Blick ins Buch

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Über das Buch

Schon in den 20er Jahren warnte Grisebach, die überkommene Metaphysik werde ohnmächtig dem eskalierenden politischen Irrationalismus anheimfallen. Bereits 1930 (!) spürte er dem Kant-Buch Heideggers jenen ‚Geist’ ab, der einmal bei der akademischen Jugend die Begeisterung für die Diktatur hervorrufen werde. Nachdem Grisebach den hohlen Idealismus seiner Anfänge verabschiedet und sich der radikal-kritischen „Dekomposition“ der Metaphysik verschrieben hatte, entwickelte er eine Philosophie des Nichtidentischen, die als „Ethik vom Anderen her“ – der der „Fremde“ ist und bleibt – zentralen Gedanken von Lévinas und Adorno vorgreift. Martin Buber, der ebenfalls wesentliche Elemente seiner Dialog-Philosophie bei Grisebach entdeckte, reiste eigens nach Jena, um diesen Querdenker, der übrigens als einer von wenigen Philosophen entschieden die Weimarer Republik verteidigte und damit bei seinen konservativen Kollegen kräftig aneckte, von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen. Grisebachs nachmetaphysische Kritische Ethik wurde seinerzeit durchaus lebhaft diskutiert und als eine fruchtbare Provokation empfunden. Ihre Wirkung wurde durch die Nazi-Herrschaft – er war zu dieser Zeit Ordinarius in Zürich – abrupt beendet. Nach dem Krieg bezog man sich dann nur noch sporadisch auf diese Philosophie, die für die sog. Aufbau-Jahre vielleicht zu skeptisch-destruktiv war.
ISBN9783826028922
VerlagKönigshausen u. Neumann
Erscheinungsdatum08.12.04
Seitenzahl608

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