Ein neues Blau

Ein neues Blau

Hardcover
4.023
VerlustNationalsozialismusFluchtJudentum

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Beschreibung

Nach dem großen Erfolg von Wenn Martha tanzt der neue Roman von Tom Saller!

Eine junge Frau geht ihren Weg als Porzellanmalerin der KPM

Als Lilis Mutter früh stirbt, kümmert sich ihr Vater Jakob rührend um sie. Aber erst als sie Günther von Pechmann kennenlernt, den Direktor der Königlichen Porzellan-Manufaktur, findet sie ihre Bestimmung: die Welt des Porzellans. Doch die Nationalsozialisten kommen an die Macht und Lili muss aus Berlin fliehen.

Fünfzig Jahre später lebt Lili wieder in Charlottenburg, zurückgezogen in ihrem Haus mit dem japanischen Garten. Sie spricht nicht viel über sich und ihr bewegtes Leben. Erst die 18-jährige Anja, widerspenstig und quer, kann Lili dazu bewegen, sich ihr zu öffnen. Stück für Stück enthüllt sich Lilis Geschichte, doch auch Anja hat ein Geheimnis. Welche Rolle spielt dabei die schlichte Porzellanschale, die die alte Frau wie einen Schatz hütet?

Die Presse zu Wenn Martha tanzt:

»Tom Saller schildert eindrücklich die gesellschaftlichen Veränderungen der Zwanzigerjahre bis zur Machtübernahme der Nazis.« NDR Kultur

»Tom Saller hat einen spannenden Erstling geschrieben, der alle Zutaten eines facettenreichen Familienromans enthält.« Brigitte Wir

»Saller nimmt uns mit auf eine spannende Reise durch das 20. Jahrhundert und endet mit einer überraschenden dramatischen Wendung. Eine Geschichte voller historischer Verweise und mit noch mehr großen Gefühlen.« emotion

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
416
Preis
20.60 €

Autorenbeschreibung

Tom Saller, geboren 1967, hat Medizin studiert und arbeitet als Psychotherapeut. 2018 erschien sein Debütroman Wenn Martha tanzt und wurde umgehend ein Bestseller. Tom Saller lebt in Wipperfürth, einer kleinen Stadt im Bergischen Land.

Beiträge

8
Alle
3.5

Wir begleiten Lili eine lange Zeit in ihrer Kindheit und als junge Erwachsene. Leider wird der Teil der Geschichte, der mich am meisten interssiert hätte, dann widerum nur durch Dritte, bzw gar nicht erzählt.

4

Das Cover des Buches ist sehr irreführend. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen einmal in der Zeit von 1900-1936und 2025. Die erste Zeitebene beschäftigt sich mit dem aufwachsen von Lili und deren Erziehung. Beteiligt daran sind der Vater, ein Rabbi und Takeshi, einem Japaner. Die innigste Verbindung baut Lili zu Takeshi auf. So ist es nicht verwunderlich, dass die Übersetzung seines Namens „Beschützer“ heißt. Lilis Mutter ist an der spanischen Grippe gestorben. Die Herstellung von Porzellan, die Zubereitung von Tee und die damit verbundene Zeremonie, die Entwicklung vom Kleinkind Lilly bis zu r erwachsenen Frau und die Herstellung und Bedeutung von Porzellan bestimmen den ersten Teil. Der zweite Teil beschreibt eine Teenagerin, die Probleme mit sich, Ihrer Identität und ihrer Umwelt hat. Beide Teile werden stilistisch unterschiedlich beschrieben. Im ersten Teil sind es vorwiegend kurze Geschichten, in denen nach Brecht Art schon eine Zusammenfassung des Inhalts des Kapitels in der Überschrift zu erkennen ist. Der zweite Teil ist wunderbar getragen von der Wandlung des Teenagers, auch im stilistischen Sinne. Die rotzige Sprache des Teenagers wandelt sich im Laufe der Zeit durch die Betreuung der jetzt alten Person, Lilly und dem Verständnis der Lebensgeschichte auch stilistisch. Das ist grandios gelöst. Inhaltlich verbinden die beiden Ebenen das Thema Schuld. Es gibt einen Punkt Abzug für das Buch, weil das Ende ziemlich abrupt kommt und man sich von den Personen, mit denen man im Laufe der Geschichten mit gelitten, mit gelacht, mitgefiebert hat, am Ende sehr schnell zu Ende geht. Gerne hätte ich noch mehr über den weiteren Lebensweg von der Teenagerin erfahren, ebenso wie es Lilly und ihrem Mann während des Exiles in den USA gegangen ist.

3.5

Schöne Worte, formen schöne Sätze, formen schöne Gedanken, formen Bilder in meinem Kopf. Bedauerlich, aber die Rückseite des Buches hat mich auf eine falsche Spur geführt, die Spur des Porzellans und des Dritten Reiches, eine Spur, der die Geschichte erst ab etwa der Hälfte folgte und das leider nicht besonders zielstrebig. Was mich alles in allem etwas enttäuscht zurück ließ. Gefunden habe ich stattdessen eine tragische auf zwei Zeitebenen, langsam und ruhig erzählte Geschichte, vor dem Hintergrund der beiden Weltkriege, die kaum Erwähnung finden und dennoch immensen Einfluss haben. Eine Geschichte des Tees, der Kulturen und deren Berührungen, sowie die Geschichte zweier sehr unterschiedlicher Frauen, deren Leben sich unerwartet kreuzten und sich bereicherten, die sich ohne, mit und durch einander entwickelten.

4

Gute Geschichte, etwas langatmig

4

Über das Glückspotenzial von Scherben Im märchenhaften Prolog lernen wir die Schale, die erstmals mit dem für Friedrich II. produzierten "neuen Blau" bemalt wurde, kennen, die sich leitmotivisch durch die Handlung ziehen wird. Der Roman selbst, der hauptsächlich in Berlin spielt, besteht aus einer Rahmenhandlung, die im Jahr 1985 stattfindet und einer Haupthandlung, die auf Lilis Leben ab dem Jahr 1919 zurückblickt. In der Rahmenhandlung besucht die Gymnasiastin Anja die mittlerweile um die 70jährige Lili, denn sie wurde von einem Bekannten einer ihrer Lehrer darum geben, bei dessen Mutter als "Gesellschafterin" anzuheuern. Ein Aufeinandertreffen der Generationen, ein Sujet, das in vielen aktuellen Romanen als Aufhänger benutzt wird. Beide erzählen ihre Geschichte, die eine steckt noch in den ersten Kapiteln, die andere geht Richtung Epilog. Natürlich "lernen" beide Generationen voneinander, auch hier ist es so, wobei der jüngere Part naturgemäß ein bisschen mehr lernt, vielleicht sogar eine Orientierung im Leben zu finden. Die Jüngere findet sich in der Geschichte der "Alten" wieder - eine Spiegelung! Scherben und psychische Probleme spielen im Leben beider Frauen eine wichtige Rolle… Das mag alles ein wenig Klischeehaft klingen, ist es zum Teil auch, aber solche retrospektiv erzählten Romane brauchen einen Rahmen, einen Gegenwartsbezug, wie sollen sie sonst funktionieren? Ich hätte die umrahmende Handlung nicht in dieser Ausführlichkeit gebraucht, zumal ich Anjas flapsigen Tonfall sehr konstruiert finde (wer denkt und redet denn so? Auch bestimmt kein Teenager Mitte der 1980er Jahre...) Die Lebensgeschichte von Lili ist dann wirklich filmreif und schön erzählt, so dass sie mich mit der Rahmenhandlung versöhnt hat. Hier werden alle möglichen Themenbereiche verhandelt und in Lilis Biographie eingearbeitet. Herkunft spielt eine große Rolle. Das Judentum des Vaters Jakob Cohen (später: Kuhn), sein beruflicher Aufstieg als Teehändler, der Bezug zu Japan, die Freundschaft zu Takeshi, die Liebe zu Charlotte, ihr Verlust, dann die durch die Wirtschaftskrise bedingte Rezession, die dazu führt, dass es der Familie wirtschaftlich schlechter geht. Im Fokus steht natürlich Lilis eigene Entwicklung, ihr Interesse für Kunst, ihr behütetes Aufwachsen mit Takeshi und ihrem Vater als Haupt-Bezugspersonen, Religionsunterricht beim Rabbi, das Kennenlernen der Familie von Pechmann (sie hat es wirklich gegeben), die Ausbildung auf der Burg Giebichenstein u.a. bei Marguerite Friedlaender (ebenfalls eine historische Persönlichkeit) und die berufliche Tätigkeit als Porzellanmalerin der Preußischen Porzellanmanufaktur, das Töpfern, das Fliegen, die Liebe. Die Schrecken der NS-Diktatur und ein bescheidenes, aber glückliches Leben im Exil in den USA, das aber nur kurz angeschnitten wird. Lilis schwere persönliche Verluste, die sie zu der Frau gemacht haben, auf die Anja treffen wird. Zu Genre und Personal: Lili stammt aus "gutem Hause", ihre Familie hat es zu etwas gebracht. Ihr Lernimpuls wird unterstützt, dennoch ist sie später als Frau Pionierin in ihrem Gebiet. Die Familie des Direktors der späteren KPM, von Pechmann, die Lili Tür und Tor zu ihrer Berufung öffnet, bildet eine Schicht ab, die an der äußersten Spitze der damaligen Gesellschaft steht. Auch sonst haben wir es in diesem Buch eher mit einem privilegierten, adeligen und gebildeten Personal zu tun. Lilis Lehrerin an der Burg Giebichenstein, Marguerite Friedlaender, ist eine angesehene Künstlerin, bis sie ins Exil gehen muss. Auch Adam ist Arzt und stammt aus einer wohlhabenden Familie. Ein Gesellschaftsroman ist "Ein neues Blau" also nur bedingt, denn er bildet nur einen kleinen Teil der Gesellschaft ab, nämlich jenen, der es sich leisten konnte, sich auf das Schöne zu fokussieren, Kunst zu kaufen, etc. oder selbst wohltätig zu sein, wie die von Pechmanns. Auch Anjas Eltern in der Rahmenhandlung gehören der "High Society" Berlins an. Der historische Hintergrund des zunehmenden Antisemitismus angesichts der Machtübernahme der Nationalsozialisten bildet den Rahmen für Lilis Biographie. Dennoch ist es kein historischer Roman. Ich würde das Buch also am ehesten als Bildungsroman bezeichnen, denn Lilis Entwicklung steht im Vordergrund. Lili ist Halbwaise (ihre Mutter Charlotte starb, als Lili 6 Jahre alt war), sie fühlt sich dadurch und ohne richtige Religionszugehörigkeit nur als unperfekter, halber Mensch. Dennoch: In ihrer Nichtzugehörigkeit ist sie ein Ganzes, sie ist sozusagen ein Individuum, das aus vielen unterschiedlichen Teilen besteht - so wie der Weg in ihrem Garten oder ihre getöpferten Werke. "Ihr Halbsein macht sie aus. Aber strebt nicht jeder Mensch nach Ganzwerdung?" (S. 135) Was ist der "Kleber", der die Teile (Scherben) verbindet? Das ist eine der Kernfragen des Buches und ob Scherben "Glück" bringen, im übertragenen Sinne. Manchmal verwendet Tom Saller seine Symbolik und Metaphorik schon etwas plakativ - und wie war das mit den Zufällen? "Gibt es Zufälle? In Romanen schon, im wirklichen Leben nicht. Oder ist es umgekehrt?" (S. 170) Schön finde ich, dass sich der Roman strukturell an Erich Kästner - dem er, neben Robert Walser, auch gewidmet ist - orientiert. Wie in Kästners "Fabian" steht an jedem Kapitelanfang eine kursivierte Kurzzusammenfassung des Inhalts. Beide Autoren erzählen sehr "realistisch" beobachtend mit humorvollem aber gleichzeitig nachdenklichen Unterton - Tom Saller versucht es ihnen gleichzutun. Alles in allem ist "Ein neues Blau" ein warmherziger Roman mit liebenswerten Charakteren (Wie toll ist Takeshi denn bitte? - Um mal Anjas Sprachduktus zu verwenden) und einer erzählenswerten fiktiven Lebensgeschichte aus dem 20. Jahrhundert, die sich sicher auch für eine Verfilmung gut eignen würde. Man lernt nebenbei viel über Porzellanherstellung und die Geschichte des Tees bzw. japanische Teezeremonien, manchmal haben diese Stellen fast schon "Sachbuchcharakter". Ein Spannungsbogen kommt bei alledem nicht so richtig auf, aber ich denke das ist auch nicht die Intention des Autors gewesen. Ich möchte noch was zum Cover sagen: ich finde es wunderschön! Hier wird versucht die junge Lili mit ihrem treuen Begleiter Hund "Hund" abzubilden, sie natürlich in das Titelgebende Blau gekleidet. Es strahlt die Wärme aus, die auch die Prosa von Tom Saller ausstrahlt, wenn er Lilis Geschichte erzählt.

5

Tom Saller erzählt die Geschichte von Lili auf zwei Zeitebenen. Ihre Jugend in den 1920-40er Jahren und ihre Begegnungen mit der 18-jährigen Anja in dern 80ern. Die Rückblicke sind im Stil von Erich Kästner gehalten (in tiefer Verneigung wie der Autor selbst sagt). Das ist sehr authentisch und passt zur Zeit und auch die schlimmen Erlebnisse Lilis lassen sich durch die Leichtigkeit der Sprache besser ertragen. In den 80ern spricht Anja zu uns, eine Jugendliche, deren Elternhaus zerbricht und die nach einer schiefgelaufenen Beziehung zur Selbstverletzung neigt. Diese Teile sind direkt, ungeschminkt und sprachlich "dreckiger" - aber auch das ist sehr passend. Im Mittelpunkt dieses historischen Romans steht die Kunst der Porzellanherstellung. Dies ermöglicht es dem Autor mit vielen Bildern zu arbeiten, was er noch durch eine tiefgründige Farbsymbolik zwischen Lili und ihrem väterlichen Freund, dem Japaner Takeshi verstärkt. Unbedingte Leseempfehlung für diesen zeitgeschichtlichen Roman!

4

Lilli wächst unter ungewöhnlichen Umständen auf. Ihre Mutter ist früh verstorben und der Vater viel auf Geschäftsreisen. Um sie kümmert sich vor allem Takeshi, en Geschäftspartner des Partners aus Japan, der seine Hilfe angeboten hat. Takeshi bringt Lilli alles bei, was in Japan am Tee wertgeschätzt wird. Rabbi Teichlmann soll Lilli die Religion ihres Vaters, das Judentum, nahe bringen. Und als sie die Kinder des Leiters der königlich preußischen Porzellanmanufaktur betreut, lernt sie Welt des Porzellans kennen. Diese drei Themen werden sie ein Leben lang begleiten. Mitte der Achtziger tritt dann Anja in ihr Leben, eine 18-Jährige, die eigentlich sehr mit sich selbst beschäftigt ist und nur widerwillig den Job als Gesellschafterin bei Lilli annimmt. Doch das Zusammensein, hilft nicht nur der alten Dame aus ihrer Einsamkeit, auch Anja erkennt einiges, was sie für ihr Leben nutzen kann. Wie in "Martha tanzt" nutzt Tom Saller auch in diesem Buch wieder einen sehr klaren, fast schon minimalistischen Schreibstil. Ich fand das wieder sehr ungewöhnlich und vor allem auch sehr passend. Das Haus, in dem Lilli fast ihr ganzes Leben lang lebt, ist auch sehr minimalistisch eingerichtet und auch das Porzellan, dass Lilli entworfen hat, entspricht diesem Stil. So passt hier alles zusammen. In den Abschnitten, die 1985 spielen, wechselt dann nicht nur die Perspektive, hier wird aus Anjas Sicht erzählt, sondern auch der Schreibstil. Saller trifft hier die Gedankenwelt des Mädchens mit den passenden Worten. Ich habe mich sofort in die damalige Zeit zurückversetzt gefühlt, auch wenn ich damals doch noch jünger als Anja war. „Ein neues Blau“ hat mir wieder sehr gut gefallen, hier wurde meine Vorfreude auf das neue Buch nicht enttäuscht. Es ließ sich extrem flüssig lesen und ich hatte die Handlung perfekt vor Augen. Einzig das Ende war mir ein wenig zu hastig. Hier hätte ich mehr Ausführlichkeit gewünscht. Aber trotzdem war es ein Buch, das mich nicht nur gut unterhalten hat, es hat mir auch Ruhe gegeben in der Hektik des Alltags. Von daher von mir eine volle Leseempfehlung!

5

Kunstwerk.

Eine wirklich tolle Geschichte von einer Dame, die nicht weiß ob sie Jüdin oder Christin ist oder doch vielleicht Japanerin? Sie erlebt unglaublich viele Dinge und berichtet davon ihrer Gesellschafterin Anja, die selber einiges durch macht. Für mich ein wahres Kunstwerk.

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