Blick ins Buch

Historische Romane

Lavinia

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Deutsch
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Über das Buch

Lavinia, die Tochter des Königs von Laurentum, wird von den Fürsten der umliegenden Ländereien umworben, doch das Schicksal hat ihr bestimmt, dass sie einen Fremden heiraten soll. Dieser Fremde heißt Aeneas, ist nach dem Trojanischen Krieg um die halbe Welt gereist und langt nun an der italischen Küste an. Zusammen mit seinem großen Gefolge lässt er sich dort nieder. Neuankömmlinge und Einheimische ringen um ein gutes Miteinander, doch ein blutiger Konflikt scheint unvermeidbar. Die Verantwortung, einen Weg zum Frieden zu finden, lastet auf den Schultern der Königstochter. Diese allerdings hat ganz andere Vorstellungen von der Rolle, die ihr zugedacht ist. "Lavinia" ist weit mehr als eine bloße Neuerzählung von Vergils Aeneis aus weiblicher Sicht. Ursula K. Le Guin schildert auf einfühlsame, zutiefst poetische Weise, wie eine selbstbewusste junge Frau sich der überwältigenden Wirkmacht des Schicksals entgegenstellt.

Editionen (1)

ISBN9783910914445
VerlagCarcosa Verlag
Erscheinungsdatum01.12.25
Seitenzahl360

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1 Rezensionen

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  • sf_literatur
    sf_literatur

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    4,5

    Das Epos "Aeneis" des römischen Dichters Vergil entstand im 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Es behandelt den römischen Gründungsmythos, eine Art Gegenstück zu Homers griechischer Sage von "Ilias" und "Odyssee". In ihrem letzten Roman hat Ursula K. LeGuin diesen Stoff neu verarbeitet: sie erzählt die Geschichte aus Sicht der Königstochter Lavinia, um die - ähnlich wie bei ihrem Vorbild Helena - ein Krieg entbrennt. Gewissermaßen. Zeitlich setzt die Geschichte dann auch kurz nach der "Ilias" an, denn jener Aeneis ist aus dem zerstörten Troja geflohen, um sich mitsamt seiner Gefolgschaft eine neue Heimat zu suchen. So verschlägt es ihn nach längerer Irrfahrt (sic!) schließlich nach Latium, wo er auf Lavinia trifft und wo das Schicksal seinen Lauf nimmt. Es handelt sich hier also in erster Linie um einen historischen Roman, der jedoch auch mystische, übernatürliche Elemente enthält. Allerdings nicht in Form von Zauberei oder magischen Wesen, sondern durch Prophezeiungen und - auf raffinierter Metaebene - einen Bezug zum späteren Erzähler Vergil, der in diesem Roman tatsächlich Einfluss auf die Handlung nimmt. Ein spannender Schachzug der Autorin, der sich hier jetzt wahrscheinlich komplizierter anhört, als er letztlich ist, der der Geschichte aber einen ganz besonderen, außergewöhnlichen Kniff verleiht. Es ist nicht ganz leicht zu erklären (und soll es hier auch gar nicht), erschließt sich aber im Laufe des Romans. Ich hatte aufgrund des ungewöhnlichen Stils und Aufbaus anfangs einige Probleme, in die Geschichte hineinzufinden, doch das legte sich recht bald. Und dann entwickelt sich ein großartiger historischer Roman (mit besagten mystischen Elementen) aus einem wenig bekannten, nämlich vor-römischen Zeitalter. Leben und Alltag der Menschen werden anschaulich beschrieben, die Figuren und ihre Probleme/Aufgaben/Zerrissenheit sind wunderbar dargestellt und die Handlung bleibt trotz des wiederholten Foreshadowings jederzeit spannend. Ein ungewöhnlicher und beeindruckender Roman.

    29. Juni 2026

Autorin / Autor

Über Ursula K. Le Guin

Ursula K. Le Guin (1929–2018) gilt als die Grande Dame der angloamerikanischen Science Fiction. Sie wurde mit zahlreichen Literatur- und Genrepreisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem National Book Award für ihr Lebenswerk. Ihre Bücher beeinflussten viele namhafte Autor:innen, darunter Margaret Atwood und David Mitchell ebenso wie Neil Gaiman und Becky Chambers.

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