
12 Follower
„How to Blow Up a Pipeline“ (2021) ist ein aktivistisches Manifest des schwedischen Humangeographen und -ökologen Andreas Malm. Ausgangspunkt ist seine Verwunderung darüber, dass die Klimabewegung trotz der zunehmenden Klimawandelfolgen überwiegend friedlich agiert. Gewaltfreiheit ist Kern ihres Selbstverständnisses und wichtig für ihre Akzeptanz. Klimaaktivist*innen beziehen sich häufig auf soziale Bewegungen, vom Abolitionismus im 18./19. Jahrhundert über die Suffragetten, die Anfang des 20. Jahrhunderts das Wahlrecht für Frauen* erkämpften, bis hin zum Arabischen Frühling. Malm zeigt aber, dass keine dieser Bewegungen ganz ohne Gewalt auskam. Was sie erfolgreich machte, so Malm, war, möglichst gewaltfrei zu agieren und - wenn nötig - kontrolliert zu eskalieren. Malm fragt daher, unter welchen Bedingungen die Anwendung von Gewalt durch die Klimabewegung gerechtfertigt sein kann. Da die Politik offensichtlich keine ausreichenden Maßnahmen ergreift, ist es nach Malm Aufgabe der Klimabewegung, das „business as usual“ zu stören - notfalls mit Gewalt. Dabei meint Malm ausdrücklich nur Gewalt gegen Sachen und möglichst ohne bleibende Schäden. Durch Sabotage klimaschädlicher Technologien soll nach Malm Druck auf Politik und Wirtschaft erzeugt werden. Denn Passivität können sich nur privilegierte Menschen im globalen Norden leisten, die weniger betroffen sind und sich schützen können. Malms Aussagen sind nicht so radikal wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Sie stellen vor allem die Prioritäten in Frage, die wir als Gesellschaft setzen. Die Akte der Sabotage, wie Malm sie sich vorstellt, sollen vor allem aufzeigen, dass Privateigentum - so sehr unsere Rechts- und Wirtschaftsordnung auch darauf ausgerichtet ist - nicht dazu legitimiert, die Lebensgrundlagen großer Teile der Menschheit zu zerstören. Seit das Buch 2021 erschienen ist, haben sich die Aktionsformen der Klimabewegung verändert. Die Ausführungen sind aber gerade vor dem Hintergrund der Medienberichterstattung, etwa zur Farb-Aktion der „Letzten Generation“ am Brandenburger Tor, interessant. Auf der Grundlage des Buchs entstand auch ein gleichnamiger Thriller (2022).
28. Juni 2025
„How to Blow Up a Pipeline“ (2021) ist ein aktivistisches Manifest des schwedischen Humangeographen und -ökologen Andreas Malm. Ausgangspunkt ist seine Verwunderung darüber, dass die Klimabewegung trotz der zunehmenden Klimawandelfolgen überwiegend friedlich agiert. Gewaltfreiheit ist Kern ihres Selbstverständnisses und wichtig für ihre Akzeptanz. Klimaaktivist*innen beziehen sich häufig auf soziale Bewegungen, vom Abolitionismus im 18./19. Jahrhundert über die Suffragetten, die Anfang des 20. Jahrhunderts das Wahlrecht für Frauen* erkämpften, bis hin zum Arabischen Frühling. Malm zeigt aber, dass keine dieser Bewegungen ganz ohne Gewalt auskam. Was sie erfolgreich machte, so Malm, war, möglichst gewaltfrei zu agieren und - wenn nötig - kontrolliert zu eskalieren. Malm fragt daher, unter welchen Bedingungen die Anwendung von Gewalt durch die Klimabewegung gerechtfertigt sein kann. Da die Politik offensichtlich keine ausreichenden Maßnahmen ergreift, ist es nach Malm Aufgabe der Klimabewegung, das „business as usual“ zu stören - notfalls mit Gewalt. Dabei meint Malm ausdrücklich nur Gewalt gegen Sachen und möglichst ohne bleibende Schäden. Durch Sabotage klimaschädlicher Technologien soll nach Malm Druck auf Politik und Wirtschaft erzeugt werden. Denn Passivität können sich nur privilegierte Menschen im globalen Norden leisten, die weniger betroffen sind und sich schützen können. Malms Aussagen sind nicht so radikal wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Sie stellen vor allem die Prioritäten in Frage, die wir als Gesellschaft setzen. Die Akte der Sabotage, wie Malm sie sich vorstellt, sollen vor allem aufzeigen, dass Privateigentum - so sehr unsere Rechts- und Wirtschaftsordnung auch darauf ausgerichtet ist - nicht dazu legitimiert, die Lebensgrundlagen großer Teile der Menschheit zu zerstören. Seit das Buch 2021 erschienen ist, haben sich die Aktionsformen der Klimabewegung verändert. Die Ausführungen sind aber gerade vor dem Hintergrund der Medienberichterstattung, etwa zur Farb-Aktion der „Letzten Generation“ am Brandenburger Tor, interessant. Auf der Grundlage des Buchs entstand auch ein gleichnamiger Thriller (2022).
28. Juni 2025






