Dotterland
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Beschreibung
Buchinformationen
Beiträge
120 Seiten mit so viel Inhalt. Wie schafft es ein so schmales Buch, mich dermaßen stark in die Welt der heranwachsenden Kathlen reinzuziehen, dass ich selbst wieder das Gefühl der Unsicherheit und Unklarheit verspüre? Zwar liegt mein eigenes Erwachsenwerden schon einige Jahre zurück, dennoch hat Karoline Therese Marth es mit ihrem Debütroman geschafft, mich wieder an mein junges, instabiles ich zu erinnern. Authentisch, melancholisch, direkt und sehr nah erlebe ich hier das Leben der Protagonistin. In kurzen kleinen Einzelteilen zerlegt wird hier die Coming of Age Story von Kathlen erzählt. Tagebuchartig lese ich die Gedanken und Erlebnisse von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr. Fragmentiert erzählt, bemerke ich schnell, dass die Ehe der Eltern nicht stabil ist. Der Vater ist mir unsympathisch und schnell ist auch das Ende der Ehe der Eltern da. Die Erwachsenen erscheinen mir wie hinter einem trüben Glas, ich erkenne Umrisse, aber bekomme kein klares Bild gezeigt. Kathlens Halt sind Freundschaften, Liebschaften, Sex, Drogen und Partys. Manches ist undurchsichtig und mit Lücken erzählt, sodass ich genug Raum zum Interpretieren bekomme. So darf ich mich selbst fragen, ob Kathlen ein Problem mit ihrem Körper hat oder warum werden Lebensmittelaufnahme beiläufig erwähnt? Und welche Person berührt den wirklich ihr Herz? Liebt sie gar nicht und will nur experimentieren und abgelenkt werden? Ein wirklich gut geschriebener Roman mit einem melancholischen Unterton und sehr intensiv. Auch wenn es ein dünnes Buch ist, hab ich es tatsächlich einige Tage gelesen, da ich es in kleinen Häppchen wirken lassen wollte. Das Gelesene hat seinen Raum in mir zum Nachdenken und Nachwirken gefordert. Ein wirklich gelungener und vielversprechender Debütroman. S.96 „Wir rasen, nicht mit Lichtgeschwindigkeit, aber wir sind schnell. Wir sind haltlos. Die Gesichter verschwimmen vor meinen Augen, und ich sehe nur noch mich. Alle sind sie ich, und ihre Stimmen sind meine. Wir sind ein großes schreiendes, lachendes Monster mit mehr Köpfen als Armen. Wir sind überall. Unsere Namen sind nichts als Platzhalter, die Grenzen unserer Körper haben ihre Bedeutung verloren.“ S.106 „Trotzdem kann ich Fehler machen. Ich mag es, dass in diesem Wort ein Teil von fehlen steckt. Es klingt, als könnte ich weniger dafür. Ich weiß nicht, was mir fehlt, aber es fehlt etwas.“
Ein dünnes Buch mit sehr viel Inhalt
Wir begleiten Kathlen beim Erwachsenwerden und erfahren wirklich alles über sie. In vielen Situationen konnte ich sehr mitfühlen, da ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe. Dennoch fand ich es an einigen Stellen etwas seltsam geschrieben. Es war nicht so flüssig geschrieben.
»Abends im Bett träume ich von Dotterland. […] Ich stelle mir einen Dottersee, einen Dotterwald und einen Dotterprinzen auf einem Dotterpferd vor. Eine Welt ohne Eiklar, in er es nur diesen warmen dunkelgelben Geschmack gibt« (S. 37). Die Lebenswelt von Protagonistin Kathlen gleicht der Fragilität roher Eier. Um der Realität zu entfliehen träumt sich Kathlen in die Fantasiewelt Dotterland. Hier ist alles warm, geborgen und überzogen von gelbem Eidotter. Streitende Eltern, eine sich ankündigende Scheidung, die Sehnsucht nach Liebe und Zugehörigkeit haben in Kathlens Dotterland keinen Platz – allem entkommt sie durch ihre Realitätsflucht. Im Debütroman von Autorin Karoline Therese Marth begleitet die Leserschaft Kathlen vom Zeitpunkt ihrer Geburt bis zum 18. Lebensjahr. Das alles passt auf 120 Seiten? JA. Definitiv. Der Schreibstil liefert Fragmente und einzelne Szenen aus dem Leben der Protagonistin. Mit wenigen Worten schafft die Autorin eine eindrucksvolle Welt, in der sich neben der heranwachsenden und unsicheren Kathlen auch ausdrucksstarke, grobe Charaktere befinden, die von außen auf die zerbrechliche Innenwelt einer jungen Protagonistin einwirken. »Ich hänge schnell in der Luft. Ich weiß nicht, wo mein Ich anfängt. Ich habe das Gefühl, ich bin so viele, nicht so viel. Meistens kann ich darüber gar nicht nachdenken, dafür müsste es ruhig sein, aber das ertrage ich nicht« (S. 92). Einer dieser grobschlätigen Personen, die Einfluss auf Kathlen nehmen, ist ihr Vater – ein Typ, der alles darf, auch die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. Er ist ein unsympathischer Charakter, den ich nicht mag. Durch sein Handeln wird der Wunsch nach einem Zufluchtsort für Kathlen noch dringender und nachvollziehbarer. »Papa pisst ins Waschbecken, weil in dieser Wohnung ein Pissoir fehlt. Papa wäscht sich nicht die Hände. Wie dürfen fast alles machen, und Papa macht sogar die Sachen, die wir nicht machen dürfen« (S. 34). Innerhalb der fragmentierten Erzählung lässt Karoline Therese Marth Platz für eigene Interpretationen und Gefühle. Für mich war das ganze Tun von Kathlen immer mit einem Film von Melancholie überzogen. Die familiäre Umgebung und Freundschaft wirken permanent fragil. »Dotterland« ist für mich ein exzellenter Debütroman, der den Wunsch nach Geborgenheit und Liebe, Adoleszenz und Generationsunterschiede auf eine beeindruckende Art thematisiert. Ich kann euch dieses schmale Buch nur wärmstens ans Herz legen. Es hallt nach und entwickelte sich nach wenigen Seiten zu einem literarischen Highlight. CN: Selbstverletzendes Verhalten, Machtmissbrauch.

Beschreibung
Buchinformationen
Beiträge
120 Seiten mit so viel Inhalt. Wie schafft es ein so schmales Buch, mich dermaßen stark in die Welt der heranwachsenden Kathlen reinzuziehen, dass ich selbst wieder das Gefühl der Unsicherheit und Unklarheit verspüre? Zwar liegt mein eigenes Erwachsenwerden schon einige Jahre zurück, dennoch hat Karoline Therese Marth es mit ihrem Debütroman geschafft, mich wieder an mein junges, instabiles ich zu erinnern. Authentisch, melancholisch, direkt und sehr nah erlebe ich hier das Leben der Protagonistin. In kurzen kleinen Einzelteilen zerlegt wird hier die Coming of Age Story von Kathlen erzählt. Tagebuchartig lese ich die Gedanken und Erlebnisse von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr. Fragmentiert erzählt, bemerke ich schnell, dass die Ehe der Eltern nicht stabil ist. Der Vater ist mir unsympathisch und schnell ist auch das Ende der Ehe der Eltern da. Die Erwachsenen erscheinen mir wie hinter einem trüben Glas, ich erkenne Umrisse, aber bekomme kein klares Bild gezeigt. Kathlens Halt sind Freundschaften, Liebschaften, Sex, Drogen und Partys. Manches ist undurchsichtig und mit Lücken erzählt, sodass ich genug Raum zum Interpretieren bekomme. So darf ich mich selbst fragen, ob Kathlen ein Problem mit ihrem Körper hat oder warum werden Lebensmittelaufnahme beiläufig erwähnt? Und welche Person berührt den wirklich ihr Herz? Liebt sie gar nicht und will nur experimentieren und abgelenkt werden? Ein wirklich gut geschriebener Roman mit einem melancholischen Unterton und sehr intensiv. Auch wenn es ein dünnes Buch ist, hab ich es tatsächlich einige Tage gelesen, da ich es in kleinen Häppchen wirken lassen wollte. Das Gelesene hat seinen Raum in mir zum Nachdenken und Nachwirken gefordert. Ein wirklich gelungener und vielversprechender Debütroman. S.96 „Wir rasen, nicht mit Lichtgeschwindigkeit, aber wir sind schnell. Wir sind haltlos. Die Gesichter verschwimmen vor meinen Augen, und ich sehe nur noch mich. Alle sind sie ich, und ihre Stimmen sind meine. Wir sind ein großes schreiendes, lachendes Monster mit mehr Köpfen als Armen. Wir sind überall. Unsere Namen sind nichts als Platzhalter, die Grenzen unserer Körper haben ihre Bedeutung verloren.“ S.106 „Trotzdem kann ich Fehler machen. Ich mag es, dass in diesem Wort ein Teil von fehlen steckt. Es klingt, als könnte ich weniger dafür. Ich weiß nicht, was mir fehlt, aber es fehlt etwas.“
Ein dünnes Buch mit sehr viel Inhalt
Wir begleiten Kathlen beim Erwachsenwerden und erfahren wirklich alles über sie. In vielen Situationen konnte ich sehr mitfühlen, da ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe. Dennoch fand ich es an einigen Stellen etwas seltsam geschrieben. Es war nicht so flüssig geschrieben.
»Abends im Bett träume ich von Dotterland. […] Ich stelle mir einen Dottersee, einen Dotterwald und einen Dotterprinzen auf einem Dotterpferd vor. Eine Welt ohne Eiklar, in er es nur diesen warmen dunkelgelben Geschmack gibt« (S. 37). Die Lebenswelt von Protagonistin Kathlen gleicht der Fragilität roher Eier. Um der Realität zu entfliehen träumt sich Kathlen in die Fantasiewelt Dotterland. Hier ist alles warm, geborgen und überzogen von gelbem Eidotter. Streitende Eltern, eine sich ankündigende Scheidung, die Sehnsucht nach Liebe und Zugehörigkeit haben in Kathlens Dotterland keinen Platz – allem entkommt sie durch ihre Realitätsflucht. Im Debütroman von Autorin Karoline Therese Marth begleitet die Leserschaft Kathlen vom Zeitpunkt ihrer Geburt bis zum 18. Lebensjahr. Das alles passt auf 120 Seiten? JA. Definitiv. Der Schreibstil liefert Fragmente und einzelne Szenen aus dem Leben der Protagonistin. Mit wenigen Worten schafft die Autorin eine eindrucksvolle Welt, in der sich neben der heranwachsenden und unsicheren Kathlen auch ausdrucksstarke, grobe Charaktere befinden, die von außen auf die zerbrechliche Innenwelt einer jungen Protagonistin einwirken. »Ich hänge schnell in der Luft. Ich weiß nicht, wo mein Ich anfängt. Ich habe das Gefühl, ich bin so viele, nicht so viel. Meistens kann ich darüber gar nicht nachdenken, dafür müsste es ruhig sein, aber das ertrage ich nicht« (S. 92). Einer dieser grobschlätigen Personen, die Einfluss auf Kathlen nehmen, ist ihr Vater – ein Typ, der alles darf, auch die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. Er ist ein unsympathischer Charakter, den ich nicht mag. Durch sein Handeln wird der Wunsch nach einem Zufluchtsort für Kathlen noch dringender und nachvollziehbarer. »Papa pisst ins Waschbecken, weil in dieser Wohnung ein Pissoir fehlt. Papa wäscht sich nicht die Hände. Wie dürfen fast alles machen, und Papa macht sogar die Sachen, die wir nicht machen dürfen« (S. 34). Innerhalb der fragmentierten Erzählung lässt Karoline Therese Marth Platz für eigene Interpretationen und Gefühle. Für mich war das ganze Tun von Kathlen immer mit einem Film von Melancholie überzogen. Die familiäre Umgebung und Freundschaft wirken permanent fragil. »Dotterland« ist für mich ein exzellenter Debütroman, der den Wunsch nach Geborgenheit und Liebe, Adoleszenz und Generationsunterschiede auf eine beeindruckende Art thematisiert. Ich kann euch dieses schmale Buch nur wärmstens ans Herz legen. Es hallt nach und entwickelte sich nach wenigen Seiten zu einem literarischen Highlight. CN: Selbstverletzendes Verhalten, Machtmissbrauch.







