Hermann und Dorothea
Taschenbuch
3.49
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Beschreibung
"Hab ich den Markt und die Straßen doch nie so einsam gesehen! Ist doch die Stadt wie gekehrt! wie ausgestorben! Nicht funfzig, Deucht mir, blieben zurück von allen unsern Bewohnern. Was die Neugier nicht tut! So rennt und läuft nun ein jeder, Um den traurigen Zug der armen Vertriebnen zu sehen. Bis zum Dammweg, welchen sie ziehn, ist's immer ein Stündchen, Und da läuft man hinab, im heißen Staube des Mittags. Möcht ich mich doch nicht rühren vom Platz, um zu sehen das Elend Guter fliehender Menschen, die nun, mit geretteter Habe, Leider das überrheinische Land, das schöne, verlassend, Zu uns herüberkommen und durch den glücklichen Winkel Dieses fruchtbaren Tals und seiner Krümmungen wandern. Trefflich hast du gehandelt, o Frau, daß du milde den Sohn fort Schicktest, mit altem Linnen und etwas Essen und Trinken, Um es den Armen zu spenden; denn Geben ist Sache des Reichen. Was der Junge doch fährt! und wie er bändigt die Hengste! Sehr gut nimmt das Kütschchen sich aus, das neue; bequemlich säßen viere darin und auf dem Bocke der Kutscher. Diesmal fuhr er allein; wie rollt' es leicht um die Ecke!" So sprach, unter dem Tore des Hauses sitzend am Markte, Wohlbehaglich, zur Frau der Wirt zum Goldenen Löwen.
Buchinformationen
Haupt-Genre
Krimis
Sub-Genre
Klassisch
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
50
Preis
20.00 €
Beiträge
5
Goethe beschäftigt mich schon seit längerem: Natürlich als Dichter, aber auch als Politiker und Jurist (wider Willen). Über ihn habe ich deshalb schon einiges gelesen - zuletzt die beeindruckende Erzählung "Goethe in Karlsbad" von Ralf Günther. Von ihm bin ich bislang nicht über den "Werther" hinausgekommen. Nun habe ich mich an "Hermann und Dorothea" aus dem Jahr 1797 herangewagt, ein Epos, eine Liebesgeschichte in Versform. Mein anfänglicher Respekt ist sehr schnell dem Genuss gewichen. Man mag das Werk als kitschig abtun, man sollte sicher auch das Frauenbild hinterfragen, das in ihm zum Ausdruck kommt. Beeindruckt hat es mich jedoch wegen der erstaunlich aktuellen Bezüge zum Umgang mit Geflüchteten, vor allem aber wegen der Sprachgewalt des Dichters. Zum Genuss beigetragen hat schließlich auch die äußerst gelungene Adaption als Hörspiel des WDR aus dem Jahr 2015.
Beschreibung
"Hab ich den Markt und die Straßen doch nie so einsam gesehen! Ist doch die Stadt wie gekehrt! wie ausgestorben! Nicht funfzig, Deucht mir, blieben zurück von allen unsern Bewohnern. Was die Neugier nicht tut! So rennt und läuft nun ein jeder, Um den traurigen Zug der armen Vertriebnen zu sehen. Bis zum Dammweg, welchen sie ziehn, ist's immer ein Stündchen, Und da läuft man hinab, im heißen Staube des Mittags. Möcht ich mich doch nicht rühren vom Platz, um zu sehen das Elend Guter fliehender Menschen, die nun, mit geretteter Habe, Leider das überrheinische Land, das schöne, verlassend, Zu uns herüberkommen und durch den glücklichen Winkel Dieses fruchtbaren Tals und seiner Krümmungen wandern. Trefflich hast du gehandelt, o Frau, daß du milde den Sohn fort Schicktest, mit altem Linnen und etwas Essen und Trinken, Um es den Armen zu spenden; denn Geben ist Sache des Reichen. Was der Junge doch fährt! und wie er bändigt die Hengste! Sehr gut nimmt das Kütschchen sich aus, das neue; bequemlich säßen viere darin und auf dem Bocke der Kutscher. Diesmal fuhr er allein; wie rollt' es leicht um die Ecke!" So sprach, unter dem Tore des Hauses sitzend am Markte, Wohlbehaglich, zur Frau der Wirt zum Goldenen Löwen.
Buchinformationen
Haupt-Genre
Krimis
Sub-Genre
Klassisch
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
50
Preis
20.00 €
Beiträge
5




