Hiob
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Beschreibung
Zeitlose Buchklassiker neu entdecken: hochwertige Ausgaben der Weltliteratur
Sie haben Sprichwörter geprägt, stehen auf Lehrplänen weltweit und ihre Autor:innen sind unvergessen: Zeitlose Buchklassiker gehören zum festen Kanon der Weltliteratur und faszinieren Leser:innen seit Generationen. Werke, die Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte überdauern und heute aktueller sind denn je.
Seit 2013 finden diese literarischen Meisterwerke in der Reihe „Erlesenes Lesen“ aus dem Alfred Kröner Verlag eine besondere Heimat.
Ergänzt durch fundierte Anmerkungen und ein einordnendes Nachwort ermöglichen diese Werkausgaben vor allem Studierenden, Literaturbegeisterten und kulturinteressierten Leser:innen einen einfachen, zugleich tiefgehenden Zugang zur großen Literatur und wecken nachhaltig die Freude am Lesen zeitloser Werke.
- Innen und außen besonders: Klassiker, die man gelesen haben muss
- Renommierter Verlag mit Tradition: der Alfred Kröner Verlag, inspiriert von Nietzsche
- „Erlesenes Lesen“: Weltliteratur zugänglich gemacht für alle Leser:innen
- Große Autor:innen von der Antike bis zur Moderne: von Marc Aurel über Büchner bis Stefan Zweig
- Klassische Literatur in hochwertig gestalteten Leinenbänden mit besonderer Haptik
Viele große Werke der Literatur wirken auf den ersten Blick anspruchsvoll oder sogar einschüchternd. Doch genau hier setzt der Alfred Kröner Verlag an: Die Kombination aus hochwertiger Gestaltung und verständlicher Aufbereitung macht klassische Literatur zugänglich, lesbar und neu erlebbar.
So werden aus vermeintlich anspruchsvollen Buchklassikern vertraute Geschich-ten, die begeistern und die Weltliteratur in jedes Wohnzimmer bringen!
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Joseph Roth (1894–1939), studierte 1914–16 Philosophie und deutsch Literatur in Wien. 1916–18 Freiwilliger im 1. Weltkrieg. Ab 1918 Journalist in Wien und ab 1921 in Berlin. 1923–32 Korrespondent der Frankfurter Zeitung und ständig auf Reisen: Frankreich, Polen, Rußland, Albanien, Italien. 1933 emigrierte er nach Wien, Salzburg, Marseille, Nizza, Amsterdam, Ostende und vor allem nach Paris, wo er bis zu seinem Tod vorwiegend lebte. Unserer Ansicht nach einer der größten deutschsprachigen Erzähler.
Beiträge
Ein Mann der auszog, der alles verlor und das Glück empfing
Hätte ich das Buch selbst lesen wollen, wahrscheinlich hätte ich es nach kurzer Zeit abgebrochen. Nicht weil es eine schlechte Geschichte ist oder mir das Buch vom Schreibstil her nicht gefallen hätte, sondern einfach weil Bücher, Klassiker wie Hiob meist recht zäh und anstrengend zu lesen sind. Zu meinem Glück habe ich es jedoch gehört, Hans Paetsch als Sprecher passt hier wie die Faust aufs Auge. Die Geschichte bekommt besonders durch seine Stimme eine ganz persönliche Tiefe. Die Geschichte um den Juden Mendel Singer und seiner Familie die durch diverse Umstände von Russland nach Amerika ziehen ist interessant und die Geschehnisse gut erzählt. Da die Geschichte jedoch bereits 1930 verfasst wurde, fehlt es vielen Lesern wahrscheinlich am passenden Zugang zu den Protagonisten. Auch für mich wirkte es beim Hören eher wie ein fernes Dahinplätschern der Handlung. Die Charaktere waren da, mal mehr mal weniger wichtig, aber irgendwie austauschbar. Es hätte mehr Tiefe gebraucht um genügend Immersion zu schaffen. Das Hörbuch ist ein interessanter Zeitvertreib, aber nichts was ich nochmal lesen oder hören würde.
Mendel? Hiob? Keins von beidem?
Klassiker von Joseph Roth. Um es vorwegzunehmen: Das Bich Hiob der Bibel gelesen zu haben, ist von Vorteil. Es geht aber auch ohne. Erzählt wird das Leben des russischen Juden Mendel Singer und seiner Familie, die während des ersten Weltkriegs nach Amerika auswandern. Die Parallelen zim biblischen Hiob entwickeln sich im letzten Drittel des Buches, dann aber in einer solchen, fast schon reportagehaften Erzählgeschwindigkeit, dass man den Eindruck bekommt, dass der Autor kurz davor war, eine Deadline zur Abgabe zu reißen. Könnte man auch als ein Stilmittel verstehen, um die zwei Welten (ländliches Russland, New York) zu kontrastieren. Happy End inklusive.
Wie kann Gott all das Leid in der Welt zulassen, wenn er ein gerechter Gott ist? Diese Theodizee-Frage stellte sich schon immer, vom biblischen Hiob bis zur heutigen Corona-Krise. Gerade heute Morgen stellt der Pfarrer bei seinen Gedanken in den Tag im Radio diese Frage. Passend zu diesem Buch. Leider gibt es viele Antworten auf diese Frage, aber ist die Richtige dabei, wenn man selbst in einer Krise steckt? Joseph Roth steckte in einer solchen Krise als er 1930 den Roman schrieb. Es sah das Unheil auf sich und seine jüdischen Mitbürger zukommen. Und so schrieb er eine moderne Hiob-Geschichte. Doch das Wort „modern“ passt aus heutiger Sicht gar nicht, denn unser Hiob heißt Mendel, ein alter, jüdischer Bibellehrer in Ostgalizien (heute Westukraine). Im Gegensatz zum biblischen Vorbild, der ein reicher, einzigartiger, gottesfürchtiger Mann war, ist Mendel lediglich gottergeben. Ansonsten ist er wie im Untertitel schon genannt, ein einfacher, armer, gewöhnlicher Mann. Zu seinen drei Kindern hat er keine innige Beziehung und die Liebe zu seiner Frau erkaltet zunehmend. Da bekommt sie doch nochmal ein Kind, doch der Junge scheint zurückgeblieben, motorisch wie geistig. Die Mutter liebt den Kleinen abgöttisch, so dass sich die drei Großen vernachlässigt fühlen. Der Älteste geht zur Armee, der Zweite wandert nach Amerika aus und das Mädchen wird dabei erwischt, dass sie sich heimlich mit einem Kosaken trifft. Das kann Mendel nicht akzeptieren und so beschließen sie, zusammen mit der Tochter dem Sohn nach New York nachzureisen, aber ohne den Kleinsten. Den übernehmen quasi die Nachmieter. Dies war die Stelle, die mich völlig aus der Geschichte herausgebracht hat. Die Idee nach Amerika zu reisen, war für mich nicht nachvollziehbar, und dann läßt man als gläubige Familie auch noch den Hilflosesten der eigenen Sippe zurück? Mendel ist ein langbärtiger, verschrobener, alter Mann. Was will der in den USA? Es bestand keine Not für diese Entscheidung. Letztlich wurde ich doch noch versöhnt, denn Mendel sieht seine Fehler am Ende ein. Die eigentliche Hiob-Geschichte beginnt dann in den USA. Nach und nach sterben seine Liebsten, doch er hält lange an Gott fest, bis er schließlich auch vom Glauben abfällt und um Gott zu strafen, Schweinefleisch im Nachbarviertel ißt. Mendel bricht mit Gott, aber nicht absolut. Die Gebetsutensilien bewahrt er doch noch auf. Und als er sich den Tod herbeisehnt, ergibt sich aus der Hiob-Geschichte auch noch eine Joseph-Geschichte, die mir dann am Ende eine Spur zu kitschig war. Vom Glück beseelt schläft Mendel mit dem letzten Satz ein. Fazit: Joseph Roth kopiert nicht einfach die biblische Geschichte in die Neuzeit. Er verändert die Charaktereigenschaften seines Hiobs in einigen, wesentlichen Punkten, was ich nach längerem Überlegen auch recht gut fand. Sprachlich ist das Werk ein Genuss, den Roth trifft mit einem sehr getragenen-poetischen Stil fast schon den biblischen Ton. Auch wenn ich mich zwischenzeitlich entzweit hatte mit Mendel, so habe ich am Ende doch noch mit ihm Frieden geschlossen. Er ist ein armer, dummer Mann, dem wenigstens am Ende ein Glück beschert ist. Das beantwortet dann aber immer noch nicht die Frage, nach dem Leid und dem gerechten Gott. Da findet dieser Roman auch keine Antwort darauf. Trotzdem lesenswert.
Wie kann Gott all das Leid in der Welt zulassen, wenn er ein gerechter Gott ist? Diese Theodizee-Frage stellte sich schon immer, vom biblischen Hiob bis zur heutigen Corona-Krise. Gerade heute Morgen stellt der Pfarrer bei seinen Gedanken in den Tag im Radio diese Frage. Passend zu diesem Buch. Leider gibt es viele Antworten auf diese Frage, aber ist die Richtige dabei, wenn man selbst in einer Krise steckt? Joseph Roth steckte in einer solchen Krise als er 1930 den Roman schrieb. Es sah das Unheil auf sich und seine jüdischen Mitbürger zukommen. Und so schrieb er eine moderne Hiob-Geschichte. Doch das Wort „modern“ passt aus heutiger Sicht gar nicht, denn unser Hiob heißt Mendel, ein alter, jüdischer Bibellehrer in Ostgalizien (heute Westukraine). Im Gegensatz zum biblischen Vorbild, der ein reicher, einzigartiger, gottesfürchtiger Mann war, ist Mendel lediglich gottergeben. Ansonsten ist er wie im Untertitel schon genannt, ein einfacher, armer, gewöhnlicher Mann. Zu seinen drei Kindern hat er keine innige Beziehung und die Liebe zu seiner Frau erkaltet zunehmend. Da bekommt sie doch nochmal ein Kind, doch der Junge scheint zurückgeblieben, motorisch wie geistig. Die Mutter liebt den Kleinen abgöttisch, so dass sich die drei Großen vernachlässigt fühlen. Der Älteste geht zur Armee, der Zweite wandert nach Amerika aus und das Mädchen wird dabei erwischt, dass sie sich heimlich mit einem Kosaken trifft. Das kann Mendel nicht akzeptieren und so beschließen sie, zusammen mit der Tochter dem Sohn nach New York nachzureisen, aber ohne den Kleinsten. Den übernehmen quasi die Nachmieter. Dies war die Stelle, die mich völlig aus der Geschichte herausgebracht hat. Die Idee nach Amerika zu reisen, war für mich nicht nachvollziehbar, und dann läßt man als gläubige Familie auch noch den Hilflosesten der eigenen Sippe zurück? Mendel ist ein langbärtiger, verschrobener, alter Mann. Was will der in den USA? Es bestand keine Not für diese Entscheidung. Letztlich wurde ich doch noch versöhnt, denn Mendel sieht seine Fehler am Ende ein. Die eigentliche Hiob-Geschichte beginnt dann in den USA. Nach und nach sterben seine Liebsten, doch er hält lange an Gott fest, bis er schließlich auch vom Glauben abfällt und um Gott zu strafen, Schweinefleisch im Nachbarviertel ißt. Mendel bricht mit Gott, aber nicht absolut. Die Gebetsutensilien bewahrt er doch noch auf. Und als er sich den Tod herbeisehnt, ergibt sich aus der Hiob-Geschichte auch noch eine Joseph-Geschichte, die mir dann am Ende eine Spur zu kitschig war. Vom Glück beseelt schläft Mendel mit dem letzten Satz ein. Fazit: Joseph Roth kopiert nicht einfach die biblische Geschichte in die Neuzeit. Er verändert die Charaktereigenschaften seines Hiobs in einigen, wesentlichen Punkten, was ich nach längerem Überlegen auch recht gut fand. Sprachlich ist das Werk ein Genuss, den Roth trifft mit einem sehr getragenen-poetischen Stil fast schon den biblischen Ton. Auch wenn ich mich zwischenzeitlich entzweit hatte mit Mendel, so habe ich am Ende doch noch mit ihm Frieden geschlossen. Er ist ein armer, dummer Mann, dem wenigstens am Ende ein Glück beschert ist. Das beantwortet dann aber immer noch nicht die Frage, nach dem Leid und dem gerechten Gott. Da findet dieser Roman auch keine Antwort darauf. Trotzdem lesenswert.
Beschreibung
Zeitlose Buchklassiker neu entdecken: hochwertige Ausgaben der Weltliteratur
Sie haben Sprichwörter geprägt, stehen auf Lehrplänen weltweit und ihre Autor:innen sind unvergessen: Zeitlose Buchklassiker gehören zum festen Kanon der Weltliteratur und faszinieren Leser:innen seit Generationen. Werke, die Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte überdauern und heute aktueller sind denn je.
Seit 2013 finden diese literarischen Meisterwerke in der Reihe „Erlesenes Lesen“ aus dem Alfred Kröner Verlag eine besondere Heimat.
Ergänzt durch fundierte Anmerkungen und ein einordnendes Nachwort ermöglichen diese Werkausgaben vor allem Studierenden, Literaturbegeisterten und kulturinteressierten Leser:innen einen einfachen, zugleich tiefgehenden Zugang zur großen Literatur und wecken nachhaltig die Freude am Lesen zeitloser Werke.
- Innen und außen besonders: Klassiker, die man gelesen haben muss
- Renommierter Verlag mit Tradition: der Alfred Kröner Verlag, inspiriert von Nietzsche
- „Erlesenes Lesen“: Weltliteratur zugänglich gemacht für alle Leser:innen
- Große Autor:innen von der Antike bis zur Moderne: von Marc Aurel über Büchner bis Stefan Zweig
- Klassische Literatur in hochwertig gestalteten Leinenbänden mit besonderer Haptik
Viele große Werke der Literatur wirken auf den ersten Blick anspruchsvoll oder sogar einschüchternd. Doch genau hier setzt der Alfred Kröner Verlag an: Die Kombination aus hochwertiger Gestaltung und verständlicher Aufbereitung macht klassische Literatur zugänglich, lesbar und neu erlebbar.
So werden aus vermeintlich anspruchsvollen Buchklassikern vertraute Geschich-ten, die begeistern und die Weltliteratur in jedes Wohnzimmer bringen!
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Joseph Roth (1894–1939), studierte 1914–16 Philosophie und deutsch Literatur in Wien. 1916–18 Freiwilliger im 1. Weltkrieg. Ab 1918 Journalist in Wien und ab 1921 in Berlin. 1923–32 Korrespondent der Frankfurter Zeitung und ständig auf Reisen: Frankreich, Polen, Rußland, Albanien, Italien. 1933 emigrierte er nach Wien, Salzburg, Marseille, Nizza, Amsterdam, Ostende und vor allem nach Paris, wo er bis zu seinem Tod vorwiegend lebte. Unserer Ansicht nach einer der größten deutschsprachigen Erzähler.
Beiträge
Ein Mann der auszog, der alles verlor und das Glück empfing
Hätte ich das Buch selbst lesen wollen, wahrscheinlich hätte ich es nach kurzer Zeit abgebrochen. Nicht weil es eine schlechte Geschichte ist oder mir das Buch vom Schreibstil her nicht gefallen hätte, sondern einfach weil Bücher, Klassiker wie Hiob meist recht zäh und anstrengend zu lesen sind. Zu meinem Glück habe ich es jedoch gehört, Hans Paetsch als Sprecher passt hier wie die Faust aufs Auge. Die Geschichte bekommt besonders durch seine Stimme eine ganz persönliche Tiefe. Die Geschichte um den Juden Mendel Singer und seiner Familie die durch diverse Umstände von Russland nach Amerika ziehen ist interessant und die Geschehnisse gut erzählt. Da die Geschichte jedoch bereits 1930 verfasst wurde, fehlt es vielen Lesern wahrscheinlich am passenden Zugang zu den Protagonisten. Auch für mich wirkte es beim Hören eher wie ein fernes Dahinplätschern der Handlung. Die Charaktere waren da, mal mehr mal weniger wichtig, aber irgendwie austauschbar. Es hätte mehr Tiefe gebraucht um genügend Immersion zu schaffen. Das Hörbuch ist ein interessanter Zeitvertreib, aber nichts was ich nochmal lesen oder hören würde.
Mendel? Hiob? Keins von beidem?
Klassiker von Joseph Roth. Um es vorwegzunehmen: Das Bich Hiob der Bibel gelesen zu haben, ist von Vorteil. Es geht aber auch ohne. Erzählt wird das Leben des russischen Juden Mendel Singer und seiner Familie, die während des ersten Weltkriegs nach Amerika auswandern. Die Parallelen zim biblischen Hiob entwickeln sich im letzten Drittel des Buches, dann aber in einer solchen, fast schon reportagehaften Erzählgeschwindigkeit, dass man den Eindruck bekommt, dass der Autor kurz davor war, eine Deadline zur Abgabe zu reißen. Könnte man auch als ein Stilmittel verstehen, um die zwei Welten (ländliches Russland, New York) zu kontrastieren. Happy End inklusive.
Wie kann Gott all das Leid in der Welt zulassen, wenn er ein gerechter Gott ist? Diese Theodizee-Frage stellte sich schon immer, vom biblischen Hiob bis zur heutigen Corona-Krise. Gerade heute Morgen stellt der Pfarrer bei seinen Gedanken in den Tag im Radio diese Frage. Passend zu diesem Buch. Leider gibt es viele Antworten auf diese Frage, aber ist die Richtige dabei, wenn man selbst in einer Krise steckt? Joseph Roth steckte in einer solchen Krise als er 1930 den Roman schrieb. Es sah das Unheil auf sich und seine jüdischen Mitbürger zukommen. Und so schrieb er eine moderne Hiob-Geschichte. Doch das Wort „modern“ passt aus heutiger Sicht gar nicht, denn unser Hiob heißt Mendel, ein alter, jüdischer Bibellehrer in Ostgalizien (heute Westukraine). Im Gegensatz zum biblischen Vorbild, der ein reicher, einzigartiger, gottesfürchtiger Mann war, ist Mendel lediglich gottergeben. Ansonsten ist er wie im Untertitel schon genannt, ein einfacher, armer, gewöhnlicher Mann. Zu seinen drei Kindern hat er keine innige Beziehung und die Liebe zu seiner Frau erkaltet zunehmend. Da bekommt sie doch nochmal ein Kind, doch der Junge scheint zurückgeblieben, motorisch wie geistig. Die Mutter liebt den Kleinen abgöttisch, so dass sich die drei Großen vernachlässigt fühlen. Der Älteste geht zur Armee, der Zweite wandert nach Amerika aus und das Mädchen wird dabei erwischt, dass sie sich heimlich mit einem Kosaken trifft. Das kann Mendel nicht akzeptieren und so beschließen sie, zusammen mit der Tochter dem Sohn nach New York nachzureisen, aber ohne den Kleinsten. Den übernehmen quasi die Nachmieter. Dies war die Stelle, die mich völlig aus der Geschichte herausgebracht hat. Die Idee nach Amerika zu reisen, war für mich nicht nachvollziehbar, und dann läßt man als gläubige Familie auch noch den Hilflosesten der eigenen Sippe zurück? Mendel ist ein langbärtiger, verschrobener, alter Mann. Was will der in den USA? Es bestand keine Not für diese Entscheidung. Letztlich wurde ich doch noch versöhnt, denn Mendel sieht seine Fehler am Ende ein. Die eigentliche Hiob-Geschichte beginnt dann in den USA. Nach und nach sterben seine Liebsten, doch er hält lange an Gott fest, bis er schließlich auch vom Glauben abfällt und um Gott zu strafen, Schweinefleisch im Nachbarviertel ißt. Mendel bricht mit Gott, aber nicht absolut. Die Gebetsutensilien bewahrt er doch noch auf. Und als er sich den Tod herbeisehnt, ergibt sich aus der Hiob-Geschichte auch noch eine Joseph-Geschichte, die mir dann am Ende eine Spur zu kitschig war. Vom Glück beseelt schläft Mendel mit dem letzten Satz ein. Fazit: Joseph Roth kopiert nicht einfach die biblische Geschichte in die Neuzeit. Er verändert die Charaktereigenschaften seines Hiobs in einigen, wesentlichen Punkten, was ich nach längerem Überlegen auch recht gut fand. Sprachlich ist das Werk ein Genuss, den Roth trifft mit einem sehr getragenen-poetischen Stil fast schon den biblischen Ton. Auch wenn ich mich zwischenzeitlich entzweit hatte mit Mendel, so habe ich am Ende doch noch mit ihm Frieden geschlossen. Er ist ein armer, dummer Mann, dem wenigstens am Ende ein Glück beschert ist. Das beantwortet dann aber immer noch nicht die Frage, nach dem Leid und dem gerechten Gott. Da findet dieser Roman auch keine Antwort darauf. Trotzdem lesenswert.
Wie kann Gott all das Leid in der Welt zulassen, wenn er ein gerechter Gott ist? Diese Theodizee-Frage stellte sich schon immer, vom biblischen Hiob bis zur heutigen Corona-Krise. Gerade heute Morgen stellt der Pfarrer bei seinen Gedanken in den Tag im Radio diese Frage. Passend zu diesem Buch. Leider gibt es viele Antworten auf diese Frage, aber ist die Richtige dabei, wenn man selbst in einer Krise steckt? Joseph Roth steckte in einer solchen Krise als er 1930 den Roman schrieb. Es sah das Unheil auf sich und seine jüdischen Mitbürger zukommen. Und so schrieb er eine moderne Hiob-Geschichte. Doch das Wort „modern“ passt aus heutiger Sicht gar nicht, denn unser Hiob heißt Mendel, ein alter, jüdischer Bibellehrer in Ostgalizien (heute Westukraine). Im Gegensatz zum biblischen Vorbild, der ein reicher, einzigartiger, gottesfürchtiger Mann war, ist Mendel lediglich gottergeben. Ansonsten ist er wie im Untertitel schon genannt, ein einfacher, armer, gewöhnlicher Mann. Zu seinen drei Kindern hat er keine innige Beziehung und die Liebe zu seiner Frau erkaltet zunehmend. Da bekommt sie doch nochmal ein Kind, doch der Junge scheint zurückgeblieben, motorisch wie geistig. Die Mutter liebt den Kleinen abgöttisch, so dass sich die drei Großen vernachlässigt fühlen. Der Älteste geht zur Armee, der Zweite wandert nach Amerika aus und das Mädchen wird dabei erwischt, dass sie sich heimlich mit einem Kosaken trifft. Das kann Mendel nicht akzeptieren und so beschließen sie, zusammen mit der Tochter dem Sohn nach New York nachzureisen, aber ohne den Kleinsten. Den übernehmen quasi die Nachmieter. Dies war die Stelle, die mich völlig aus der Geschichte herausgebracht hat. Die Idee nach Amerika zu reisen, war für mich nicht nachvollziehbar, und dann läßt man als gläubige Familie auch noch den Hilflosesten der eigenen Sippe zurück? Mendel ist ein langbärtiger, verschrobener, alter Mann. Was will der in den USA? Es bestand keine Not für diese Entscheidung. Letztlich wurde ich doch noch versöhnt, denn Mendel sieht seine Fehler am Ende ein. Die eigentliche Hiob-Geschichte beginnt dann in den USA. Nach und nach sterben seine Liebsten, doch er hält lange an Gott fest, bis er schließlich auch vom Glauben abfällt und um Gott zu strafen, Schweinefleisch im Nachbarviertel ißt. Mendel bricht mit Gott, aber nicht absolut. Die Gebetsutensilien bewahrt er doch noch auf. Und als er sich den Tod herbeisehnt, ergibt sich aus der Hiob-Geschichte auch noch eine Joseph-Geschichte, die mir dann am Ende eine Spur zu kitschig war. Vom Glück beseelt schläft Mendel mit dem letzten Satz ein. Fazit: Joseph Roth kopiert nicht einfach die biblische Geschichte in die Neuzeit. Er verändert die Charaktereigenschaften seines Hiobs in einigen, wesentlichen Punkten, was ich nach längerem Überlegen auch recht gut fand. Sprachlich ist das Werk ein Genuss, den Roth trifft mit einem sehr getragenen-poetischen Stil fast schon den biblischen Ton. Auch wenn ich mich zwischenzeitlich entzweit hatte mit Mendel, so habe ich am Ende doch noch mit ihm Frieden geschlossen. Er ist ein armer, dummer Mann, dem wenigstens am Ende ein Glück beschert ist. Das beantwortet dann aber immer noch nicht die Frage, nach dem Leid und dem gerechten Gott. Da findet dieser Roman auch keine Antwort darauf. Trotzdem lesenswert.










