
33 Follower
Irgendwie hab ich mir was anderes erhofft.
Eine Freundin hat mir das Buch geschenkt und dachte auch, es gehe um weibliche Masturbation/Sexualität. Am Anfang habe ich einige Passagen gefunden, die ich sehr gut fand und empowernd fand: "Jedes Mal, wenn ich im Anschluss meinen Freund*innen vorschwärmte, wie schön, wie geil, wie aufregend das Erlebnis war, besiegelte ich das Gefühl des Selbstverrats. Lieber lügen und eine schöne Geschichte erzählen, als zu berichten, verletzt worden zu sein. Ich schämte mich nicht nur dafür, dass mir diese Situationen passierten (und ich spreche hier von Situationen, in denen ich bei vollem Bewusstsein war und die keine Straftaten darstellen), sondern auch, dass ich sie zuließ. Ich war mir sicher, dass ich die Kontrolle über meine sexuellen Handlungen und jene, die an mir durchgeführt wurden, hatte - ich sie schlichtweg an die andere Person übertrug. Einmal Erlaubnis erteilt, Pech gehabt. Ich wollte mir nicht eingestehen, dass ich mitunter Angst verspürte, Panik oder Schmerz. Ich wollte es erst recht niemand anderem mitteilen. Denn ich war so offen, so lässig, so progressiv. Ein Eingeständnis hätte katastrophale Folgen für mein Selbstbild bedeutet. Ooops. Da war sie, die Lüge: ich war mir sicher, ich sei schuld, hatte nicht genug Nein gesagt. Ich war es doch, die ihre Grenzen nicht kannte, sie nicht verbalisieren konnte. Schließlich heißt Nein: Nein. Vielleicht verdient so eine blonde Tussi-Schlampe wie ich ja auch exakt solchen Sex? (Vgl. >Dummheit schützt vor Strafe nicht.<) Nein. Als ich verstand, dass nur ein Ja Ja bedeutet, wandelte sich meine Lust. Ich brauchte lange, um in meinem Sexleben zu verstehen, was Einvernehmen bedeutet, und wie ich es kommunizieren kann. Dass kleine Unannehmlichkeiten nicht dazugehörten, nicht okay oder egal waren. Dass eine sexuelle Handlung jederzeit unterbrochen, beendet und aufgelöst werden kann. Warum habe ich da vorher nie drüber nachgedacht? Weil in diesem System alles nach der (Bedürfnis -) Befriedigung des weißen, cisgeschlechtlichen, heterosexuellen Mannes ausgelegt ist. Auch meine Sexualität. Meine Performance. Meine Lust. Meine Arbeitskraft, meine anerzogenen und erlernten Handlungen, die mich durch die Gesellschaft manövrieren sollen. Die Frage ist nun vielleicht nicht unbedingt, wie es dazu gekommen ist, sondern vielmehr, wie wir von nun an weitermachen. Die Gemeinheiten als Ausgangspunkt zu akzeptieren. Die Befreiung, die Loslösung." (S. 22 f.) Doch danach ging es in meinen Augen nur noch um das Spiel damit, dass Autorinnen ohnehin nur autobiografische Texte schreiben können und sich die Autorin/Protagonistin dementsprechend ja keine Mühe machen müsse etwas daran zu ändern. Irgendwann ging mir das aber sehr stark auf die Nerven. Es wurde immer wieder darauf Bezug genommen und die Autorin/Protagonistin hat sich zum Teil selbst schlecht dargestellt. Ich frage mich, ob die Autorin genau erreicht hat, was sie wollte, doch ich hatte irgendwann den Eindruck, dass es hier um first world problems einer weißen cis Frau handelt und ich da absolut kein Bock drauf habe. Dennoch fühle ich mich schlecht dies so zu denken und Frage mich ich hier meine internalisierte Misogynie gespiegelt bekomme? Vielleicht lese ich es irgendwann weiter, aber aktuell war es mir zu blöd, zu selbstironisch und pessimistisch..
8. Jan. 2025
Irgendwie hab ich mir was anderes erhofft.
Eine Freundin hat mir das Buch geschenkt und dachte auch, es gehe um weibliche Masturbation/Sexualität. Am Anfang habe ich einige Passagen gefunden, die ich sehr gut fand und empowernd fand: "Jedes Mal, wenn ich im Anschluss meinen Freund*innen vorschwärmte, wie schön, wie geil, wie aufregend das Erlebnis war, besiegelte ich das Gefühl des Selbstverrats. Lieber lügen und eine schöne Geschichte erzählen, als zu berichten, verletzt worden zu sein. Ich schämte mich nicht nur dafür, dass mir diese Situationen passierten (und ich spreche hier von Situationen, in denen ich bei vollem Bewusstsein war und die keine Straftaten darstellen), sondern auch, dass ich sie zuließ. Ich war mir sicher, dass ich die Kontrolle über meine sexuellen Handlungen und jene, die an mir durchgeführt wurden, hatte - ich sie schlichtweg an die andere Person übertrug. Einmal Erlaubnis erteilt, Pech gehabt. Ich wollte mir nicht eingestehen, dass ich mitunter Angst verspürte, Panik oder Schmerz. Ich wollte es erst recht niemand anderem mitteilen. Denn ich war so offen, so lässig, so progressiv. Ein Eingeständnis hätte katastrophale Folgen für mein Selbstbild bedeutet. Ooops. Da war sie, die Lüge: ich war mir sicher, ich sei schuld, hatte nicht genug Nein gesagt. Ich war es doch, die ihre Grenzen nicht kannte, sie nicht verbalisieren konnte. Schließlich heißt Nein: Nein. Vielleicht verdient so eine blonde Tussi-Schlampe wie ich ja auch exakt solchen Sex? (Vgl. >Dummheit schützt vor Strafe nicht.<) Nein. Als ich verstand, dass nur ein Ja Ja bedeutet, wandelte sich meine Lust. Ich brauchte lange, um in meinem Sexleben zu verstehen, was Einvernehmen bedeutet, und wie ich es kommunizieren kann. Dass kleine Unannehmlichkeiten nicht dazugehörten, nicht okay oder egal waren. Dass eine sexuelle Handlung jederzeit unterbrochen, beendet und aufgelöst werden kann. Warum habe ich da vorher nie drüber nachgedacht? Weil in diesem System alles nach der (Bedürfnis -) Befriedigung des weißen, cisgeschlechtlichen, heterosexuellen Mannes ausgelegt ist. Auch meine Sexualität. Meine Performance. Meine Lust. Meine Arbeitskraft, meine anerzogenen und erlernten Handlungen, die mich durch die Gesellschaft manövrieren sollen. Die Frage ist nun vielleicht nicht unbedingt, wie es dazu gekommen ist, sondern vielmehr, wie wir von nun an weitermachen. Die Gemeinheiten als Ausgangspunkt zu akzeptieren. Die Befreiung, die Loslösung." (S. 22 f.) Doch danach ging es in meinen Augen nur noch um das Spiel damit, dass Autorinnen ohnehin nur autobiografische Texte schreiben können und sich die Autorin/Protagonistin dementsprechend ja keine Mühe machen müsse etwas daran zu ändern. Irgendwann ging mir das aber sehr stark auf die Nerven. Es wurde immer wieder darauf Bezug genommen und die Autorin/Protagonistin hat sich zum Teil selbst schlecht dargestellt. Ich frage mich, ob die Autorin genau erreicht hat, was sie wollte, doch ich hatte irgendwann den Eindruck, dass es hier um first world problems einer weißen cis Frau handelt und ich da absolut kein Bock drauf habe. Dennoch fühle ich mich schlecht dies so zu denken und Frage mich ich hier meine internalisierte Misogynie gespiegelt bekomme? Vielleicht lese ich es irgendwann weiter, aber aktuell war es mir zu blöd, zu selbstironisch und pessimistisch..
8. Jan. 2025






