht. Robert kann die Anklage nicht in Einklang bringen mit dem Bild, das Ana von ihrem Vater gezeichnet hat. Ausgerechnet dieser gutmütige Mann und anerkannte Shakespeare-Experte soll ein Kriegsverbrecher sein? Er will die Wahrheit wissen und fährt nach Den Haag.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
192
Preis
12.30 €

Autorenbeschreibung

Nicol Ljubić, 1971 in Zagreb geboren, wuchs in Schweden, Griechenland, Russland und Deutschland auf. Er studierte Politikwissenschaften und arbeitet als freier Journalist und Autor. Für seine Reportagen wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Theodor-Wolff-Preis. Für seinen zweiten Roman, ›Meeresstille‹, erhielt er 2011 den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis sowie den Ver.di-Literaturpreis, zudem stand der Roman auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Zuletzt erschien der Roman ›Als wäre es Liebe‹. In den Jahren 2014 und 2016 war er Mitinitiator der Europäischen Schriftstellerkonferenz. Nicol Ljubić lebt in Berlin.

Beiträge

2
Alle
5

Der Titel sowie das Cover dieses kleinen Buchs leiten einen hinsichtlich des Themas in eine falsche Richtung. In Meeresstille geht es nicht um mediterrane Schauplätze oder sommerliche Gefühle. Das für den Deutschen Buchpreis im Jahr 2010 nominierte Werk ist vielmehr ein sehr ernstes Buch über die Fragen nach Schuld und Sühne über Generationen hinweg. Geschichtliche Grundlage ist der Balkankrieg in Bosnien in den Jahr 1992/93. Ljubić erzählt seine Geschichte aus Sicht von Robert, einem Deutschen, dessen Vater Kroate ist und der sich in die in Berlin lebende Serbin Ana verliebt. Während Ana im ehemaligen Jugoslawien geboren wurde und aufgrund des Kriegs mit ihren Eltern nach Deutschland flüchtete, ist Robert seinen kroatischen Wurzeln kaum bewusst. Er wurde in Deutschland geboren, und sein Vater wollte nicht, dass sein Sohn seine Muttersprache lernt. Kann es eine Generation nach dem Balkankrieg schon gelingen, dass eine Serbin und ein Kroate sich lieben und eine Beziehung eingehen? Ana fühlt sich stets unwohl, wenn im Freundeskreis das Thema auf den Balkan kommt. Sofort fühlt sie sich als Serbin angeklagt, muss sich verteidigen für Dinge, die sie nicht zu verantworten hat. Das belastet die Beziehung, auch wenn der sehr sensible Robert ihr immer wieder das Gefühl, dass die Herkunft nicht zwischen ihnen steht. Doch dann erfährt Robert, dass Anas Vater in Den Haag vor dem Kriegsverbrechentribunal steht. Die Beziehung zerbricht, da Robert das fehlende Vertrauen in seine Person auch verletzt. Er will Ana verstehen, die er vermisst. Also reist er nach Den Haag und setzt sich in den Zuschauerraum bei der Gerichtsverhandlung. Ljubić erzählt die Geschichte nicht linear, sondern springt stets zwischen Den Haag, den Rückblicken der Zeugen auf die Kriegshandlungen und der Beziehung zwischen Ana und Robert. Robert begegnet Anas Vater zunehmend mit Nachsicht, weil er merkt, wie begrenzt Gewissheiten und Überzeugungen sind, die man von anderen Menschen vermittelt bekommt, und wie wenig sie mit den eigenen Erfahrungen zu tun haben. Die fehlende Erfahrung warf Ana auch Robert vor, z.B. in dem sie ihr Unverständnis äußerte, dass er noch nie in Bosnien war. Am Ende holt Robert dies nach. Ich habe beim Lesen auch gemerkt, wie wenig Bezug ich zu diesem Krieg vor den Toren der EU habe. Vielleicht war ich zu dieser Zeit durch das begonnene Studium und einer intensiven Fernbeziehung zu sehr abgelenkt vom Weltgeschehen. Die Schilderungen der Genozide sind in diesem Buch sehr sachlich, aber auch eindeutig und schonungslos. Da ist nichts von einer verspielten Poesie wie in Sasa Stanisics [b:Wie der Soldat das Grammofon repariert|2553299|Wie der Soldat das Grammofon repariert|Saša Stanišić|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1347561977l/2553299._SY75_.jpg|2053079] zu spüren und gerade deswegen gefiel mir Ljubics Buch auch wesentlich besser. Das Buch liefert keine Antworten oder Lösungen, geschweige denn irgend eine Form von Hoffnung. Es ist zutiefst traurig und deprimierend. Aber das Buch hat es geschafft, mir den Konflikt zwischen Christen und Muslime in der Region näher zu bringen. Sehr lesenswert.

5

Der Titel sowie das Cover dieses kleinen Buchs leiten einen hinsichtlich des Themas in eine falsche Richtung. In Meeresstille geht es nicht um mediterrane Schauplätze oder sommerliche Gefühle. Das für den Deutschen Buchpreis im Jahr 2010 nominierte Werk ist vielmehr ein sehr ernstes Buch über die Fragen nach Schuld und Sühne über Generationen hinweg. Geschichtliche Grundlage ist der Balkankrieg in Bosnien in den Jahr 1992/93. Ljubić erzählt seine Geschichte aus Sicht von Robert, einem Deutschen, dessen Vater Kroate ist und der sich in die in Berlin lebende Serbin Ana verliebt. Während Ana im ehemaligen Jugoslawien geboren wurde und aufgrund des Kriegs mit ihren Eltern nach Deutschland flüchtete, ist Robert seinen kroatischen Wurzeln kaum bewusst. Er wurde in Deutschland geboren, und sein Vater wollte nicht, dass sein Sohn seine Muttersprache lernt. Kann es eine Generation nach dem Balkankrieg schon gelingen, dass eine Serbin und ein Kroate sich lieben und eine Beziehung eingehen? Ana fühlt sich stets unwohl, wenn im Freundeskreis das Thema auf den Balkan kommt. Sofort fühlt sie sich als Serbin angeklagt, muss sich verteidigen für Dinge, die sie nicht zu verantworten hat. Das belastet die Beziehung, auch wenn der sehr sensible Robert ihr immer wieder das Gefühl, dass die Herkunft nicht zwischen ihnen steht. Doch dann erfährt Robert, dass Anas Vater in Den Haag vor dem Kriegsverbrechentribunal steht. Die Beziehung zerbricht, da Robert das fehlende Vertrauen in seine Person auch verletzt. Er will Ana verstehen, die er vermisst. Also reist er nach Den Haag und setzt sich in den Zuschauerraum bei der Gerichtsverhandlung. Ljubić erzählt die Geschichte nicht linear, sondern springt stets zwischen Den Haag, den Rückblicken der Zeugen auf die Kriegshandlungen und der Beziehung zwischen Ana und Robert. Robert begegnet Anas Vater zunehmend mit Nachsicht, weil er merkt, wie begrenzt Gewissheiten und Überzeugungen sind, die man von anderen Menschen vermittelt bekommt, und wie wenig sie mit den eigenen Erfahrungen zu tun haben. Die fehlende Erfahrung warf Ana auch Robert vor, z.B. in dem sie ihr Unverständnis äußerte, dass er noch nie in Bosnien war. Am Ende holt Robert dies nach. Ich habe beim Lesen auch gemerkt, wie wenig Bezug ich zu diesem Krieg vor den Toren der EU habe. Vielleicht war ich zu dieser Zeit durch das begonnene Studium und einer intensiven Fernbeziehung zu sehr abgelenkt vom Weltgeschehen. Die Schilderungen der Genozide sind in diesem Buch sehr sachlich, aber auch eindeutig und schonungslos. Da ist nichts von einer verspielten Poesie wie in Sasa Stanisics [b:Wie der Soldat das Grammofon repariert|2553299|Wie der Soldat das Grammofon repariert|Saša Stanišić|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1347561977l/2553299._SY75_.jpg|2053079] zu spüren und gerade deswegen gefiel mir Ljubics Buch auch wesentlich besser. Das Buch liefert keine Antworten oder Lösungen, geschweige denn irgend eine Form von Hoffnung. Es ist zutiefst traurig und deprimierend. Aber das Buch hat es geschafft, mir den Konflikt zwischen Christen und Muslime in der Region näher zu bringen. Sehr lesenswert.

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