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Romane

Kaff auch Mare Crisium

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Über das Buch

Vielen gilt Arno Schmidts 1960 veröffentlichter Roman Kaff auch Mare Crisium als Höhepunkt nicht nur seines Werkes. Für Helmut Heißenbüttel gehört der Roman in der deutschen Literatur »in den obersten Rang«. Alfred Andersch urteilt: »Ein großartiges, wildes, trauriges Buch«.
Erzählt wird die Geschichte von Karl Richter, der im Oktober 1959 für zwei Tage zusammen mit seiner Freundin Hertha Theunert seine verwitwete Tante Heete in einem ›Kaff‹ in der Lüneburger Heide besucht. Als die offenherzige Landfrau, von Karl in seiner Jugend verehrt, den beiden anbietet, zu ihr zu ziehen und von ihrem Erbe zu leben, ist der Konflikt da.
Um die prüde und sexuell traumatisierte Hertha für sich zu gewinnen, erfindet Karl auf gemeinsamen Spaziergängen eine Geschichte, die in ferner Zukunft auf dem Mond spielt, ihre Motive jedoch aus dem Geschehen um ihn und Hertha bezieht: Nach einer atomaren Katastrophe auf der Erde verlängern eine amerikanische und eine russische Mondkolonie den kalten Krieg.
Arno Schmidt gelingt ein Roman voll abgründigem Sprachwitz, der sich den Details der ländlichen Umgebung ebenso scharfäugig zuwendet wie dem von den Zeitläuften verschuldeten Elend einer mißglückenden Liebe.

Editionen (6)

ISBN9783518416501
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum04.10.04
Seitenzahl314
  • leahsayshi
    leahsayshi

    5 Follower

    0,0

    Mein erster Schmidt hat mir auf jeden Fall deutlich gemacht, dass es hier keine Grauzone gibt, sondern alles Schwarz oder weiß ist: Als Leser hasst man ihn - oder man liebt ihn. Für Literaturwissenschaftler und Nerds mag er ein gefundenes Fressen sein, aber als Leser habe ich im manchmal die empfundene Anstrengung während des Lesens PERSÖNLICH übel genommen. Das muss man als Autor ja auch erst einmal schaffen. Die Geschichte an sich wäre ohne unnötige Essays über Karl May und Silberschlag schneller erzählt, ohne die experimentelle Ortographie dann noch mal schneller: Karl Richter versucht Hertha mithilfe seiner Tante rumzukriegen, dass sie endlich mal locker wird. Dazwischen wird es mit dem Mond-LG dann auch mal politisch, oder psychologisch, wenn die Kriegstraumata behandelt werden. Zumindest muss ich Schmidt lassen, dass seine Charaktere herrlich ambivalent geschildert sind und somit uns armen Studis viel Stoff für Hausarbeiten bietet ;). Zuweilen hat es mich leider eher angekotzt, dass Hertha von ihren beiden Peinigern fast erpresst wird, endlich die Beine breit zu machen, dass niemand so richtig sagt, was Sache ist und alle ihre Problemchen haben... aber vielleicht war das Sinn und Zweck des Buches, dass es mich manchmal so nervt. Ich schätze mal, dass es trotzdem nicht mein letzter Schmidt gewesen sein wird. Ich meine, ein Buch, das wegen Gotteslästerung einen Prozess durchmachen musste, kann nur so edgy wie sein Autor sein, oder?

    30. Mai 2019

Autorin / Autor

Über Arno Schmidt

Arno Schmidt wurde am 18. Januar 1914 in Hamburg geboren. Nachdem er kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, arbeitete er zunächst als Dolmetscher, von 1947 an als freier Schriftsteller. Nach Stationen in Cordingen, Kastel an der Saar und Darmstadt zog er 1958 mit seiner Frau Alice nach Bargfeld (Kreis Celle), wo er bis zu seinem Tod zurückgezogen lebte. Von 1949 an, als seine Erzählung Leviathan in Buchform erschien, entstanden Romane, Dialoge zur Literatur für den Rundfunk, Essays und biographische Arbeiten, darunter sein Hauptwerk Zettel‘s Traum, 1334 DIN-A3-Seiten stark und über zehn Kilo schwer. Aufgrund des komplexen Layouts konnte es 1970 nur als Faksimile des Typoskripts erscheinen; erst seit 2010 liegt es in gesetzter Form vor. Arno Schmidt starb am 3. Juni 1979 in Celle. Zwei Jahre nach seinem Tod gründeten seine Frau Alice und Jan Philipp Reemtsma die Arno Schmidt Stiftung.

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