Die große Versuchung

Die große Versuchung

Hardcover
3.310

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Beschreibung

Mario Vargas Llosa hat ein spätes Meisterwerk geschrieben, in dem er seine Lebensthemen virtuos zusammenführt. Von großen und noch größeren Versuchungen erzählt dieser sinnliche, kräftige, lebenspralle Roman, von der Verführungskraft der Musik, der grenzenlosen Leidenschaft für die Kunst und die Welt – und der Schwierigkeit, dabei Maß zu halten.

Toño Azpilcueta führt Familien- und Berufsleben mit sehr mäßiger Begeisterung. Seine Leidenschaft gilt der traditionellen Musik seines Landes, dem peruanischen Walzer, den er seit der Jugend akribisch erforscht. Eines Tages lernt er einen unbekannten, aber offensichtlich über alle Maßen talentierten Gitarristen namens Lalo Molfino kennen. Die Begegnung verändert Toños Leben – sehr zur Beunruhigung seiner Familie –, denn Molfino spielen zu hören, ist für ihn eine Offenbarung. Augenblicklich weiß Toño, was seine Mission ist: Er schreibt endlich das Buch, über Molfino, den peruanischen Walzer und vor allem die künstlerische Vision eines besseren Lebens. Es wird ein Erfolg und Toño berühmt. Was läge also näher, als das Buch zu erweitern, sein Land, dessen Geschichte, die ganze Welt darin unterzubringen? Immer mehr, geradezu manisch, schreibt Toño daran, taub gegen die lauter werdende Sorge seiner Familie …

Buchinformationen

Haupt-Genre
Fantasy
Sub-Genre
Magischer Realismus
Format
Hardcover
Seitenzahl
304
Preis
26.80 €

Autorenbeschreibung

Mario Vargas Llosa, geboren 1936 in Arequipa/Peru, studierte Geistes- und Rechtswissenschaften in Lima und Madrid. Bereits während seines Studiums schrieb er für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen und veröffentlichte erste Erzählungen, ehe 1963 sein erster Roman Die Stadt und die Hunde erschien. Der peruanische Romanautor und Essayist trat stets als politischer Autor auf und war damit auch weit über die Grenzen Perus hinaus sehr erfolgreich. Zu seinen wichtigsten Werken zählen Das grüne Haus, Das Fest des Ziegenbocks, Tante Julia und der Schreibkünstler und Das böse Mädchen. Vargas Llosa war Ehrendoktor verschiedener amerikanischer und europäischer Universitäten und hielt Gastprofessuren unter anderem in Harvard, Princeton und Oxford. 1990 bewarb er sich als Kandidat der oppositionellen Frente Democrático (FREDEMO) bei den peruanischen Präsidentschaftswahlen und unterlag in der Stichwahl. Daraufhin zog er sich aus der aktiven Politik zurück. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er 1996 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2010 den Nobelpreis für Literatur. 2021 wurde er in die Académie Française aufgenommen. Mario Vargas Llosa verstarb am 13. April 2025 im Alter von 89 Jahren in Lima/Peru.

Beiträge

2
Alle
2.5

Ein Experte für kreolische Musik, lernt einen Gitaristen kennen und will ein Buch über ihn schreiben... Diese Zusammenfassung ist jedoch nur ein kleiner Teil des Werkes. Zu Beginn wird man mit allerlei Fremdwörtern konfrontiert, was den Lesegenuss trübt. Die Handlung selber ist nur ein dünner roter Faden, da es eigentlich um eine historische Betrachtung des Vals (peruanischer Walzer) und die Vermischung der Kulturen zum heutigen Peru geht. Das ist nicht schlecht, aber führt weder tief genug in das fachliche Wissen ein, noch kann sich die Handlung entfalten. Schade, ich hätte es gerne mehr gemocht, aber am Ende, lasse ich mich weder vom Literaturnobelpreisträger, noch vom eigenen Wunsch nach mehr Leseerfüllung blenden.

3.5

3.75 ⭐️ Mario Vargas Llosa beweist mit „Die große Versuchung“ (im Original „Le dedico mi silencio“; Ihnen widme ich mein Schweigen), dass er auch im hohen Alter nichts von seiner erzählerischen Eleganz eingebüßt hat. Der Roman ist eine Liebeserklärung an die peruanische Kultur, verpackt in die Geschichte des passionierten Musikexperten Toño Azpilcueta. „Nur ist die Sache subtiler und komplexer, es geht hier um einen der Beiträge Perus zur universellen Erfahrung; wer ihn geringschätzt oder missversteht, verkennt, was dieses Land ausmacht, die Psychologie und die Kultur eines großen Teils der Peruaner. Denn die huachafería ist sowohl eine Weltsicht wie auch eine Ästhetik, eine Art zu denken, zu fühlen, zu genießen, sich auszudrücken und andere zu beurteilen. [...] Die huachafería pervertiert kein Vorbild, denn sie ist selber eines; sie verfälscht keine ästhetischen Muster, sie etabliert sie vielmehr, und so ist es keine lächerliche Replik von Eleganz und Raffinement, sondern eine eigen, andere, peruanische Art, verfeinert und elegant zu sein. [...] Die huachfería kann genial sein, nur selten aber ist sie intelligent; sie ist intuitiv, wortreich, zeremoniös, melodisch und vor allem gefühlig.“ (Kapitel 26, S. 209f.)Die Handlung und das LebensgefühlDie Erzählung setzt ein, als Toño einen begnadeten Gitarristen namens Lalo Molfino hört. Dieses Erlebnis löst in ihm eine tiefe Besessenheit aus. Er ist überzeugt, dass die Musik des Vals Peruano – des peruanischen Walzers – das Potenzial hat, die tiefen sozialen und politischen Gräben seines Heimatlandes zu überbrücken.Vargas Llosa verknüpft dabei geschickt zwei Ebenen. Die fiktive Suche nach der Biografie des mysteriösen Musikers und essayistische Einschübe über die Entstehung der peruanischen Identität. Es geht um die Musik der Hinterhöfe, die Texte über Liebe und Schmerz und die Sehnsucht nach einer nationalen Einheit, die jenseits von Klassenschranken und ethnischer Herkunft existiert.Themen abseits der MusikObwohl die Musik der Taktgeber des Romans ist, verhandelt das Buch gewichtige gesellschaftliche Themen. Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund der gewaltsamen 1990er-Jahre in Peru, geprägt vom Terror des „Leuchtenden Pfads“.Kulturelle Identität: Wie entsteht aus einer Mischung aus indigenen, afrikanischen und europäischen Einflüssen etwas Eigenständiges?Utopie und Realität: Der Protagonist flüchtet sich in die Idee, dass Kunst die Welt retten kann, während um ihn herum die Realität zerbricht.Obsession: Es ist auch eine Studie darüber, wie sehr sich ein Mensch in einer Idee verlieren kann.In der Figur des Toño Azpilcueta spiegelt sich der ewige Wunsch des Intellektuellen wider, Ordnung in das Chaos der Geschichte zu bringen. Die „große Versuchung“ ist hierbei der Glaube, dass ein kulturelles Gut – der Walzer – eine gesellschaftliche Heilkraft besitzt, die über das rein Ästhetische hinausgeht. Wer sich für lateinamerikanische Kultur bzw. Peru und das Zusammenspiel von Politik und Kunst interessiert, wird dieses Buch mögen.

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