Le dedico mi silencio
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Buchinformationen
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Ein Experte für kreolische Musik, lernt einen Gitaristen kennen und will ein Buch über ihn schreiben... Diese Zusammenfassung ist jedoch nur ein kleiner Teil des Werkes. Zu Beginn wird man mit allerlei Fremdwörtern konfrontiert, was den Lesegenuss trübt. Die Handlung selber ist nur ein dünner roter Faden, da es eigentlich um eine historische Betrachtung des Vals (peruanischer Walzer) und die Vermischung der Kulturen zum heutigen Peru geht. Das ist nicht schlecht, aber führt weder tief genug in das fachliche Wissen ein, noch kann sich die Handlung entfalten. Schade, ich hätte es gerne mehr gemocht, aber am Ende, lasse ich mich weder vom Literaturnobelpreisträger, noch vom eigenen Wunsch nach mehr Leseerfüllung blenden.
3.75 ⭐️ Mario Vargas Llosa beweist mit „Die große Versuchung“ (im Original „Le dedico mi silencio“; Ihnen widme ich mein Schweigen), dass er auch im hohen Alter nichts von seiner erzählerischen Eleganz eingebüßt hat. Der Roman ist eine Liebeserklärung an die peruanische Kultur, verpackt in die Geschichte des passionierten Musikexperten Toño Azpilcueta. „Nur ist die Sache subtiler und komplexer, es geht hier um einen der Beiträge Perus zur universellen Erfahrung; wer ihn geringschätzt oder missversteht, verkennt, was dieses Land ausmacht, die Psychologie und die Kultur eines großen Teils der Peruaner. Denn die huachafería ist sowohl eine Weltsicht wie auch eine Ästhetik, eine Art zu denken, zu fühlen, zu genießen, sich auszudrücken und andere zu beurteilen. [...] Die huachafería pervertiert kein Vorbild, denn sie ist selber eines; sie verfälscht keine ästhetischen Muster, sie etabliert sie vielmehr, und so ist es keine lächerliche Replik von Eleganz und Raffinement, sondern eine eigen, andere, peruanische Art, verfeinert und elegant zu sein. [...] Die huachfería kann genial sein, nur selten aber ist sie intelligent; sie ist intuitiv, wortreich, zeremoniös, melodisch und vor allem gefühlig.“ (Kapitel 26, S. 209f.)Die Handlung und das LebensgefühlDie Erzählung setzt ein, als Toño einen begnadeten Gitarristen namens Lalo Molfino hört. Dieses Erlebnis löst in ihm eine tiefe Besessenheit aus. Er ist überzeugt, dass die Musik des Vals Peruano – des peruanischen Walzers – das Potenzial hat, die tiefen sozialen und politischen Gräben seines Heimatlandes zu überbrücken.Vargas Llosa verknüpft dabei geschickt zwei Ebenen. Die fiktive Suche nach der Biografie des mysteriösen Musikers und essayistische Einschübe über die Entstehung der peruanischen Identität. Es geht um die Musik der Hinterhöfe, die Texte über Liebe und Schmerz und die Sehnsucht nach einer nationalen Einheit, die jenseits von Klassenschranken und ethnischer Herkunft existiert.Themen abseits der MusikObwohl die Musik der Taktgeber des Romans ist, verhandelt das Buch gewichtige gesellschaftliche Themen. Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund der gewaltsamen 1990er-Jahre in Peru, geprägt vom Terror des „Leuchtenden Pfads“.Kulturelle Identität: Wie entsteht aus einer Mischung aus indigenen, afrikanischen und europäischen Einflüssen etwas Eigenständiges?Utopie und Realität: Der Protagonist flüchtet sich in die Idee, dass Kunst die Welt retten kann, während um ihn herum die Realität zerbricht.Obsession: Es ist auch eine Studie darüber, wie sehr sich ein Mensch in einer Idee verlieren kann.In der Figur des Toño Azpilcueta spiegelt sich der ewige Wunsch des Intellektuellen wider, Ordnung in das Chaos der Geschichte zu bringen. Die „große Versuchung“ ist hierbei der Glaube, dass ein kulturelles Gut – der Walzer – eine gesellschaftliche Heilkraft besitzt, die über das rein Ästhetische hinausgeht. Wer sich für lateinamerikanische Kultur bzw. Peru und das Zusammenspiel von Politik und Kunst interessiert, wird dieses Buch mögen.
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Ein Experte für kreolische Musik, lernt einen Gitaristen kennen und will ein Buch über ihn schreiben... Diese Zusammenfassung ist jedoch nur ein kleiner Teil des Werkes. Zu Beginn wird man mit allerlei Fremdwörtern konfrontiert, was den Lesegenuss trübt. Die Handlung selber ist nur ein dünner roter Faden, da es eigentlich um eine historische Betrachtung des Vals (peruanischer Walzer) und die Vermischung der Kulturen zum heutigen Peru geht. Das ist nicht schlecht, aber führt weder tief genug in das fachliche Wissen ein, noch kann sich die Handlung entfalten. Schade, ich hätte es gerne mehr gemocht, aber am Ende, lasse ich mich weder vom Literaturnobelpreisträger, noch vom eigenen Wunsch nach mehr Leseerfüllung blenden.
3.75 ⭐️ Mario Vargas Llosa beweist mit „Die große Versuchung“ (im Original „Le dedico mi silencio“; Ihnen widme ich mein Schweigen), dass er auch im hohen Alter nichts von seiner erzählerischen Eleganz eingebüßt hat. Der Roman ist eine Liebeserklärung an die peruanische Kultur, verpackt in die Geschichte des passionierten Musikexperten Toño Azpilcueta. „Nur ist die Sache subtiler und komplexer, es geht hier um einen der Beiträge Perus zur universellen Erfahrung; wer ihn geringschätzt oder missversteht, verkennt, was dieses Land ausmacht, die Psychologie und die Kultur eines großen Teils der Peruaner. Denn die huachafería ist sowohl eine Weltsicht wie auch eine Ästhetik, eine Art zu denken, zu fühlen, zu genießen, sich auszudrücken und andere zu beurteilen. [...] Die huachafería pervertiert kein Vorbild, denn sie ist selber eines; sie verfälscht keine ästhetischen Muster, sie etabliert sie vielmehr, und so ist es keine lächerliche Replik von Eleganz und Raffinement, sondern eine eigen, andere, peruanische Art, verfeinert und elegant zu sein. [...] Die huachfería kann genial sein, nur selten aber ist sie intelligent; sie ist intuitiv, wortreich, zeremoniös, melodisch und vor allem gefühlig.“ (Kapitel 26, S. 209f.)Die Handlung und das LebensgefühlDie Erzählung setzt ein, als Toño einen begnadeten Gitarristen namens Lalo Molfino hört. Dieses Erlebnis löst in ihm eine tiefe Besessenheit aus. Er ist überzeugt, dass die Musik des Vals Peruano – des peruanischen Walzers – das Potenzial hat, die tiefen sozialen und politischen Gräben seines Heimatlandes zu überbrücken.Vargas Llosa verknüpft dabei geschickt zwei Ebenen. Die fiktive Suche nach der Biografie des mysteriösen Musikers und essayistische Einschübe über die Entstehung der peruanischen Identität. Es geht um die Musik der Hinterhöfe, die Texte über Liebe und Schmerz und die Sehnsucht nach einer nationalen Einheit, die jenseits von Klassenschranken und ethnischer Herkunft existiert.Themen abseits der MusikObwohl die Musik der Taktgeber des Romans ist, verhandelt das Buch gewichtige gesellschaftliche Themen. Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund der gewaltsamen 1990er-Jahre in Peru, geprägt vom Terror des „Leuchtenden Pfads“.Kulturelle Identität: Wie entsteht aus einer Mischung aus indigenen, afrikanischen und europäischen Einflüssen etwas Eigenständiges?Utopie und Realität: Der Protagonist flüchtet sich in die Idee, dass Kunst die Welt retten kann, während um ihn herum die Realität zerbricht.Obsession: Es ist auch eine Studie darüber, wie sehr sich ein Mensch in einer Idee verlieren kann.In der Figur des Toño Azpilcueta spiegelt sich der ewige Wunsch des Intellektuellen wider, Ordnung in das Chaos der Geschichte zu bringen. Die „große Versuchung“ ist hierbei der Glaube, dass ein kulturelles Gut – der Walzer – eine gesellschaftliche Heilkraft besitzt, die über das rein Ästhetische hinausgeht. Wer sich für lateinamerikanische Kultur bzw. Peru und das Zusammenspiel von Politik und Kunst interessiert, wird dieses Buch mögen.





